Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 10 (1931)
- Issue
- 15 (10.4.1931)
- Date
- 1931-04-10
- Page
- Seite 188 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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m der Vorleben Sejmrvahtcn auch die Zionisten mit den anderen nichtjübisüftm Miv.deihciten den Minderheitenblock abgeschlossen. Als Gegenleistung für die auf dic'e Weise der Negierung zugefallenen jüdischen 3tinnnen hat ne nun der Äguda drei Mandate als sicher zugesprochen. Daß die Agnda nicht um jeden Preis und Vorbehaltlos eine sogenannte würdelose Negierungspolitik treibt, geht ja schon daraus hervor, daß sie bisher mit den früheren Negierungen in Polen nicht zusammenging. Angesichts der Judensreundlrchkeit der Pilsndsti- Regierung braucht man sich durchaus nicht eines Zufammenarbeitens mit dem herrschenden System Fu schämen. Daß die AgudisLensührer, wie von zionistiscber Seite behauptet wird, jüdische Neuste prei^geben, ohne Gegenleistungen von der Negierung zu erlangen, erweist sich bei näherer Prüfung als haltlos. Tie Führer der Agenda vertreten mit aller Energie die jüdischen Nechte, und wie die Praxis bisher beweist, ist es nur dieser jüdischen Parteigruppe gegönnt, wirkliche Erfolge zu erzielen, während die Negierung Anträge und Petitionen von seiten der Zionistenführer schon Von Haus aus mit Mißtrauen betrachtet und abkchnb Bei der letzten Budgetdebatte hielt der Agudaführer Münzberg cm allgemein beachtetes ausführliches Referat über die Lage der Juden in Polen und forderte zumindest mir demselben Mut wie die anderen jüdischen Vertreter der Nicht-Regierungsparteien wirtschaftliche _ Erleichterungen für die Juden, Milderung des ^vnntagssperrgesetzes ufw. Als erste greifbare Frucht der Tätigkeit der regierungsfreundlichen jüdischen Vertreter, die geradezu ein wichtiges historisches Ereignis für die Juden Tötens darstellt, ist die letztens erfolgte formelle Aufhebung der noch uns der Zarenzeit stammenden Ausnahmegesetze gegen die Juden anzusehen, um deren Be'eiügungNnan schon seit der Entstehung des neuen Polens vergeblich angekämpst hat. Oppositionelle Zioni'tenführer HÄten einen derartigen cmtscheidenderr Schritt niemals dnrchgesetzr. Unter anderem sei noch angeführt, daß der dieser Tage verstorbene Llgudistenführer Kirsch braun mit dem höchsten Orden, den Polen zu vergeben hat, ansgesiattet wurde („Polönia restituta“). In seiner Grabrede hob der Vizeprüfes des Regierungsklubs. Cheluöka, hervor, daß er eine Zuschrift Kirschbrauns an Pilsudski, in der er die Erfüllung wichtiger jüdischer Postulaie fordert, quasi als ein heiliges Vermächtnis des Verstorbenen auffaßt und seine Partei sich bemühen werde, diese Forderimgen zu erfüllen. Die Aguda ist, wie selbst der gewiß nicht aAudafreundliche Darschauer „Moment" in ermm jüngst erschienenen Artikel von Zeitlin,zugibt, heute iu Polen die einzige jüdische Schicht, die am regsten und agilsten an die Tberlläche tritt und mit der auch die polnische Lenentlichkeit als mit einem maßgebenden jüdischen Faktor rechnet. Es ist wohl richtig, daß die Negierung die jüdischen Institutionen, Gemeinden usw. bisher unzulänglich unterstützt. Aber die regierungsfreundlichen jüdischen Vertreter haben doch sicherlich benere Llussichten, auf diesem Gebiete Er'olge zu erzielen, als die oppositionellen Zionisten. Aus Anlaß der letzten Budgetdebatte im Sejm haben die AgudisLensührer Münzberg und Lewin mi: aller Entschiedenheit auf die mangelnde Freigebigkeit der Negierung den jüdisch-religiösen Suftituien gegenüber hin gewiesen, woraus eben von der Negierungsseite bindende Zusagen in dieser Richtung gemacht wurden. Die Vorgänge von