Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 10 (1931)
- Issue
- 14 (3.4.1931)
- Date
- 1931-04-03
- Page
- Seite 174 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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174 Palästinensische Gläser bändige, rmt Hunderten von entzückenden farbigen Kupfern ausgcstattete „Allgemeine Naturgeschichte der Fische' blieb aus lange Zeit das Hauptwerk für dies Sondergebiet. Frisch hat den Gelehrten in wunderschön gemaltem roten Rock, die Tonpfeife in der Hand, an seinem Arbeitstisch lesend dargestellt; es ist ein Werk von ungewöhnlichem malerischen Reiz. Tie Serie geht dann weiter bis zu dem glänzenden Porträt James Israels von Mar Lieberm a n n. Andere Bildnisse von geschichtlicher Bedeutung konunen hinzu. Wir blicken ins Antlitz des hochgelehrten Dr. Leopold Z u n z, des eigentlichen Begründers der Wissenschaft vom Judentum (1794—ISST). Es ist ein Porträt aus der biedermeierischen Jugendzeit Zunzß besten Künstler noch nicht bestimmt werden konnte — er führt, wenn ich das notieren darf, meine Signatur M. 0., aber das bringt uns nicht weiter, denn wir kennen keinen Berliner Maler jener Jahrzehnte, auf den diese Initialen zutreffen; vielleicht ist das Bild in Prag gemalt, wo Zunz von 1535 an mehrere Jahre Prediger war. Sodann ein Porträt I o z e f Israels' von Felix M o s ch e l e s (1833 bis 1917), dem Sohn des Musikers Ignaz Moscheles, wobei die Malart des holländischen Meisters aus seinen Porträtisten abgefürbt hat. Nun sind wir, im 19, Jahrhundert, bei den Bildnissen, die, wie bei dem schon genannten James Israel von Liebermann, in doppelten! Sinne als jüdische Kunstdenkmäler aufzusassen sind, da auch die Maler Juden waren, was im 18. Jahrhundert noch kaum der Fall sein konnte. In diese Gruppe gehören auch die beiden im letzten Jahre geschaffenen Porträts von Joseph Oppenheimer. die durch einen Auftrag der Gemeinde entstanden: der neunzigjährige Arzt und Journalistensenior Tr. I. Kaftan und der derzeitige Vorsitzende des Eemeindevorstandes Dr. Paul K a r e s k i (besten merkwürdige Ähnlichkeit mit Hugo Preuß auch in diesem Wilde wieder ausfallt). Hier haben wir zwei Proben einer kunstpflegerischen Bemühung, die lebhaft zu begrüben ist: daß die Gemeinde von sich aus Bildnisse hervorragender Mitglieder bestellt. Auf diese Weise könnte man im Laufe der Zeit zu einer vielsagenden und gewiß imponierenden Porträtgaleric kommen. Es wird immer als eine der schönsten Ehrungen empfunden werden, wenn man in diese Sammlung eingereiht wird. Nicht vergesten sei eine kleine Zeichnung, die sich in dies Aapitel einfugt: ein Bildnis von Charlotte Embden. der Schwester Heinrich Heines, die 1800 geboren war und im märchenhaften Alter von säst hundert Jahren im Jahre 1898 durch die Berliner Malerin Cilly Bern he im auf diesem Blatte verewigt wurde, dem die Greisin nock) ihre Unterschrift lieh. . In anderer Weise gehört zu der denkwürdigen Porträtgalerie. die langsam anwächst, das großartige Selbstbildnis von Lesser Ury aus dem vergangenen Jahre. Ury, der Ende 1931 die Neunundsechzig erreicht, war damals schwer erkrankt. Eines Tages,'wie' er mir erzählte, sah er sein von bösen Anfällen grausam verändertes Gesicht im Spiegel und dachte sich: das muß man schnell festhalten. Es kam über ihn eine Stimmung wie bei Rembrandt in den Jahren d:s körperlichen Verfalls. Wunderbar: das Entsetzen über die unerbittliche, drohende Entdeckung, alles Mitleid mit sich selbst trat zurück gegen die Malerlust, die das persönliche Thema in aller Ruhe obieküvierte. Es entstand das erschütternde Pastell, das in die Ausstellung der Sezession kam und dort tiefsten Eindruck machte. Ta cs sofort verkauft wurde, wiederholte es der Künstler in dem Oelportrüi, das wir nun hier mit immer neuer Ergriffenheit betrachten. Roch ein zweites Werk von Lesser Ury fand den Weg in die Sammlung, das große Bild des Moses, der auf Bergeshöhe, im dunklen Vordergründe an die Gebirgswand gelehnt und ihr verwachsen, den Blick in die leuchtende