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Central-Verein-Zeitung · 1931-04-03 · 14 (3.4.1931) · p. Seite 175

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
10 (1931)
Issue
14 (3.4.1931)
Date
1931-04-03
Page
Seite 175 (sequence 11)
Language
German
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175 Paul Wiegler: „Geschichte der deutschen Literatur". Verlag Ullstein, Berlin. Bd. I 22 Mark, Bd. II 26 Mark. Eine neue „Geschichte der deutschen Literatur" liegt vor, erschienen im Verlag Ullstein, Zwei mächtige Bande, sehr schön ausgestatret. 24. Bildtafelri enthält jeder Band, auf denen sich je nachdem ein großes oder etliche kleine Porträts namhafter Dichter finden. Außerdem aber noch eine Fülle von Textillustrationen, die sehr gut ansgLwählt, Porträts, Karikaturen, deukwürd.ge Stätten, Handschristproben, Buchabbildungen bringen. Und dazu nun mehr als IM Seiten Text! — verfaßt von Paul Wiegler. Es ist durchaus nötig, hier mit dem reinen .^öuchbefund" zu beginnen. Es sind 1600 Leiten, und dieje sind nicht nur sehr groß (annähernd Lexikonsormat), sondern sie sind auch ungewöhnlich fassnugskräftig, weil vielfach, in der größeren Hälfte des Raums, dort, wo cs in speziellere Lebensdaten oder Inhaltsangaben der Werke übergeht, mit einem sehr kleinen und engen Druck gearbeitet wird. So umfaßt diese Literaturgeschichte sicher mehr als 4ygo normale Druckseiten; sie dürfte annähernd die ausführlichste sein, die es bisher gibt, sie ist wohl dreimal so groß als der Scherer selbst mit seinen Ergänzungen^ und sämtliche Bände von Eervinus, der freilich nur bis zu Goethes Tode kommen mußte oder kommen wollte, enthalten sicher weniger Text als Wiegler. — Diesem Umgang entspricht denn auch die erstaunliche, die überwältigende Fülle des Inhalts. Für Leute, die nicht durch langen Umgang mit Wissenschaftlern abgehärtet sind, ist es schlechterdings überwältigend, was das Gehirn Paul Wieglers alles birgt. Denn alles, was in diesem Bande steht, alles, was hier beschrieben, erzählt und eingeordnet wird, all das hat er zweifellos selbst gelesen! Irgendein Rückzug auf bequeme Berichte aus anderer Hand ist ganz ausgeschlossen, da es sich um komprimierte Inhaltsangaben, oft um Schlagworte von sehr persönlicher Auswahl handelt. Und da gibt nun nicht nur solch eine eng gedruckte Seite einen höchst vollständigen stofflichen Vergleich der Leiden ersten Fapungen des Eoetheschen „Eötz"; da wird auch von jedem Buch des „Wilhelm Meister" ausführlich inhaltmäßig berichtet. Ta kommen von Klopstock nicht nur, wie notwendig, die Oden und der „Messias" ausführlich zur Sprache, nein, auch von den völlig verschollenen^ Dramen, von seinen „Hermanns- Stücken ist unter mannigfachen Zitaten ziemlich eingehend die Rede. Es wird nicht nur von Lessing geredet, sondern auch von solchen dramatischen Zeitgenossen wie Weiße, Drawe und Ehronegk. Es erscheinen inmitten unseres klassischen Zeitalters auch die Tagesschriftsteller von damals, die viel mehr gelesen wurden als Schiller sind Goethe, obschon auch der leidlich Gebildete heute gar nicht mehr ihre Namen kennt, und die Romane von Thümmel, Wetzet, Hermes, sie werden mit ausführlichen Inhaltsangaben vorgeführt. Tesgleiehen viele Theater- Lücke von Jfftand, Kotzebue, Ranpach, desgleichen pätere Erzähler wie Eerftacker oder