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Central-Verein-Zeitung · 1931-05-01 · 18 (1.5.1931) · p. Seite 222

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
10 (1931)
Issue
18 (1.5.1931)
Date
1931-05-01
Page
Seite 222 (sequence 6)
Language
German
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222 i \? i ■f 4 S: l l?: v $;► ft 4 ' v? ft ■;? 's" ft £ ft r" 3: £-’ 3 i-: tz: id Vi i:t iS ja gerade, bcy er d.ziual höchst rede Prograntin?:! j=r m-.d entcvntz greise Jcrn^icli hat. Das ist das, was aus :t. ö. -H o c p p vorn-inst, ,daß rom wtt j' chi deal: ßische Lätze neben höchst rationd-reckistisuhen stchentz Glaubt utan denn, daß der WS. plötzlich alle Mischlinge oder solche, die sich nichr zum völkischen Gedanken bekennen, rausschmeißen wird? Aus den auf die Massen zugeschnittencn Programmheften kann ntan i:n übrigen nicht viel solgern. Unser L u r § wird durch die Untiefen rrie auch durch die ferne Küste b 5 st i m m r. Ter N L. ist Realismus und Idealismus zugleich." Tiefem unehrlichen Lpiel, diesem Jonglieren mit berauschenden Redensarten setzen nicht wir für alle neidischen Edttzicle bllttsmäßig verständnislosen Juden, sondern der A. H. K o e v p rn seinem SMußwcwt folgende harte Beurteilung entgegen: ,„ . . Ter Borkriegsidealismus hatte doch wenigstens noch seine eigene Ursprünglichkeit, er .glaubtV wirtlich noch an das — was er wußte; der Nachkriegsidealismus. dem auch der Nationalsozialismus zugehört, ahnt bereits den Sckwiadel. aber wagt noch nicht, ihn einzugestehew Tarurn die starken Worte, der ,leidenschaüliche Ckaubech der ,harte Wille, der kein dachgeben kennt*, der ,radikale Bruch mit dem Zewesenenst weil man am liebsten von dem koricht, woran cs eitlem am meisten gebricht. Ter Gesang der LA. in den Straßen ist nichts anderes als der des Kindes, das allein durch den dunklen Wald gehen muß und seine Angst durch Singen vertreibt." W. L. (München). Roch beschäftigt Zw Gerichte Vor dem. Königsbermi Schöüengericht hatte sich der Reichsiag-abacordncte Erich St o d), der bekannte Gauleiter des Gares Ostpreußen der NLTAP, wegen Beleidnung in vier Fällen zu verantworten. Koch bitte den dcnr srüheren preußischen Jnnenmimstw Erzesinski im „Ostdeutschen Beobachter" ^schrieben, er sei der uneheliche c-ohn eines Juden und einer Tienstmagd. Staatsanwalt Arnolt, der Vertreter der Anklagebehörde, und Reichsminister a. T.. Rechtsanwalt Landsberg (Berlin), d-er Vertreter des Nebenklägers, wiestn auf die stacke Tanagogie hin. die in der Aufstellung einer derartiam Beleidigung licg^ Tas Sericht verurteilte Koch zu 5 60 Mark Geldstrafe. Ter zwemn 2lnklaae lag eine Beleidigung des Lberftudicnrais Bus-e vom Realgymnasium in Tilsit zugrunde. Koch hatte gleichfalls im „Ostdeutschen Baröachter" debauptet, in Busses Anstalt herrsche deut'meindlich^r Geist, weil Busse aus den Räumen der schule ein der Lchülerruderriege von Ludendvrss gestistttcs Bild mit schwai.zweißrvtcr Ern'affvng entserwcn ließ. Er warf in diesem Artikel Baste vor, er drangsaliere die Hitler-Jugend und wüste rrrt dem raren Pleitegeier 1. Klasse, mit Palmenzw-cigm und dem Summi'nüppel ausgezeichnet werden. Tie Nationalsozialisten würden sich eine solche Jugenderziehung ganz besonders merken, wenn das Tritte Reich berankomme. Koch wurde wegen Nörigmg zu ittv Atark. wegen Beleidigung zu 8 0 Mark Gcld'tra'o verurteilt. In einem dritten rllrf'atz im „Ostdeutschen Beobachter" mit der Ueb.r'schrist „Wildgewordene Sckzupo" iror Koch Schurobeamten vor, sie hätten ihre Au-'agin vor G-.richt belastend gegen angcftagte Nativaalwzia'.isten gemacht, um diesen zu schaden. Ta Koch den Artikel in Form und Inhalt bedauerte, vmrrteilte da- Gericht ihn lediglich zu 7 0 Mark Cadstrase. Ter vierte Fall betraf den Bankier