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Central-Verein-Zeitung · 1931-05-08 · 19 (8.5.1931) · p. Seite 234

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
10 (1931)
Issue
19 (8.5.1931)
Date
1931-05-08
Page
Seite 234 (sequence 2)
Language
German
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234 Cenfralverem deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens Ortsgruppe Breslau. NSSSWkWÜLSbWg Sonnabend, den 9. Mai, abends 8,30 Uhr im Grossen Saal des Konzerthauses WsMvMRW, IllÄuM. Valerlnad Redner: Polizcmzepräsideni Dr.Bernli. Weiss (Berlin), Minisierialdireldor Dr. Herrn. Spieker (Berlin), Syndikus Dr. Alfred Wiener (Berlin). Sämtliche Mitglieder der Jüdischen Gemeinde und die geladenen Gäste werden um ihr Erscheinen gebeten. Freiwilliger Beitrag zur Erstattung der Unkosten. l)a mit Massenandrang zu rechnen ist, sichert nur rech.' zeitiges Erscheinen Sitzplätze. nungsaustausch über Tinge der Weltanschauung und Politik aufbringen, wenn Tu alsbald — sonst doch Gentleman vom Scheitel bis Zur Sohle — im Bedenken dieser Tinge ein Mensch der Straße wirst, bewußt hinter Tir läßt, was Dir Alter, Erfahrung. Wißen und Kunst in Deinem Leben gegeben haben? Es könnte mir auch heute noch gleichgültig sein, welcher politischen Partei Tn befreundet bist. Wir sprächen ufor unsere Arbeit, über Frauen, über Dich und mich. Wir sprächen auch über Deine Partei, und das wäre eben einfach ein anderer Weg, den Tu einschlägst. Tarn aber bist Tu ein Fanatiker geworden. Tn schreist zwar nicht. Tu hängst keine Fahnen heraus; aber Tein Urteil (und daraushin erst meines) ist lieblos geworden, und was mich Tir so ties verband: Deine Gerechtigkeit, Teine Fähigkeit, Zu menen und Zu wagen, ging verloren im Geschrei einer Partei. Du weißt, daß ich mir Blühe gemacht habe, Tir zu folgen. Zwar rät der Herausgeber des „Angriff": „Nicht glauben, was der Gegner sagt. Don vornherein davon überzeugt sein, daß er der Meister der Lüge ist", aber Tu erklärtest mir diese Propaganda als Mittel zum Zweck. Und so habe ich weiter gelesen und fand im völkischen Beobachter" zu Weihnachten Hakenkreuze als Kuchenform annonciert. Das schien Dir — armer, verblendeter Treund! — die Popularität eurer Bewegung er^eulich zu bestätigen. Ich habe auch weiter gewstn, als eine dieser beiden Zeitungen neulich Leute meines Aussehens als „krummnäsige Plattfußindianer" dezeichnete. Was man doch schließlich nicht einmal von Kollegen gern hört. Ich habe mich bemüht, trotz politischen Kinderspiels, wirtschaftlicher?lhmmgslvsigkeit und politischer Borcrmanieren wenigstens eine interne Logik oder doch irgend etwas von menschlicher Amchnuungsforin in dem Programm zn finden, in das Tu Deine persönlichen Erfahrungen einmünden läßt. Ich habe aufgehört, Militarismus vor' mir selbst als das zu bezeichnen, was er ist; denn Tu sagtest, der Kampf mit geistigen Waffen, den ich verteidige, sei ja noch dreckiger. Und damit hattest Tu in manchen Fällen recht. Dafür bringt er und auch nur er die Entscheidung. Ties freilich nicht, wenn Millionen und unter ihnen Männer wie Tu: in allen Dingen der Seele klar, gütig und gerecht, Politik darin sehen, offene Düren einzurennen. Aber, sagst Du wieder, wir gehören doch beide keiner Partei und beide keiner Ncligion an. Aber, erwidere ich, darum geht es ja gar nicht. So sehr wir das Nccht haben mögen.'unpolitisch zu sein: wir haben beide nickst mehr den Mut, es uns zu nehmen. Tenn wir wissen, daß es ums Ganze geht. Wir leisten uns nur noch heimlich den Luxus, uns „als Menschen" zu schätzen. Täglich wichtiger wird Dein und mein Bewußtsein, meine und Deine Ansichten hätten sich verrannt. So nehme ich