Mannheim
Compact Memory

Central-Verein-Zeitung · 1931-05-01 · 18 (1.5.1931) · p. Seite 219

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
10 (1931)
Issue
18 (1.5.1931)
Date
1931-05-01
Page
Seite 219 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2277379-2277886-2277904--06697-2287537
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

219 ^\)\ncd)cv.. A l t e müßten nch davor hüten, ob ne Ju.cn und oder ntdjt! in. Unbedingt in Tr. Achter beizup? lichten, wenn eausführt/ ^ß füun.T ein gowiper TiletLmmöruls von jüdischen 3d:riftfteacrii gefördert wird, tuomi c-3 nch mn Juden oder um Juden nahestehende Menschen handelt. Hier liegt in der Tar eine gefährliche Cliquenwirtschaft vor, die aber bei Richtjnden ebenso wie bei den Juden herrscht. Man denke nur an die „Vetternwirtschaft" bei der Bewtznng von dlemtern vor dem Kriege. Aber das entschuldigt die herrschenden IllMststände nicht, 'andern es muß hiereben suralte Kreise der Srä gelten: ..Protektion, Bekanntschaft irgendwelcher Art baden in der Kritik unter allen Volksgenossen unbedingt auszuschalren/ Abwegig ist aber wieder, wenn Dr. Fechter von Werfen, Arbeiten und Leistungen spricht, die dem jüdischen befühl und der jüdischen Wsttbetrachrmig' entsprechen und nahesteheu. Gibt es denn überhaupt ein einheitliches jüdisches Gefühl?- Gibt es eine einheitliche jüdische Weltbetrachtung? Der ein einigermaßen guter Kenner der jüdischen Menschen ist und ohne irgendeine Parrewrille diese Menschen ansieht, kann von einer Einheitlichkeit des Gefühles nicht sprechen. Jede Anschauung von den Dingender Welt ist unter den Juden genau so vertreten wie unter den Richtjuden. Ein Blick in eine wirklich jüdische Zeitung beweist uns jeden Tag, daß in allen entscheidenden Fragen, die unsere Kultur, unsere Gegenwart und nufere Zukunft betreuen, innerhalb der jüdischen Deutschen in sehr großem Ilmsange Unterschiede vorhanden sind. Lediglich in einem Punkte besteht llebereiustimmung, ärmlich darin, daß aus uns allen schwer das Unrecht lastet, daß wir — aus Anlaß einer mehr oder weniger gemeinsamen Abstammung — nicht nach Gesinnung und Handlungen, sondern nach Unterscheidungen, die man in der Tierwelt zu wählen pflegt, als eine völlig einheitliche Gruppe angesehen werden Auch hier fordern wir Vorsachüchmig. vI $hu: noch ein paar Betrachtungen über den sogenannten Kun stbe t r i e b. Heute liebt das Publikum Sensationen und ergötzt sich an Dingen, deren tieferer Wert mit stecht bestritten wird. Venn wirklich jüdische Tbeaterdirckwren dem Zeitgeschmack in ungebührlicher Verse Rechnung tragen, so tun sie das, um in dem Eristenzkampf — dem der aus öffentlichen Mitteln subventionierte Direktor einer staatlichen oder städtischen Bühne nicht ausgescht ist — wettbewerbsfähig zu bleiben. Abhilfe von diesem Mißstand kann nur für uns ebenso wie für die Nichtjuden die Bildung eines guten und edlen Geschmackes, die Vertiefung unseres menschlichen und nationalen ^eins bringen. Werden die Menschen allgemein erhoben, so wird der Geschmack an den Sensationen verringert werden: wird das innere Leben befriedet, so wird auch mit der Vertiefung der Bildung eine Vertiefung des Geschmackes einhergehen, und alle die geschäftstüchtigen Theaterdirektoren werden sich derjenigen Gattung zuwenden, die mrdj ihrem inneren Empfinden vielleicht stärker entspricht. Tr. Fechter hat die zu starke Betonung der in Frankreich herrschenden Kunstrichtung durch moderne Kunsthandlungen mit jüdischen Inhabern in Berlin gerügt. Ich glaube, er hätte in München nach dieser Richtung andere Erfahrungen machen können. Auch für die Kunsthändler ist aber