Mannheim
Compact Memory

Central-Verein-Zeitung · 1931-05-01 · 18 (1.5.1931) · p. Seite 223

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
10 (1931)
Issue
18 (1.5.1931)
Date
1931-05-01
Page
Seite 223 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2277379-2277886-2277904--06701-2287541
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

223 Entschließung -es Evangelischen Lanöeskirchenrats -er Pfalz In der Nr. 16 der „G. V.-Ze'ttung' führt Rabbiner D r. Baerwald in seinem Artikel ,-stirche und Politik" aus. daß eine Reihe dettpcher Bischöfe sowie auch das Oberhaupt der evangelischen Landeskirche Bayerns sich gegen den Nationalsozialismus mit nicht mißzuverstehenden Worten gewendet haben. In ihrem Amtsblatt Nr. 4 vom 16. April 1931 hat.nun mrch die vereinigte p r o t e st a u - tische Kirche der Pfalz mir gleicher Schärfe und Deutlichkeit eine Kundgebung getan. In der Entschließung des L a n - deskirchenrats heißt es u. an .Zlvar haben unsere Geistlichen grünb* süßlich die Freiheit der politischen Meinung und ihrer Aeußerung. Aber dev Pfarrer ist nicht nur für einen Teil oder eine Partei, sondern für die <Aesanttlicir seiner Gemeinde und Kirche da. Er hat überall den Ernst und die Würde des geistlichen Amtes zu wahren. Diese ihm durch unsere Kirchenversanung selbst — § 16 — wirksam auserlegte Pflicht setzt dem. Neckst seiner freien Meinungsäußerung unüberschreitb-are Schranken. Die Freiheit parteipolitischer Betätigung hat sich dem Ernst und der Würde des geistlichen Amtes Immer und überall rrnterzuordncn. Ties Gebot unserer Kirchonverfassuna fordert von jedem einzelnen unserer Geistlichen Befolgung. Dem Gebote zuwider ist jedes irr einscitigenr Parteisanatisnrus befangene Verhalten, jegliche hetzerische Parteipolitiscl>e Tätigkeit, jegliche Leichtfertigkeit oder gar Unwahrhastigkeit in der Darstellung der Verhältnisse, jeglicht Lieörosigkeit irr der Behandlung Andersdenkender. Dem Gellte gemäß aber ist vornehme Zurückhaltung und Sachlichkeit in dcn Dingen der Parteipolitik und Betätigung echter, lebendiger, christlicher Nächstenliebe in allen Dingen/ Tiefe Kundgebung richtet sich zweifellos ganz besonders gegen den Nationalsozialismus, deutet an, daß diele Lehre des Hasses mit den Geboten des Christentums nickst in Einklang zu bringen ist und daher von den Religion?dienern niemals verkündet werden darf. Bezirksrabdiner Dr. Ernst Steckelmacher, Bad Dürkheim, Pfalz. Aussprache -er Evangelisch-sozialen Lan-esvereinigung Württemberg Im Anschluß an die Jahresversammlung des Württembergischen Evangelischen Pfarrvereins veranstaltete die Evangelisch-soziale Landesvereinigung eilte Aussprache über „Antisemitismus und Christentum". Das Reserat hatte Stadtpfarrer a. 2. La m p a r t e r übernommen. Er befaßte sich im ersten Teil desselben mit den Angriffen auf das Alte Testament, die. eingeleitet von Chamberlaiiz, Friedrich Delitzsch u. a.. in der Gegenwart von den Vertretern der Deutschkirche, des Geistchristentums und der Christlich-» deutschen Bewegung leidenschaftlich weitergeführt werden und aus die Forderung der Germanisierung der christlichen Religion hinauslaufen. Er mackste dieser Bewegung den Borwurf, daß sie die rcligionsgeschichtliche Entwicklung. besonders des Cottesgedankens im Alten Testament, aus naturhafter und nationalistisä)or Beschränktheit ja geistig-sittlicher Tiefe und Weite übersehe und die unvergänglichen Zeugniste und Werte echter Religiosität, die im Alten Testament enthalten sind, geflissentlich mißachte. Im zweiten Teil