Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 10 (1931)
- Issue
- 17 (24.4.1931)
- Date
- 1931-04-24
- Page
- Seite 208 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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20S Überwindung derW irtsdiafltskrise? Schlusswort von Günther Stein Im Anfang meines Aufsatzes über „Tie Arbeitslosigkeit und das Schicksal der Juden" slarlden folgende Tatze: „To sei denn vorausgeschickt, daß dieser Aufsatz zu cineni Ergebnis kommen wird, das als pessimistisch gelten mutz. Um so bester wäre es, wenn es anderen gelänge, mit konkreten Angaben, ohne daß der Kops in den Land gesteckt wird, eine günstigere Prognose zu stellen." Leider hat sich ergeben, daß unter den Erwiderungen, die in der B.- Zeitung" erschienen sind, keine einzige mit wirklich konkreten Angaben eine solche günstigere Prognose zu stellen vermag. Zunächst, was den allgemeinen Rahmen des Themas angeht: den Charakter der heutigen weltwirtschaftlichen und deutschen Krise. — Ich hatte die Behauptung ausgestellt, daß die gegenwärtige Krise sich wesentlich von den gewöhnlichen Konjunkturkrisen unterscheidet, die die Mrtschafrsgeschichte relativ regelmäßig aufzuweisen hat, und ich hatte behauptet, daß wir uns in einer Krisenperiodc des Kapitalismus befänden, die trotz augenscheinlich nur zufälliger diplomatischer Komplikationen aus wirtschaftlichen Urgründen heraus mit dem Weltkrieg zu einer erster. Eruption geführt hat, und daß die heutige Krise keinesfalls eine Folge des Weltkrieges, sondern selbst eine zweite Eruption der elementaren weltwirtschaftlichen Sparunma-m fei. Cs ist dies keinesfalls eine besonders extreme Ansicht, eine Ansicht, die etwa nur in gewissen parteipolitischen Lagern herrscht, sondern eine Meinung, die in immer weitere Kreise rechts und links, in Praxis und Theorie eingcdrungen ist. Sogar das amtliche Institut für Konjunkturforschung beim Statistischen Reichsamt hat kürzlich in aller Offenheit uusgesprochen, daß diese Krise sich grundsätzlich von allen früher beobachteten Krisen unterscheidet. Leider ist es im Rahmen dieses Aussatzes und ohne die Anführung großen statistischen Materials nicht möglich, einen auch nur annähernd schlüffigon Beweis für diese Behauptung zu führen. Aber es scheint mir doch, daß derjenige meiner Kritiker, der ans dieses Thema ausführlich eingeht, nämlich Tiplom-Bollswirt Erwin Simon (Erlangen), allzu wenig gründlich argumentiert, wenn er davon spricht, daß derartige Krisen wie die. heutige keine spezifischen Ereignisse der gegenwärtigen Zeit seien. Er meint, noch immer sei aus eine Krise ein Aufschwung gefolgt, und so werde es auch diesmal sein. Das ist von mir keineswegs geleugnet worden. Tenn eine Dauerkrise ohne Ende ist schlechthin undenkbar. Was mich zu einer ungünstigen Prognose geführt hat, ist vielmehr die historische Erkenntnis, daß die wirtschaftlichen Krisen allmählich immer schwerer werden und einander immer schneller folgen, während in den dazwischenliegenden Konjunkturperioden die „normale" Arbeirslosigkeit ans ein immer höheres Niveau steigt und Heilv/irHend! Fachinger Vcrsandstelle, Berlin SW11 ßehuneberger Strasse I3a. Telefon: Lützow: fcßÄ/;ßl. der masienbeglückende Effekt der Konjmcknirsonne immer geringer wird. Tiefen harten und unerbiulichen