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Central-Verein-Zeitung · 1931-04-03 · 14 (3.4.1931) · p. Seite 176

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
10 (1931)
Issue
14 (3.4.1931)
Date
1931-04-03
Page
Seite 176 (sequence 12)
Language
German
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176 kannllich in seinen Auffassungen sehr sprunghaft. Es stellt sich aber immer mehr heraus, daß er alles andere als ein Judenfeind gewesen ist. Er hat lediglich unter dem Einfluß seiner an starker Voreingenommenheit leidenden Umgebung häufig Entscheidungen billigen müssen, die er seiner Natur nach gern anders gelöst hätte. Und Rathenaus Gestalt in seiner Wertung als Jude wird von sehr vielen unserer Freunde falsch gesehen und stark überschätzt. Daraus ist bereits früher einmal an dieser Stelle hingewiesen worden. Das Bülow-Buch zeigt es von neuem. L. H. Arthur Rappln: ^Soziologie der Juden". Berlin, Indischer Verlag. Preis: 14 Mark. 1. Band. Ein außerordentlich lehrreiches Werk bietet uns der erste Band der „Soziologie der Juden", enthaltend die soziologische Struktur der Juden aus der Feder des bekannten Tr. Arthur Ruppin in Jerusalem. Verfaßt nach Vorlesungen an der Hebräischen Universität in Jerusalem, enthält das mit 32 Bildtexten ausgestattete Buch Abhandlungen über Herkunft und Rasse der Juden, Bevölkerungsstatistik und über die wirtschaftlichen Verhältnisie der Juden der ganzen Welt. Ruppin ist bekanntlich führender Zionist. Wir können zu seinem Lobe feststellen, daß er diese feine politische Einstellung in seinem Werke kaum durchblicken läßt, sondern nach Art eines genau abwägenden Gelehrten die wisicnschaftlichen Ergebnisie aus dem vorliegenden Tatsachenmaterial durchaus unparteiisch zieht. Taß vei einem solchen die ganze Welt umfassenden Unternehmen eine Reihe von Unvollständigkeiten, auch manchmal von nicht genügend begründeten Behauptungen unterläuft, ist selbstverständlich. Tas Werk fußt auf der Grundlage des in weiten Kreisen bekannten Ruppinschen Buches „Die Juden der Gegenwart". Völlig neu bearbeitet, sucht es die neuesten Ergebnisie insbesondere der Statistik auszuwerten. Vorsicht muß dem Leser insofern empfohlen werden, als alle statistischen Erhebungen über die Judenheit an der kleinen Zahl der in Betracht kommenden Juden kranken und sehr schwer ein wirklich gut begründetes Urteil ermöglichen. Ferner sind die Statistiken zum Teil veraltet und durch neue Erhebungen überholt. Ein Unglück, an dem alle Werke leiden, die sich mit einer Gemeinschaft befasien, die in die verschiedensten Länder der Welt zerstreut ist. Wisienschaftliche Einzelheiten können hier in kurzem Rahmen nicht behandelt werden. Mit gutem Gewisien kann man aber aussprechen, daß dieses Werk allen denen, die sich über Judenheit und Judentum unterrichten wollen, den Weg in die überaus schwierigen Probleme erheblich erleichtern wird. Deswegen kann es sehr empfohlen werden. In einem zweiten Bande, betitelt: „Der Kamps der Juden um ihre Zukunft", wird Rup- Pin zergen, welche geistigen Kräfte und Kämpfe durch dw Aenderungen in dem bestehenden Zustände der Judenheit durch die neue Zeit veranlaßt worden sind. Ten zweiten Band werden wir nach feinem Erscheinen an dieser Stell ankündigen und besprechen. L. H. Eugen Lennhoff: „Politische Gcheimbündc". Amalthca-Vcriag, Wien, Zürich, Leipzig, 1930. Etwa 18 Mark. Hochinteressantes Werk des bekannten Wiener Gelehrten Eugen Lennhoff. Außerordentlich ivertvoll ist die Einleitung, die über das Wesen der Ceheimbünde unterrichtet, und dann die Schilderung der Entstehung des Wesens und der Wirksamkeit, insbesondere der Jlluminaten, der Carbonari, der Sinneftne- Bewegung und des Klu-Kux-Klan. Ein Werk voller Anregungen und von außerordentlichem Werte für die, die sich mit der unterirdischen Seite der Politik befassen müssen — und das müssen wir leider heute alle. L. H. S. Friedländer: „Der Philosoph Ernst Marcus." G. D. Baedcckcr Verlag, Essen, 1930. Wir haben in diesen Blättern schon de? öfteren aus die gewaltige Leistung des vor zwei Jahren in Essen verstorbnen Amtsgerichtsrats Ernst M ö t c u § hingewiesen. Einer Zeit, die gern mit Pilatus fragt: Was ist Wahrheit, und die ebenso schnell bereit ist, die Relativitätstheorie auch auf die Ethik auszndehnen, kann nicht dringlich genug geraten wer»>en, Die Geistestat eines Ernst Marcus nicht verkümmern zu lapen. S. Friedländer. der einem großen