Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 10 (1931)
- Issue
- 22 (29.5.1931)
- Date
- 1931-05-29
- Page
- Seite 276 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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27ö stieg Judas und Roms zur allbeherrschenden Mach'E. (E. Ol.) Tie Tendenz ist klar: das Judentum wird als Prügelknabe Zwischen die christlichen Konfessionen geschoben. Hatz und Aerger, die an den starken Katholizismus nicht herankommen, reagieren sich dann am Judentum ab. — Selbstverständlich ist von der weitgehenden kulturellen Eindeutschung der Juden \df>n im Mittelalter keine Rede, und in der Sammlung jüdischer Namen sind darum geschickt alle die „vergessen", die deutschen Ursprungs find. Tie Tendenz zur Unwahrhasrigkeit verrät am deutlichsten das Kapitel über „Jüdische Sittlichkeit". Tie gcwz natürliche Vermenschlichung der Eortesrorstelluug in der Cenens — natürlich, weil sie allen Völkern und Religionen in der Frühzeit eigen ist. auch den Germanen — wird als Beweis für die Minderwertigkeit der jüdischen Religion vorgeircgen. . Tie Einführung der Arbeit als Fluch erscheint, wie überall bei den Antisemiten, als Ausdruck des jüdischen Materialismus, obwohl den gelehrten Herren selbstverständlich bekannt sein muß, daß auch das deutsche Wort „Arbeit" ursprünglich „Mühtcr bedeutet. Nicht anders ist eZ m:L der Sonderbehundluug der Sklaven (S. 116), die überall. Kleinsfadf Krise _Berlm-Schöneberg, den 18. Mai 1931. Die Ausführungen von L. H. in der „C. V.- Zeitung * Nr. 20 über „Die Mittelstadt — eine Zelle unserer Kraft“ stellen einen wesentlichen Beitrag zur Frage der Zukunft des deutsch-jüdischen Menschen der. Unter diesem Gesichtspunkt rer eine Ergänzung der Gedenkengänge vom Standpunkt des jungen Deutsch]irden geslcltct. Die von L. H. gezeichneten gesellschaftlichen Verhältnisse sind Erscheinungen in leider zu zahlreichen Klein- und Mitlelgememdcn. Sie lähmen fast vollständig geschlossenes Auftreten in Angelegenheiten der jüdischen Gesamlgemeinde. Aber in den Gemeinden der Provinz selbst ht die Notwendigkeit der Geschlossenheit von der Jugend erkennt worden. Die jungen Menschen haben von der Schule unmittelbar die Eindrücke empfangen, .die über „konventionelle“ Gegensätze hinweg ihnen angesichts einer erkannten Notwendigkeit auch Herzen und Hände zusammengeschlosscn haben. Diese Jugend bildet heute in den Provinz gemeinden den Sauerteig, der die Gruppen und Cliquen auflockern will. Sie ist sich ah Generciionsträgerin bewusst, dass die Resignation der A eiteren nicht fortdauern darf. Deshalb muss die Crossstadtjugend aller Kreise ihr Augenmerk den Glaubens- und Altersgenossen der Klein- und Mittel gemeinden zuwenderr. Hier ringt eine neue Generation um Wiederaufbau und Erhaltung von Stammesgut Nur gering zhd dort im allgemeinen jüdische Vorbildung und die Gelegenheiten jüdischen Gemeintchafherlehnhses. Doch der Wille lebt, und diesen in Aufnahmefähigen zu erhalten, sollte eine selbstverständliche V erpfltchtung der jüdischen Crosssiadtfügend sein. Es ht von einigen Jugendveteimgungcn schon gelegentlicher persönlicher Gedankenaustausch in die Wege geleitet worden. Er i s t auf fruchtbaren Boden gefallen. Dem Grcisstaditnenschen eröffnen sich aber auch in dieser Richtung die Erkenntnisse, die er selbst in der von L. H. qufgezeigten V/eise für die Prüfung seiner wirtschaftlichen Existenzfrage berücksichtigen kann. Junge Akademiker und Angestellte bestimmter