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Central-Verein-Zeitung · 1931-05-08 · 19 (8.5.1931) · p. Seite 235

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
10 (1931)
Issue
19 (8.5.1931)
Date
1931-05-08
Page
Seite 235 (sequence 3)
Language
German
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W V v v *sß. ■ i : i ■</ v-W Oeffentliches Eingreifen des C. V. in den Wchikamps (Von unserem nach Oldenburg entsandten Mitarbeiter) Am 17. Mai wird in Oldenburg der Landtag neu gewählt, und schon heure ist der Wahlkaw.ps in vollem Gange. Be'onderZ bei den Aarionalsozialisten wird sieberhast gearbeitet. Oldenburg ist eine ihrer stärksten Domänen. 2 all es am 17. Mai zur absoluten Mchrhei: im Landtag langen, mü’icn von 48 Mandaten 25 erobert werden. Behaupten sie die Stimmeuzahl von der Reichsraaswahl, sind den Nationalsozialisten 16 Mandate sicher. Es ist alu? noch ein weiter schwieriger Weg bis zu dem geneckten Ziel, das zu erreichen Hitler in höchst eigener Person durch vier Reden helfen will. Twei richte: er fein Hauptaugenmerk ans die Landstriche, in denen die katholische Bedöllerung vorherrscht. In Cloppenburg beispielsweise svricht er am selben Tage wie Reichskanzler B r ü n i n g. Tie 2iul: Oldenburg hat Hitler seinen Freunden Goebbels und Prinz August Wilhelm, der sich mit dem Arbeiter Karwahne in den größten Sälen der 3:adt zeigt, überlassen. Oldenburg erwartet ein Fest. Bon den Parteien der Rechten, die ein Dutzend Mandate zu verteidigen haben, wagt sich eigentlich nur die Bollsparter gegen die verankvortungslose Hetze der Nationalsozialisten heraus. Die Deutschnationalen machen auch nicht den schüchternsten Versuch, den „Faustschlag in das Gesicht des Bürgertums" abzuwehren. Wenn Hugenberg Hitler zu Beginn des Wahlkampfes lobte, wird Oldenburg von I a n u s ch a u , Len man zum Schluß aus dem fernen Osten holt, den Nationalsozialisten sicherlich nicht wehe tun. Trotz Listenverbindunz haben Hitler und Hugenberg den sehnlichen Wunsch die Dolksp'artei völlig niederzuringen und' sie zu einem Anhängsel des Rechtsradikalisnrus zu machen. Man braucht nur eine deutschnationale Versammlung besucht zu haben, um das zu erkennen. ft Gegen die Stellung des Zentrums — es zahlt 10 Mandate — im rein katholischen Munsterland (Vechta, Cloppenburg) wird auch Hitler vergeblich anrennen. Das Zentrum führt in der Presse und in Versammlungen eine hitlersei ndliche Sprache, die an Kampsentschlossenheit nichts zu wünschen ülwig läßt. Spitzenkandidat der Staatspartei ist der im Oldenburgischen sehr beliebte Rechtsanwalt E h l e r m a n n. Seiber fehlt den Demokraten in O.'derlburg die kleinbäuerliche Organisation Ostsricslands. Was geschehen kann" um die Landwirtschaft auszutlären, geschieht. Tanzens Kampsruf an die Bauern leistet willkommene Hilfe. Aber diese schwere Arbeit erfordert viel Geduld. Tie Schtagworle der Nationalsozialisten finden leichkererr Widerhall im kleinbäuerlichen Lager. Und daher hartes Äingen, in das auch Reichssinanzminister Dietrich eingrerst. Es gllt, die drei Mandate der Staatsparrei zu erhalten. ft Die Industri earbciter'cha»'r, in Oldenburg dünn gesät, wird auch dieses Mal in übenvälbgender Mehrheit der Sozialdemok r a t i e folgen. 7 5 s o z i a 1D e m o f r a * ks sch e Reich stagsabgeordnete sind Lls Redner aus allen Teilen des Reiches in Oldenburg zusammengezogen worden, um den Zweifronrenkrieg gegen Nationalsozialisten und Kommunisten bestehen und l o m m u n i st ische Einbruchsversuche abwehren zu können. Ten Nationalsozialisten wird es trotz verzweiseller Versuche in R ü st r i n g e n und D e l m e n I) o r ft nicht gelingen, in die industrielle Arbeiterschaft einzudrinaen; dagegen durste man bei der Maifeier in Oldenburg das seltsame Schauspiel erleben, daß zehn frischgebackene Kommunipen noch in der Hitler-Kleidung von gestern an dem Umzug teilnahmen. Die SPD. verfügte im alten Landtag über 13 Mandate. ft Auch der Centralverein greift in den Wahlkampf ein. So fand erstmalig in Del m e n - Horst am 7. Mai eine Massenkundaebmrg statt. in der Arthur Schweriner über das Thema „Ist der Jude schuld?" sprack). » Der Wahlkampf fällt in eine für ein Agrar land ungünstige Zeit. Ter Bauer da: bei dem herrlichen Frühlingswetter bis in den späten Abend alle Hände voll zu tun. Die Parteien wüsten schon „Kanonen" auf das flache Land schicken, um einen einigermaßen günstigen