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Central-Verein-Zeitung · 1931-04-10 · 15 (10.4.1931) · p. Seite 184

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
10 (1931)
Issue
15 (10.4.1931)
Date
1931-04-10
Page
Seite 184 (sequence 4)
Language
German
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1§4 Offener Brief an Pastor Llhlhorn-Eckernförde von NeöSiner Or. Arthur Posner-Kiel Der „Fels", das „katholische Blatt für die nordische Diaspora", veröffentlicht in seiner Nr. 4 des 11. Jahrganges vom 15. Februar d. I. einen Aussatz „Tie jüdische Gefahr". Abweichend von den verantwortungsvollen Aufsätzen anderer katholischer Bl älter und in scharfem Widerspruch zu der jede Verhetzung ablehnenden Stellung der offiziellen katholischen Kirche, strotzt dieser Aufsatz von'Unbewiesenen phantastischen Behauptungen und verfolgt unverkennbar den Zweck der Jubenhetze. In diesem Aufsatz heißt es: „Ter Jude ist bekanntlich überall zu finden, wo es Geld zu verdienen gibt. Das Geschäft geht ihm über alles. Man könnte nun nicht viel dagegen sagen, wenn es sich bei ihm nur um reines Geldverdiemu handelte. Aber mit dem Gelde erwirbt er sich auch eine gewaltige Macht, er erhält dadurch größten Einfluß auf das Leben und Schicksal der Völler. Tarum ist cs sehr notwendig, des öfteren auf das Tun und Treiben des Judentums hinzwveiserr. Tenn sehr segensreich ist sein Einfluß auf die Völker nicht, das Judentum hat im Gegenteil viel Zerstörendes und Zersetzendes an chch. Was wir von den Juden zu erwarten haben, wenn sie zur Macht gelangen, das zeigt sehr deutlich die liebe eines Rabbiners aus dein letzten Judrnkongreß ^u Lemberg. Ter Rabbiner sagte: .Meine Brüder, wir wohnen einem imposanten Lchauspiel bei, Israel wird von Tag zu Tag mächtiger. Tas Gold, vor dem sich die Menschheit beugt, das so verruchte Gold, ist fast vollständig in den Händen der Inden, und das Gold - ist die Zukunft Israels. . . . Alle Staaten sind verschuldet. Tie Schulden nötigen die Staaten, den Juden die Bergwerke, Eisenbahnen ufw. zum Pfand zu geben. Es erübrigt sich nur noch, daß sich die Juden auch noch der Grundstücke bemächtigen. Wenn die großen Besitztümer in die Hände der Juden übergehen, werden die christlichen Arbeiter den Juden enorme Einnahmen verschonen. Wir waren IKK) Jahre unterjocht, jetzt aber sind wir mächtiger geworden als vnüre Gegner. Es wird die Zeit kommen, wo die Christen Juden zu sein wünschen, aber das Volk Juda wird sie mit Abscheu Lurückftoßcn. Ter Hauptsemd der Juden ist die katholische Kirche. In erster Linie werden wir gegen den karholuchen Klerus kämpfen. Wir werden gegen ihre Spott, Verwünschungen und Skandalgeschichten aus seinem Leben schleudern, rrm ihn dom Abscheu der Welt auszuliesern. Wir werden uns der Schule bemächtigen. Tie Kirche wird ihren Einfluß verlieren, wenn sie arm wird. Tie Juden werden alles in die Hand nehmen, besonders auch die Macht und die Stellungen.' Es ist zwar zum größten Teil Zukunftsmusik, was aus diesen Worten widerklingt. Aber man sieht sehr deutlich, welche Ziele das Judentum hat. Bor allein gilt fein Kamps der katholischen Kirche, die ja stets ein gewaltiges Bollwerk gegen jüdische Umtriebe und Ränkesucht war. Darum haben auf rmsercr Seite imnwr wieder große und führende Männer auf die Judengefahr hingewiesen." Rabbiner Tr. Arthur Posner (Kiel) hat den Herausgeber des „Fels". Pastor U h l hör n (Eckernförde), brieflich aufaefordert, ihm die Quellen für die in diesem Aufsatz aufgestellten Behauptungen zu nennen. T-a Pastor U h l - Horn auf dieses Schreiben nicht geantwortet hat, bittet uns Rabbiner Tr. Posner um Abdruck nachstehenden o s f e n e n Briefes an Pastor Uhlhorn. Herr Pastor! Ganz zufällig komme ich in den Besitz der Nr. 4 der von Ihnen herausgeaebenen Zeitschrift ,-T-er Fels", die den Hetzartikel „Tie indische Gefahr" enthält. Ich habe Sie bereits brieflich ersucht, mir die Quellen Ihres Aufsatzes zu nennen. Sie haben es unterlassen, dieser Bitte nachzukommen. Ich ersuche Sie nunmehr öffentlich, mir zu schreiben, rnir Zu antworten, woher das Zitat der Rede, die ein Rabbiner — fflanic? — „auf dem letzten Judenkongreß in Lemberg" gehalten haben soll, stammt. Sie haben, wie es scheint, mit JhreichZitatcn beweisen wollen, daß andere Leute Geist besitzen. Sie haben sich nicht bemüht, die Wahrheit des Märchens von dem Reichtum der Juden nachznprüsen, wiewohl Sie rnit Leichtigkeit eine Widerlegung in dem von Christen herausgegebenen „Abwehr-ADC" (1924, S. 4P) und in dem „Anti-Anti" (herausgegeben von dem Centralverem deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, 4. Auslage, Nr. 61 und 61a) hätten finden können. Sie wißen nicht, wie Ihre eigenen Claubensbrüder seit Jahren den Kamps gegen den Antisemitisnius führen und wie Tr. Alfons Steiger erweist, „fortgesetzt verurteilt die Kirche alle Uebergrifse auf das Leben und die Sicherheit, das Eigentum der Juden, die da und dort im Verlaufe der Geschichte entstanden sind" (Steiger, „Katholizismus und JudenwnC, 1923, S. 19), wie auch Adam Näder .Tier Weg des Zentrums" sich dafür einsetzr, daß die Juden des kulturellen Schutzes bedürfen gegen Unterdrückung, Schmach und Haß. Anders denn die großen Führer Ihrer Kirche — wie die Bischöfe des Rheinlandes — sehen Sie nicht, welche Gefahr der Antisemitismus — in seiner neuesten Form des National sozialismus — Ihrer eigenen Kirche bedeutet. Sie Hetzen im Namen der Kirche gegen die Juden. Im Namen der Liebe men Sie Haß, frreuen eine Saat aus, deren bittere Früchte Ihre Seele selbst vergiften werden. Geben Sie mir nunmehr baldigst Antwort. Nennen Sie Ihre Quelle. Sonst zwingen Sie mich, den Vorgesetzten kirchlichen Behörden von der Unwahrheit Ihrer Zitate Kenntnis zu geben. Ich schließe, indem ich Ihnen zwei Sätze nenne, die Kaplan F. Rödel in einem Aufsätze ,Tie Indenfrage im Lichte der tatholischen Liebe" („Israelitisches 'Familienblatt", Hamburg, 3. September ' 192b) geschrieben hat; „Katholische Lehre sagt: „Liebe deinen Nächsten! Katholische Lehre sagt: Seid barmherzig, wie auch euer Vater im Himmel barmherzig ist." Hochachtungsvoll Rabbiner Tr. Posner, Kiel, Sophienblatt 60. Auch der Centralverein erwartet mit besonderem Interesse die Antwort von Herrn Pastor Uhlhorn und werden sie gern unseren Lesern Mitteilen. nga.ya»i^5 v^^^ssssra Heber die Vorgänge in Glciwih, die, wie wir in Nr. 14 vor „E. V.-Zeitung" berichtotcrr» zrrm Verzicht der jüdischen Korporationen mi der Teilnahme am Fcftzug in Glciwist führten, wird uns ans GLeiwitz noch geschrieben: Bereits vor zehn und fünf Jahren hasten sich bei den Abstimmnngsseiern in Gleiwitz Mißhelligkeiten ergeben. Man hatte damals die gesternte Studentenschaft eingeladen, zahlreiche Verbindungen chargierten, nur die Vertreter der K. E.