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Central-Verein-Zeitung · 1931-04-17 · 16 (17.4.1931) · p. Seite 199

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
10 (1931)
Issue
16 (17.4.1931)
Date
1931-04-17
Page
Seite 199 (sequence 7)
Language
German
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m i Sr. §ugo Sahn (Essen) Tie vor einigen Monaten in Essen veranstalteten Synagogenvorträge haben weit über den Bereich der hiesigen 2tc.bt hinaus eine so starke Lichtung gesunden, daß ich der Aufforderung der „E. V.-Zeit.mg'ß ein prinzipielles Wort zu dieser Ausklärvmgsarbeir im Tienft des Judentums zu sagen, gern Nachkomme. Zunächst darf fcstgestellt werden, das) der Versuch, durch Bortragc-veranstalLungen in der Synagoge Fehlurteile über das Wesen des Judentums beseitigen zu helfen, nicht neu ist, sondern schon ans eine interenaute Entwicklung in unserer Gemeinde zurückblicken darf. Bereits im Jahre 1919 hat die diesige Synagogengemeinde ans Anregung der Essener Ortsgruppe desEentralvereins einen besonders für die nichtjüdische Einwohnerschaft berechneten Vortragszyklus in unseren), wegen seiner Schönheit viel bewunderten Gotteshaus abhalten lasten. Veranstaltungen ähnlicher Art, die Dinen über den Inhalt der jüdischen Lehre in weitere Kreise der Bevölkerung tragen wollten, wurden seitdem mit wachsendem Erfolg in Abständen von ehra zwei Jahren in der hiesigen Synagoge durchgcsührt. Tie späten Stunden des ^onntagvormittags haben sich für diese Art von apologetischen Ansprachen als besonders günstig herauZgcsiellt. Hatte inan in früheren Jahren das Dort des Redners allein wirken lasten, so ist man in .jüngster Zeit dazu übergegannen, dem Bortrag eine kleine musikalische Umrahmung zu geben, die dazu angetan ist, das „innere £f)t~ des Zuhörers zu össneu und ausuahmcbereir zu machen. Denn die lebte Essener Vortragsreihe besonderen Anktang fand und ihres Erfolges wegen bereits von einer Reihe von Gemeinden übernommen wurde, so hat das seine besonderen Gründe. Waren nämlich die Themen, über die bei früheren Anlässen referiert wurde, nach Form und Jnstrlt mehr den Erfordernissen der intellektuellen Schicht der Bevölkerung angepaßt, so stellten wir diesmal eine besonders auch in „Laienkreisen" viel diskutierte Frage in den Mittelpunkt ' der Erörterungen. Sattsam bekannte Ausführungen in der anrisemirischen Presse legten uns den Gedanken nahe, über die Frage: „Gibt cs jüdische Geheimlehren?" von besten Fachreftrcnten sprechen zu lasten. Zwar gibt cs eine reiche Literatur, die dies Problem in sachgemäßer Weise behandelt. Aber in einer Zeit, da die Ticuscheu sich schwer zum Lesen entschließe:: und sich allznleicht vom demagogisch ansgemachten Wer: gefangen nehmen lassen, kann uns die Auitlärungsliteratnr über den wahren Gehalt des Judentums dfciu nicht weiterhelieu. Dir brauchen ein Forum, von dem aus nur frei und offen über die Wert- Hastigkeit unseres Jnde-Senw zu jedermann sprechen können. In den Versammlungen der Gegner ist uns das huiiu mehr möglich. Ta werden wir entweder unseres „Blutes" wegen ausgeschlossen oder, wenn wir schon zur Tisknssion zugelassen weiden, nach vorheriger Verabredung in: Sprechchor niedergestbrien. Tas Abwehrmsttel der Gegenversammkuna, das in früheren Jahren gute "Dienste leistete, ist auch ein sehr zweisclhattes Instrument der Verteidigung geworden. Ter rüde Verfannnlungston, der nun einmal zu.m Trum und Tran unseres heutigen politischen Lebens gehört, läßt in den meisten Fällen cmck^den gutgesinnten Zuhörer nicht zur inneren Sammlung und 311m ernsthaften Nachdenken fcimr.cn. Ta bleibt' uns nichts anderes übrig, als die nichtjüdische Bevölkerung in unser eigenes Haus zu laden, von dem aus die Lehre des Judentums schon immer ihren Weg ins Heben genommen hat, in die Synagoge. Es hat gerade bei un'erer letzten Vortrags- Veranstaltung in der Synagoge nicht an wohlmeinenden conmmen oesehly die glaubten, uns in diesen aufgeregten Zeiten von unserem Borhaben abraten zu sollen. Aus wohlerwogenen Gründen hatten wir die Zeit unmittelbar nach den Reichstag-wahren als den für solche Bortragslätigkeit besondergeeigneten Termin ausgewählt. Tie Warnungen unserer Freunde verbanden wir wohl. Sie befürchteten einmal ein Fiasko hin amtlich des Besuches der Vorträge. Es hatte ja damals wirklich den Anschein, als ob der amistinitucke Bazillus satt alle Teile des Volkes infiziert hätte. Tarüber hinaus mußte man mit der Möglichkeit rechnen, daß judenfeindliche Romdies fettst in dem der jüdischen Religion geweihten Raum vor Ruhestörungen nicht zu rück sch recken würden. Dir haben das Experiment trotzdem gewagt. Durch Ankündigung in den Tageszeitungen und