Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 10 (1931)
- Issue
- 16 (17.4.1931)
- Date
- 1931-04-17
- Page
- Seite 197 (sequence 5)
- Language
- German
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797 Das Februar-Hest des „Mannheimer Jsraelititischen Gemeindeblattes" verössentlicht einen Schriftwechsel des Rabbiners Dr. Unna mit dem Schriftleiter des „schwäbischen und badischen Tier- und Naturfreundes" K. T. Finne. In dem November-Heft des „Badischen Tier- und Naturfreunds", dem Organ des Ntannhciru- Ludwigshafener Tierschutzvereins, war ein ungemein gchäniger Artikel des Oberregierungsrats Tr. Rudolf E i n h a u s e r (München) erschienen, in dem die sofortige Beseitigung des „betäubungslosen Schächtens" gefordert wurde. Ein sehr sachlicher Artikel von Rabbiner Tr. Unna wurde mit der Begründung abgelehnt. daß es „mit dem Ernst der Tierschutzbestrebungen nicht vereinbart werden könne, den wertvollen Raum der Zeitschrift der Propagierung einer Rohheit zur Verfügung zu stellen". Auch sonst mußte der Ton des Schreibens, in dem die Juden in Gegensatz zu den Deutschen gestellt und als ..Artgenossen" bezeichnet wurden, äußerst befremdend wirten. Eine Beschwerde an den Bor sitzenden der M a n n h e i m er Ortsgruppe des Tierschntzvereins mit der Bitte, dahin zu wirken, daß der Artikel des Herrn Tr. Unna wenigstens in verkürzter Form veröffentlicht werde, um die gröbsten Jrrtümer richtigzustellen, blieb ohne Erfolg. Auch der Vorstand der Mannheimer Ortsgruppe unternahm nichts gegen dorr ablehnenden Bescheid der Redaktion. In dem württembergischen Organ des Tierschutzvereins. dem „Schwäbischen Tier- und Naturfreund" vom Februar 1931, dessen Schriftleiter gleichfalls Herr K. T. Finus ist, wird den Lesern das Märchen aufgetischt, hinter dem Schaufenster eines jüdischen Fleischerladens sei ein großer Schinken ausgestellt gewesen, auf dem mit k-chweineschmalz der Weihnachtsruf: „Ohne Schinken, ohne Speck hat Weihnachten keinen Zweck" aufgespritz: gewesen sei. Jeder unbefangene Leser merkt die Absicht, denn selbst Herr Finus müßte eigentlich wipen, daß es in einem jüdischen Fleischerladen weder Schinken noch 'Schweineschmalz noch sonst irgend etwas gibt, das mit Schrveincfleisch zu tun hat. Diese Unavahrhaftigleiten und Geschmacklosigkeiten sind charakteristisch für den- Geist, der heute leider auch weite Kreise der Tierschutzvereine ergriffen hat. * Auf nationalsozialistische Anträge hin haben sich Zahlreiche Länder- und Genieindeparlamente in der letzten Zeit wieder mit der Schächtfrage besagen müpen. In Thüringen kam ein von nationalsozialistischer Seite eingebrachter Antrag auf Verbot des Schächtens in einer Reihe von Ausschußsihungen zur Beratung. Tie dritte Lesung dts Plenums steht bevor. In Bayern machen sich die Auswirkungen des seit dem 1. Oktober 1930 in Kraft getretenen Schächiverbots in starker Weise bemerkbar. Metzger und Landwirte find wiederholt mit Klagen und Eingaben an den Landtag herangetreten, um die Aufhebung des w i r t s ch a s t s s ch ä d i g e nden schächtverbots zu erwirken. In Württemberg wurde eine Eingabe auf Einführung des Betänbungszwanges im Wirtschaftsausschuß des Lcmdtags-behandelt. Es wurde der Antrag engenommen, bei der Reichsregierung dafür einzutretcn, daß die zuständstze israelitische Religionsgemeinschaft zu Verhandlungen über die Möglichkeiten der Einführung einer Betäubung amgefordert werden möge. Städtische Verbote wurden in Zwickau am 9. Mai 1930, in Hirschberg (Schlesien) J © © b l\ © Bayer, Alpen DAS BAD GEGEN AR7ERiEHVEHOLKU'!5 KU8y. BÄDHOTSL Inh. G. JCisskafL