Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 10 (1931)
- Issue
- 21 (22.5.1931)
- Date
- 1931-05-22
- Page
- Seite 265 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 87% known words query
- IRI
…/2277379-2277886-2277907--06750-2287593- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
265 rti^_!SI£ / von Gerku- CJfoionf |jfe W<Ärv Fern jeder Kuustpose, literarischen Derframpfuug und origiualitätssüchrigm Sorachkünstelei, ganz abseits vom geschäftigen und seusationsgierigen Literaturbetried Lebt Arthur Sil borgte ich dessen Lyrik und Prosa auch in diesen Blättern häufig zu Wort kam. seinem dichterischen Werk, als ein besinnlicher und stiller Poet unserer hastenden Tage. Bon geschickten und lauten Plakatdichtern mit aktueller Menschlichkeitsgeste wird seine leise und eindringliche stimme oft genug übertönt: sein inniges, einfaches Lied verhallt zuweilen im (Geschrei betriebsamer Tagesdich-er. Ta st er über den Tag hinaus Zeitloses. Ewiggültigos schasste, das; er, ein echter, tlangseliger Troubadour, in einer Zeit der kühlen Gedankentyrik und Gobrauchsdichtuug dem Liede zu einer neuen Blüte verhalf. das werden erst spätere Lesergenerationen zu erkennen, zu schätzen innen. Neben sehr geschliffenen, sehr formbewustten Prosabüchern, dem „F ü l l h o r n G o t t e s". dein „F a r b e n f e st", die wie zarte Pastelle anmuten und in ihrem Arabeslenreimnun. ihrem ziselierten Sprachprnnk viel Dekoratives und .Kunstgewerbliches als Um rau kling des dichterischen Erlebnisses geben, hat Tilbergleit in zahlreichen Cedichtbanden, vor allem im „B a - j az zo H erb st" und in seinem gewaltigen Bersepos. „C r p h e 11 s" den liedhaften Ulang und die reinste, innigste Sprachmelodie gefunden. Ganz schlicht und volksmästig. in ihrer Anmnt und Sangbarkeit oft den Prunklosen Versen eines Matthias Claudius oder Mo rite nahe verwandt, und diest Ti rep Heu. Bei aller Beschaulichkeit, aller Zartheit und WeltabgewandtheiL seiner Verse bezaubert au Silbergleits Gedichten oft ein graziöser, philosophischer und abgeklärter Humor, der z. B. seinem Bajazzo Herbst eine ganz besondere eulenspiegelhafte Note verleiht. Nicht zuletzt ergreift und erwärmt, ja erschüttert an Silbergleits Büchern die stark ausgeprägte tief religiöse Note. Gerade die Leser der ,.C. V.-Zeitung" werden ein Gedicht wie das von der toten Harfe König Davids, die unter Tempelsteinen verschollen ruht und durch einen cturm aufzuharfen und auszuschluchzen beginnt, mit großer Ergriffenheit lesen. Grane Seelen wandern in uralter Kaftantracht durch die Dämmerung, in der Lust schwebt Ahasver als nachtschwarzer Totenfalter. Ein anderes Gedicht wieder schildert „Hiob im Herbst", der. „verrottet und verrucht", das Gesicht von Qual verzerrt, das Ebenbild des Schöpfers schändet. In einem gläubig schlichten Gedicht..Testament" bekennt sich der Dichter ernst und demütig zu seinem Gott: ..Mein Leib verwandle sich zu einer Ackerkrume, Mein Arm zu einem starken Wipselstamm, Doch meine Seele blüh' zu Gott als Blume Wie eine Braut zu ihrem Bräutigam!" Ten spezifisch jüdischen Ton fand Arthur Silbergleit, der einer angesehenen jüdischen Familie Oberschlesicns entstammt, in seinem Bersreigen: ,.T i e B a l a l a i k a", einem von Hermann ^truck mir prachtvollen Lithographien geschmückten Cedichrband. der eine Fülle religiöser Bilder und Gesichte beschwort. Ta gibt es eine leuchtende, tief poetische Schilderung der „Warschauer Synagoge". „Bor geheimnisvoll durchglühten, Neichbestickten Borhangfalten Knien biblische Gestalten, Schwarze, gläubige Leviten. Und sie küßen heiß die Säume Bor den zedcrnhohen Pfosten. Ihre stolzen Königstränme Pilgern im Gebet gen Lsten." Ein anderes Gedicht dieses ktangreichen Balalaika-Buches beistt Sabbat" und malt in den glühendsten Farben den zugleich festlichen und schmerzlichen Glanz einer Sabbatnacht. Einfacher und dabei zärtlicher