Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 10 (1931)
- Issue
- 15 (10.4.1931)
- Date
- 1931-04-10
- Page
- Seite 187 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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1$7 das) die Zionisten eine Niederlage erlitten hätten, und daß die Aguda gewonnen habe. Ich möchte daraus verzichten, in eine Polemik einzutreten. Es genüge die Tatsache, daß dem vorigen Sejm und Senat 18 Zionisten angehörten. und daß jetzt nur noch 6 zionistische Sejm-Tepu::evte und kein einziger zionistischer Senator vorhanden sind, während die Aguda und die Dirtschafw-parteien, die früher keinen einzigen Senator und 2 Sejm-Teputierte hatten, jetzt 4 Sejm-Teputierte und einen Senator besitzen. Es muß in dickem Znsanunenhang daran erinnert werden, daß bei den Wahlen zum ersten Sejm und Senat 30 zionistische Abgeordnete und Senatoren gewählt wurden. Tie Niederlage der Zionisten hat aber nicht mir einen politischen, sondern einen moralischen Linn. Die Aguda und die Wirtschaft-Parteien hatten den Zionisten bei den letzten Wahlen anaeboten, eine gemeinsame Liste zu bilden. Tie Zionisten hätten aus diese Werse 18 Mandate erringen können. Herr Grünbaum lehnte jedoch dieses Wahlkompromiß ab und zog es vor, die jüdischen Stimmen zu Zersplittern, um den Agudisten einen Einzug in das polnische Parlament unmöglich zu ^machen. Ter Erfolg war, daß die zionistische Liste 12 Mandate verlor, und die Aguda und die Wirtschafts-Parteien gestärkt wurden. Bezüglich der Richtigkeit meiner Behauptungen in der „C. V.-Zeitung" wäre denmach keine Antwort nötig, es würde genügen Wahlziffern vorzulegen. Wemp ich mich ^doch noch einmal dazu äußern will, so veranlaßt mich hierzu ein Artikel in der Breslauer „Jüdischen Zeitung" vom 31. Dezember 1930. Dieser Artikel will als Pamphlet sowohl gegen den Centralverein als auch gegen die Aguda in Deutschland dienen, die "er beide eines Mangels an deutsch-patriotischer Gesinnung anklagt, weil sie der Regierung Pilmdski an der Stelle Lob zollen, an der sie es wirklich verdient: nämlich in bezug aus die Behandlung der Juden, die jedenfalls unter dieser Regierung bester ist als unter den früheren. Diese Methode, die Gegner mit Anklagen wegen Mangel an örtlichem Patriotismus Zu bekämpfen, ist bei den Zionisten ganz neu. Herr Grünbaum wandte sie zum erstenmal im vorigen Jahr int polnischen Sejm an, als er die Aguda in Polen als „unpatriotische anllagte, weil sie angeblich in der Zeit der deutschen Okkupation in Polen gegründet wurde. Es muß einmal gckagt werden, daß man mit solchen Pamphleten Andersdenkende nicht bekämpfen darf. Wenn mau die Breslauer, jüdische Zeitung für Ostdeutschland" liest, hat man den Eindruck, als wären die Juden bei den Wahlen durch die Regierung terrorisiert worden. In Wirklichkeit 'ist ein zionistischer Abgeordneter, -Herr Rosmarin, im Wahlkreis .Kolonien—Stanislaw mit Hilfe nichtjüdischer Stimmen von der Regierungspartei gewählt worden. In meinen Ausführungen in der „C. V.- Zeitung" handelte es sich Haupt sämlich um die Frage der Beziehung der polnischen Regierung zu den Juden und nicht um die Beziehung zu den arideren Minderheiten. Und welcher gewissenhafte polnische Jude kann behaupten, daß es den Juden unter den früheren polnischen Regierungen besser ergangen ist als unter der jetzigen Regierung Pilsudsti? Es genügt, daraus hinzu.meisen, daß bei den letzten Wahlen zum Sejm 8 Juden auf die Rcgieruugsliste als Kandidaten ausgestellt wurden. Tie Rechcklage der Juden vi jetzt eine befriedigende. Es sollen jetzt auch die von den früheren „parlamentarischen" Regierungen beibehaltenen zaristischen Scnderbestiu'unungen gegen die Juden durch die Pilsudlli-Regierung abgesehasst werden. Tie persönliche Sicherheit der Juden in Polen ist jetzt besser als in anderen Staaten Tsr- und Mittel-Europas. Welchen Grtmd hat also das polnische Judentum, die Pilsudsti-Regierung Zu bekämpfend Wir sind Zu schwach, unsere eigenen Interessen zu schützen, können also nicht als Versorger der anderen Minderheiten austreten. - Oder sollen wir vielleicht für die polnische Opposition kämpfen? Tie Herrschackt der antisemitischen Rationaldemokraten und der wenig judenfreunduchen Linken war für die Juden in Polen nicht io günstig, daß wir uns rückhaltlos für ihre Jntercksen hätten einsetzen können. Gerade die oppositionellen Parteien in Polen begreistn es am besten, warum die Juden in Polen die Regierung Pilsudski unterstützen müssen. Wenn also die zionistische Poesie mit dem V/irkf MchLLZMill Fiebing:* Versincstelle, Berlin SV, 11 Sc-'jne'berjer Strapse 162. Telefon: Lützow 11. C.V. abrechnen will, soll sie als Gegenstand ihrer Polemik nicht -Tragen erörtern, die die blutigsten jüdischen Interessen berühren. Ich weiß nicht, ob es gewisse ah all ist, von seiten der Juden im Anslande eine Regierung, unter der 3 Millionen Juden Schutz finden, w scharf anzugreisen, wie es sich der genannte Artikel der Breslauer „Jüdischen Zeitung^ erlaubte. Jedenfalls war mein Interview in der V.