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Central-Verein-Zeitung · 1931-04-17 · 16 (17.4.1931) · p. Seite 198

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
10 (1931)
Issue
16 (17.4.1931)
Date
1931-04-17
Page
Seite 198 (sequence 6)
Language
German
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1«« SMMMWWMlWU keß jiiwäb ö. Z.MWZ tctcrlfil! Tcr zu wiederholten 5.nalen wegen Belcidiaung politischer Gegner vorbestcafw nat;o11aif3iaIi11fct^e Gauleiter Erich Koch (Tstprcußm'' holte sich kürzlich vor dem Schöffengericht in Königsberg uu'acn Beleidigung unseres rstprc'.ißi'chcn Landcsverbandsshndikus Kurt S a b n f r» 311 r-crantworten.^ In Epdtkulmen hatte zur Zeit, als Tr. -vilfcrbina Reichssinanzminister war. eine ö'stnkliche Bermmnilunö der 9ta!ionalsozialis:-n ftaiivieFiiiibcn, die von dem Zollinspektor R 0 u: a n 0 w s k h geleitet wurde. Zn ihr machte der Ge.ngeichäfls'ührer H e i d 1 i d) l Königsberg) niedrige Vstmerßmgen über „das I ude nschwe in" H i lserdi n g.. Ter Bersammlungslester hielt es, obschon er Reichsbealnter ist, nicht für nötig, diese Worte Heid r ich s gegen den Minister zu monieren, sondern bedankte sich zum Schloß bei dem Redner in der üblichen Weise. Ticken unerhörten Vorgang kritisierte die „Kömgsbcrger VollszeitmW in ihrer Nummer vom 17. Zuli-19L0. Tie Veröffentlichung veranlagte Syndikus 2nbatzkh nach gründlichen Nüchscistchungen zu einer kommcntarlosen Schilderung des Vorganges im ..Königsberger Indischen Semeindeblatt" unter der Rubrik ..Mitteilungen des E. V.-Syndikats". Auf diese Veröffentlichung hin erschien in der Nationalsozialistischen Wrchcnschrist „Ostdeutscher Beobachter", deren veranlwor.fficher Redakteur der Angeklagte Erich K 0 6) damals war, ein Aussah: ir& c x x a b a 13 f!) 11 n d ,K ö n i g s b e r g e r D 0 lk s ze i t n n ö* in trautem Verein g e - gen N a t i 0 n a l s 0 z i a li st c n", in dein cs v. a. heißt. Die „KönigsLcrger VolkszciLnag^ lügt hier in der geuitinsten Art und Weist, was aber den Herrn Scrbatzly, Syndikus des Ccntralrcreins fübifcfjcr Staatsbürger, nicht abhciü, dcn Schwinde! der Bolkszeitung in Nr. 8 des „Königsdergcr Jüdischen Eemcindeblaücs" (1. 9. 1ö30) zu bringen und den Versammlungsleiter Pg. R 0 n a n 0 d f ‘ i) bei feiner Behörde, anzui'ch Sörzen. Herr ScrLatzkn, das ,„Königsberger Jüdische (Semeindeblatt" und die „Königsberger Lolkszeitung" lügen und verleumden. In der Hauptverhandlang trat der Angeklagte Koch besonders dem Vertreter des Nebenklägers, Rechtsanwalt A s ch k a n a \ d, dem bekannten Strafrechtler und Landcsrerbandsvorstündsmitglied des Centralvereins, iur höchsten Grade anmaßend gegenüber. Gegenüber den Zeugenaussagen, die sämtlich die Richtigkeit der von Sabatzky im „Königsberger Jüdischen Ccmeindcb'atck veröffentlichten Notiz bestätigten, hielt Koch seine Beleidigungen aufrecht. In seinem Plaidoycr wies Rechtsanwalt Aschkanasy aus die gewisstnhastcn Feststellungen des Nebenklägers >-abatzky, der sich vor seiner Veröffentlichung sieben eidesstattliche Versicherungen von Versammlungsteilnehmern beschafft hatte, hin. Entgegen dem Antrag des Staatsanwalts, der eine Geldstrafe von 360 Mark beantragt hatte, stellte er den Antrag, den Angeklagten, für den die Partei die Geldstrafe bezahle, zu Gefängnis 31t verurteilen. Das Gericht ging über den Antrag des Staatsanwalts hinaus und verurteilte den Angeklagten 3U einer Geldstrafe v 0 n IVO Mark, ersahwehe zu 14 Tagen Gefängnis. Es habe nicht mir formale, sondern tatsächliche Beleidigung Vorgelegen, der Nebenkläger sei in seiner Ehre schwer gekränkt worden. - Außerdem wurde auf Publikation?- b e s u g n i s in der nationalsozialistischen „Preußischen Zeitung" sowie der „ft önigsberger D 0 lkszeitung" erkanm. Wieder ein Freispruch irr Mosbach. In Nr. 41 der „E. B.