Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 10 (1931)
- Issue
- 19 (8.5.1931)
- Date
- 1931-05-08
- Page
- Seite 233 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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12 5. Ml Serlkn, $. rNai 1931 X. Jahrgang ♦ Nr. 19 Einzelnummer 2-pfennig .. . .WÜssMÄSM^ MK® ArSöWtWM. EP*'1 Biertelsirhrsabonnement 2,50 RM. (au3ügl. Bestellgeld). -OMsMmZZ'IKMMrm NMLZNS e.V. ^l^enTreins ^silunZ ässlluäsritums Depofitenkasse Ll S, Rudolf Moffrs zelle 3,50 Die Arbeitsausschußsitzung des Gentralvereins, die am Sonntag, dem 3. Mai, unter großer Beteiligung insbesondere auch der süddeutschen Freunde in Berlin tagte, hatte eine Fülle wichtiger Probleme zu erörtern und aus der Grundlage der Beschlüsse des Hauptvorstandes über die Arbeit des Centralvereins zu beraten. Nach einem Ueberblick über die politische Lage, den der Syndikus des Centralvereins, Dr. Alfred Wiener, unter Hervorhebung verschiedener Einzelheiten, die sich in der letzten -Zeit abgespielt haben, erstattete, wurde die Stellung der Reichs- und der Lnnd-esregicrungen zu mannigfachen Uebergrifsen der Judengegner sowie die Gegenwirkungen des C. B. und die Entwicklung besprochen, die sich in den einzelnen Politischen Parteien und Landesteilen vollzieht. Es wurde mit Bedauern festgestellt, daß wir in der Oessentlichkeit einen starken Mangel an Mut erblicken müsien, der einer großen Schicht auch politisch tätiger, einflußreicher Menschen verbietet, gegen den für Deutschland schmachvollen Judenhaß so auszutreten, wie es ihrer Ueberzeugung entspräche. Rechtsnot, Boykott und eine Reihe anderer im Vordergründe des Jnteresies stehende Fragen waren Gegenstand der Teschlußsasiung. Für die Aufklärungsarbeit des Centralvereins in kulturpolitischer Hinsicht wurden neue Wege gewiesen. So wurde über die wichtige Aufgabe der Zweimonatsschrift „Der Morgen" und deren Ausgestaltung eingehend beraten. Die gesamten Verhandlungen erneuten die Erkenntnis, daß unser deutsch-jüdischer Standpunkt klar und unverschwommen in unserer praktischen Arbeit zum Ausdruck kommen rnüjje, wenn nicht die ganze Grundlage unseres Seins gejührdet werden soll. Die Arbeit in der Jugend, die Förd-erung des Jnlerepes an der G. D.-Frauenarbeit wurden den Landesverbänden und Ortsgruppen unter Hinweis aus neu aufgekommene Gesichtspunkte dringend empfohlen. Dies ergab auch die Aussprache über Ausführungen von Dr. Gertrud Klausner zum Problein der jüdischen Frauenarbeit ans dem Gebiete der Aufklärung, die eine besonders aktive Mitarbeit überall, auch im Jüdischen. Frauenbund, notwendig macht. Der Arbeitsausschußsitzung, die vom Vorsitzenden des C. V., Justizrat Dr. B r o d n i tz, und seinen Stellvertretern Rechtsanwalt Geiger, Frankfurt a. M., und Dr. Brtmo Weil geleitet wurde, war eine Sitzung des Verwaltungsausschusses vorausgegangen. Unter Leitung seines Vorsitzenden I. Varuch hatte der Verwaltungsausschuß seiner Aufgabe gemäß zunächst eine eingehende Revision der Finanzen und Verwaltung des Vereins vorgenommen und B-e- MW von Heinz W. placzek Unsere Freundschaft, schreibst Du, sei zum Leusel. Unsere Diskussion, auch früher scharf, sei jetzt feindlich, mein Urteil lieblos geworden. Ich sei, sagst Du, politisiert. Ich bin es —'und ohne Bedauern. So will ich wenigstens versuchen. Dir die Gründe zu nennen. Was uns zusamwenführte, verbindet uns noch: gemeinsames Bereden und Erleben privater Dinge, in dem wir damals — und das war schon! — unsere Freundschaft verankerten. Ihr Boden war fest, unsere gegenseitige Anerkennung ehrlich genug, um offene Rede und Gegenrede stets und immer wieder auch über Dinge zu gestatten, welche einem von uns oder beiden mehr als bloße Herzensangelegenheit oder interesianten Diskussionsgegenstand " bedeuteten. Wir danken uns gegenseitig die Einsicht, daß der Andersdenkende menschlich nahe, ja der Nächste sein