-Zeituug" kein Anlaß dazu. Ich frage wie jeder andere Parteimann bei einem'Interview nicht wach der Gesinnung der Zeitschrift. Deshalb hat mein Interview in der „C. B. - Zeitung" nichts mit den Beziehungen zwischen Aguda und Centralverein zu tun. genau wie' ein Jnterriew von mir in einer zionistckchen Zeitschrift nichts mit den Beziehungen zwischen Aguda und Zionismus zu tun hätte. Dr. 5ritz 6etfisc schreibt: Tie Mißerfolge der Zionisten dem Terrorsystem der Regierung, das auch die deutsche Minderheit zu spüren bekommen hat, zuzuschieben, stellt den vergeblichen Dersuch dar, die Wandlung im innersüdischen Leben in Polen nicht mit ihren wahren Gründen, sondern mit Scheingründen zu erklär, r Taß die deutsche und die anderen Minderheiten durch die Eingriffe der Regierung schwere Mandatseinöuße erlitten, ist wohl allm bekannt. Ganz q 'ders jedoch lagen die c M den Juden. Es: soll zugegeben werden, daß die Regierung wohl nie Aguda favorisierte, da diese die dem polni'hen Staat unbequeme jüdisch-nationale Politik . ölehnt und sich ausschließlich als religiöse Minderheit bezeichnet, doch. kann von einem llerror gegenüber den Zionisten, etwa nach Art oer Vergewaltigung der anderen Minderheiten, absolut nicht die Rede sein. Im Gegenteil: die galizischen Zionisten haben sogar ein gew'p'.es Uebereücwmmen mit der Regierung getroffen, welches vem-der zionistischen Opposition schars kritisiert wurde. Von einer Generaleinschränkung der zionistischen Werbetätigkeit oder gar von einer völligen Vereitelung der Wahlpropaganda kann somit nicht, gesprochen werden. Tie Behauptung, daß zionistische Versammlungen gestört worden wären, ist absolut unzutreffend. Rur ein einziger Zwischenfall hat s'ich bei der Redaktion des Warschauer zionistischen „Hajnt" ereignet: dort sind nämlich einige Terroristen, von denen man bis heute nicht weiß, welcher Parteirichtung sie überhaupt angehören (vielleicht Kommunisten oder Bundiüen), eingedrungen und haben den Betrieb zu stören versucht, was ihnen jedoch nicht gelungen ist. Ter Zwischenfall stellte sich als vollkommen belanglos heraus und im Erscheinen der Zeitung trat nicht die geringste Unterbrechung ein. Es muß auch ausdrücklich feügestelll 'werden, daß keine einzige zirmsckckcke Zeinmg ko-mis-ziert wurde, wogegen bundurffche (jüd.-soziatdemokraiische) Blätter oft der Beschlagnahme verfielen. Störungen von Versammlungen, soweit solche vorkamen, spielten sich nur aus i n n o r j ü d i s ch e r Plattform ab. d. h. die einzelnen jüdischen Parteien haben mt Störungsversuche gegen ihre jüdischen Gegner unternommen, während die Regierung selbst aus die Versammlungsrängkeit der jüdischen Gruppen nicht den geringüen Einfluß ausübte. Cs ist nichsi richtig, 'daß die Aguda als ein- . zige Minderheit Polens mit der Regierung „würdelos" panierte. Vor allem deklariert sich die Aguda nicht als nationale, sondern als religiöse Minderheit, weshalb sie eben nicht in einem Atemzug mit den anderen nationalen Minderheiten genannt werden kann und sich nach den polinschon Grundsätzen derselben auch gar nicht zu richten braucht.' Tas Uebereinkommen der Aguda mit der Regierung war ein rein nüchternes und praktisches und entspricht dom Gebot der Stunde und vor allem der dringenden Rücksicht auf jüdische Interessen, denen nach dem gegenwärtigen Stand der Dinge in Polen nur dann gedient ist. wenn die Juden eine regierungsfreundliche Politik treiben. Ter Pakt Zwischen der Aguda und der Regierung beruhte aus einer sehr einfachen Formel: in den Gebieten, wo Juden üb-erhauvt nicht in konzentrierten Maßen wohnen und daher geringe Aussicht auf ein ^Mandat hatten, follee die Aguda die jüdischen Surnmen der Regierungsliste zusühren. Auf derselben Grundlage haben ja seinerzeit anläßlich Tatsachen sagen mehr als 1000 — man raucht seit dreiundvierzig Jahren schöne Worte ET ”3 r-1 n hs MÜNCHEN!