Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 10 (1931)
- Issue
- 22 (29.5.1931)
- Date
- 1931-05-29
- Page
- Seite 277 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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277 JODBAD Bayer« Alpen ¥'(31,2 DÄS 8L0 GEGEN ARTERIENVERKALKUNG KUß-u.BADHOT£L hh.G.Kisstelt führriss ur.1 erstes Fr.ii. Ois einzige rr.it Jod^en allem. Zsitgsmäss» Preise. Catlcn und des Sohnes. Ich mochte hier noch den Fall des schon bejahrten Kaufmanns Oskar Ri e senf e Id aus Woischnik erwähnen. R., ein harmloser alter Junggeselle, der auch der christlichen, polnischsprechcndcn Jugend wegen seines liebenswürdigen hilfsbereiten ff^esens allgemein nur als „Onkel Oskar“ bekannt war, wurde gleichfalls schwer misshandelt und wochenlang verschleppt. Ein heimattreuer Oberschlesier. Der Sündenbode Berlin, im April 1931. Seit Jahren bin ich von Cesdzes wegen als Pfleger für ein Kind bestellt. Das Kind lebt beim Crossvater in Polen. Während die Pflcgcgelder bisher regelmassig eingingen und dem Crossvaier prompt zugesicllt wurden, bleiben sie, Weil der Vater zahlungsunfähig und unauffindbar ist. seit langer als einem halben Jahre aus. Vor wenigen Tagen rügt der Crossvaier in einem Schreiben an das zuständige Amtsgericht das Ausbleiben des Geldes mit folgenden Worten: . . ich bann nur daraus ersehen, Herr W. . . ist jüdischer Konfession und hat für ein Chrislenk'md wenig Interesse... ich kann nicht verstehen. für ein Christenkind deutscher Nationalität einen Pfleger anderer Nationalität zu wählen, worüber ich als Crossvaier Protest erhebe.. Dass jemand mich, der ich Christ bin, als einer anderen Religion zugehörig hält, kann mich nicht hämmern; dass aber jemand die gute oder schlechte Erfüllung der Pflichten eines Pflegers von der Religion abhängig macht, ist das bedauerliche Urteil eines Menschen, der von seiner eigenen Religion völlig unberührt geblieben zu sein scheint. Nur solche engherzigen Menschen Schuld-die Anders- Johannes Werkmeister. vermuten hinter jeder gläubigfeit. Seif zweiundfünfzig fahren im Kriegerverein H er sf cid, im Mai 1931. - Ich habe die m der „C. V. - Zeitung1 vercjfentüchtc Zuschrift „46 Jahre im Militärvercin1 mit besonderem Interesse gelesen und möchte Ihnen nun einen ähnlichen Fell schildern. Nach meiner Entlassung aus den Militärdiensten im Jahre 1878 habe ich den Kriegcrvercin in Rcbolshausen mitbegründet und ihm 25 fahre ah Schriftführer und einige Jahre ah stellvertretender Vorsitzender angehört. Seit meinem im Jura 1914 erfolgten Umzug gehöre ich diesem Verein als Ehrenmilglicd an. In Hcrsfeld iral ich dem dortigen Kriegcn’ercin bei, der 550 Mitglieder zählt. Trotzdem ich mir grosse Mühe gab, noch rächt zugehörige jüdische Kameraden zum Eintritt in den Verein zu bewegen, bin ich oft abgewiesen worden. Nach den Vcrcinssiatutm kennt der Verein keine Unterschiede hinsichtlich der Religion und der parteipolitischen Einstellung seiner Mitglieder. In der 52jährigen Zeit meiner Zugehörigkeit zu Kriegervcreincn bin ich stets zuvorkommend behandelt worden und bei der letzten Jahreshauptversammlung des Hcrsfeld er Krieger- Vereins als einziger von 550 Mitgliedern zum Ehrenmitglied ernannt worden. Abraham Möller. fl Die geistige (Situation der deuffchjüdischen Lugend Einem Aunah von Alfred Lcvj (Berlin, in Ar. 4 des ..Israelitischen Gemeindedlaues", Mann- Keim. entnehmen wir nach''lebende grundsätzliche Bemerkungen. ,,... Für die heutige jüdische Jugend ist die Zugehörigkeil zum deutschen Volk Selbstverständlichkeit, Tatsache, über die nicht viel zu reden ist. Tie unterscheidet sich hier wesentlich von den früheren Generationen. Tie gleicht ihre Angst, von den anderen nicht als voltwertige Deutsche angesehen zu werden, nicht aus durch allzu fleißige Betonung: Ich bin es aber doch. (Ganz abgesehen davon, daß ihr die mindere Bewertung durch die anderen keine große Angst macht.') Tie har das nicht nötig. Wo das Gemhl, Deutscher zu sein, so stark ist wie bei diesen jungen jüdischen Menschen, ist zunächst die Meinung der Umwelt gleichgültig — wenn nur ihre eigene Anschauung der Dinge gültig ist. Diese feindliche Umwels wird )\d} außerdem von Worten bestimmt sckwoerer überzeugen lassen als von der Auswirkung, der Haltung und von dem GrnN im Tun der jungen Generation, die ihren Platz in der deutschen Volksgem ein 'cha ft bestimmt sah und ihren Posten eingenommen har. — Die sind ausgewachsen in der deutschen Volksgemeinschaft. Tie betrachten die Dinge, die mit ihr im Zusammenhang stehen, nicht^rnehr unter besonderem Gesichtswinkel: Wie stelle ich mich in meiner Besonderheit als Jude dazu? (Das mag eine Frage des Verhaltens sein, eine sehr wichtige sogar. Aber auch hier besteht ein Unterschied.) Tie sehen die Aufgaben ihrer Welt als die Aufgaben der deutschen -Volksgemeinschaft, die von den Organisationen, den politischen Parteien, den kulturellen Gemeinschaften zu losen sind. Ihr Anteil reicht, so weit ihre Beteiligung an dieser Gemeinschaften Arbeit besteht. Bei der Feststellung dieser Wandlung darf ein Faktor nicht unerwähnt bleiben, der stark dazu gewirkt hat, diese lebertsmäßige ^elbswerständlichkeit entstehen zu lauen. Es ist das der Einfluß der Jugendbewegung. Lebensgefühl. Hei matsgefühl und Landschaft hängen eng zusammen. Die Jugendbewegung hat der jüdischen Jugend die Verbundenheit mit dentscher Landschaft, deutschen Menschen, ihrer deutschen Heimat gebracht. Diese Jugend trifft der Antisemitismus genau so hart, vielleicht härter als' frühere Generationen. Verlorengegangen ist dadurch allerdings das Schönste und vielleicht Wertvollste des jugendlichen Lebens — das hier übrigens keineswegs als Wert an sich angesehen wird — die selbstverständliche Naivität. Tie mußte dort eben verlorcngehen. wo mit gröbsten Mitteln schon im frühesten Alter dem jüdischen Menschen die Problematik seiner Tituation aus der ablehnenden Haltung eines großen Teils feiner Umwelt bewußt gemacht wurde. Aber ein anderes wertvolles Moment ist an die Ttelle dieser unmittelbaren Naivität getreten. Es ist das eine gesunde Telbststcherheit. die ach die Angriffe gegen die Oberfläche nicht mit Oberslächenreaktionen anwortet, sondern den Weg der Eelbstverkiefung geh:. Nur aus der starken gefühlsmäßigen Position, die die Jugendbewegung mitbegründen half, war es möglich, daß bei diesen jungen Menschen keine Kränkungs- und Minderwertigkeitsgefühle mehr durch Angriffe wegen ihrer Zugehörigkeit zum Judentum ausgelöst werden können. Hier wird der