ging der Referent, dein Problem Nationalismus und Christentum", über das in den letzten Monaten im „Deutschen Mar reib lütt" hin itnb her gestritten wurde, nach. Er unterzog Hitlers Stellung zur Religion einer eingehenden Prüfung. Das proarammäßige Bekenntnis zürn positiven Ebristent:;m genügt noch nicht als Erweis einer versönliä; Positiven Einstellung zu diesem In Wirtlichkeit vertritt Hitler nur jene oberflächliche Anschauung vom Wesen und der Bedeutung der Religion, daß der Glaube erhalte-: werden müsie. weil er für die Massen das unentb-stzrlich:- Moiiv der Sittlichkeit sei. Aus dun nationalsozialistischen Programm gehr deutlich hervor, daß die Bekämpfung und Äustilgimg aller jüdischer'.. atto auch alttesramentlichstn Bestandteile und die Reformierung der christliä-en Religion auf Gr:nid der altgermanischen Weltanschauung grundsätzlich gefordert wird. Die latnolische Kirche bat die von dieser Seite dem Christentum drolsende Gefahr klar erkannt. Auch die evangelische Kirckst wird, da der Nationalsozialismus, wie er offen zugibt, nicht bloß eine politische Partei sein, sondern auch eine neue Weltanschauung verkündigen null, ihm gegenüber die Augen offen halten und prüfen mimen, rb nicht diese neue, allerdings mxl) wenig geklärte Weltanschauung die sittlich-religiösen Grundlagen des Ehris!eu:ums an tastet. Dieser Frage ging der Referent im letzten Teil seiner Ausführungen nach. Er legte dar. daß erst die neuere Richtung in der neusestarnentlicheu Religirrisgeschichte die engen Zusammenhänge 50ischeu der Person und der Lehre Jesu und .zwischen der Religion seines Volkes und seiner Zeit wieder entdeckt habe und auss stärkste betone. daß ein volles Verständnis Jesu ohn-e Kenntnis des palästinensischen Judentums nicht möglich sei. Besonders von den ethischen Forderungen Jesu gelte, daß sich für jede eine analoge in der Literatur des Spätsudentums Nachweisen laste. Was den Talmud ancelange. so werde gewöhnlich übersehen, daß er niät bloß Sittenlehre, sondern auch Rechtsbuch, und nicht Vloß Sitten lehre und Rechtsbuch, sondern auch eine durch fast ein 'Jahrtausend sich hinziehende kulturgeschichtliche Urkunde sei, in welche die Rabbinen alles hi nein gestorcht haben, was ihnen der Ueberlieserung wert schien. Da? Neue, über seine Zeit Hinaus geh ende an der Verkündigung Jesu hätte nicht unbedingt zum Konflikt zwischen beiden Neligiousan'chnmngen führen müssen, sondern hätte wohl ein friedliche? Rebewinander und eine gegenfcilige Befruchtung zugetasten. Fühlten sich dom euch die Jünger Jesu. obgleich erfolgt, noch als Glieder der jüdischen Religionsaemeinschast. Erst durch die pautinische und kirchliche Lehren t wicklung ist der scharfe trennende Strich zwischen Christentum und Judentum gezogen worden. In unserer Zeit müpen wir uns wieder des gemeinsamen Ursprungs und der Wesens Verwandtschaft zwischen beiden Religionen bewußt werden. Es würde einen Abfall von Jesus und seinem Evangelium bedeuten, wcnn mir die Bestrebungen auf eine Ausscheidung aller jüdischen. alio auch alttestamentlichen Bestandteile au? der-christlichen Religion und deren Verquickung mit germanischem Heidentum. und germanischer Anthologie unterstützen wollten. Die Mehrzahl der Tiskusijvnsredmw lStadl- Pfarrer Lic. theol. Esenwein, Landtagsabgeordneter Johannes Fischer, S'adipfarrer I). Schenkei, Stadtpfarrer L a ch e n m a n n) stellten sich aus den Standpunkt dc-s Restre^nten und unterstützten oder ergänzten dopen Ausführungen. Pfarrer H i l z i n g e r brachste den einen und anderen der