Mannheim
Compact Memory

Central-Verein-Zeitung · 1931-04-03 · 14 (3.4.1931) · p. Seite 173

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
10 (1931)
Issue
14 (3.4.1931)
Date
1931-04-03
Page
Seite 173 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2277379-2277886-2277900--06647-2287483
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

173 Dr. Leopold Zunz #v; - Jozef Israels Professor James Israel Gemälde von Felix Moscheies Gemälde von Max Liebermann Za dem Artikel „Des Berliner Jüdische Museum. Ncuenverbwigen der Gemei nde-Sammlung". Von Dr. Max Oibom. Das Berliner „Jüdisdie Museum” Neuerwerbungen der Gemeinde-Sammlung Von Dr. Max Osbom Der Jüdischen Gemeinde zu Berlin geht es hinsichtlich ihrer Kunstpslege höchst sonderbar: sie hat ein Museum — urX> sie hat kein Museum. Wie ist das zu erklären? Ich will es versuchen. Zuerst das Negative. Sie hat „kein Museum", weil sie ihre Kunstsammlung rätselhaft und sträflich vernachlässigt. Betritt man im dritten Stockwerk des Hauses Oranienburger Straße 29 die Räume neben der Gemeindedibliothek, die diestm Besitz zur Verfügung geteüt sind, so glaubt man sich fast zu einem rödler versetzt. Nicht etwa der Tinge wegen, die hier ausgestapelt sind und die außerordentlich kostbare Werte darstellen (davon nachher, das ist das Positive). Sondern durch die unwürdige Enge, Ln der sich der Inhalt dieser vielseitigen, gerade in jüngster Zeit mit sorgsamster Kenntnis und Liebe vergrößerten Schatzkammer zusammendrängen muß. In schlecht beleuchteten Zimmern ist alles atembeklemmend eneinandergerückt. Man hat ein paar recht solide und geschmackvolle Vitrinen, aber sie konnnen gar n.cht zur Geltung. Für die Gemälde ist so wenig Platz vorhanden, daß zahlreiche Stücke in mehreren Reihen auf dem Boden stehen und der Besucher dauernd fürchtet, darüber zu stolpern. Bon irgendeiner Ueber- Kchtlichkeit. von der Möglichkeit auch nur, die Einzelheiten in Ruhe zu betrachten, ist keine Rede. Ter Leiter der Sammlung hat nicht nur keinen Raum für sich, er hat nicht einmal einen Verschlag, sondern nur einen von ungefähr in die Ea verwiesenen Sitzplatz. Ein unglaublicher Zustand. Tas geht nun schon seit Jahren so. Keine Mahnung, kein Appell, keine beschwörende Bitte hat bisher etwas genutzt. Ich kenne die Ausrede: Wir haben kein Geld. Llber nur eine völlig falsche Einstellung gegenüber dem Arbeitsgebiet, das sich hier öffnet, und den Pflichten, die damit Zusammenhängen, kann zu solcher Begründung rühren. Mit ihr könnte heute feie Staatsverwaltung jedes deutschen Landes ihre kulturelle Tätigkeit einstellen und ihre Museen schließen. Bon Grund aus falsch, anzunehmen, Ls handle sich um einen Luxus, den man je nachdem treiben oder nicht treiben könne. Sieht man nicht, daß hier eine wichtige und bedeutsame Ausgabe ruht, daß eine Sammlung sclcher rlrt ein großartiges Mittel darstellt, vom Wesen des Judentums, von den Triebkräften und schöpferischen Fähigkeiten des jüdischen Geistes^ eindrucksvolle Kunde zu geben? Tie Jntereyelosigkeit, mit der diese Fragen behandelt werden, ist unbegreiflich und unverzeihlich. Gerade in unfern Zeitläuften, da die Brutal:- tat _ wicderauigeflammter Rasselsetze jüdisches Wesen in Bausch und Bogen als einen Hort des sinstersten Bcoterialismus zu beschimpfen sucht, wäre es doppelt erforderlich, die Werke und Gegenstände, die von jüdischem Kunstsleiß während vergangener Jahrhunderte, von jüdischer Phantasictätigkeit der Gegenwart, von dem Anteil der Juden an der Kunstentwicklnng der Welt Kunde geben, in der deutschen Hauptstadt zu eindringlichster Wirkung auszubreiten. Man hat Synagogen aus Synagogen gebaut, ohne daran zu denken, in Verbindung mit einem Eotteshause anständige und brauchbare Museumsraume zu beschaffen. Tie Frage ist um so dringlicher geworden, da wir in Berlin jetzt nicht wie früher nur eine von^ungefähr und zufällig zusammengekommene Masse von Einzetstücken. eine Art Kunstkammer. sondern tatsächlich eine einzigartige Sammlung besitzen, heute bei weitem die umfangreichste und gehaltvollste jüdisck)e Kunstsammlung in Teutschkand, vielleicht in Europa, da mau überdies vor mehreren Jahren die wissensreiche^ und geschickte Persönlichkeit von Tr. Kar! Sch w a r z gewonnen hat, der sich den systematischen Ausbau der Schätze zum Ziel setzt. Wie bedacht und erfolgreich dies geschieht, beweisen die Neuerwerbungen der jüngsten Zeit, von denen hier Bericht gegeben werden soll. Willkommene Erweiterung hat vor allem die Abteilung der Gemälde ersah rem Es ist Schwarz gelungen, die Reihe der interenanten Arzte- Porträts aus den: Jüdischen Krankenhause der Sammlung einzuvcrleiben. Tas ist eine künstlerisch wie kulturhistorisch gleichermaßen fesselnde Liste. An der Spitze steht das Bildnis des Tr. Benjamin de Le mos. des Vaters der Henriette Herz, der 1759 starb, kein überragendes Meisterwerk der Malerei, aber eine tüchüge und charakteristische Arbeit des 18. Jahrhunderts. Henrieltens Gatte, der in Berlin berühmte und volkstümliche Tr. Marcus Herz (1747—1803) tritt dagegen in einem großen, hervorragcrDen Bilde von Friedrich Georg W e i t f dj auf, dem Berliner Akadcmiedirektor und Hofmaler Friedrich Wilhelms 1k. Tie Haltung des durchgeistigten Kopfes und die von den Niederländern übernommene Lichtführung erinnern unmittelbar au die vielfachen Porträts, die Weitsch von dem König gemalt hat. sodann erscheint, in der Oualstöst noch erheblich höher stehend, das Konterfei des Dr. Marcus Elieser Bloch (172:)—1799) von Johann Christoph Frisch, der ebenfalls, aber früher, Tirektor der Akademie und schon unter Friedrich dem Großen königlicher Hofmaler war. Block) genoß als Naturwissenschaftler, vor allem als Ichthyologe, hohen Ruhm. Seine Fischsammlung wurde nach seinem Tode dem Berliner ZoologisckM Museum einverleibt, dem Ahnherrn unseres „Zoo" und zugleich unseres Museums sür Meereskunde, und Blochs zwölf. 2Mk © Lt r; @c£f© it ®Q:>® cg «nddrt durch ihre Speziallonstrriktion <ge;ohnler Borstrnschrriu) % M bis Aa.*anÄsMenräume als Schlupfwinkel der Fäu'nisrrreg/r j;IHj ur.S beiur.jt dadurch hägst-cherr Achndelag und ft PS Nur r±! m Originalpackung. . i Marl. Kindcrbürst? 5a Bl. H

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.