Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 10 (1931)
- Issue
- 20 (15.5.1931)
- Date
- 1931-05-15
- Page
- Seite 249 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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24g poliiischs GwWMRftags Ln OlösnHnrg Reichskanzler Brüning gegen KatasLrophenpoliLik vor 9000 Zuhörern in Cloppenburg. — Gewaltige Hitler-Aufmärsche in TeLrncnhorsL, Oldenburg, Jever und Cloppenburg. — Gut besuchte KunDgedungen der Linksparteien. — Tie Nationalsozialisten erhoffen die erste absolute Mehrheit in einem Larrdesparlament. Bericht unseres nach Oldenburg entsandten Mitarbeiters. Oldenburg, 12. Tial 1031. Oldenburg, vor dem Kriege ein fortschrittliches Bauernba:D, eine Hochburg der bürgerlichen T-emokratie. ist durch den Wahlkampf so leidenschaftlich aufgewühlt worden.. doch es Cefahr laust, am 17. Mai vom Rechsradikalismus überrannt zu werden. Ser kleine Bauer. der einst einem geistigen Führer wie Alber: T r äger zujubelte. ist heute zum grüßten Teil Gefangener hetzeristcher Phrasen. Gewistcnlvse nationalsozialistische- Agitatoren erzählen den Bauern, in einem Hitler-Oldenburg würden sie Steuern nicht wehr zu bezahlen manchen, und man glaubt, w-as man gern hört. Politisch reise Menschen sind über den Sieg der Demagogie beinahe verzweifele. Bor einigen Tagen fuhr ich mit zwei LanTurgs-rbgeordneten der Vcstksvartei zusammen, die gch ihr Leid über die rerheherische Beranrmrrtungslosttkert der NSDAP, klagten. ..Es wird ein böses Envachen geben", üg:e einer der Herren, ..wenn die Hetzer in Oldenburg ihre Versprechen iverden einlösen müssen!" Daß der C. D. öffentlich in den Waälkanrpf eingegri'stn hat, ist von allen Seiten begrüßt worden. Tie Delmenhorster Kundgebuag^war von unseren freunden mnstergülb.g vorbereitet worden. Dank gebührt auch dem Versammlung-- küÄWÜUM ött k. V. Donnerstag, 28. Mai 1931, im „Haus für deutsches Frauenwirken“ (Ring der Frauen) in der Deutschen Bau-Ausstellung, Ausstellungsgelände Kaisercamnr. Pünktlich 4 Uhr: Führung durch die Ausstellung unter Leitung von Dipl. - Ing. Ilse Bloch (Treffpunkt: Eingang Masurenallee). Pünktlich 5st- Uhr: ' Kundgebung. Klavierkonzert des Komponisten und Kapellmeisters Dr. Richard Hirsch. Johanna Meyer liest Dokumente aus der deutsch jüdischen Literatur. Vortrag: Dr. Ludwig Hollinder. An diesem Tag beträgt der Eintrittspreis für die Bauausstellung für unsere Mitglieder oder durch Mitglieder cingcführte Gaste statt Mk. 1,50 nur Mark lp—. Diese Eintrittskarte berechtigt gleichzeitig zur Besichtigung der Abteilung ..Deutsches Frauenwirken“ und zur Teilnahme an der Kundgebung. Da wir nur eine beschränkte Anzahl von Eintrittskarten zum ermässigten Preise erhalten, bitten wir um baldgefäliige schriftliche Bestellung an den Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens E. V., Landesverband Gross-Berlin, W 15, Emser Strasse 42. leiter, Rechtsanwalt Dr. Kiefer (Wesermünde). Daß die Nationalsozialisten trotz öffentlicher Einladung nicht kamen, wurde bis in die Rechtskreise hinein als Feigheit bezeichnet. „T a P f e r e I u d e n — feige Nazi s" überschreibt ein Bremer Blatt seinen ausführlichen Bericht. Nach dem Muster von Delmenhorst sollte der E. V. in stärkerem Matze mit eigenen öffentlichen Kampskundgebnngen hervortreten aus die Gefahr hin. daß die Wirkung nicht eine einheitlich gute ist. Man muß nur tragen und nicht zu viel wägen. » Reichskanzler Brüning hat in diesem Oldenburger Wahlkampf den Versammlungsbesuchrekord bei weitem geschlagen. In Cloppenburg, einem Städtchen des katholischen Münsterlandes, brachten ihm 9000 Menschen'begeisrerte Huldigungen dar. Brüning hat damit den Einbruchversuch Hitlers ins Katholische abgeschlagen. Brüningchatte besonderen Beifall, als er mit den Rechtsradikalen abrechnete: „Die Dag für Tag versuchte böswillige Verleumdung läßt die Regierung vollkommen kalt; aber es besteht Gefahr, daß die dauernd in Erregung gehaltenen Massen ein st . enttäuZchkden Weg z u m Kommunismus finden. Wenn jemand gewillt ist. Politische Verantwortung eines Tages zu übernehmen, so hat er seine Anhänger daraus vorzubereitcn. Wir gehen den Weg einer fachlichen Arbeit bis zu Ende, um dann die Parteien vor die Berannvortung zn stellen/ Auch Veranstaltungen in Oldenburg und Delmenhorst. in denen Kapirünleutnant Mücke gegen seinen früheren nationalsozialistischen Parteifreund sprach, waren gut besucht und haben außerordentlichen Anklang gefunden. Hitler Tfeift seit acht Tagen in den Oldenburger Landen Hern m. Oldenburg soll seinen Prestigeverlust wieder gutmachen. Er will am IS. Tlai sagen können: ,.W i r s i n d t r o tz St e n n e s st ä r k e r und m ä ch t i g e r d e u n j e " In Delmenhorst hat er vor 6000 Menschen! gciproct-en. In Jever und Cloppenburg wurde gleichfalls alles getan, um den Zustrom der Maßen zu organisieren, und in Oldenburg f>atfc sich um ihn am Sonntag die gesamte S.