Prinz in Königsberg. J:n „Lüdeätschen Beobachter" hatte Koch einen Artikel: „Wir ein Siedler von einem Wucherjuden um Haus und Hof gebracht wurde" veröffentlicht, den der Lstdler Jvnu'cheit verfaßt hatte. Tarin wurde Prinz als jüdi'cher Winketbankier bezcichnct. der gmicinsam mit einem anderen Kaufmann betrügerische Geschäfte mache. In der Verhandlung versuchte Koch den Wahrheitsbeweis iür cm betrügerisches und wucherisches Verhalten Prinz' enzutreten. Tas Gericht stellte fest, das die'er Lrahrheitsbewcis vollkommen mißlungen sei und verurteilte Koch wegen Beleidigung und übler Ncchrtte zu 150 Mark Geldstrafe. Ten Nebenklägern wurde in allen vier Fällen Publik a t i o n s b r f u g n i s in der nationalsozialististhen „Preußischen Zeitung" und in je einem Lokalblatt zu gesprochen. m - Mö AZ AM MögKrs rnti hm Werten §mh hm BLlm-NMArerr Tor Idue in diesen Tagen vom Utlstein- Bcrlag herausgegebene Band von F ü r st Bülorvs „D e n k w ri r d i g k e i t e n" umfaßt die Jahre von 1850 bis 1890 und trägt den Titel „Jugend- und T i p l o - m ö t e n j a h r c". Auf ausdrücklichen Wunsch des Fürsten, der ihn zuletzt niedcrgeschriebcn h-at, bildet er den Abschluß des umfassenden Memoireuwerts. An der dargestellten Periode har Eülow nicht als Handelnder, sondern nur als Beobachrender, als Betrachter, reilgenouunen. Bom Geburtshaus in Frankfurt, vom Bundestag über Neustrelitz lind Halle führ! der 2llcg zur diplomatischen Laufbahn, die im Banne Bismarcks steht und die Bernhard Bülow zu ungeahnter Höhe emporführt. Auch in diesem Bande taucht wieder eine lange Reihe jüdischer Namen aus: Heine und Börne, Baltin und B l e i ch r ö d e r , L a s a l l e und L u $ a 11 i, G a ::i D e 11 n und Souiiinp, die Rothschilds und d:e P a i v a, T r e h f u s und 'Landsberg incd cs erzählt manche an waltende Geschichte. In den lebendigen Porträts von Männern wie^Ballin und Nathenau, die c-s in deitz vorangegangenen Bänden gab, gesellen sich jetzt die von Lonnino, T'Israeli und Gambetta: Bon Sonnino heiß! es: „Israelit war auch der Finanzmimstcr Lidncy Lvunino, dem ich bei dem Minister des Aeustern zum erstenmal begegnete. Gr war damals ausgesprochen deutschfreundlich. Gr kannte Tenrschland, dessen Lprache und Literatur . . " Unb an anderer Lteste, Lonuino ist italienischer Minister des Aeußern gelvorden: „Es ist ein sclzöner Beweis für die WeiLher.ziakeit und Großzügigkeit, daß niemand in Italien etwas dabei fand, daß in entscheidender Stunde die Leitung der itellienischeu Politik in den Händen eines Juden lag, der zwar als Kind zum Ehristenwur übergetreteri war, aber nicht zum Katholizismus, dem die ungeheure Mehrheit der Italiener angehört, ondern zum Protestantisnius. Kein italienisches Blatt hat je daraus hingewiesen, daß dcr Ncinister des Aeußern sich zu einer Konfession bekannte, die in Italien bei fast 40 Millionen Einwohnern kaum 130 090 Anhänger ,zählt. Noch weniger wurde je die jüdische Abstammung des Ministers releviert. Ich habe schon früher au das Goethe-Wort erinnert, daßchie Kraft einer Sprache sich nicht im Abstoßen, ondern im Verschlingen Zeige. Tas gilt auch ür das Verhältnis eines Volkes zu den innerjalb seiner Grenzen lebenden jüdischen Mitbürgern, die es zu assimilieren gilt, nicht abzustoßen. Sounino hatte sich bei Beginn dos Weltkrieges für das Zusammengehen Italiens mit dm Zentratmächten eingesetzt. Er wollte vor allem, daß es nicht ohne Vergrößerung seines Territoriums aus dem Wellkrieg hervorgche . . Bülow legt somit Zeugnis davon ab, daß der Jude Sormino nicht zu den antideutschen Hetzern des Jahres 1915 zählte. Auf den gleichen Ton des Berstelzens und Anerkennens ist seine Charakteristik D'Jsraelis ebgestimmt: D'Jsraeli auf Dem Berliner Kougres;. Zunächst stellt Bülow