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Central-Verein-Zeitung · 1931-04-03 · 14 (3.4.1931) · p. Seite 177

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
10 (1931)
Issue
14 (3.4.1931)
Date
1931-04-03
Page
Seite 177 (sequence 13)
Language
German
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177 ßnßeTeöen fein lassen, diele von uns Juden schon lange erkannten Zu'ammenbänae aufz:chcklen. Vir sind mit ihm der Ucberzeugung, dass dicke Arbeit trotz mancher Schwierigkeiten. die sich ihr in wissenschaftlicher und ßlwadensmässigei Hinsicht entgegenüeüen. weiter gesüttt werden muss, um der Auffindung der Wabrb.it willen. Wer sich über dieses interessante (rettet neuzeitlicher Eistr'chang der uichristtick^en Texte näher unterrichten will, der greise zu dieser Deröffenttichung Ficbigs, die neben gediegener Wisscnschastlichleit den Vorzug srrachlicher Allgemeinvcrftändlichkeit hat. vr. Hugo Haha (Essen). Irene Nemirowsky: „David Golderz Verlag S. Fischer, Berlin. 6 Mark. Irene N e m i r o w s k y, eine junge ruffifd;^ Emigrantin, hat mit ihrem in Paris erschienenen Erstlingsroman „D a v i d (5 o l b e r" einen seltenen Erfolg gehabt. Ter Verlag 8. Fischer bringt jetzt das Werk in deutscher Uebersetzung heraus — vielleicht Zu einem ungünstigen Zeitpunkt, denn dem politijr.} aufgewühlten deutschen Publikum fehlt die Muße, ein Kunstwerk als Ganzes auf sich wirken zu lassen, wo es leicht ist. Einzelheiten aus dem Zusammenhang zu reißen, Spezialsälle zu verallgemeinern und die glänzende Formurug eine? höchst unsympathischen Stoffes propagandistisch auszuwerten. Der Gegenstand des' Romans ist nicht unbekannt: Stefan Zweig hat (in „Verwirrung der Gefühle") z. B. ebenfalls die Geschichte d-s jüdischen Vaters erzählt, der in seinem Lebensnerv getroffen wird, als er fühlt, dass Frau und Tochter ihn nicht lieben, sondern nur als Eckdwaschins ausnutzen. Ader welcher Unterschied! Wo Stephan Zweig eine seine Silberstiftzeichnung lieferte, formt eine kräftige, ja brutale Hand, — man zweisckt immer wieder, ob ein junges Mädchen das eeschrieben haben kann —, ein Drama, das eigentlich nur aus die Bühne wartet. Zhr Held David Golder ist blutjung aus dem Osten gekommen, hat sich aus der äußersten Armut zu einer beherchchenden Stellung auf dem internationalen Petroleummarkt durchgehungert, durchgekämpst und durcke-binen. Aber was er an äusserem Erfolg, an Geld und. Macht, gewann, mutz er mit dem Verlust aller* inneren Werts bezahlen. Er tcr.r.l geschäftlich keine Rücksicht und vernichtet, w2s ihm in den Weg tritt, — aber er liegt selbst an der Kcktc.. Was er verdient. werten Frau und- Tochter mit rollen Händen an internationale Sckmarcssm weg, wenn ue nur kl an groll feudale N-.nen trecen . . . Noch den Todtranken bebt seine Frau in neue Geschähe, und die Tochter, ^tolz und einnaer^ Znhalt ssin.es Leo.ns. zwingt ihn an den ^ricklckcw dis er znsaminenbricht. Da gesteht chm chnisch seine Frau, die vergötterte Tochter sei nicht sein ssind. Und wie er nur durch das Ass'di um des Geldes liebte und haßte, so wird ihm mich jetzt das Geld zum Mittel: er lässt stine Gckchäste falten, lässt sich fallen, ruiniert sich, um sie zu sticken. Gespenstisch geistert rr in der leeren, öden Wohnung bernme „Rur leben!" Versuchungen zu neuen Gckckästen drallen an ihm ade .Mur leben!" Da kommt in höchster 3ht die Tochter zu ihm. bereit, sich an einen minderwertigen alten Spekulanten zu verkaufen, und in fürchterlicher Haßliebe rafft er sich noch einmal auf. fährt nach Russland und erzwingt mit der letzten Kraft den Abschluss einer Konzetston. die ihn zum Herrn des russischen Petroleums neacht. Ans b.r Rückiobrt stirbt er, bttrent von einem armen jungen Juden, der wie er nach Westen zieht, bas Glück zu finden . . . 