Berufszweige haben in der Regel unter gleichen allgemein-wirtschaftlichen Verhältnissen in kleineren Provmzorten ungleich günstigere Exislcnzmöglichkeiten cls in Crossgemeinden. Diese persönlichen WiTiscuQjnicncr, Momente bedeuten für die anauch bei den Germanen, unter Sonderrecht stan- ■ dem Als Fälschung darf man es bezeichnen, wenn bistorische Tatsachen, die die Bibel erzählt, cls „Lehren des Judentums" vorgetragen werden, wie z. B. die Geschichte vom Uricsbricf. Natürlich werden die Strafpredigt Nathans und die Strafe für Tavid, die wirklich cls Ausdruck jüdischer Sittlichkeit zu werten sind, unterschlagen. Ter Höhepunkt in der Verlogenheit wird in der Erzählung von den Sodonmen erreicht, die zu Lot kamen und die Herausgabe der „drei Männer" verlangten, um an ihnen perverses Gelüste zu befriedigen. (S. IIS.) Als ob die Sodomiten etwas mit Juden und Judentum zu tun hätten. Etwas zurückhaltender erweist sich das HcwDkuch in der Behandlung des Tal m uds. Zwar die bekannten Stellen ans der antisemitischen Literatur fehlen auch diesmal nicht: aber Eisenmenger und Rohling als Kronzeugen sind durch E. Bischofs und Fritsch selber ersetzt. Es wird sogar zugegeben, „daß der moderne Jude vom Talmud und den aus ihm fußenden rabbinischen Schriften ungefähr ebenso wenig weist wie der moderne Christ von den Kirchenvätern, den Schriften der katholischen Scholastiker oder der evangelischen Reformatoren". 124.) lln r P*! 4 r. MUMM Als Nachlese sei -noch verzeichnet: Von jüdischer Filmherrschüft in Tcurschland ist keine Rede mehr, nur noch in bezug auf Amerika. Tie j ü d i s ch e n L e i st u n g e n i m S p o r t werden schamhaft verschwiegen: Helene Mayer, Tavid P r e n n, Frau FriedIeben u. a. m., passen ja auch nicht in ein „Handbuch der Judensrage". In der Sammlung der Zeugnisse wider das Judentum finden wir dieselbe Taktik wie früher. Goethes bekannte Zimt ans dem „Jahrmarkt von Plundersweilern" bricht natürlich gerade da ab. wo es Fritsch unangenehm wird, und Bismarcks Aeußerungen über den Wert deutsch-jüdischer Raffemischting wie auch sein Gespräch mit Bohrend im November 1SSO bat Fritsch trotz eifriger Ausschlachtung der Reden und Briefe Bismarcks scheinbar noch nicht gefunden. Ter Ausklang des Buches ist so. wie wir ihn von Fritsch nicht anders erwarten können: die Juden sind unser Unglück, und die einzige Lösung ist ihre Ausstoßung aus der deutschen Kultur. 8.8t. iPPP' o scsslgen jüdischen Klein- und Mittelstädtler ein erfreuliches belebendes Moment durch den Zuzug neuer junger Menschen. Eine solche li echselwirhung gilt es zu erkennen und in weilen Kreisen bekannizumcchen. Die Resonanz unter dem Molto: Heraus aus den Grossgemeinden, hinein in die Prcvinzgemeinden! kenn und muss eine nachhaltige sein für den einzelnen und das gesamte deutsche Judentum. Referendar Wolf gang S. Matzdorff. Lernt sprechen! Berlin- Wilmersd orf, im Mai 193 f. Immer mehr dringt m die deutsche Oeffentlichj\eit die Erkenntnis, dass „gutes Sprechen“ eine Angelegenheit ist. der men aus Gründen der Bildung. Aesthetik und Hygiene viel mehr Aufmerksamkeit widmen muss, ah es bisher geschehen ist. Und zwar gilt dies ah selbstverständlich für den Berufsredner, aber darüber hinaus für alle, die viel sprechen müssen; 5er es ah Kaufmann. Angestellter. Lehrer oder Intellektueller. Sporlsmann und ..Mann von Weltdesgleichen für die berufstätige Frau, die ..Dame“, die Mutter. Jeder, der durch seine Persönlichkeit wirken will, besitzt