Leserkreis unter seinem Pseudonym Mynona besser bekannt ist, hat es unternonunen, dem „Laien" in einer Broschüre Aufschluß über das heroische Leben und das kristallklare Denken des Kantianers Errrst Marcus zu geben. Es wäre zu wünschen, daß recht viele Leser gerade unserer Zeitung, angeregt durch diese mit viel Schmiß und ehrlicher Begeisterung geschriebenen Einführung, zu den Schriften d-es von der offiziellen Kathederphilosophie noch immer totgeschwiegenen Ernst Marcus greisen würden. Tenn wer in einem dauernden Kampf für Wahrheit und Gerechtigkeit steht, der bedarf einer starken ethischen Fundierung seiner Weltanschauung. Bei Ernst Marcus kann er die Bausteine hierzu finden. Dr. Hugo Hahn (Essen). Zirus, Werner: „Ahasverus, der ewige Jude." Verlag Walter deGruhter & Eo., 1930. 5 Mark. Zu der Sammlung „Stofs- und Motivgeschichte der deutschen Literatur" gibt Werner Gabriel Riesser Am 2. April ist die 125. Wiederkehr von Gabriel Uiessers Geburtstag. Rabbiner Dr. Italiener würdigte diesen unvergessenen Vorkämpier der Emanzipation der deutsdien Juden in einer Predigt, die wir in der nächsten iS um in er unserer Zeitung wiedergeben werden. Die Schriftleitung. Zirus eine Broschüre heraus, in der er mit peinlicher Gewissenhaftigkeit Ahasver durch alle Zweige der schönen Literatur vom Mittelalter bis in die neueste Zeit hinein „verfolgt". Dabei stellt sich heraus, daß der Stoff am häufigsten in Gedichten behandelt ist, dann kommen Novellen; verhältnismäßig gering ist die Zahl der Romane und Dramen, in deren Mittelpunkt das Ahasver-Problem steht. Nur wenige Dichter stellen in Ahasverus das jüdische Schicksal im besonderen dar. Ahasver ist vielmehr meist Symbol für den ruhelosen, revolutionären, ewig protestierenden Menschen überhaupt: eine teils tragische, teils burleske Figur. Taß Ahasver auch in der ursprünglichen Sage lein Jude gewesen sein kann, geht schon aus der unmöglickjen Namengebung hervor. Ahasver war nie ein jüdischer Name, wohl aber der eines heidnischen Königs. Trotzdem ist es nicht uninteresiant, das Ans und Ab der Stellungnahme der Umwelt zum Judentum an den Dichtwerken abzulesen, in denen Ahasver als Vertreter der jüdischen Idee anstritt. Das Buch von Zirus bietet eine reiche Auswahl solcher Beispiele. Wenn man die umfangreiche Bibliographie, die der Verfasser am Ende seiner Untersuchung unter Einbeziehung der ausländischen Literatur bietet, überblickt, könnte man jenem Kritiker Anstimmen, der einmal meinte, Ahasver könne vor.- allem deshalb keine Ruhe finden, weil die Literaten ihm keine Ruhe lasieu. Dr. Hugo Hahn. Paul Fiebig: „Nabbinische Forrngcschichtc und Geschichtlichkeit Jesu." Verlag G. Engel, Leipzig. 2,7o Mark. Tie soeben erschienene kleine Broschüre enthält die Antrittsvorlesung Ficbigs an der Universität Leipzig nebst einer sehr instruktiven Einführung in die Arbeitsmethode des Verfassers und einem ge-' nauen Stellennachweis, aus dem der derzeitige Stand der formgeichichtlicheu Forschung am Neuen Testament ersichtlich ist. Es ergibt sich daraus, däß die neue wissenschaftliche Betrachtungsweise: aus der Form eines Literaturdenkmals auf die Art seiner Geschichtlikeit zurückzu schließen, immer größere Fortschritte macht. Tie bisherige formgeschichtliche Forschertätigkeil hat sich zwar fast nur auf die hellenistischen Parallelen zum neutestamentlichen Geistesgut beschränkt. Es ist Fiebigs llcberzeugung. KOSCHER Zwei koschere Pflanzenfefte NV2 NV2 FOR PESSACH ... so sparsam, so bequem! Tomor, hergestelit unter Aufsicht Seiner Ehrwurden des Herrn Rabbiner Dr. Wolf, ist reinste Mandelmilch-Margarine! Sie können sie als Brotaufstrich unter Fleischbelag verwenden und für Kuchen und Torten, die Sie unmittelbar nach der Mahlzeit reichen wollen. Tomör enthalt keine tierischen Fette und darf daher zu allen Speisen ohne Unterschied gebraucht werden. Palmin koscher besteht zu vollen 100% aus reinem Cocosfett. Beim Kochen,Braten, Backen —immer freuen Sie sich über seineAusgiebigkeit und seinen reinen Geschmack. Palmin koscher enthält keinen Tropfen Wasser — es spritzt daher nicht aus der Pfanne, das ganze verv/endete Quantum wird voll ausgenutzt. Und dabei istPalmin koscher so leicht verdaulich,daß es selbst dem empfindlichsten Magen gut bekommt. Mit diesen beiden Fetten i \ Lj V. KOSCHER gelingen die österlichen Speisen zu Ihrer vollsten Zufriedenheit TPK3—183

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