Vermmmlungsbesuch zu erzielen. Kern Wunder, daß alle nwdernen Wahlkampfmittel herangeholt werden, um die von der Arbeit müden, durch die schlechte wirtschaftliche Lage zermürbten Bauern wahlmunter zn machen, ikler geht dieses Mala uss Ganze: SDAP. - Mehrheit im Oldenburger Landtag. Er darf sie nicht erreichen! Die E. B. -Arbeit im Lande ist auf diesen kategorischen Imperativ eingestellt. AusWreiiimzrn <ra der Setlmsr finföttjlf« Nachdem die Wintermonate verhältnismäßig ruhig verlaufen sind, ist es am vergangenen Sonnabend wieder zu antisemitischen Ausschreitungen an der Berliner ttniverfität gekommen. Tan Anlaß dürften wohl kommunistische Studenten gegeben haben, die am Vortage, dem Marseiertage, die Sowjetfahne auf dem Hauptgebäude der Universität gehißt hatten. Daraufhin versammelte sich am Sonnabend vormittag ein großer Teil der nationalsozialistischen Studenten im Vestibül, wo sie teils gruppenweise, teils einzeln andersdenkende, insbesondere republikanische Studenten mit häßlichen Redensarten belästigten. Die übrigen „nationalen" Studenten, wie Stahlhelmer usw., unterstützten wie immer, auch hier die Nationalsozialisten. Durch stets neu hinzuströmende Haufen — wobei es dahingestellt bleiben muß, ob es tatsächlich alles Studierende der Universität waren —, wurde die Lage so bedrohlich, daß auch republikanische, insbesondere sozialistische Studenten, sich Zusammenschlüßen mußten, um sich auch nur einigermaßen gegenseitig Schuh zu gewähren. Plötzlich begannen die Nationalsozialisten, ohne besonderen Grund, eine Schlägerei, die sich in erster Linie gegen jüdische Studenten richtete. Unter den üblichen Rufen, wie „Juden raus" und „Juda verrecke", versuchten sie dann im allgemeinen Tumult andersdenkende, insbesondere jüdische 3tiibcntinnen ctuB dem Vestibül in den llnioersitätsgarten hinauszudrangen. Dabei haben die nationalsozialistischon Helden Schlagringe für ihren Angriff verwandt. Der Besonnenheit der Führer, insbesondere des sozialistischen Studentcnführers, gelang es, die Kämpfenden auseinander zu bringen, ehe noch größeres Unheil angerichtet wurde, und ehe die Polizei gekommen war, um einzuschreiten. Auch der Rektor der Universität, der nun auch im Vestibül erschien, bat dringend, Ruhe und Ordnung wieder herzustellen, damit er nicht erst die Staatsgewalt in Anspruch zu nehmen brauche. Hoffen wir, daß die nun wieder eingekehrtc Ruhe das ganze Semester über dauern wird. Holm—Kolm-Kehn Für einen waschechten Judenfeind steht ganz außer Frage, daß jeder Jude feig, schwach, krumm und auf nichts als Gelderwerb gerichtet ist. Was macht man dammit jüdischen Sportsleuten? Man verschweigt solange wie möglich, daß sie Juden find oder man ändert ihre Namen, damit sie nicht als Juden erk-ennbar werden. Dar „Völkische Beobachter" von Ende April bringt eine Sporinotiz „Deutsche Waldlaufmeisterschaft", in der geschildert wird, in wie ausgezeichneter Form sich der deutsche Meister bewährte und Sieger wurde. Aber merkwürdig — sogar die Se tzrna s chi nen in der Druckerei des „Völkischen Beobachters" haben Rasseninftiukte —, es geht ihnen nicht in das Blei, den Namen dieses Meisters K o h n in anderem als herabsetzendem Zusammenhänge auszugießen. Und so liest man von dem Meister Holm und von dem Meister Kolm, aber nicht von dem Meister Kohn.Wir finb nur neugierig, ob der Meifterschaftsläufer von der Lüge überholt werden wird. * Als Helene Mayer aus Ossenbach und ihr Briwer Dteislerschast um Meisterschaft im Fechten errangen und bei internationalen Wettlämpfen die deutschere Farben immer wieder siegreich emporsteigen ließen, setzte sich erst lang, sam die Wahrbeit durch, daß sie Kinder des indischen Arztes und Centralvereinsmitgliedes Dr. Mayer aus Ossenbach feien. Bor kurzem ist Dr. Mal)er gestorben, unb in den warmen Nachrufen, die die gesamte deutsche Presse ihm widmet, wird anerkennend hervorgehvl>en, mit rvelch vorstand nisvollcr Fühning der Vater seine Kinder zur Hölw sportlicher Leistung geleitet und mit welcher Hingabe er selbst seine Arbc-iten als Vorsitzender der Ortsgruppe Ossenbach des Reick^sauZschusses für Leibesübungen erfüllt habe. Unseres Wissens ganz ohne Entgelt — als Jude- Sehr unsympathische Lichter in das notwendige Halbdunkel der judanfeiüblichen Legende. ' Facbinser Versands teile, Berlin SW11 ßchöneberger Strasse 16a. Telefon: I.ürzow: S2S*3.6I-

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