Tatsachen gegenüber ist es leider von wenig praktischer Bedeutung, und von geringer Überzeugungskraft, wenn man sich ,.in felstnckestem Vertrauen aus den Schockftnswillen und Arbeitsgeist der deutschen Hand- und Kopfarbeiter im Gedenken der Väter i:nd Großväter, die Deutschlands Aufstieg mitbegründen balsen, und im festen und unerschütterlichen Glauben an die Vernunft der europäischen Völker an eine schöne, bessere deutsche Zukunft" einen Optimisten nennt. Man sagt mir, ich solle nach meinen pessimistischen Feststellungen auch Wege zeigen, die zur Emdänmmng der Rotlage führen könnten. Lägen die Tinge so, daß,ein einziger Vorschlag aus dem Papier einen wirklich gangbaren Ausweg zeigen tonnte, so hätten wir wohl keine Krise von einer solchen Dimension. Es sind die Stürme einer rapiden historischen Entwicklung, die die Weltwirtschaft in die Krise gestürzt baden: elementare, logische Entwicklungen, Ereignisse. die die Sünden der Väter des heutigen Wirtschaftssystems am dritten und vierten Glied rächen. Gewiß, es gibt einen Ausweg aus dieser Krise, wie ja das Leben niemals ausweglos ist. und dieser Ausweg ist zwar mit wenigen Worten zu umschreiben, aber nur durch große kollektive Taten zu erschließen. Es ist der Wog zur Planwirtschaft, den nur einer der Beteiligten an der Diskussion über meinen Auisatz, Tr. Hanns Reißner (Berlin), auch wlgerichtig und überzeugend cnckgezeia: hat. Diele eine einzige Wirtschaftsform ist nicht lex Gefahr der Krisen, nicht den dauernden Bedrohungen großer Arbeitslosigkeit und schwerer Vernachlässigrmg des Lebensstandards der Mafien ausgesetzt, denn sie allein ist das Wirtschaftssystem, das planmäßig Produktion und Verbrauch einander anpaßt, das sachliche und ethische Gesichtspunkte als Motive der Wirtschaftsführung wieder mehr in den Vordergrund rückt. Walther N a t h e n a u hat in feinen Büchern viel darüber gesprochen, und selbst wenn man seine Ansichten in mancher Einzelheit nicht teilt, so sind diese Schriften für den nichtmarristischen Betrachter 0er heutigen Wirtschaftsnot wohl, die überzeugendste und klarste Ansklärungslektüre. Man sollte keine weiteren Rathenau-Jubitäen abwarten. um diese Schriften wieder einmal zur Hand - zu nehmen, denn der akuteste Anlaß für ihr Studium ist wohl die heutige Situation in der Weltwirtschaft und in Deutschland. Ran zu der Spezialfrage der Diskussion: dem Schicksal der Inden im allgemeinen W i r t s ch a s t s e l e ud. Auch hier sind es nicht Argumente im eigentlichen Sinne, die meinen pessimistischen Ansichten entgerengestellt werden, sondern Hoffnungen und Wünsche. Ich bin weit entfernt davon, eine Abnosphäre der „Bäche Babylons" hcravfteschw-ören zu wollen, aber ich kann m einem Optimismus, der harte Realitäten zu ignorieren und zu bagatellisieren droht, nicht die lebeusspendende Kraft sehen, die manche von eirwr Stimmung gewisser Sorglosigkeit erwarten. Mir. scheint in dem Sinn, in dem er die unentbehrliche Grundlage jeder menschlichen Aktivität ist, -Optimismus gleichbedeutend zu sein 'mit sachlicher Betrachtungsweise. Auch hier scheint mir Tr. Hanns Reißner die Tinge am (■vjllil i? üJijj klarsten zu sehen, indem er eine weitere Brolotarisiernng des Judentums als wahrscheinlich erwartet, indem er aber gleichzeitig darauf hinweift, daß hierin keinesfalls