'Nicht ohne Grund hat die französische Kritik sich an Balzao erinnert gefühlt: ein Zug von Grösse und Leidenschaft weht durch das Buch, der über alle Widerlichkeit des Milieus und der Charaktere weit hinaushebt. Gewiss, die Hauptpersonen des Noma ns find ebenso unsympathisch, ja fast noch unausstehlicher als der feudale Schmarvtzerschwarm, von dem sie sich abheben. Aber auch die Verfasserin steht ja nicht auf seiten ihres Helden: sie rühmt feine in der Tat großartige Kraft, eine Lebenskraft, die unerschütterlich scheint und noch den Todwunden zum gefährlichen Gegner macht, aber sie gibt in der Gestalt des frommen alten Tübingen ihr Urteil über ihn ab — er ist der innerlich Stärkere, weil seine Arbeit von tieferen Antrieben bestimmt wird, von der Sorge für seine Kinder und deren Kinder, für ein immer erneuertes Leben, nicht für das eigene Sch. Machtmenschen locken den Dichter. Auch Nietzsches Konzeption der .Plvnden Bestie" wirkt als Bild eines Typs nicht weniger glän. ze: d, wenn wir politisch seine Verwirklichung ablehnen. T:e Dichtung darf eine triebhatte, animali'che Vitalität tragisch erklären,^ d:e, nicht gezügelt von menschlichen oder göttlichen Bindungen zum Untergang treibt und treiben muss. Denan das Kunstwerk hat andere Gesetze als die Wirklichkeit. Und wie das deutsche Volk sich nicht als Verkörperung von Nietzsches „blonder Bestie" en: p rinde r und Vertreter dnews Typs als Karikaturen deutschen Wesens ablehnt, w erllären wir jüdische Deutsche. uns weltenfern von diesem David Golder und feiner Umgebung. Das Buch ist für das Theater bearbeitet worden und hat auch in dieser Fassung in Frankreich starken Erfolg erzielt. 'Rach dem Theaterstück hat nun die Firma Vandal u. T e l q c unter der Regie T u v i v i e r s einen Tonfilm gedreht, den die T o b i s zusammen mit der deutsch-französischen Gesellschaft in einer einmaligen Nachtvorstellung vor geladenem Publikum in Berlin unter großem Beifall vorführte. Ter Film verrät in der Breite mancher Szenen seine Herkunft vom Theater, wo es keine Großaufnahmen gibt: so wirkt die Au-einan.dersetzung zwischen Golder und seiner Frau fast-zu ausdringlich und brutal. Das russische Milieu ist stark französisch parfümiert und die Schlußszenen — Eolders Tod auf einem jübtfdjcn Auswandererfch.iff im Schwarzen Meer — stehen mit der süßlichen Figur eines jungen Juden und mit einem in Ghettogestalten verkleideten Tonkosakenchor an der Grenze des Kitschiaen und vermeiden sie nur, weil das Sasiff in schwerem Nebel gezeigt wird und die Bilder dadurch und durch das forttönende Nebelhorn etwas Märchenhakt Unwirtliches bekommen. Aber trotz dieser nicht geglückten Einzelheiten stellt der Film als Ganzes eine bedeutende Leistung dar. Vor allem verkörpert Harry Baur die Titelrolle in fast idealer Weise und hebt sie ins Menschliche. Dr. Hans Bach. Zeichnungseinladung! Wir legen vom 20. März bis 10. April 1931 zur Zeichnung auf df*l 4S*©0©ö0C19— 7%Sge petcfosmündelsfchereCsoIdpfsfädlbrisfa Reihe 2S Q/G — gedeckt durch erststellige Goldhypotheken auf HausgTundstücke und die Haftung der beteiligten Provinzen — zytn tforzugsfturse ucn DZ'/-°/° (augenblicklicher Börsenkurs 96%) Effektivverzinsung 7 7* % Pfandbriefumlauf 1924 GM 4 600 000,- 1926 QM 81260 020.— 1928 GM 181800000,- 1930 GM 277 300000.- Zeichnungsaufträge nehmen entgegen alle privaten und öffentlichen Banken, Kreditgenossenschaften, Sparkassen,.Stadtschaften sowie die Unterzeichnete öffentlich rechtliche Pfandbriefanstalt, Prospekte bei diesen Steilen erhältlich. Preiisslscfie ZenfraSsiacftscfoaft Körperschaft des öffentlichen Rechts Berlin W 10 Viktoriastrasse 19 20. Fernspr.: B 1 Kurfürst 5867,69. B 1 Kurfürst 5S4S (für Ferngespräche). S7./263. Preuß.« Södd. St a a ts» IC! ass en- .^w Lrsä y l*£3 Ziehung 1. Kl.: 20. u. 21. ApriB Beginn der neuen Lotterie uno der richtige Zeitpunkt zur Beteiligung. Jeden Monat 1 Ziehung an L Spieikapital in den 5 Klassen ----- rund Reichsmark Höchstgewinne, Prämien und Hauptgewinne* K POnODnciDDQ. 4 X 2 X 2 x ^cdiiq Reichsmark CHLJ vJj, ,y CiL^'vLL' CEDCIDR vLUUi^ M MstssssDWcilXDL Amtlicher Plan gratis und franko usw. Lospreise Viertel Halbe Ganze Doppellose pro Klossei 5 RM 10 KM 20 RM 40 RM 80 RM Original-lose in allen Abschnitten empfiehlt u. versendet StaatL Lott-, Elnn. , P'rSQgOirlgBa h Berlin SW19, Jerusalemerstr. 18 3115S

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