fest, daß der englische Staatsmann ohne Zweisol nach Bismarck der bedeutendste Teilnehmer an diesem glanzvollen Tiplomatentressen im Berlin d<s Jahres 1878 gernesen sei. Bismarck sei von Hanse aus gegen T'Jsracli eingenommen gcrvesen, auch die Königin Viktoria habe starke Vorurteile gegen ihn gehabt. Trotzdem sei es dem treuen Berater der. Queen gelungen, die Gunst ok Iler most gradous Majesty zu gewinnen. Selbst Bismarck sci seinem Zauber erlegen. Allgemein sei ausgefallen, daß er als einziger sich nicht der französischen Sprcrche bedient habe, da er lein anderes Idiom kannte, geschlveige denn gcsproäzen habe. Es spreche für die Großzügigkeit des englischen Volkes, daß der Enkel eines aus Venedig nach England eingenvan.dertcu israelitischen Kaufmanns nicht nur zum Premierminister, sondern auch zmn Führer der „stolzesten Aristokratie dcr WolG aingcstiegm sci. Wie Tacitus Römer gcrvcscn sei, so er Engländer: „Ganz Engländer, und nur Engländer. Jedes seiner Worte war für das englische Publikum berechnet. Nur englische Jnterepen, englische Wünsche und Vorurteile bestimmten sein Tun. Bei großer Höflichkeit und Liebenswürdigkeit, bei den besten Formen nahm er in Wirklichkeit gar keine Rücksicht auf uichtcnglische Gesichtspunkte und Empfindungen, ^einc äußere Erscheinung war originell. Er trug Schmachtlocken wie ein aalizischer Jude. Weit davon entfernt, seine jüdische Abkunft zu verstecken, ivar^er stolz ans sie. Er verwandte sehr viel Sorgfalt aus seine Toilette, war stets elegant gekleidet . . V Bei der Charakteristik Gambettas, kommt Bülow noch einmal auch ans die politische Begabung der Juden zu svrechen: „War Gambettetz Jude? Tas ist viclwch behauptet worden. Seine Gesichtsbildung hätte der Annahme jüdischer Abstammung nicht widersprochen. War er wirklich Jude, so würde das nur ein neuer Beweis für die politische Begabung der Juden sein, d:e schon durch D'Jsraeli. Taniele Mantn, Luigi' Luzatti, Karl Marx und Ferdinand Lasalle illuitriert wird, von Moses und König Salomo gar nicht zu reden . . Neben der Schilderung der Politiker stehen gleich lebendige Bilder deutscher Wirtschastssührer. Bon der Ehe des Grasen Henckel-Tonnersmarck mit der „Paiva", die als Sarah Lachmann 1826 in Neiße als Kind armer Juden geboren war, gibt er ein amüsantes Bild, lieber ihr Begräbnis berichtet er: „?((§ sie im Jahre 1584 starb, trat bei der Beisetzung in Neudeck Guido Henckcl, wie er mir nachher selbst erzählte, an ihre Bahre, legte seine Hand auf den Sarg und sprach zu ihnen: ,Taß die Fron, die in diesem Sarge liegt, mich geheiratet hat und mir während dreizehn Jahren eine liebende Gattin war. ist der größte Stolz meines Lebcnstz^ Bülow, der gewandte Weltmann, ist nicht mehr. Er hat sich der Berantwortung, sür seine Memoiren einstehen zu müssen, entzogen. An dieser stelle ist es müßig. Für und Wider des Memoirenwerks abzmoägcn. Es genügt zu sagen, daß es eines der aufschlußreichsten Tokumente über das kaiserliche Teutschtand ist. __ Or. 2» die Tilsiter Synagoge drangen Cmbrcchcr ein. Ein kleines schmales Fenster, dnrai das nur eine sehr schmächtige, wahrscheinlich jugendliche Person hindurchgcschlüpft sein kann, wurde cingcdrückt und dann von innen ein größeres Fenster gcön'nct, durch das vermutlich ein weiterer Einbrecher eingestiegen ist. Beide haben die versälloffene Heilige Lade mit einem Stemrnersen erbrochen und hier sowie in dem dahstrter liegenden Raum alles dnrchN'ühltz jedoch nichts geraubt. Von dem Tborasilber ist nichts abhanden gekommen. Tie Tilsiter Kriminalpvlizci ist einig bemüht, das Verbrechen aruzndecken. Es ist zu vermuten, daß verhetzte Jugendliche den Einbruch in die ^tzreagoge an.s politischen Motiven verübt haben.

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