Unterschied zu den Generationen vorher ganz deutlich ... Was ist denn nun das Zeichen der jungen Generation? Wo sind die Duellen? Wohin strecken sich die Wurzeln? Es ist ganz ein sack: zu sagen und dock; wohl schwer zu verstehen, wenn man es nicht verspürt. Erinnern wir uns an das, was vorhin von der Einwirkung der Jugendbewegung gesagt wurde. Tie Hai: den Tinn wiedcrerweckt für ein Lebensgesühl. für ein Landschaftsgefühl, für ein Heimatsgefühl. Tie hat in der jüdischen Jugend den Tinn geweckt, die Tiefe und die Schönheit des jüdischen Gefühls in sich selbst zu erhorchen und gleich den anderen Gesühlselementen in den Kreis ihres Lebens einzubeziehen. Es ist nichts Neues. Dieses Gemhl war immer da — vor borgen zwar, verschüttet —, aber es war da. Nun ist es erwacht, und es hat das Jüdi'che in dieser Generation aufgeweckt . . . Danach ist es auch nicht mehr so schwer zu verstehen, warum die Neaktion dieser Menschen aus die Angriffe der judenfeindlichen Umwelt im Willensmäßigen verschieden ist von der der vergangenen Generationen. Tie haben einen Hast, der sie gefühlsmäßig gleich stark an das Teut'che wie an das Jüdische bindet. Taruu: wird es ebensowenig als besonderer Erfolg angesehen, wenn ein Jude zu Ehren kommt, einen Erfolg har (drum Schluß mir dieser Angsteitelkeit: „Er ist auch einer von unseren"), wie es Zweifel erregt oder nur verletzt, wenn man ihnen ihr Deutschtum abjpricht. Tie haben nichts gemein mit denen, die sagen: Hier will man uns nicht, ziehen wir unsere Konsequenzen. Das mag zunächst aussehen, als ob es ganz selbstverständlich die Antwort eines ehrliebenden au frech: cn Menschen sein müßte. Wo man dich nicht will, da dräng" dich nicht auf. — Und doch ist es falsch. Es kommt hier gar nicht daraus an, was die anderen wollen und leichtfertig sagen. Nur der kann sich doch aus geladen fühlen, der sich vorher zu Gast gefühlt hat. Nein, diese jüdische Jugend in Deutschland hat nicht die Mentalität eines geprügelten Hundes! Freilich ist nicht zu vergessen, daß der Antisemitismus das Gefühl der Distanz zwischen jüdischen Deutschen und dem feindlich gesinnten Teil ihrer nichtjüdnchen Umwelt erhält. Immer wieder werden diese jungen Menschen auf ihre Besonderheit als Juden hingewiesen. Für sie ist diese Besonderheit an sich nichts Erstaunliches. Tie ist ihnen bewußt. Nur die Wertung dort zwingt zur Ueberlegung. Für jene bedeutet das Judesein den natürlichen Ausschluß aus der deutschen Volksgemeinschaft. Aus dieser Verschiedenheit der Anschauungen und Resultate erwächst für die jüdische Jugend die Notwendigkeit — zunächst sich selbst gegenüber — ihren Standort innerhalb des Deutschen zu bestimmen . . . . . . Hier muß . . . nun die Frage beantwortet werden, woher der Versuch einerseits und der ihn bestimmende Wunsch anderseits konnnen, das Jüdi'che wieder zu einem lebensmäßigen Bestandteil zu machen. Die Antwort kann nur mit der Andeutung eines Gefühls gegeben werden. In jedem Juden lebt nicht nur seine Gegenwart. In ihm spiegeln sich das Leben und Erleben, das Leiden und die Lehre, der Weg und die Zweifel einer langen, mit ihm bis auf den Tag fchicksalsmäßig verbundenen Generationenreihe. Das ist es, was ihn hält. h H izraiizxizx *4 H r m •T-r?-'g' ht-TT "T- : nno : .;Vt : '