Führe-’j'es L'.ni 0'3t23 Das einzi-e mit Jcd;iieÜ:ä-2r^. IC&nhzt Preise. am 23. November 1930, in Gotha am 6. Februar 1931 und in Bielefeld am 11. Mürz 1931 beschlossen. ' Abgelohnt wurden die auf Verbote hinzielenden Anträge in Ouakenbrück Anfang Oktober 1929, in Berlin am 3. Juni 1939, in Leipzig am 2. Juli 1930, in König s b e r g am 17. September 1930, in Köln am 2. Oktober 19-30, in M ü h l h a u s e n i. T h ü r. Anfang November 1930, in Soest (Westfalen) Anfang Dezember 19-3), in Ratibor am 23. Januar 1931. in S ch w e i d n i tz am 29. Januar 1931, in R o st o cf am 2. März 1931, in U l m am 9. März 1931, in M a n n h e i m Anfang März 1931. In Bremen wurde der nationalsozialistische Antrag von den Antragstellern Anfang März 1931' zurückgezogen. Verhandlungen über Schächtverbotsanträge stehen in Danzig, Ham m und Härter bevor. A. L. Ledensvernichtung m öer Schwere ösr heutigen Zeit Wie ein Mensch seine Lebensnot überwindet, ist für seine Auffassung vom Leben und für den Wert des eigenen Lebens aufschlußreich. Auch die Form der letzten und endgültigen Behebung der Lebensnot, Selbstmord oder Freitod, wie man diesen Schrick auch immer umschreiben mag, bezeichnet den Menschen und seine Art. Zahllose Menschen sind in den letzten Jahren, zermürbt oder trotzig, freiwillig in den Tod gegangen; sehr viele Juden darunter, die als Angehörige der hauptsächlich zerriebenen Mittelstands schichten der Not der Zeit am häufigsten ausgesetzt waren. Diesseits und jenseits der Grenze fassen Menschen den letzten Entschluß. Nur selten' noch merkt die große Oeffentlichkeit bei der Nachricht Von einem Selbstmord aus, der sonst nur eine Eintragung in Registern wäre. Eine eigenartige Duplizität der Ereignisse stinunt nachdenklich: Vor einigen Tagen krachten in den Gottesdienst der Budapest er Gemeinde Revolverfchüsse hinein. Getroffene und erschreckte Menschen schreien aus; auf den brüllenden Schützen stürmen sich mutige Männer, entwinden ihm die Waffe und übergeben ibn der Polizei. Verhöre werden angestellt und der Täter, hinter dem neuerdings angebliche Hintermänner auftauchen, begründet sein abscheuliches Verbrechen mit seiner Selbstmordabsicht; er habe aber in seinen Tod Angehörige derjenigen Menschenklane mitnehmen wollen, der er neben den I ü r i st e n und Schauspielern die größte Schuld an seinem Niedergang beimesse, den Juden. Inzwischen ist eines seiner jüdi'chen Opwr gestorben. Der' antifenntische „Selbstmörder" aber lebt noch. Er hatte'Lärm gemacht, eine Sensation verursacht, und er ist nun im sicheren Gewahrsam der Behörden zunächst davor bewahrt, seine selbstmörderische Absicht durchzusühren. Er wurde mit seinem Leben nicht fertig, vielleicht aus denselben Gründen, weshalb er mit seinem Tode nicht fertig wurde: weil er statt Sachlichkeit Sensation suchte, statt Einsicht in die eigenen Fähigkeiten Abwälzung aus Tritte, statt Entschlossenheit im Ziel Umwege zti ihm. Ungefähr um die gleiche Zeit beschritteu in B e r l i u eine greise jüdische Mutter und zwei wirt'chafttich vernichtete Töchter den Weg aus dem Leben. Angehörige früher wohlhabender Familien, haben sie, die sich im Leben sicherlich oft gestützt und gefördert, auch bei dem gemeinsamen Weg in das letzte Dunkel geholfen. Pflichttreu und rücksichtsvoll gegen die Allgemeinheit, ohne Haß und Rachegefühl gegen eine Entwicklung, die zu meistern über. Rwnschenkralt hinausgeht, schrieben sie^ an die Tür ihrer Wohnung: „Vorsicht beim Oennen! Erplosionsgefahr!" Das ist eine letztmalig aufgewandte Umschreibung des in guten jüdischen: Familien üblichen