-Korporatiouen erblickte man nicht,, da die Einladungen an diese aus Versehen nicht abgesandt oder weitergeleitet worden waren. Gewarnt durch diese Vorgänge, fetzte der Elcrrviher K. C. unter der Leitung des Sanitätsrats Tr. Schlesinger (Viadrina-Thuringia) alles daran, um diesmal nicht ausgeschlossen zu werden. Als wir aus der Presie ersahen, oaß die Studentenschaft sich wiederum bei dem großen Umzug beteiligen würde, fragten wir bei der Thuringia in Breslau, der wir angehören, nach dem Stand der Sache an und erfuhren, daß — ebenso wie bei den paritätischen Verbindungen — auch diesmal Einladungen nicht eingegangen waren. Tie Festleitung hatte sich inzwischen nach der judenfeindlichen Seite eingestellt. so daß wir den Motiven nicht nachzusorschen brauchten. Da inzwischen von der neuen Leitung Aufrufe ergingen mit der Bitte an die gesamte Bürgerschaft, sich zu beteiligen, und dein ausdrücklichen Hinweis, daß besondere Einladungen nicht ergingen, meldeten wir an denn gleichen Tage, an dem der Vertreter der hiesigen Ferienvereinigung Wasfenring) Chargierte von 50 Verbindungen des Wafsenringes, C. V. und K. 53. sowie gegen 100 Couleurstudenten gemeldet hatte, unsere Verbindung Thuringia sowie A.W.V. (Akademisch-wisiemchastliche Vereinigung) und A. R. B. (F. W. D. lFreie Wissenschaftliche Vereinigung)) Breslau. Wir erklärten sofort denn Herrn Oberbürgermeister, daß infolge der augenblicklichen Zustände an den Hochschulen und unserer iviederum nicht erfolgten Einladung Zusammenstöße, Abstandhalten usw. zu vermuten seien und wir daher eine Erklärung verlangten, in welcher Weise die Reihenfolge der Chargierten bestimmt würde. Man versprach uns — nach Rücksprache mit dem Leiter der Ferienvereinigung —, daß geschlossen nach Verbänden (Waffenring, Katholiken und wir) chargiert würde und r I 4 zur Vermeidung irgendwelcher Weiterungen zwischen Waffenring und uns die katholischen Verbände gehen sollten. Tie Vorsitzenden der hiesigen K. V.- und kathobischen C. V.-Zirkel sagten ausdrücklich zu. in diesem Sinne auf ihre Verbindungen einzuwirken. Sonnabend abend sollte eine lchte Besprechung steigen. Zu dieser wurden wir nicht ausgesordert, weit auch Fragen des Kommerses — einer angeblichen Privatveranstaltung mit Anwesenheit von Behördenvertretern — behandelt werden sollten. Sonntag morgens, einige Minuten vor Ankunft unserer Chargierten, wurde uns von dem Vertreter der hiesigen aktiven katholischen C. D.er, der bei der Besprechung unsere Belange wahren sollte, plötzlich mitgeteilt, daß mit überwiegender Mehrheit beschlossen worden sei, nicht mit uns zusammen zu chargieren. Auch ein Teil der katholischen Verbindungen hätte sich leider gegen unsere Teilnahme gewandt. Die anderen Korporationen hätten sich über die Reihenfolge ihrer Chargierten geeinigt, hinter diesen gingen Hegen 100 Couleurstudenten, wenn unsere Chargierten dahinter marschieren wollten, Ijätte man nichts dagegen. Wir lehnten diese Zunurtung selbstverständlich sofort ab und überbrachten kurz vor Beginn der Kundgebung dem Oberbürgermeister eine offizielle Erklärung, daß wir wegen dieser Vorgänge nicht teilnehmen könnten und daraus, unstw Recht mir Gewalt durchzusetzeu, nur verzichteten, um die große Kundgebung nicht zu stören. Qberbürgernreister Tr. Geiste r, ein aller Korpsstudent) war offensichtlich tief empört und enlrüslct, erklärte das Verhalten der Studentenschaft für die Schmach und Schande der ganzen Kundgebung und verbrach, aus Protest den Koinmers nicht zu bestichen. Er hat dieses Versprechen gehalten! Wir haben ihn: am nächsten Morgen schriftlich für seine aufrechte Haltung gedankt und von ihm-ein längeres Antwortschreiben erhalten, in dein er nochmals seinen tiefsten Abscheu für das Verhalten der Studentenschaft u n d Tank für unsere Loyalität aus sprach.

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