-Zeitung" vom 31. T Kober 1930 berichteten wir eingehend über den Freispruch des nationalsozialistischen bavcckächen Larrdtagsabgeordneteu Tr. Tito Helmut?, aus Markibreit, der in einer nationalsozialistischen Versammlung am 28. Juni 1929 von dem Manauer ftindermvrd als von einem Ritualmord gebrochen hatte. Ter Freispruch war deshalb erfolgt, weil Herr Helmnth cs verstanderr hatte, sich so lange unter t>m scbüßendcn Mantel seiner Immunität zu verkriechen, bis die Zeugen sich der Vorgänge in der fraglichen Versammlung nicht mehr erinnern konnten. Tiefe Tatsache hat jetzt am 9. April zur Zurückweisung der Bcrusungsverhandlling, die vor der Mosbucher Strafkammer stattfand, geführt. Es ist wieder ein typisches Zeichen dafür, toie es selbst einem nationalsozialistischen Abgeordneten mt /Mut mangelt, zu seinen Worten und Talen zu stehen. Taß durch dicken Freispruch keineswegs die Berechtigung der gefallenen Aeußerungen bestätigt ist, bedarf keiner weiteren Erklärung. M M!A »A MM Im März-Heft der „Abwehrblättcr" ist ein Vortrag, den Prozessor Walter Coetz (Leipzig) in der Senckenbergi'chen EestlEchast in Frankfurt a. Main über das Thema „Tie Nasse in der 6 e s ch i ch t e" gehalten hat, veröffentlicht. Tie'em bedeutsamen Vortrage entnehmen luir folgende Gedanke ngänge: Ter alte Rasscnbegrifs zerbröckelt, weil er unhaltbar und reichlich unklar geworden ist. Nt an wird Klarheit über ihn erst wieder gewinnen können, wenn die Tatsachen gehört werden anftatr nationaler und politischer Vorurteile. Unzweifelhaft ist es ja, daß die „R affenforschuug" ein Gegenstand wissenschaftlicher Forschung sein kann. Aber was anernster Forschungsarbeit geleistet worden ist, hat den allen Begriff der Nasse freilich immer zweifelhasler gemacht. Nirgends zeigt sich die körperliche Einheit in einem solchen Umsauge, daß man von großen einheitlichen, ganze Völker mnfanenden Rasseugruppen sprechen könnte. Auch die Untersuchung der Rassen nach der geistigen Seite hin hat wissenschaftlichen Wert. Aber gerade hier stellen sich die Vorurteile breit und anmaßend in den Weg, und es ist ein Kennzeichen des Tilcttantismus in der deutschen Nasfeuforschnng, daß der Sah von der germanischen Edelrasse ebenso sestgehalten wird wie der Glaube an das große Erbteil dieser Nasse. Hier allein erbe sich alles Große und Echte der Menschheit von Generation ,zn Generation weiter, lediglich bedroht vom Eindringen des Judentums. Ter Historiker kann einer solchen Meinung gegenüber nicht den Vorwurf znrückstellen, daß die geschichtlichen Tatsachen darin verfälscht werden, wenn von reinen Rapen gesprochen wird. Tie Beweise sind erdrückend, daß alle Völker der Erde durch Mischungen hindurchgegangen sind. Tie Judogermanen vor allem treten bereits als ein Mischvolk ans der Vorzeit in die Geschichte ein und mischen sich immer von neuem nnt anderen Völkern. Wenn es aber keine Raffen gibt, so kann unmöglich von einer nur zu konstruierenden Urrape der Jndogermanon ein Werturteil über die Nassen abgeleitet werden. Trotzdem muß untersucht werden, ob in der Nasse etwas Konstantes liegt und ob sich der Geist einer Raffe immer gleichwertig vererben kann. Tas Ergebnis einer solchen Untersuchung ist, daß die Nasse geistig nicht konstant ist, sondern daß die Umwelt, das Klima, das Verhältnis der Voltszahl, die kulturelle Ucberlegenheit beim Zusammenstoß verschiedener Raffen entscheidender sind als das körperliche Erbteil, obwohl nun auch dieses keineswegs konstant ist. So gilt neben der Tatsache der allgemeinen Rassenmischung als historische Tatsache, daß die Umwelt und geschichtliche Entwicklung die Völker formen, gleichviel ob sie von der einen oder anderen Rasse abstammen. Ter verdiente Rassenforscher P. Schmidt (Wien) behält recht, wenn er sagt, „Tie Seele als solche hat keine Rasse/ Immerhin könnte ein Streit darüber entstehen, ob die Rassenmischung wertvoll ist. und es,wäre zu fragen, wie sich diese geschichtliche Tatsache auswirkt. Viele Forscher halten jede Misthuug für möglich und