Gnrndsatz.es: .Flur leinen Lärm! Nur nicht ms Gerede kommen.." Wie ein Mensch seine Lebensnot überwindet, ist für seine Auffassung vom Leben und für der! Wert fremden Lebens aen-chbobstreich. Mancher meint, sich für sein Schickwl rächen zu müssen, andere ' glauben, es allein tragen zu sollen. Auf die dritte mögliche Losung, einander zu helfen, kommen die wenigsten. A. H. * Budapest, 13. Amil. (J.T.A.3 Am. Montag wurde d-er 17jährige Lehrling Eugen Roth, der den beim Budapcstcr Synagogenattentat erhaltenen Verletzungen erlegen ist, unter ungeheurer Beteiligung zu Grabe getragen, lieber 10 000 Personen folgten dem Sarge. An der Trauerfeier auf dem Budapester jüdischen Friedhof, die sich zu einer eindrucksvollen Kundgebung für konfessionellen Friede:: gestaltete, nahmen Kultusminister Graf Klebelsberg in Vertretung der ungarischen Regiernng, der katholische T i s ck o f T r. Jost a n n M c s z a r o , der Bischof der reformierten Kirche D r. R a v a s z . der e v a n - gelis che Bischof 51 anal), der L i s ch. o f der u n i t a r i s ch e n Kirche I o z a n , der Budastester O b e r b ü r g c r in e i st e r Tr. R i v k a, der O b e r st a d t h a u p t m a n n (Polizeipräsident^ Tr. Dezegh Huszagh, zahlreiche Reichstagsabgeordnete und Deputationen jüdncher Gemeinden und Organisationen teil. Am o^enen Grabe sprach Großrabbiner Tr. Sinwn Hevesi, der in ergreifenden Worten an die wahre Nächstenliebe appellierte und die Hetzkampagne gegen das Judentum verurteilte. Heute wie öazuma!... Wenn im mittelalterlichen Abendland das „ansgebeutete Volk" die „jüdischen Blutsauger" wieder einmal totaeschlagen oder davonaetrieben hatte, so mußte es nicht selten die Erfahrung machen, daß es aus dem Regen in die Traufe gekommen war. Sittenprediger und Geschichtsschreiber berichten nämlich immer wieder, daß die Christen — heute würde man sie die weißen Juden nennen — es noch schlimmer trieben als die jüdischen Wucherer, und es soll vorgekommen fein, daß man sich seine Juden als das kleinere Nebel zurückholte — wenn sie noch am Leben waren. Aehnliches spielt sich, wie die „Jüdische Telegraphcn-Agentur" meldet, zurzeit in Palästina ab. Durch die August-Unruhen im Jahre 1929 wurde auch die jüdische Kolonie in N a z a r e t h vernichtet, lieber die Folgen klärt nunmehr ein Aufruf von zehn hervorragenden nr o h a m m c - dänischen und ch r i st l i ch e n Arabern in der arabisch geschriebenen jüdischen Zeitung „Al ^alaam" aus. An die „Jüdischen Bereinigungen" wird der Appell gerichtet, den wirtschaftlichen Wiederaufbau der Stadt Nazareth durchzuführen, die jetzt dort ansässigen Händler, die übertriebene Preise fordern, aus ihrer dominierenden Stellung zu verdrängen und den Kampf gegen die arabischen Geldverleiher und Wucherer aufzunehmen. Wie in dem Aufruf ausgcführt wird, hat die Bevölkerung von Nazareth viele Jahre hindurch immer wieder ihre Stimme gegen das Treiben der Geldverleiber in dieser S^adt erhoben. Sie hat sich von Zeit .zu Zeit vergeblich an die Behörden um Abhilfe gewandt und ist nunmehr zu der Erkenntnis gekonunen, daß die E i n w a n d e r u n g v o u Jude u d i e einzige Mö g l i ch k e i t zur Rettung der Stadt d a r ft e l l t. M *%; Bj l.fiim > V-O ß il if©)j;{g/ö tfo; n -I Jung gewohnt ist alt getan. So heißt's im Sprichwort und so bin ich auch mit Ihrer Chlorcdo nt-Zahnpaste gefahren. Afs Knabe i kaufte mir die hfutter schon immer obige Paste und ich weiß! mich kaum jemals zu erinnern, eine andere gebrauch t zu haben. ■ 1 [" ““ ‘ “ ------ >? - iL Tube 54 Pf. u. 90Pf.,Zahnbürsten 1 Mk., für Kinder 60 Pf. -Jf