ganz allgemein der wirtschaftliche Erfolg, d. h. also die Nachfrage zürn mindesten stark mit- ^stimmend. An seinem eigenen wirtschaftlichen Zusammenbruch hat niemand Freude und niemand hilft dem, der aus einer noch so idealen Gesinnung heraus Tinge zur Schau stellt, die keinen Absatz finden. Darum scheint mir dieses der letzte Sinn des augestrebteil genUemen-agreements zu fein: Versachlichung und Verinnerlichung bei alten, Juden wie Richijuden; freie Meinung jedem, der in Wahrtest mich Erhaltung des Ganzen und nach. Förderung der deutschest Gemeinschaft strebt. Duldung und Achtung vor der Anschauung auch des Politischen Gegners! „Mö öis KWf§ WMöÄWsichs^ Eine niedrige Fälschung des „Völkischen Beobachters" Hitlers ..Wlkisckcr Beobachter" hat sich auf vntdecküuzsrei'en in die Literatur beaeben. und Zwar mit sensationellem Erfolg: am 17/April erschienen da zwei literarische Entdeckungen unter dem Titel: ,/iIod) unbekannte antisemitische Gedichte". Drin Titel folgte gunächn ein etwa; schwulmz-r antisemitischer Erguß über die Autoren der ..noch unbekannten" Verse, »ich z:var über Erillpar-er. dessen Poein „wie ein gellender Empörunas'chrei . . . unseren T. A.-Mämwrn ins her; dröhnen, soll. ,Irrzeit. wo . . ." und dann über W. K. Crünm. Jakob Grimms Bruder. denen „prachtvolles Bekenntnis znm Siegfried-Kamps gegen den jüdnchen Draämi,in dem anno INI als Mmmchript gedruckten ..Bwengarten deutscher Peene" er'chienen sei. Tatüichlrch ist die i^ache ein bißchen anders „nd der ..Völkikclx: Beobachter" in kläglich Irereingeiallen. Die „noch unbekannten antlsemiliichen Gedichte" und von jüdiscl-en Antoren, das erno von stark Kraus, das zweite von keinem Geringeren als Heinrich Heine, und nur der Äntlsemitismus nt von dem ..noch unbekannten" Mitarbeiter des Hitler-Blattes in die Verse hineingeheinmin worden. W'.e w etwa, gemacht wird, mag man an der folgenden Gea.'nübernelluna sehen: Mein Deutschland, wach auf! Bou? („B ölkischor Beobachte r" vom'17. 4. 31.) Deustchland in nocii ein kleines Kind. Doch die Sonne ist seine-Amme. Sie sängt es nicht mit stiller Milch, Sie säug t's mit teutonischer Flamme. Es ist ein ch e r u s k i sch e § R i e s e u k i u d. Reißt ein? dem Boden die Eiche Und schlägt den Juden den Rucken wund Und die Köpw windelweiche. Dem Siegfried gleich: es, dem jungen Fant, Bon dom wir singen und sagen: Der hat mit seinem de n jj ch e n Schwert Ten Amboß enrzweigeschlagen. Wach' a ui, dir wirst einst wie Siegfried sein, Zerspeilen den jüdischen Drachen. Und strahlend vom deutschen Himmel herab Grüßt Germania dein Erwachen. Deutschland * Bon Heinrich deine Dr-r nickst and ist nock? ein kleines Kind. Doch die Sonne in seine Amme. Sie säugt cs nicht mit stiller Milch. Sie säugt e -7 mit wilder Flamme. Es ist ein täppisches R i e f 11 c i n, Reißt ans dem Boden die Eiche Und schlägt euch damit den Rücken wund Und die Köpfe windelweiche. Dem Siegfried gleicht es, dem edlen Fan-. Bon dein wir singen und sagen: Der hat, nachdem er geschmiedet sein Schwert Don Ambo?) entzwei geschlagen. I a, du wirst einst wie Siegfried sein Und töten den häßlichen Drachen, Heisa' wie freudig vom Himmel herab Wird deine Frau A:n m e lachen? Man sieht, eine Fälschung, und nur die Herren vom ,völkischen Beobachter", denen ihr Antisemitismus verbietet, die klassische deutsche vueratnr zu kennen, konnten das nicht sehen. Allerdings hätte eine kleine Anfrage bei irg^ öemem gebildeten Menschen genügt, um das Hstler-Blatt vor dieser Fälschung zu bewahren, falle inan da überhaupt auf soviel Gewistenhastiglest Wert logen sollte. Uebrigens ist es, abgesehen davon, daß es eine