m der Sprache, der Stimme das vornehmste Mittel, sich Geltung und Sympathien zu verschaffen, während undeutliche Aussprache und missklingende Stimme abstossen und oft sonstige persönliche Vorzüge in dtn Hintergrund schieben. Wes hier im allgemeinen gesagt ist, gewinnt für den deutschen Juden noch besondere Bedeutung, denn sein Temperament lässt ihn gelegentlich das ästhetische Mass an Stimmstärke und Lebhaftigkeit des Gesichts aus drucks vergessen. Gelispeltc „S“, schwere ungelenke Zunge, unkorrekte Aussprache der ,jSck“-Laufe, hastiges, überheiztes Sprechen und zu starke Nasalität — Fehlc'r, die euch der tculschesle Mann haben kann — werden gern von Judenfeinden als spezifisch „jüdisch“ bezeichnet. Das ist natürlich ebenso dumm wie alle enderen derartigen „Argumente“; aber es empfiehlt sich doch, solche Störungen zu beseitigen. Ueber die gesundheitliche Bedeutung der Sprecherziehung sind die meisten Menschen nicht genügend informiert. Darauf näher einzugehen, verblztet hier der Raum; erwähnt sei nur, dass z. B. zu lautes Sprechen, das noch obendrein in zu hoher oder zu tiefer Stimmlage erfolgt, die Stimmbänder überanstrengt, was erst ah Rauheit und Heiserkeit in Erscheinung tritt, und bei weiterer unzwcckmassiger Sprechweise zu Erkrankungen des Kehlkopfes oder der Stimmbänder führt. Ausserdem steht die falsche Stimmführung m engem Zusammenhang mit zweckwidriger Atmung. Der Sprechunierrichi mms also nicht nur darauf abzielen, dass Vokale und Konsonanten im einzelnen korrekt cusgeführl werden, sondern dass auch richtige Atem- und Stimmführung, deutliche Artikulation auch in der Alltags spräche erlernt wird. Alan ist zwar nicht gleich em Redner oder Sprechkünstlerv und doch erlebt man schon nach kurzer Zeit eine gewisse psychische Befreiung, eine Steigerung des Selbstbewusstseins; denn die Sprecherziehung erfasst den ganzen Menschen. Hier Hegt auch ehe grosse Aufgabe für die Mutter und Erzieherin; denn cm leichtesten gewöhnt sie ein Kind an gutes Sprechen durch gutes Beispiel! Wie oft werden dem Kinde Sprechfehlcr anerzogen, die es später cn der Entfaltung seines natürlichen Selbstgefühls hindern. Und der heutige schwere Existenzkampf verlangt von Mann und Frau sichere Haltung und Persönlichkeiten, die sich möglichst ungehemmt und unbelastet zu behaupten wissen. Hannah Zweig, Assistentin. für Sprecherziehung an dfer Universität Berlin. Aus Obersdilesiens Kampfzeit Breslau, den 3. April 1931. Obetschlcsiens Land, und Volk hat in sturmbewegter Zeit seine Pflicht voll und ganz erfüllt. Ich k^nn es aus eigener Anschauung mit gutem Gewissen b e - stätigen, d a s % auch unsere jüdischen Mitbürger in bezug auf nationale P f licht elf ü lliing mit an erster Stelle standen. m Unvergesslich bleibt mir dabei der erschütternde Eindruck, als in der Abstimmungszeit in dem von den Insurgenten völlig eingeschlosscnen Städtchen Woischnik, Kr. Lubllmtz, jüdische Bürger Wegen ihres offenen Bekcnnfnisscs zum Deutschtum in der schwersten Weise misshandelt und über die nahe russisch-polnische Grenze unter den Augen der französischen Besatzung verschleppt worden sind. Ja, das waren die Juden — vielfach nicht verstandene Existenzen^— in dem schwer heimgesuchten Osten! Zu düsen Schicksalsgefährten zählte auch der mir persönlich bekannte Hausbesitzer Edmund Hoff mann mit seinem Sohn Georg. Seine Frau mit Töchtern — in Todesangst zurückgelassen — verlebte bange Wochen um das ungewisse Schicksal ihres Verschleppten