Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 10 (1931)
- Issue
- 18 (1.5.1931)
- Date
- 1931-05-01
- Page
- Seite 225 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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225 feinten, ist niemals itnaMjäncjig turnt 5?efcnnt* r.is zur 2d]cÜe, t»om Bekenntnis zu bei* Wirkllchfcit. die allein die tragbare, weil bhitiiafte tnrUiiDlaije beS Lebens {ft. Tie bfv Wesens der- JndeMnms als ,. ünternatien" l\ai bei der richtigen 2iei:t, dal; Die-? 'tbei:,! andereist wie Da* Wewn anderer Böller, nur den einen Fehler: das; ne sich nun'.bei; anleln.N an den Begriff der Nation, der für da- Judentum seiner einzigartigen che>chi-eine nach nicht anwendbar ist. Jmnstien der Bäller gestcut. bewahrt das Judentum seinen eigenen Geist, und bewahrt der Jude seine indische 2ede. tHber das Leben, das er fuhrt, in das gleiche, wie das Leben der Umwelt. 2em Heintaterlebnis ist zugleich sein Betenntnis: jein Bekenntnis, das zu halten nicht ohne schwere und nicht ohne Tragik ist. Man bedenke, w>ie das Judentum in diesem großen Kriege dadastandi nicht als „Jmernation", sondern inmitten der Stationen, mit denen es aus Gedeih und Verderb unaushebbar verbunden ist. Blau kann diese Verbundenheit bedauern, man kann sie bejahen,' sie zu leugnen, geht aber nicht an. So bleibt dieser Versuch einer jüdischen Psychologie im Ergebnis nicht ohne Fehl. Beobachtungsgabe und darstellerische Kran, die das Buch lesenswert und sogar liebenswert machen, reichen nicht zu, um es zu einem entscheidenden Werke zu machen, von dem für die Bestimmung jüdischer Aufgabe neue Impulse aus gehen könnten. II. Wie ein Töpser, der sein Gesäß in knetenden Händen halt, es nach allen Leiten wendet, um es von jeder Leite her zu betrachten, so sieht Kahane den Juden an. Taher die Unvoreingerwmmenheit des Blicks, daher die Vielfalt der Blickrichtung, daher die Buntheit des Bildes. Bon Theodor Lessing gilt das gleiche nicht. Belastet mit der Lchtvere seiner philosophischen Erundeinstellung, vermag er auch nur Wesen des Juden nur die Zwiespätigkeit von Geist und Leben zu sehen. Tie allgemeine Ansfassung, die er in seinem' philosophischen Werke niedergelegt hat, soll neu erhärtet werden durch eine Psychologie des jüdischen Menschen, die eine Psychologie des Lelbsthasies ist. Wir allerdings sehen hinter den sechs „symbolischen Gestalten", deren Leben Lessing schildert, nicht die „unendlichen Lcharen jüdischer Leelen", die an sich selbst zugrunde gehen. Gewiß können wir, mitleidig gefangen, voll Trauer und Wehmut und ohne Widerspruch, die Schicksale, die in diesem Buche verzeichnet sind, vor uns vorüberziehen lagen: den Nietzsche- Freund Pari! Nee, dessen Leele „vergletscherte", die stille Zartheit Walter Calüs, Pastellbild eines Ticksters, Artur Trebitschs gehetzten Wahn. Maximilian Harden, den mächtigen Literaten einer ohnmächtigen Epoche, Mar Lteiners kämpferisches Tenken und müden Verzicht. Ter Umriß der Gestalten wird deutlich, das Bild ihres Lchicksals tritt erregend hervor, obschon allzuoft theoretische Einfügungen der Plastik der Zeichnung Abbruch tun. Tie Biographie Weiningers allerdings ist seltsam unzureichend für die aeistcsgeschichNiche Bedeutung dunes Borläufers der modernen Psychologie und bedcnklich