-A. auch aus den preußischen Randgebieten zu dem Treuschwur versammelt: „Oldenburg muß das c r st e r e i n na t i v n a l i so z i a l i st i s ch regierte L a n d lv e r d e n!" Hitler sprach abgekämpft und heiser: „Aus den '209 000 braunen Kämpfern der braunen Armee werden Millionen und eines Tages das ganze deutsche Volt!" Mit besonderer Schärfe wendet sich die nationalsozialistische Agitation gegen die „charakterlose" Volks-Partei. Sie soll in Oldenburg vernichtend gescblaaen werden. Rache für Bremen. Hamburg und Thüringen! Man will die Volkspartei zn einem Rechtskurs nach Hitlers Willen zwingen. Ter Führer der thüringischen Landtagsfraktion der Partei, Dr. Witz mann, war in seinem Vortrag: „D e r Fa l! Fr ick -- ei n e Wa rn u n g f ü r Oldenburgerfreulich scharf. # Nach dem starken Bersammlnngsbesuch zu urteilen, worden sich die Sozialdemokraten, die sich zum Schluß noch den Parteiführer aus Berlin verschrieben haben, einigermatzen halten. Die Mütelparteien wißen, daß sie hauptsächlich von den Nationalfozialisten bedrängt und bedroht sind, und machen'in letzter Stunde die größten Kraßanstrengungen. Jede Partei will d<n letzten Anhänger an die Wahlurne bringen. Alle_ Mittel. vor allem Briese durch die Post, müpen herhaltcn. Es wird daher mit einer VOprozentigcn Wahlbeteiligung gerechnet. Wahrend Hitler sich »billige, judenfeindliche Phrasen in seinen Agitationsreden gespart hat. haben seine Untergebenen bei jeder passenden und unpaneirden Gelegenheit auf die Juden geschimpft. Unter den Äugen von Prinz August Wilhelm konnte der Reichstagsabgeordum.e K a r w ahne, der sich vom Sozialisten über den Kommunismus zu einem ..rauhen Kämpstr" überzeugt hat, sich in judenseindlichen ^Hetzereien überschlagen. „Deutschland ist ein Schafstall, den der Jude beherrscht!" Im „Braunen Haus"' werden dann wohl die Schäfchen ins trockene gebracht werden! * Tie Oldenburger Ortsgruppen des E. V., von Berlin und Bremen histrewh unterstützt, haben ihr möglichstes getan, im Wahlkampf stär die notwendige Aufklärungs¬ und Abwehrarbeit 31t sorgen. -Nicht, lvei! sie glaubten, dcr Hitler-Welle, die sich über das Oldenburger Land ergießt. Einhalt gebieten zu können, k ein Nt e n s ch erwartet ein günstiges W a h l r e s u l t a t! Sie arbeiteten und arbeiten mit Umsicht und Tatkrast, lvei! ans diese Landtagswahl eine andere folgen wird: sie leiben Zukunftsarbeit für enttäuschte. von den Nationalsozialisten betrogene Wählermassea; Arbeit für den Tag. an dem es. um mit dem volksvarteilichcn Abgeordneten zu reden, in Oldenburg ein böses Erwachen g e b e n w i r d! Tann werden wir ernten, was wir jetzt gesät haben. Das Attentat auf Professor Günther Der Täler gefaßt. — Maßlose .Hetze der völkischen Presse. — Werrurn schwieg dir Polizei? >1. E. Am Sonntag wurde, wie die Tages- Zeitungen berichtet haben, auf den Jenaer Universitätsprosenor und Rasten forscher Hans Günther ein Attentat verübt, das zum Gluck ziemlich harmloser Natur gewesen ist Tie antisemitische Presse benutzt diest Tat sacht zu schweren Verdächtigungen gegen die Juden vor allem gegen die sogenannte „jüdnchr Presse". So schreibt der „Völkische Beobachter" vorn 12. Mai in einem Aufsatz „Gemeiner Mord als letztes Mittel": Das gemeine Attentat auf einen Gelehrten, der sich poliw'ch a'üv überhaupt nicht betätigt hat. sondern nur seiner Wissenschaft lebt, zeigt, bis zu welchem Grebe der .Laß des Nntermenstchentums aediebeu ist. Das Attentat ist ein netter Beweis für die Schuld der jüdiscl^en und marrisnschcn Pressend i e sich seit Jahren in n i c t> 1 i fl ft c n ch m ä h ungc n fl e 9 e n den Nassen s 5 rscher erging. Der rote Mob glaub: angchchts des elenden Verrats der Deutschen Vollsvartei an den Nationalsozialisten nun erneut an des Oerannaben einer marristischen Epoche: die unter Dr. Frick cinge'chreckten Hetzer haben freie Oand, noch am gleichen Tag..' hatte der Volkspan.eiler Dr. L'itzmcmn im thüringischen Landtag gegen Dr. Günther gewettert. Das alles hatte dem Attentäter b) w. seinen Geld- und A u f t r a g e b e r n den Mut zum Vlntrerror Angegeben . . . Der „R 0 t e Adle r", das brandenburgistche Gaublatt der NDTAP., vom 12. Mai schreibt unter anderem: . . . Wenn men weiß, daß nicht die Deutstche Vvllsparwi als solche, sondern die Freimaurerloge