Brest-Litowsk, welche dem Namen Polen ^sicherlich keine Ehre eingebracht haben, im Zusammenhang mit den jüdischen Wahlen zu bringen, ist denn doch etwas grotesk. Puter den verhafteten Trpoutionsabgeordneten befand sich wohl, wie ja allgemein bekannt, mich der greise Sozialdenwkrat Liebermann — doch wäre es eine Ungeheuerlichkeit, behaupten 311 wollen, daß dieser führende Politiker etwa infolge seiner Zugehörigkeit zum Judentum ins Gefängniswandern mußte. Es braucht doch nicht erst erläutert zu werden, daß Liebermaim nicht als Jude, sondern eben als Exponent der schärfsten Negierungsopposition das Los von Brest Lirvwsk mit den anderen oppositionellen Abgeordneten teilen mußte. Es wird dem „E. B."-Artikel zum Vorwurf gemacht, daß der Artilel'chreiber die schwere Niederlage Grünbaums mit Genugtuung verzeichne, da Grüubaum eine Stütze — der Deutschen in Polen wäre und der C. V. doch immer für die SyrtthAe von Deutschtum und Judentum eintrete. Die Schlappe Grünbanms mit der Grundeinstellung des E. V. oder gar mit der politischen Stellung der Deutschen in Polen iu Verbindung bringen zu uoollen, übersteigt die kühnste politische Phantasie. Vmi JZrünbaum zu behaupten, daß bei ihm die „^ynthelc von Deutschtum und Judentum" zum Ereignis geworden wäre, muß geradezu als ein scherz angesehen werden. Daß er zu Mahlzeiten mit den Deutschen paktiert, liegt in seinem wohlverstandenen Interesse. Nicht aus Liebe zu den Deutschen schließt er mii ihnen gelegentlich Wahlübereinkommen ab, sondern, aus nüchterner Erwägung. Grüubanm hat sich seinerzeit ebenso mit den ukrainischen Pogromhettnans zur gemeinsamen Sache vereinigt, wenn es galt, einen politischen Vorteil für sich herauszuschlagen. Wenn also die Zionisten unseren Artikel zu der lächerlichen Argumentation benutzen wollten, daß der E. V. dem Auslandsdeutichtmn quasi in den Armen falle, so muß ein solcher Angriff als völlig abwegig bezeichnet roerden, ganz abgesehen davon, das; die Legitimation der Angreifer, gerade in Fragen des Anslaudsdeutschtums mitzureden, nach ihrer in der Dschechoslorvakei geübten, das Deutschtum zweifellos gefährdenden. Miuderheiteupolitik sehr bestritten werden muß, so wäre nur darauf zu verweisen, daß die Jüdisch-Nationalen bei der letzten Volkszählung in der Tschechoslowakei durch ° ihre Propaganda für dem dlbfall vom Deutschtum und für ein Bekenntnis zur jüdischen Nationalität das deutsche Sprachrecht zweier Bollwerke derrtscher stulmr. näntlich Brünns und Mährisch-Ostrans, zu Falle brachten. Während diese Gebiete bisher mit Hilfe der deutschorieutierten Juden den Mindestprozentsatz von Deutschen (20 Prozents austbringeu konnten, — Brünn hatte 24 und Ostrau etwa 21 Prozent Deutsche — haben die National)uden bei der letzten Volkszählung eine sisttcuratische Propaganda unter den deutschen Juden betrieben, daß sie sich nicht zur deutschen, sondern zur jüdischen Nationalnät bekennen^ so daß. die Deut 22 cu dreier Gebiete ihres Z.oei-Sprachen- N echt es (deutsch und tschechisch) verlustig gingen. „Del Dem siebenten Jahrgang zum Geleit! Tie Zu^eimonatsichrnt „Der Morgen" (Philo-Verlcm. Berlin W15) beginnt mit dem Aprilbest ihren 7. Jahrgang. Ans diesem Anlaß ist ihr ein Geleitwort beigcgcben, das wir nachstehend wiedergeben. „Der Morgen" beginnt seinen siebenten Jahrgang. Ms diesem Anlaß sollen Ziel und Richtung der „Morgeu"-Arbeift wie sie sich aus dev Fortsnhrmng des bisher Gebotenen und der geistigen Lage ergeben, angegeben werden. ' „Ter Morgen" soll sich auch weiterhin, als Organ erweisen, das Kunde gibt von wesenhast Neuem und Entscheidendem im Geiste. „Der Morgen" wird den literarischen und künstlerischen, den soziologischen und wirtschaftlichen