dünn in der Schilderung seiner' tiesschichtigen Persönlichkeit. An diesen sechs Lebensbildern versucht Lessing, jedoch nicht nur das „allgemein-menschliche Phänomen Lelbsthaß" darzustellen, sondern behauptet, daß „diches allgemein-menschliche Phänomen Lelbsthaß' an der Psnchopathologte der jüdischen Volksgeschichte besonders glänzend beleuchtet werden kann". Tie Psychologie des Unbewußten hat im wesentlichen aufgeklärt, in welcher Gegenm-ztichfeit der Gefühle und in welchen Spannungen der Triebe die Wurzeln einer das eigene Wesen verneinenden seelischen Haltung zu suchen ist. die in ^nanchen patbologuchen Fällen die Größe eines selbst Hasses bekommen kann. Es ist auch keine neue Entdeckung, rem Bewußtsein eine nicht nur positive Bolle zuzuichreioen. Bett dagegen ist die Belmuptung Lessings, daß das Gefühl des Lelbsthcmes für das Judentum charakteristisch sein soll. Lessing versucht den Beweis dieser Behauptung von zwei Voraussttznugen her. Tie eilte ist die Austastung, daß der Jude „die Lchnld am Weltgeschehen einzig in sich selber gesucht hat". Tas 2 ch ul dg esu hl führt ihn dann zu einer „Aussassung keiner Leiden als einer 2trase", und damir „ist dann freilich schon der Ansatz zu dem Phänomen ,Le!bsthaß' gegeben" . Tie zweite Voraussetzung ist, daß das Judentum, dessen Geschichte eine Leidensgeschichte ist. „tiefe Einblicke in den Zusauuuenhang des Leidens mit dem Geiste, des Winens mit der Not" als „ältestes Erbgut" mit sich trägt. . Tie Behauptung, „daß das jüdische Volk unter allen Völkern das erste, ja vielleicht das einzige Volk war, welches die Lchuld am Weltgeschehen einzig in sich selber gesucht hat", soll „eine der tiefsten und sichersten Erkenntnisse der Völkerpsychologie" sein. Unseres Wisiens kann von der Sicherheit einer solchen Erkenntnis keine Rede sein, und ihre Tiefe scheint uns mehr als bestreitbar. Im Gegenteil gilt es als Tatsache, festzustellen, daß genau an diesem Punkte sich das Christentum vom Judentum scheidet. Während das Judentum niemals, soweit wir wissen, die Idee einer Weltschulo in seinen religiösen Auffassungen an entscheidender Ltelle ausgenommen hat, bestimmt die Idee der Erbsünde das Christentum entscheidend. Wenn Lesung nach Beispielen eines verzehrenden Lelbsthasies unvoreingenommen gesucht hatte, so hätte er in der Buß- und Leidensgeschichte des christlichen Mittelalters unter der Herrschaft der Idee der Erbsünde mehr und größere Beispiele eines zerstörenden Lelbsthasies gesunden. Tie jüdische Religionsgeschickste kennnt solche Beispiele nicht, und eine Bewegung, wie beispielsweise der Flagellantismus, ist ihr völlig fremd. Das ist schon darum unmöglich, weil der jüdische Geist nicht das Leben vemteint, sondern es bejaht, und aus jüdischem Geist heraus sich niemals die Forderung der Lelbstausgabe herleiten läßt, weil er eine Weltausgabe in Erkenntnis und sittlicher Tat findet. Lessing spricht an einer Ltelle dos Buches von der „hossnungsloscn Verdummung der Menschen an Logik und Ethik" und sielst in der fortschreitenden Entwicklung des Geistes den Todesspruch für das Leben. Es kann uns sehr gleichgültig sein, daß eine solche Meinung falsch ist und ein hoffnungsloses Unverständtiis für die Bedeutung des Etbos und für die Ausgabe des Geistes zeigt. Nickst