Abschied von Dir, Meinem Razi-Frcund. und hoffe — aich darüber konnten wir, uns nicht einig werden —, daß der politische Radikalismus, dem wir uns beide nicht entziehen können, in einigen Jahren überholt sein und unserer Freundschaft die Freiheit wiedergeben wird. Wü§ Man nicht örMÄrssu ficht MSN Äs AÄsnM-WösZ m L Während alle ernsten Parteien und Perfönlichkeiten in Deutschland sich um die Erkenntnis der Wirtschaftskrise und die Möglichkeiten ihrer Beseitigung bemühen, wahrend das verantwortungsvolle politische Schrifttum und die Tagcsdiskussion um wirtschaftliche und mit ihnen cng verbundene politische Probleme ringen, begnügt "sich in dieser bitterernsten Notzeit der Erlöser Hitler mit plumper und brutaler Judenhetze. Wir und müde geworden, bei der Mehrzahl der nationalsozialistischen Agitatoren und Zeitungsschreiber enva Schamgefühl vorausznsttzen. Aller wir hoffen noch immer, daß die Mehrheit der Hitler-Mitläufer sich angcwidert von Führern abkehrt, die absichtlich die wahren Probleme unserer Zeit vertuschen und ernsten Menschen solche politische Kost zu bieten lim gen: 1. Herr Goeblxls stand vor einem Berliner Gericht, weil er in seinem „Angriff" einen Artikel von Doktor (!) Lippert: „Der geheimnisvolle Leichnam" veröffentlicht halle. Plan hatte bei einem Knabenmord das Augenmerk der Behörden auf. die Indizien gelenkt, die für einen „Ritnalmord" sprächen. Tr. Goebbels wurde ans formaljuristischer., unseres Erachtens unzutreffenden Gründen sreigesprochen. Tie Berufungsinstanz wird wahrscheinlich das Urteil lorrigierrn. Wir erinnern uns daran, daß die Straffer. Leute nach ihrem Ausscheiden aus der Mutter- Partei sich besonders über diejenigen früheren Mitkämpfer lustig machten, deren Lpezialität die Ritualmord Propaganda sei. 2. Nun bietet man auch in Berlin in Vorstadt gasthäuseru einem leider allzu willigen Publikum das Jnd^nsrück: „Ter Mischling oder die Blutsünde oder die Judenart.^ Alan kann sein Niveau etwa mit jenen Moritaten vergleichen. die auf den Jahrmärkten unter dem Titel: „Tie blutige Hand an der Kirchhossmauer" dargcstellt werden. Tie Wirkung dieses Schundsrücks aber ist im Gegensatz zu den bramarbasierende Moritatcn aufreizend und blutrünstig. Wer nach dem „Genuß" dcs Machwerks von der Schändlichkeit des jüdischen Blutes noch nicht überzeugt ist, dem wird der letzte Rest von Zweifel durch einen „winenschastlichen Vortrag" genommen, den Tr. von Leers am 28. April im Anschluß an das Schaucrdrama gehalten hat: .Wenn auch nur etwas jüdisches Blut in jemandes Adern iließt. so ist der Verreisende eben ein Jude. Es wird uns immer ein geworfen, daß Juden im Weltkrieg gefallen sind. (Zuruf: ..In der Etappe!") Nein." leider nicht nur. Wir wollen offen zrrgcbcn, daß auch an der Front Juden gefallen sind. Leider! Denn wir hätten cs nicht nötig gehabt, Juden zn Soldaten zu machen. Wir werden uns hüten, in Zukunft unsere Ftront durch die Nasen der Hebräer verschandeln pi lassen. (Stürmisch.'r Bestall.)" 8. In Saarbrücken zeigt eine nationalsozialistische Theaterllrv.ppe einen Sketsch bei einem sogenannten Denischen Abend am 18. April, der eine einzige Lästerung und Beschimpfung der jüdischen Religion dar stellt und als besondere Achlraltion eine — Besehneidungsszene bietet. Tie „Saarbrückener Vcllksstimme" schreibt darüber: „Und zwar sollte der Chefredakteur der .Volksstinuuck von zwei Juden auf der Bühne beschnitten werten, die unter Nachahmung und karikierender Verspottung von Gebräuchen dos Judentums auf offener Bühne den Gott Abralpams und Isaaks anriefen, damit er ihnen den nötigen Verstand verleihe, diese Beschneidung durchzusühron. Allein die Deschneidungsszcne wurde unter der kichernden und in ihrer lüsternen Tendenz ganz unverkmubaren Zustimmung der Jugendlichen ükwr ^ehn Minuten ausgedehnt." 