Fälschung ist, eine miserable Fälschung: man Mste die gefälschten Verse nach dem Sildenwen und der Konsonantenmenge aus, und man wird die Vergewaltigung des Rhythmus erkennen. Man wird zunächst geneigt sein, über das Pech des „Völkischen Beobachters" zu lachen: im deutschen Tichtcrwald fehlen die Braunhemden und worden sehr vermißt; zeigen sich plötzlich welche, so feiert man sie stürmisch, um bald zu erfahren, daß diese einzigen poetischen Braunhemden in Wirklichkeit jüdischer Herkunft und des; echt imtionalsozialistisch-mstisemitisch lediglich die künstlich hineinaebrachten Webfehler sind. Rum kann tauin unter Hitlers Troß einen Spaßvogel vermuten, der seinem Blatte aus Bosheit joupe Enteneier ins NesF legen wurde, und die andere Seite hätte keinen Anlaß dazu. Man muß alio diese so wenig dichterische Gedichl-AngelegenlM als das nehmen, was sie ist, als Fälschung,?md nichts könnte ernster sein. Es ist nicht unsere Sache. Detektiv zu spielen und zu entdecken, wie der Schwindel mit den Namen Grillparzer und Grimm entstand, und ob Hitlers Blatt bloß von Betrügern oder von selbst bctreger?en Betrügern gernacht wird, ob also der zuständige Redakteur gewußt hat. daß eine Fälschung vorliegt oder ob er selbst hereingcfallen ist — genug. der „Völkische Beobachter" ist, wenn wir uns an das Urheber- und an das Prenegesetz halten, für die Fälschung verantwortlich zu machen, rmd sie mag wohl zu rvillkommen gewesen sein, als daß mau sich noch verpflichtet gefühlt halte, für Rückendeckung zu sorge??. Man hat gefälscht. Eine bewußte und absichtliche F ü l s ch u n g ave r - und wer die in jeder Redaktion übliche, bei jedem kleine?? Lokalereignis übliche Kontrolle unterlässt, fälscht dar? n b e - mußt und absichtlich — ist ungefähr das Schlimmste, was mau einem Schriftsteller oder Redakteur nachsagen kann. Mau überlege sich einmal, rvas eine literarnche Fälschung ist. Literarische Fälschungen komme?? vor, cs gibt Plagiatoren, die um ihrer persönlichen Eitelkeit willen fremdes geistiges Eigentum stehlen, aber davon kann hier ja keine Rede sein, der „Ankor" versteckt sich ja hinter den Namen von Toten. (Würde es sich nicht uni geistiges Eigentum Von Toten handeln, so müßte man das Wort Leichenfledderei gebrauchen.) Außerdem gibt es literarische Fälschungen mit tendenziöser Richtung, sei cs, um zu erpressen, sei cs, um aus „ideellen" Gründen falsche Tatsackxm vorznjpiege'ln. Beide Fälle sind gleich verächtlich, und ob man nun Geldscheine, Aktien, Dokumente. Quittungen. Wcchselunterschristen oder Gedichte fälscht — Fälschung bleibt Fälschung, und es mag die Unterschrift W. K. G r i m m s, H e i u e s cder eines Bankiers sein, Fälschung bleibt Fälschung. Tie gleichen Leute, die an dieser Fälschung moralisch mitschuldig sind, erklären, man habe auf deutscher Seite im Kriege niemals mit -so unehrenhaften, infamen Mitteln gearbeitet wie die Entente, deren Flieger deutsche Zettel ulnr die deutschen Gräben lvarfen, auf denen gefälschte Rackp richten, Gebennbefehte usw. standen, ganz zu schweigen von den vielen maßlosen Filschüngeu. die im Ausland über die Bestialität der Bo-chcs verbreitet wurden. Wie dem au:i; sei, Cv war ein Mittel zum Kriegstihron, wie Handgranaten mrd Fliegerbomben, Giftgas und Hungerblockade, und man mag }v:h ait-j diesen Rütteln seinen Schluß über den Zweck de-2 Krieges ziehen, der sie heiligte. Auch die Rationalsozialisten loerdeu meinen/ ihr P.irtei-Kriegszweck heilige ihre Fälichungsunttel — die gleichen, die sie für den äußersten Fall, den Krieg, als unfair, als unehrenhaft, nü undcntsch

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.