kann. Mso, meinst Du, habe sich doch eigentlich gar nichts - verändert? Wir sind, aus Andersdenkenden, Gegner geworden, beide politisiert, wie Du es "nennst. Meine Anerkennung, ja Bewunderung für Dich, den Aelteren, meine Leidenschaftslosigkeit und Bereitschaft, freudig wenigstens nachzuempsinden, wo Du anders denkst, versagen, seitdem Du — und sei es auch „nur" in der Politik — Dir selbst untreu wurdest. Wahle eine Idee, roelche Du willst, und widerstrebe sie mir noch so sehr, so wirst Du mich bereit finden. Dir im Denken, vielleicht sogar mit der Tat zu folgen. Wähle sie links, und ich werde Dir mit Ernst Zuhören; wähle sie rechts, und ich werde mich bemühen, gerecht zu sein. Aber entwürdige Dich nicht, Glied einer Masie zu werden, dir sich durch Redensarten verbündet, und entwürdige mich nicht, indem Du mich in ihre widerspruchsvolle Lehre einschaltest. Du, mit klarer Anschauung begabt und sonst doch voll Güte, stehst im Bann einer Begeisterung, die vom Haß lebt und ihre eigenen Ziele nicht kennt. Wie soll ich anders darüber denken als mit Nachücht — womit allerdings unsere Freundschaft zum Teufel ist? Muß cs mich nicht enttäuschen, im Mittelpunkt Deines Denkens immer wieder die Judenfrage — an sich doch von so untergeordneter Bedeutung? — zu finden. Deinen bisher so freien Geist in dieser unglücklichen Ehe zwischen Politik und Rassengedanken gefangen zu sehen, in dem immer „er" die Schuld hat? Du zum Beispiel hältst es für eine Anerkennung, wenn Tu es als unnötig, ja meiner nicht würdig bezeichnest, daß Gerechtigkeit in dieser Frage persönliche Bedeutung für mich gewonnen hat. Tu verstehst nicht, daß der Judenhaß, eben weil Tu ihn nicht gegen mich anzuwenden glaubst, zwischen uns steht. Tenn Deine Anerkennung anständiger Juden, die es „trotzdem" gebe, ist nicht etwa Gerechtigkeit jüdischem Wewn und Sein gegenüber^— von dem Du ja nichts weißt und nichts wipen willst —, sondern nur eine Bestätigung mehr Deines Masienwahns. Bejahst Du eine jüdische oder auch nur jüduch gefärbte Eigenart, Fähigkeit, Idee in mir, so erkennst Du sie nicht mehr als jüdisch an. Denn jüdisch ist für Dich eine Vokabel; zu übersetzen mit: was mir nicht liegt, widerstrebt, was mir fremd, unbequem, peinlich, verhaßt ist, — auch: Ursache, wenn mir etwas schief geht. Denn Du kämpfst nicht gegen ein Dir sichtbares So- oder Anderssein des Gegners — Du selbst mit eigener Hand hast ihm das Visier heruntergelassen, damit Du immer ihn angreifen kannst, gleichgültig, wen oder was Tu tatsächlich, meinst. Woher noch soll ich dieses unbegrenzte Vertrauen zu Dir nehmen, wenn Tu — vor meinen Augen unwürdig verführt — das reifere Denken Deines Alters Kategorien unterordnest, in denen ich nichts Menschliches mehr sehe? Und sie auf jedes Erlebnis, auch am die zwischen uns und auch auf mich selbst beziehst? Tu folgerst: der Daum ist krank, die Frucht genießbar — also kann sie nicht von diesem Baum sein. Mer sie hängt an ihm, im doppelten Sinn: darüber kann unsere Freundschaft nicht hinweg. Tu bezeichnest mich gelegentlich als Intellektuellen oder Literaten. Als sei denken zu können und das Gedachte gern zu Papier zu bringen ein Gebrechen: als sei das Wort Widersacherund nicht Wegweiser zur Tat; als beglaubige zum Mitreden in politischen Dingen erst die nun leider auch auf Dich übergegangene Spaltung zwischen der geistigen Existenz eines vernünftigen einzelnen und den ungehobelten Instinkten eines Massenaliedes. Woher soll ich noch die Begeiste. rung, woher den Blut zu unserem freien Meischlüsie gefaßt, die von dem Arbeitsausschuß genehmigt wurden. Man war sich klar, daß trotz der schweren wirtschaftlichen Lage in Deutschland die Mittel aufgebracht werden müssen, um die wichtigen Arbeiten des Vereins weiter zu leisten, aber auch aufgebracht werden können, wenn das deutsche Judentum sich seiner Verantwortung bewußt bleibt. ni f liCl J; \ i