könnten Worte zur Nachempsiudung einer so eigenartigen Feststimmung kaum gewählt werden: „Fahle, sinnende Gesichter, Sage n m n f re 8 a b b eck na ch t. Dunkle Lieder, goldne Lichter. Bunter Blumen Farbenschlacht. Durch der Smben schmale Pforte Zieht Messias Sabbat ein, Segen träufen seine Worte lieber Honig. Brot und Wein/ Auch in seinem „Füllhorn Gottes", das feingestrichelte Prosaskizzen in matten Pastelltönen enthält, hat Silberaleit einige Bilder jüdischen Wesens mit dichterisch-religiöser Kraft festgehalten. Hell und anmutvoll, demütig-fromm stellt er die biblische Gestalt Ruths vor unser Auge, hymnisch besingt er die Stadt Jerusalem als Jehova-Braut, schmerzvoll den verwitterten Felsen der Klagemauer, die schon Millionen Büßerhände schluchzend umkrampften. Ter „Siebenarmiae Tempelleuchter" aus dem Altar wird diesem ehrfürchtigen Dichter zum herrlichsten Symbol göttlick-cr Güte; er sieht seine silbernen Finger sehnsüchtig in die Weite gestreckt, „als wolle er alle weltverwehten Kinder Israels wieder unter dem Baldachin eines gemeinsamen Dempeldachs sammeln und sie väterlich in seine Arme schließen". Diese wenigen Proben aus Silbergleits Lyrik- und Prosabänden zeigen schon das starke und unzerreißbare Band, das diesen Dichter mit jüdischem Fühlen und jüdischem Drucken verbindet. Ta ist es kaum verwunderlich, daß der erste Roman, der aus Silbergleits Feder kommt, und mit dessen Niederschrift der Dichter zurzeit beschäftigt ist. einen jüdischen Stosskreis umspannt. Silberglei: beabsichtigt hier die wechselvollen Schicksale eines armen litauischen Inden zu schildern und wird ein neues, von heißem Erleben durchpulstes Buch schaffen, auf das wir große Hoffnungen setzen dürfen. Aufklärungsarbeit ües C. v. in Heilbronn Die Drtsgrupve Heilbronn des Eenirakvereins veranstaltete kürzlich eine Ausklärnngsrenammlung vor geladenen christlichen Gästen. Rechtsanwalt Dr. R v s e n g a r t führte den Vorsitz der Versammlung und wies in den einleitenden Werten auf die Netwendigkeit hin. zum Zwecke der gegenseitigen Verständigung solche Ausspracheabende startfinden zu lanen: er betonte, daß die deutschen Juden deuüche Sraatsbürger mit allen Pflichten, aber auch mir allen Rechten stin wollten. Das Restrat haue Rechtsanwalt Dr. G u m b e l übernommen. Seine Ausführungen beschäftigten sich mit dein haupnächlich gegen die Inden erhobenen Vorwürfen und csipstlten in einem starken Bekenntnis zum deurstchen Heimatlan.be. Der Vortrag machte ans die Zuhörer einen großen Eindruck: anschließend fand eine Aussprache stau. Auch di^ Presst nechrn eingehend zu dem AusBracheabend Stellung, brachten die „Neckar-Z. mmg", der „General-Anzeiger", die „Abendzeitung" und das „Neckar-Echo" ausführliche Berichte. -K iiM m Donnerstag, 28. Mai 1931, im Haus Ring der Frauen in der Deutschen Bau-Ausstellung, Ausstellungsgelände Kaiserdamm. Pünktlich 4 Uhr: Führung durch die Ausstellung unter Leitung von Dipl.-Ing. Ilse Bloch (Treffpunkt Eingang Masurenallee}. Pünktlich 5)4 Uhr: Kundgebung. Klavierkonzert des Komponisten und Kapellmeisters Dr. Richard Hirsch. Johanna 3Ieyer liest Dokumente aus der deutsch-jüdischen Literatur. Vortrag: Dr. Ludwig Holländer. An diesen Tage beträgt der Eintrittspreis für die Bau-Ausstellung und für das Haus Ring der Frauen für unsere Mitglieder oder durch Mitglieder eingeführte Gäste nur M. 1,— Da wir nur eine beschränkte Anzahl von Eintrittskarten zum ermässigten Preise erhalten, bitten wir um baldgcfl. schriftliche Bestellung an den Ccntral-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens E. V., Landesverband Gross-Berlin, W 15, Einser Strasse 4*2. ""HUF mau •OOil nicht gleich Von Deutschland und von Oesterreich, teilt zwischen bsidsn läapt doch schon Die köstlichste GESaCHS-IHlißü Das Zeugnis fir den Oleiclioeschmack Heisst: JiSIRifl-HEOlETÜOM“ Bezeichnet Durch die Standardwert „III. Serie“ 53