ein Todesurteil für das Judentum liegt. Er ''ordert von denn deutschen Inden eine gewusst Umstellung. dio. wenn sie nicht freiwillig vollzogen, werden wird, vermutlich von den äußeren Entwicklungen erzwungen werden dürfte. Eine Umstellung, die auch meiner Meinung nach nicht nur, ja vielleicht nicht einmal in erster Linie, im Materiellen, sondern im Weltanschaulichen, im Ideellen läge. Erkenntnis seiner Lage und Einrichtung aus diese Lage ist noch immer für jeden Menschen der klarste und geradeste Lebensweg gewesen. Und diese Umstellung ist mehr als Änpcmung, sie schafft gleichzeitig die Voraussetzungen für Wandlungen des Wirtschaftsmsterns, die Krisen wie die heutige auf die Dauer herbvisührcn müssen. Neben dieser inneren Umstellung — die übrigens eine Notwendigkeit für das gesinnte deutsche Volk und nicht nur für die jüdische Bevölkerung darstellt — ist von einer äußeren, rein wirtschaftlichen Umstellung der Juden nach meiner Ansicht nicht allzu viel zu erwarten. Eine Umstellung von dem einen aus den anderen Berus hätte ja schließlich nur dann einen Sinn, wenn der eine Beruf weniger überfüllt wäre als der andere. Wo aber wäre heute ein Mangel an Arbeitskräften, ein Mangel an Spezialisten, wo wäre nicht in jeder denkbaren Kategorie von Arbeitern, Angestellten, Bsimnien und freien Unternehmerpersönlichkeiten ein gewaltiger Uebersluß? Was für die Berufe des Handels und der Industrie gilt, scheint mir auch trotz aller noch bestehenden inneren Kolonisitt i on s mo glichkeiten für die Landwirt''ch.ast zuzmrenen. Gewiß wird nicht nur unter materiellen, sondern auch unter ideellen Gesicht spruchten für manche jungen Juden die Umstellung bzw. Einstellung auf einen landwirtschaftlichen Berus von großen Nutzensein. Aber für die breite Musst derjenigen, denen unsere Sorge gilt, ist der Weg in die Landwirtschaft kein Ausweg. Auch dort herrscht die Krise nicht nur im Augenblick, sondern auch dort hat sie liefere Herde, die sie immer wieder und immer schneller zum Anfbrechen treiben werden. Noch einmal sei ausdrücklich betont: cs gibt einen Ausweg aus der Krise. Dicker Ausweg führt zum Ziel der Plaumirckchast. Es nt ein Weg, auf dem man nicht mit Eummirädern fahren kann. Eine Reise, die viele Opstr — Opfer vor allem an Vorurteilen, aber auch Opfer an vermeintlichen und wirklichem Bequemlichkeiten und Traditionen — verkamst. Tie erste Voraussetzung aber iür die Erschließung dieses Weges ist, daß man sich der heutigen Situation, einer keineswegs nuällsten. sondern einer ries im Historischen begründeten Situation, klar und nnscntimental bewußt wird'. Ein tröstlicher Irrtum. In der Notiz mrcra lebten Nummer, die sic; mir der Einladung an jüdckche Kau'lluw'. n<U in R. a > a r c 1 h lP-'.äsrinst nicdcr;ulanen, be schmust. ist dem Versiu'str ein Irrhim Unterlasten. Er p ine da non aus. daß in R.ozarcch bei den leisten llnrnben Iudan aetätet worden feien. Etz ist nur erfreulich, daß diste Tnsirebc nicht stimmt, denn seit einer An;ab! von Jabrzcbntrn mobilen keine Juden mehr in Nmarech. Tust trostem angc- >d];ne Persönlichkeiten der Eirnvobnersibcst von Nazareth jüdische (st'sibästsllutc. an deren (stckichkeit und Tücl.ticrkelt sie glauben, stnstdcn, sich in Nazareth nieder;ulassen, stellt dem tN-Uur Ruf der Juden nur das beste Zeugnis aus.