4. In Berlin wird ein Politischer Sprcchabend des Agitators Weiß damit testrittew daß über die Methoden der jüdischen Francnärz'.e und Dermatologen gesprochen wird Natürlich sei die Wahl gerade dieser beiden Spezialfächer auf lüsterne und Ausbeutungsabsichten der Juden zurückzusühren. H. Wir fragten kürzlich einen früheren völkischen Führer, wie hoch er den Prozent laß der NSDAP.-Führer schätze, die von der Wahrheit ihrer antisemitischen Argumente überzeugt seien. Die Antwort war ein verständnisvolles Lächeln, lieber die moralische Brüchigkeit und Verlogenheit der „prominenten" Judenhetzer sei sich die engere Parteimitgliedschaft einig, lind es ist kein Zuiall. daß immer, wcnm sich Nationalsozialisten von der Mutterpartei trennten, die schärfste Ablehnung der Ansgeschicdencn gerade den Führern galt, die sich als antisemitische Heerrufer in der Agitation einen Mimen gemacht batten. lieber die wildesten Barden und ihr hysterisches Jndengchchrei, über die Streicher und Münchnnper sind selbst in der Leitung der NSDAP, die Akten geschloffen. Aber man kennt auch die Wirkung solcher „fragwürdigen" Gestalten, wie sie im einer Stennes-Versammlnng bezeichnet wurden. Je drastischer, blutrünstiger und lüsterner die Judenagitation, um so starker scheint sie auf manche Volksschichten zu wirken. Deshalb laßt man die Herren gewähren und wandelt selbst in ihren Spuren. Borwürfe, unbequeme politische Gegner, Probleme, denen man nusweichen will, kann man vor unkritischen Menschen ja so bequem mit einem Schlagwort cbtnn: der Vorwurf kommt von Juden, der Gegner ist jüdisch, das Problem dient dem Nutzen der Inders Eine primitive, und trotzdem von großen schichten des deutschen Volkes leider noch immer geduldete Methode: „Was man nicht deklinieren kann, ficht man als Judcnschwindel an." In der Wahlzeit konnte man oft antinationalso.zialistische Plakate mit dem Zettel „Judenschwindet überklebt scheu. Wer damals te- Haupt eie. daß hinter der Abstempelung „Judenschwinde!" nur Unfähigkeit und Feigheit zu sachlicher Auseinandersetzung stecke, wurde als Lügner gebrcmdmarkt. Heute sind wir in der Lage, aus einem Rundschreiben der R e i ch s p r o p a * ganda! eitung der NSDAP, vom 15. August 1ll>0 folgende Anweisung zu veräffent Liefen: „Die (siauc wollen dafür sorgen, -atz die zahllosen Lügcnmcldnttgcn die irr den Zeitungen über uns verbreitet werden, von den Kauen aus schon, sowie auch von den Ortsgruppen, sofort mit dein Ausdruck .Judenschwindc? abgetan werden, ohne das; wegen jeder Kleinigkeit bei der Reichsteitüng in München arrgcfragt wird." Eine 'Anfrage an Herrn Tr. Goebbels, der oicie Anweisung zeichnet: Werden Sie sich selbst desavouieren und auch diese Mitteilung' als ..Judenschwindel" brandmarken? Bei. Verwüstete §fieöhö'fe. Auf dem über ll-0 Jahre alten istaelilstchen Fr-ed'ws in T r a r;.£ f e i b t Hann oder) wurden, vernmstick in den Lstcrtaqcn. zwölf Grabsteiiw rnugevovistn. Der Fricdhof ist bereits Vj2\ einmal t>cn Bl^Gnl-ändcn qeslläudct worden, ohne daß es damals gelang, der Täter habhaft zu werden. Die Ermittlungen über die neuen Verwüstungen sind noch im Gange. Die Tannenhecke, die dm israelitischen Friedhof in F re t statt «Baden) umzännt. wurde am 12. Avril von zwei wiahriaen Burschen in Brand ßefteef t. Der Hanpttäter t ft ein eifriger Anhänger der Nationalsozialisten. Tie (üeillarmerie All Anzeige wegen sahrle'sigrr Braudstiistmg erstastet, der Friedhofsverwaller Strafantrag wegen Sachbeschädigung gestellt.

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