Ferne richtet, die sich im Hintergründe ausbrcitet und zw-ei Trittel der Blldfläche mit dem Orchester ihrer strahlenden Farben füllt —: das gelobte Land, das Moses nur Zn sehen, nicht mehr zu betreten beschieden war. Beschneidung ssiuhl aus Märkisch-Friedland, 1772. In ein machtvolles Symbol gekleidet, lebt hier dieselbe oder eine sehr ähnliche Stimmung auf wie in der tragischen Selbstdarstellung des Alternden und Kranken. Nock) sind wir, wenn wir die Neuerwerbungen überblicken, mit den Gemälden nicht zu Ende. Berliner jüdische Künstler von Rang sind dabei vertreten. Aon Arthur Segall wurde ein hervorragendes Selbstporträt angekaust. Bon Joseph Vudko eine schön komponierte. von innen her beseelte ostjüdische Gruppe, die er „Kaddisckch nennt. Von Else Meidner ein Blumenstück. Bon Friedrich Feig! ein stimmungsvoller Ausschnitt vom alten jüdischen Friedhof in der Großen Hamburger Straße, der mitten in der Berliner feilt}, dicht am Monbijou platz, in abseitiger Stille zwischen hohen Hinterhäusern sich erhalten hat, ein wirklichkeitgewordener Ghettotraum. Noch immer finden viel zu wenige Besucher den Weg zu dieser schwermütigen, halb gepflegten, halb malerisch zerfallenen Statte des Friedens, unter deren altersschwach und schiefwinklig gewordenen Grabsteinen sich auch der von Moses Mendelssohn befindet. Sodann sorgte Tr. Schwarz dafür, daß von der großen Kolonie jüdischer Maler Zu Paris charakteristische Arbeiten erworben wurden. Tie phantastische Gestalt eines betenden Juden von T'lcixc Chagall, die in eine mystische Stilisierung gesteigerte Figur eines Mannes mit der Thorarvlle von Lazar Segall, das rührende Knabenbitdnis mit dm großen dunklen.Schwärmeraugen von Max Band stehen in der ersten Reihe. Gemälde und Zeichnungen von I. Kulwiansly. Henry Berlcwi, O. Lubitch. Leopold Göttlich. Abraham Goldberg. I. Amsckxr, Helene Fischhein, Ehabar, A. Wenttmm. Mane-Katz, Menkes, Kanclba kommen hinzu. Man sieht, es ist eine ftattlid>e Gruppe, reich an ^merkenswerten Talenten. Manches kam als Geschenk in die Sammlung — denn auck: diesen Kunstgrisi der Mnsemnsmänner seit Lode weist Tr. Schwarz zu handhaben, dast er listig die Gebelaune freundlicher Mäzene zu nudui oder anzukurbeln versteht. Wir sind noch lange nicht zu Ende. Bon großem Reiz sind die K u l t g e r ät e verschiedener Art. die erworben werden konnten oder gestiftet wurden. Hervorgehoben sei ein Leschneidnngsstnh! aus Märkisch-Friedland, dem Jahre 1772 entstammend. Es ist ein zierlichs kleines Ncckokososa mit der stets dazugehörigen Fußbank. Ferner wurde die Sammlung um etwa s eck; zig Stücke palästinensischer Ausgrabungen bereichert, die in die ältesten Zeiten des Judentums weisen. Tabei sind Gläser, die etwa der Zeit von 500 v. Ehr. zuzurechnen sind, den schönsten syrischen Glasarbeiten gleichstehend, die wir kennen: glatte Gefäße von sehr edler, ganz modern anmntend-cr Form, und kunstreich mit Glasdekor umsponnene Exemplare, fast alle durch schönste Jrisierung der Farbe ausgezeichnet, worau der lange Aufenthalt im feuchten Erdreich gearbeitet hat. Tabei ein kleiner Glasmörscr von zartestem Silberglanz, der wohl für die Zubereitung von Schminke diente. Sodann eine reiche Auswahl von Oellampen mannigfachster Formung. Weiter Schalen aus früher Zeit, bis um 1800 v. Ehr. zurückreich.nd; man kann die ganze Entwicklung dieses Gebranchsgegenstandes verfolgen. Schmuckstücke von überaus sorgsamer Ausführung, die wiederum den Zwischenraum von Jahrtausenden zwischen der Zeit ihrer Entstehung und unseren Tagen vergehen lassen. Ziegel mit dem Stempel der X. römischen L.'gion — es ist der Truppenteil, der unter Titus sachgemäß den Tempel zu Jerusalem zerstörte. Schließlich Münzen von höchstem Wert. erstaunlich Prägungen, jüdische und römische, sowie Medaillen. Tas alles wartet mm daraus, um mit den bisherigen Beständen der Sammlung ausreichende. würdige, der heutigen Museumstechnik entsprechende Näurne zu finden. Hoffen wir. daß der Nus nunmehr endlich Erfüllung findct. Lesser Ury: Selbstbildnis