vorteilhaft, der Historiker jedoch kann diese Fragen nicht entscheiden, sondern muß dem Anthropologen die Entscheidung darüber überlassen. Aber ohne Zweifel sind die Mischungen im abendländischen und vorderasiauscheu Bereich, wo alles Volkstum vermischt ist, die Grundlage zur höchsten Entwicklung der Menschheit geworden. Und wenn, sich der leidenschaftliche Kampf der völkischen Rasscutheoretiker z. B. gegen die angeblich schädliche Vermischung mit &cm Judentum richtet, so iei daraus hingewieiew, das: unantastbare Forscher die These ausgestellt haben. BADWILDUNGENSSSS HOTEL OSERHGF n*und eiden. Hausiniialhur. K( mfort der Neuzeit. Herrliche btrenuclJiätküche. V.d!«* IYn>:on von .>1.9 -an. momnmnmnramm : K. SchjfTaChsr. wm m »i— daß Jndogermauen und Semiken-Hair.iten aus gemeinsamer Wurzel entstanden seien. Wenn die völkischen Rassenlheoreiikcr ihre Tätigkeit anstatt unhaltbaren Vorurteilen den Tatsachen der Geschichte und der Ltnthropologie zuwenden würden, so könnte sich wenigsten--' iur jene, die ein wissenschaftliches Berankwortnngsgefühl auszubringen imstande sind, ein reiches Feld der Betätigung eröffnen. Zunächst aber bleibt nichts anderes übrig, als das Tun dieser völkischen Rassemheoretiker als Tilettantismns zu bezeichnen und gegen die Besetzung von Uuiversitätstehrstülsteu mir -Iiuimtcvii dieser Art den schärfsten Einspruch zu erheben. Ein UnZufrieZencr Zn .Onns Gcisows Schrift „So wurde ich NationaLsozialist" „Wiviel Juden hatte ich doch keuuengelerut, die ich restlos verehren uuißie! Wie oft hatte ich, wenn ich irgendwo für einen notleidenden Menschen um Hilfe bau, gerade bei Juden offene Hände gesnndenck Wenn man diese eindeutigen Worte aus Seiw 21 der Schrift „So wurde ich Natioualsozialist" von Hans'G c i so w (Verlag F. Eher Nachfolger (3. m. b. H., München) antvifft, so könnte man mit Fug und Recht erwarten, daß der Verfasser den Nachweis erbringt, inwiefern der gehässige Kampf seiner Gesiuuuugssrcur.de gegen' alle, also auch die zahlreichen von Geisow „verehrten Juden" berechtigt ist. Aber diesen VevoeiZ bleibt er seinen Lesern ebenso schuldig wie überhaupt eine logische Begründung seines politischen Weges. Er ist der typische „Unzufriedene", der sich der Beivegung der „Protestler" anschließt. Hier ist cs kein Aufbegehren gegen rvirtschastliche VNißcrsoige.' Ausgebliebener schriftstellerischer Nulmi und gekränkte Eitelkeit sind die Triebfedern seines politischen Tuns. Hans G c i s o w ist Kriegsteilnehmer. Allerdings betätigte er, der „im schwimmen einige Erfolge errungen" hatte, sich nach einander als Leutnant beim Train, Lrrskonunandant und Adjutant eines A. O. K. In seinen offensichtlich zahlreichen Alrchestnnden übcrfcht er Tantes „Eonnnedia". Leine eigene Hochschatzung dieser 1921 erschienenen Necersetzung loird offenbar von der demschcu Leserschaft nicht geteilt. ' Ties ist der erste Grund seines Mißvergnügens. Tann verfaßte Geisow eine Abhandlung über die Sportberveguna, in der er manches Bernünslige über den Wert des Sports sagt und sich gegen den „Rekordfimme'ck nwndet. Er wird Vorsitzender einer bedeutenden Trgauisation, des Teu.tschen ^chwinnnverbandcs. Aber als er im November 1929 dort einen schwülstigen Antrag stellt, der einstimmig abgetehut wird, erklärt er, nunmehr „Politiker im Dienste Adolf Hitlers sein Xd wollench de stell „Kamps nicht gegen die Juden, sondern für die Deutschen gehS. Am nächsten Tag hält er. der vor beut Krieg Anhänger Friedrich Naumanns, noch dem .Krieg Nlitglicd der Deutschen Vch l k s p a riet war, seine erste Rede in der N^DAP. Geisow zitiert eigene, mindestens gutgemeinte Verse: „Ter Irrtum grüßt dich, daß du reifst und wirst Und in des Meers Unendlichkeiten mündest. Du lebst in Zeit und Raum, damit dlk irrst Und durch dein Irren ewige Wahrheit findest." Möge HariZ Geisow bald 31t diesem Ziel gelangen. Dr. E. P.

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