Melchior Mehr. Auch des Grafen Pocci Kasperletheater wird ausführlich gewürdigt, und von dem Novellenbuch, das Goethes Enkel Walter 1848 deröfsentlichte, fehlt die Inhaltsangabe nicht. Dabei ist zu erwähnen, daß neben der Geschichte des dichterischen Schaffens als Nahmen und in gewissen: Sinne als Grundlage auch, wenigstens in der Skizze, eine allgemeine Literatur- und Eeisrcsgeschichte läuft, daß von Bismarck und Treiuchke bis zu Marx und Bebel die geistigen Beweger einer Epoche skizziert werden, und daß neben den Größten, doch auch Erscheinungen wie Oken, Schlager, Clausewitz mit Worten gestreift werden, die persönliche Kenntnis verraten. Es schwindelt einem — und man kann sich nnächst der Befürchtung nicht erwehren, daß ei solcher Breite der Anlage, bei solcher Rücksicht aus das doch nur historisch Wichtige der Bortrag des eigentlich Belangvollen zu kurz kommen müsie. Aber das ist nicht der Fall. Tie Raumverteilung gibt sehr energische Betonungen: 25 dieser großen Zeiten erzählen das Leben und das Werk des Heinrich von Kleist, ungefähr ebensoviel handeln von Grillparzer und von Jean Paul. Bei Heines sind es sogar 35 Serien, bei Schiller 65 und bei Goethe schließlich, wie sich das gehört, weitaus cm meisten: 125 dieser Seiten, das ist nicht weniger wie manche stattliche Goethe-Biographie. (Ter lange Zeit so berühmte Lewis dürste nicht mehr Silben als dies Wieglerfche Kapitel enthalten.) Man sicht schon aus dieser Namnverteilung, die für ein Buch dieser Art eine Hauptsache ist, daß es Wiegler an kritischem Geist, an wertender Unterscheidung durchaus nicht fehlt. Tie persönlichste und erfreulichste Note dieser Literaturgeschichte steckt zudem in ihrer Gesamtanlage: Denn der zweite Band beginnt überhaupt erst da, wo die alten Literaturgeschichten schlossen: nach Goethes Tode; und er gehe bis in die allergegenwärtigste Gegenwart hinein, ungefähr bis in den Tag der Erscheinung, Herbst 1930. Noch die letzte Premiere von Hasenclever, der neueste Roman von Hans Henny Jahnn. die letzten Biographien voii Emil Ludwig und Stefan Zweig sind verzeichnet. Tie altdeutsche Literatur, die Zeit bis zur Renaisiance, ist immer noch ausführlich genug auf hundert Seiten dargestellt, und dafür ist der letzten Generation bis ins zwanzigste Jahrhundert ein fast doppelt Jo großer Raum gewidmet. Das ist eine neue, in vielem Sinne berechtigte und für viele Leser sicher sehr willkommene Verteilung des Stoffs. Man sieht, dies Wieglerfche Buch mit seinen Hunderten von Lebensläufen deutscher Dichter, seinen Tausenden von Inhaltsangaben deutscher Dichtungen hat außerordentliche Vorzüge. Es versteht "sieh von selbst, daß es auch die wohl unvermeidlichen Fehler seiner Vorzüge hat, und man muß es deshalb nicht als ein bloßes Ncgativmn hören^wenn ich sage, daß dieses Riesenwerk des Wipens, des Gedächtnisses, des Fleißes, der disponierenden und darstellenden Kunst doch als Ganzes kaum ein lesbares Buch ist, — kein Buch, das sich nun als Ganzes überblicken ließe, das uns mit dem persönlichen Pathos eines Schriftstellers anpackt, kein Buch, das diesen großen Zug deutschen Dichtens als Ausdruck *) Bgl. die Vorabdrucke aus den Abschnitten Rahel Varn?:agen and Heinrich Heine in Nr. 17/1930 und Nr. 42.1220 der „C. V..Zei:ung". Gegen lästigen Juckreiz dev Harrt, schmerz- Haftes Brennen und Röte der Hände und des Gesichts, hervorgerufen durch Wilterungsemsiüffe. verwendet man die schneeig «weiße Leodor»Küh!