durch ein künstleristch wertvolles Plakat an den Litfaßsäulen haben wir die gesamte Bevölkerung zn unserem Vortragszyklus ciugeladen. Tie Synagoge war bei jedem der drei Borträge überfüllt. Störungen kamen nicht vor. Im Gegenteils Etwa zweieinhalbtausend Menschen lauschten jedesmal mit ständig steigender Aufmerksamkeit und pchrbarer Ergriffenheit den Worten der Redner, die mit Ernst und Würde die Ehre des Judenttnns zu verteidigen wußten. Tie Tatsache, daß Timeldors und Tertmund — 11m nur zwei besonders markante Beispiele herauszugreifcn — mit ihren dem Essener Muster nachgeahmten Synagogcnvoriragen denselben guten Erfolg zu verzeichnen hatten, zeigt zur Genüge, daß die'ern Unterfangen ein tieferer Sinn iunewohnt. Es ist gemäß wahr, daß bcstimmte antisemitische Kreise so verhetzt sind, daß sie die Wahrheit nicht hören wollen, nicht hören können, ohne sofort in Wut und Raserei zu geraten. Ereignipe der letzten Zeit haben der Teifcntlichkcit allzudeutlich die unmittelbare'.! Gefahren solch blinden Jndenhastefür die Aufrechtcrholtnng geordneter Verhältnisse im Staat vor Augen geführt. Aber man darf darüber hinaus nicht vergessen, daß es im dem sitzen Voll Menschen genug gibt, die darauf brennen, die Wahrheit über das vielgeschmähte und heftig umkämpfte Judentum aus berufenen! Mund zu hören. Tabei darf inan nch natürlich nicht der Illusion hingeben, als ob man durch ein gutes Wort die Vorurteile unserer Umgebung ander Welt schaffen könnte. Wer mit Richnuden viel über das Judenproblem gesprochen bat. weiß, wie ungeheuerlich groß oft die Unwüttnhcit selbst der ehrlich interessierten christlitten Kreise über jüdische Gegenwartsfragen ist. Man wird darum von unserer Seite gut daran tun, in solchen Besprechungen in der Synagoge ein aktuelles Thenns von verschiedenen Seiten her beleuchten zn lewen. Es besteht zum mindesten dann die Möglichkeit, wenigstens e i n Problem des Judentums durch eine Reihe von Einzelrewrateu den Zuhörern klar zu machen und in ihrer Sprache nahezubringen. Tamil und zwei Forderungen für die Einrichtung solcher Vorträge von selbst gegeben. Einmal: die Redner müssen nicht nur üocr einwandireie Sachkenntnisse verfügen, sondern ne müsst» Fühlung mit dem Volk haben. Tie müssen willen, wie man mit dem Volk sprechen muß, wenn man verstanden werden null. Taß nicht all'n viele Redner, die diese Bedingungen erstellen rönnen, im Augenblick zur Verfügung stehen, darf uns nicht abhalten, sie zu suchen und wenn nötig, zn diesem Werk heranzubilden. Und dann noch ein anderes: solche Aufklärungsarbeit kann nur wirksam werden, wenn sie von einem übergeordneten Plan diktiert ist; wenn sie zu einer ständigen Einrichtung gemacht wird, die dazu dient, die nichtjüdische Welt reu Zeit zn Zeit über drängende Fragen cms dun Bereich des Judentums zu unterrichten. Es Bll gern zugegeben werden, daß die Verwaltungen unserer Gemeinden im allgemeinen noch wenig Erfahrung gesammelt haben, um diest wichtige Avngabe ron'sich aus allein durchführen zu können. Ich bin aber überzeugt, daß auch in anderen Gegenden Tcutschlands genau wie bei uns, die einzelnen Organisationen, die sich in dieser Arbeit au-kennen, also vor allem die E. * B.-Trtsgrupben, ihre Kräfte gern der Gemeinde zur Verfügung stellen werden, um dazu beizutragen, daß durch solche Bortrag.sveranstatttlngen eine bessere Kenntnis über den Wert des Judentums in unserer Umwelt verbreitet wird. Me Aepräseirlantenwahlen in Senzig Am 29. März fanden in Tanzig die Dahlen für die R-eprästutankenrersammlung statt. Im Gegen- 'atz zn dem im Reich im allgemeinen Ueblichen sind in Tauztt die Liberalen und Lrthodorcn in einem Block vereinigt, dem die Jüdische Volk-Partei gcgenüberftcht. Ter Tanziger 15. V. konnte sich also obre Verletzung der religiösen Neutralität vorbehalltts und restlos für die Kandidatenliste der vereinigten Liberal-.'» und Lrihodorcn cinsttzen und unter 'einem überaus tiifTäytißcu Vorsitzenden Kon'ul D e i u k r a n tz die Führung der Dahlprovaganda übeineb.mcn. Ter Erfolg dieser rastlosen Tätigkeit blicj nicht aus. Von 1392 Dahlberechligteu haben lvr.> Däbler ihr Stimmrecht ausgeübt und 1«K gülüge Seinen abgegeben. Oiervon cntssiclen auf die liberallorthodore Liste 532, auf die Zionnttn 171 Stimmen. Tas Ergebnis mit 1 :3 für die liberabortbode-re Liste bedeutet in Anbetracht d-e? starken Anwachsens der ostjüdi'chen Stimmen, auf die die Zionisten rechneten, einen vollen Sieg. Für den Dahlkampf hatten sich hervorragende Redner aus dom ganzen Reich zur Verfügung ge- Der Wed zum Verdienst durch Kelvinator-Elektro-Klihlanlagen A.-G., Leipzig C 1, Bitterfelder Strasse 19

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