Problemen nachgehen, als jenen Fragen, die den Deutschen. vor allem den deutschen Juden, heute bewegen. Er will, versuchen, ihre ideen- und zeitgeschichtlichen Grundlagen aufzuhellen und sie als Angelegenheit derrtscher Geistigkeit und deutschen Schicksals darzulegen. So wird er vom Pulsschtag unserer Zeit durchströmt bleiben. „Der Morgen" wird sich mit besonderem Nachdruck der .Märung der Begriffe Staat rmd Volk, ihres inneren Zusaunnenhaugs und der Deutung des Mtionalcu widmen. Dabei soll der Betrachtung des Nationalsozialismus, der wissenschaftlichen Nastmsorschuug und verwandter Gebiete (>esondcrer Raum gewidmet werden. „Der Morgen" will die Linie des jüdischen Lebens weiter verfolgen und die Kenntnis jüdischen Geisteslebens und jüdischer Leistung auch jenen vermitteln, die nur Unvollkommenes oder Verzerrtes kennen. Im Kreise derer, die persönlich in das jüdische Leben hrneingesteltt sind, soll er mithelfen, die Menschen aus der Verflachung zu heben, in die sie durch die Mechanisierung der Arbeit und die Zwangsläufigkeit des Lebens geraten sind. „Ter Morgen" will von allen lebendigen Formen der Religiosität unseres Kulturkreiscs berichten und ihre Verbindungen curszeigen. Zeitdenken und Zcirerscheimmgen sollen auch vom Religiösen her beurteilt und gewertet werden. Alle „Morgen"-Arbeit wirdauch im kommenden Jahre von dem Bewußtsein der aewollren und schickfalsmäßigen Zugehörigkeit den deutschen Inden zum deutschen Volkstum und den gemeinsamen geistigen, und politischen Verantwortcmg getragen sein. Die Fraucnbrbci Zeen ah rr. Ne enah, nach dem Jüdisch-Deutschen bc-vrbcrtct von Bertha Pappenheim, angekündigt in Nr. 12 der „E. V.-Zeitnng", ist im Verlage I. Kauffmann, Frankfurt cr. M., erschienen. Der Münchener Historiker Michael Strich 50 Jahre alt Am 22. Mär; feierte einer unsrer besten tarier der bcutfriieu vAchichte. besonders der bnr,:rifrf)cn rtaiidesgestchichle, Tr. Michael Strich, seinen ~>0. Geburtstag. Strich ift ein gataeuec Berliner und jüdischen Bekenntnisses und lebt feir lrM£. in München. Seine weitverzweigten Studien, namentlich in den Archiven von München, Paris, Wien, Aom und Turin sind zu seinem ict;t im Druck befindlichen, von der Aotgemeinschast deutscher Wissenschait unterstützten .Hauptwerk grrellt, dar noch irr diesem Jahr innerhalb der Veröffentlichun-gcn der Kommunen für bayerische Landesgeschichte bei der Bayerischen. Arademie der Wissenschaften erscheinen wird. Das Werk führt den Titel: „Das Kurhaus Bayern im Zeitalter Ludwigs XIV. und die europäischen Mächte." Strich beschreibt hier zum ersten Male aus Grund einwandfreien, fachmännisch gefid)teten Materials, wie der Münchener Hof durch die Persönlichkeit des Herzogs May Philipp von Bayern -um Mittelpunkt einer deutsch-nationalen Bewegung wurde. Die noch ungeschriebene Geschichte Bayerns in der FrülZpcriose Mnr Emanuels findet hier zum ersten Male eine aktenmäßige Darstellung. Michael Strich ist durch seine größere Monographie über Liselotte von &urpfal3 (Ullstein, 1 >J.3) sowie durch eine Reihe anerkannter fachmännischer Aufsätze in der „Historischen Zeitschrift" usw. bekennt geworden und zählt zu den geachtersten Münchener Gelehrten. L. F, RcchLc-auwalt Tr. Max Jcsclsoh», Manuhcim. 6«> Jahre akt Am 10. April vollendete Dr. Mar. Iefelsohn, Mannheim, sein 60. Lebensjahr. Dr. Ieselsohn gehörte der Bereinigung badischer Israeliten an und ift leue Preise: Grossere 1,10-M. / Heine Tube 50 PI. L TM - :'-J iJ d Ü \ Dame verhindert Zahnsieinantartz, Lecfccrwerden der Zähne, spritz* nicht u* ist hochkonzentriert, düher so sparsam. _ __^ B»OX-ULTRA fördert gesunde Speichel- ^2-LELttL-«tkretion wnd trhält ZJhne und Mund gesund.