« Creme (rote wirksam unterstützt durch Leodor-Ede!-Seife, Stück 80 Pf« in allen Ctzlorodont-Lerkaussstellen zu haben. einer bestimmten, einheitlich empfundenen Seelengeschichte fühlbar machte. Es hängt damit zummmen, daß Wiegler von den Dichtern gewiß nicht nur äußere Daten, sondern sehr charakteristisch gewählte Anekdoten im Sinne einer persönlichen Psychologie, aber doch nur selten das Porträt einer innersten schöpferischen Leidenschaft gibt. Und daß er bei den Dichtungen zwar über den stofflichen Gehalt ^md auch über die Kennzeichen der äußeren Form berichtet; aber daß von dem eigentlichen, geheimnisvollen künstlerischen Element, von der inneren F o r m. die einen Stois zu einem einmaligen Erlebnis, einen überlieferten Stil zu einem ganz persönlichen Ausdruck wandelt, daß von diesem eigentlichen Geheimnis der Dichtung doch wenig die Rede ist . . . Es ist unmöglich, daß ein Buch aus irgendeinem Gebiete alles gäbe, was man nch wünschen mag. Wer eine mit einheitlichem Blick zu überschauende Ausdrucksgeschichte deutschen Wc'ens, wer eine Offenbarung der geheimen Formträne der Kunst im Besonderen des deutschen Dichtens sucht, der wird in Wieglers „Geschichte der deutschen Literatur" nicht auf seine Kosten kommen. Wer aber ein Buch sucht, das mit größter Ausführlichkeit und Zuverlässigkeit Informationen breitesten Stils bietet, das man jederzeit nachschtagen kann, um über das Leben der Dichter und den Inhalt ihrer Werke mehr als nur Notdürftiges zu finden, für den gibt es heute keine nützlichere Darstellung als "dieses Wieglersche Riesenwerk eines nicht genug anzustamienden, mit ungeheuerem Fleiß gepaarten Wipens. Julius Bab. Fürst von Bülow: „Denkwürdigkeiten", 3. Bd., Verlag Ullstein, Berlin. 17 Mark. Im Mittelpunkt des politischen Znteresies der letzten Wochen stand der dritte Band der „Denkwürdigkeiten" des Fürsten Bülow. Bei ihrer Beurteilung sollte nicht vergeben werden, daß es sich nicht um eine geschichtliche Studie, sondern um Denkwürdigkeiten handelt, also um Schilderungen, die einen durchaus subjektiven Charakter tragen. Es ist darum völlig falsch, an dieses hochinteressante, lebensnahe Buch etwa die gleichen Ansprüche zu stellen, wie an ein Geschichtswerk. Bülow findet auch in diesem Buche an mehreren Stellen Gelegenheit, sich über Juden und Judentum zu äußern, und wieder tritt sein Standvunkr klar hervor: daß nur strengste Gerechtigkeit auch den jüdischen Bürgern gegenüber den Staat vor Schwierigkeiten behüten kann, wie sie notwendigerweise entstehen müssen, wenn den Juden von Staats wegen dauernd Unrecht zugefügt wird. Bülow schildert eingehend seine Beziehungen zu Balliu und Rathenau, und der Leser erkennt, daß Bülow im Kern seines Herzens ein durchaus gerechtdenkender Mann war. Zweierlei vor allem bestätigt uns dieses neue Bülow-Duch: Kaiser Wilhelm II. war bej© 1 i’^/Q ° l v f: ' ch 't;i; Der Weg zum Verdienst durch + [! ’WWMM. ty-l f '■ W ’JJ; -W!V 'iA«/t$n*; ' 1%//? /- ü/,/, Ev-ch ''; V, V////,/' Kelvinator-Eiektro-Kühlanlagen A.-G., Leipzig C1, Bitterfelder Strasse t9 Ein rein deutsches Unternehmen der bekannten Thüringer Gasgesellschaft.

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