beliebten antisemitischen Eimvärde gegen das Judentum vor, z. B. den verderblichen Einfluß des religionslown Judentums in einem Teil der Presse, der Lsteratur. des Theaters. In seinem Schlußwort warnte der Referent vor Borallgeuwineruugeu und meinte. man solle doch nicht bloß immer von dem antireligiösen Judentum reden, sondern sich die Mühe nehmen, auch da? kennenzülernen, was au ret'.giös-schöpserischem und fruchtbarem Gut das Judentum auch heure noch in sich trage. Mag dieses manches, uns Christen Befremdende und zum Widerspruch Herausfordernde <mf* roiifcit, es bleibt eine Forderung der Wahrhastigkeir und Gerechtigkeit, daß wir in ihui nicht einen Frcnrdkörver. sondern einen B 0 l k s t e i l sehen, der in Krieg und Frieden aus mannigfache Weise seine Zugehörigkeit zum deut'chen Volke und seine innere Verbundenheit mit ihm bewährt hat. stufklärungsverfammlung ües Centralvereins in Lübeck V 0 r b e r i ch L für die ,.C. V. - Zeitung". Am 29. April fand in Lübeck eine stark besuchte Aufktärungsversammtung statt. Eine sehr große Zahl nickst jüdischer Persönlichkeiten, insbesondere Lehrer, Beamte, Anwälte, dlerzte und die Vertreter der angesehensten Lübecker Zeitungen waren der Einladung des Centralvereins gefolgt. Tan Vorsitz führte der Vorsitzende der Lübecker C. V. - Gruppe, Alfons Frank. Dr. Alfred Wiener (Berlin r. Syndikus des C. V., sprach über das Thema-. „Wir Juden und unsere deutsche Umwelt. Ein Bekenntnis und eine Anklage." An den außerordentlich beifällig aufgenommenen Bortrag schloß sich eine ausgiebige, geistig hochstehende Aussprache. Auftlärurrgsabend der Frauerrgruppe Emden des C. V. Die Frauengruppe des C. B. veranstaltete kürzlich eü?en Vortragsabend vor eingeladenen christlichen. Damen, bei dem Frau Gertrud Lichtenberg (Hannover! über das Thema: „Wir jüdischen Deutschen und unsere Umwelt" referierte. Ter Vortrag machte aus die Erschienenen einen starken Eindruck. Eine christliche Lehrerin nahm Anlaß, der Rednerin für ihre Ausführungen herzlich zu danken und darauf hinzuweisen, daß es Ausgabe der Frauen sei, versöhnend zu wirken und sich auf einer gemeinsamen Basis zusammenznsrnden. Nach dem Vorträge fand eine angeregte Diskussion statt. ßndieDreslausrFK&iferußd Freiinile des CensrElverelos Die Ortsgruppe Breslau hält in nächster Zeit verschiedene Veranstaltungen ab, die der vertraulichen Information unserer Mitglieder und der Werbung neuer Freunde dienen sollen. Die in Breslau nach dieser Richtung entfaltete Tätigkeit, die schon zu erfreulichen Anfangserfolgen geführt hat, bedarf aber der lebhaften Unterstützung aller unserer Breslauer Mitglieder und Freunde, um in der zweitgrüssten Ortsgruppe des Centralvereins zahlreiche neue Anhänger unserer Idee zu gewinnen. Deshalb bitten wir jeden unserer Breslauer Freunde, in den nächsten Wochen bemüht zu sein, uns entweder neue Mitglieder zuzufiihreu oder aber uns Namen von solchen Persönlichkeiten ihres Bekannton- und Freundeskreises zu nennen, an die wir zwecks Mitgliederwerbung herantreten können. Freunde von uns, die gewillt sind, darüber hinaus für die Werbung und die Verbreitung unserer Idee zu arbeiten, werden herzlich gebeten, ihre Namen dem Büro des Centralvereins, Breslau, Junkernstrasse 21, schriftlich oder telephonisch unter 53 632 mitzuteilen. Diejenigen Freunde, die Wert darauf legen, an den internen Werbe Veranstaltungen teilzunehmen, sind willkommen. Wir bitten diese, sich sofort mit dem Breslauer Büro in Verbindung zu setzen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.