gleichgültig ist uns Lessings Meinung nur darum, weil die Er- „Nach lanqe'n Suchen endlich das Nichtige für imine Zähne. Nach dreimaligen! Gebrauch blendend weihe Zähne, trotzten! dieselben durch vieles Rauchen braun und unschön wirkten. Ich werde nichts anderes mehr gebrauchen, als ChloiLdont. B., Horst Berg, Alan verlange nur die echte Cblorodont-Zahnpaste, Tube 54 Pf. und 90 Pst und weise jeden Ersatz dafür zurück. Höhung der Menschheit durch Logik und llthik eine Tat aus dem Geiste des Judentums ist und weil es ein Zeichen bedenklichen crelbstbasfos ist, wenn von einem Juden die historische Aufgabe des Judentums verleugnet, wenn ihr Wert und Bedeutung genommen wird. Uns scheint ein solcher Ausspruch wie der oben zitierte allzu nah an die gefährlichen Formulierungen des Antisemitismus zu grenzen, der im jüdischen Geiste etwas Zersetzendes sieht. „Kultur ist Haß. Werte sind Haß. Werk ist Haß." Dir wollen nicht fragen, woher Lesung de.s eigentlich weiß. Aber daß man mit einer solchen Meinung auch nickst annähernd dem Problem der Kultur gerecht wird, scheint uns zweifellos. Es ist hier nickst der Ort, die absonderliche Philosophie zu widerlegen, die Lessing vertritt. Tie fälschlich vorausgesttzte Meinung, daß zwischen ceele und Geist, zwischen Geist und Leben eine unüberbrückbare ^lust liegt, der falsche Ausgang von dem gebrochenen Dasein einiger unglücklicher Menschen erwart nur unzureichend, iutc man zu dergleichen Aussprüchen kommt, und mackst sie bestimmt nicht richtiger. Mit jüdischem Geiste aber hat solcher Gedankenbau schon gar nichts gemein. Für das Judentum gibt es nur eine einzige Welt, in deren Mittchder Mensch steht, Träger von Leele und Geist. Ob das Wisien aus Not geboren ist, und ob das Bewußtsein Ausdruck der Not ist. können wir hier nicht entscheiden. Zlber entscheiden rönnen wir, daß eine solche Ausfasiung eindeutig unjüdisch ist. Wisien und Bewußtsein gehören zum Lchicksa! nicht nur, sondern vor allem zur Ausgabe des Menschen in der Welt, gehören zum Menschen wie Körper und Blut. Geist zu haben gehört ebenso dazu, wie sterblich zu sein: aber Len Geist für die LLerblichkeit verantwortlich zu machen, ist eine Aussassung, die euch durch ihre Paradoxie nicht richtig wird. Tas Buch von Lessing ist Ausdruck eines Liefen Kultnrpessinnsmus; es ist psychologisch Ausdruck einer tiefen Lkepsis der Leele des Menschen gegenüber. Jüdisch ist eine solche Auffassung nicht. Für das Judentum hat Kub tur vor allem ihren Wert für die Leele des Menschen, und der Zweifel an ihrem Werte führt notwendig zur Verzweiflung und zur Zerstörung der Leele. Lessing bekennt sich zum nationalen Judentum. Er glaubt, wenn es den Juden gegeben wäre, „vor Bäumen und Wolken betend zu verweilen", könnten sie sich von ihrem zerstörenden Lelbsthaß lösen. Wir sind anderen Glaubens. Nicht das Derweilen vor Bäumen und Wolken, sondern das Verweilen im Geist, das Bekenntnis und die Zugehörigkeit zur Kultur, die sittliche Tat kann allein auch die Leele des Juden ans dem Zwiespalt lösen, in dem sich die Leele jedes Menschen befindet und aus dem es eine Erlösung auch für den Juden nirgendwo anders gibt als für die Menschheit. Dr. M. K. zum p Verdienst U durch | Kelvinaior-Elaktro-Kühlanfagen Ä.-G., Leipzig C 1, Siiierfelder Strasse 13