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Central-Verein-Zeitung · 1931-04-03 · 14 (3.4.1931) · p. Seite 172

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
10 (1931)
Issue
14 (3.4.1931)
Date
1931-04-03
Page
Seite 172 (sequence 8)
Language
German
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Dr. Benjamin de lemos Dr. Marcus E. Bloch Dr. Marcus Herz (Vater von Henriette Herz) Gemälde ton F. G. Weif sch Gemälde von Joh, Chrph. Frisch Za dem Aujs&tz JDas Bertner Jüdische Museam. Meuenrethnngen der Gemeinde-Sammlung'f Von Dr. Max Osborn deutsche Wissenschaft — seien viele ordnende, formende, gliedernde Elemente vorhanden, die ebenso deutsch seien wie die deutsche Romantik, die die antiintellektuellen Antisemiten allein gellen lassen wollen. Es sei falsch, den heute noch in lebendiger jüdischer Kultur wurzelnden Juden dem entwurzelten deutschen Juden entgegenzuhalten. Das volkhaste Judentum sei mit der Entstehung des Christentums erfüllt gewesen; der Zionisums wolle zwar noch eimnal ein jüdisches Reich und eine jüdische Volkskultur heraufsühren. Er sei jedoch mit diesem Streben nur eine heroische Donquichotterie, die für die Juden der Welt bedeutungslos sei. Tie heute in Deutschland lebenden jüdischen Menschen bekennen sich in ihrer überwiegenden Mehrzahl positiv zum Deutschtum, dem sie mit aller Liebe und mit tiefstem Verständnis dienen. Man denke nur an die Leistungen deutscher Juden in deutscher Dichtung, deutscher Wissenschaft und ganz besonders an ihre Verdienste um die Vermittlung deutschen Geistesgutes. Tie kämpferische jüdische Kritik, ihre aumehmende, weiterbildende, beschleunigende Kraft muffe von einem vorurteilsfreien Menschen anerkannt und geschäht werden. Ter Snobismus, der in jüdischen Kreisen — aber selbstverständlich nicht nur dort — an- Autrcffen wäre, sei das Zeichen dafür, daß einzelne Jüdische Menschen das Ghetto noch nicht ganz abgestreift haben. Tiefer Typus wird sich erst in der nächsten Generation um geformt haben. Aber reicht er aus, um den Antisemitismus, diesen ungerechten, verdunkelnden, ' volkszerreißenden Instinkt zu rechtfertigen? Er sei die gleiche Barbarei, die darin liege, daß die Deutschen in der Welt verhaßt seien. Beides sei gleich unerträglich, beides müsse mit gleicher Kraft bekämpft werden. Persckmindcn müsse auch die jüdische Ueberempfindlichkeit. die dazu treibe, alles für antisemitisch zu halten, auch das, was berechtigter Kritik entspringe. In seinen Schlußworten faßte Ihering das Ergebnis des Zwiegespräches in folgende Sätze Iufammen: Eine Zeit, die den Entcheidungskampf um die Wirtchaftsform der Zukunft führe, önne sich die unfruchtbare Feindschaft des Antisemitismus nicht leisten. Diese Feindschaft führe nicht weiter;?e ergebe nichts; sie sei sinnlos; sie zerreiße ie Menschen: sie führe sie fort von Werk und Leistung ins Persönliche und Private. Ter Antisemitismus fei taktisch eine Tummbeit, und im Wesen gleiche er einem negativen Fetischismus, der jede geistige Entscheidung verhindere. E. R.-J. Tho-ms Sonn: DüS bUillS Md Des soeben erschienene Heft 1 d>es 7. Jahrgangs der Zweimonatsschrift „Der Morgen" (Philo Verlag, Berlin W 15) veröffentlicht einen großen Auszug aus Thomas Mann- Joseph - Roman „Das bunte Kleid". Wir bringen nachstehend den Abschnitt, der Jaakob und Joseph beim Schach schildert. Es war Zeltwetter. die Spätregen waren in Gang gekonnnen. Jaakob hatte sich nacifinittags in sein „härenes Haus" zurückgezogen, dessen verfilztes Gewebe, schwarz, aus Ziegenhaar, u&er feste Stangen gespannt und mtt starten Seilen an den gerammten Pflöcken besestigl, vollkommenen und sicheren Schutz vor Rcgensnässe bot. Es war das größte der ziemlich weit verteilten Siedlung, und als reicher Mann, der darauf hielt, den Frauen ein eignes Lbdach zu bieten, bewohnte der Herr es allein, obgleich es durch ein an den mittleren Pfählen von vorn nach hinten hindurchgezogenes Gehänge in zwei Räume geteilt war. Ter eine diente als Privatmagazin und Vorratskammer: Kameljätlcl und -laschen, unbenutzte Teppiche in gerolltem und zusammengelegtem Zustande, Handmühteu und anderes Gerät lagen umher, und Schläuche mit Getreide, Butter, Trinkwasier und aus eingeiveichten Datteln gekeltertem Palmwein waren ausgehängt. Die andere Abteilung war der Wohnraum des Gesegneten und zeigte im Verhältnis zu der halbdeduinisch lockeren Lebenssorm, an der er fcsthielt, viel Wohnlichkeit. Jaakob brauchte diese. Seine Ablehnung dauernder Bindung durchs Städtische hinderte nicht, daß er einigen Behagens bedurfte, wenn er sich zu der Betrachtung und denkerisckpr Gottesarbeit vor der Welt in sein Eigenstes zurückzog... Es fehlte nicht an einein glühenden Kohlenbecken im Winkel, da Jaakob zum Frösteln neigte. Stuhlhocker waren vorhanden, dienten ober selten zum Sitzen, sondern vielmehr zum 'Abstellen von Gebrauchsdingen: Ein kleiner Räuchcrturm stand auf einem, aus desien sensterartigen Oefsnungen seine, nach Zimmet, Swraxgummi und Galbanum dustende Rauchwolken hervorkräuselten: ein anderer trug einen Gegenstand, der von der Wohlhabenheit des Besitzers zeugte: ein wertvolles kunst^7werbliä)es Srück phönizischer Herkunst, golden, eine slacl)e Schate auf zierlichem Untergestell, das dort, wo man cs mit der Hand anfaßte, eine musizierende Frauensigur zeigte. Jaakob selbst saß mit Joseph in der Nähe des Eingangs auf Polstern an einem niedrigen Taburett, auf dessen gravierter Lronzeplatte das Brettspiel aufgeschtagen war. Er hatte den Sohn zu diesem Zeitvertreib, bei dem früher Ral^l seine Gegenspielerin gewesen war, zu sich gerufen. Draußen rauschte auf DeLbäumo, Dusch und Stein der Regen nieder, der nach Gottes Gnade dem Korn des Tales die Feuchtigkeit verlieh, die es brauchte, um die Sonne des Frühsommers bis zum Schnitt zu ertragen... Joseph ließ den Vater im Spiel gewinnen. Er lvar absichtlich ins Feld „Böser Blick" gerate und dadurch so in Rückstand und Nachteil gekommen, daß Jaakob zu seiner angenehmen Ueberraschuny — denn er hatte mit großer Unausmerksamkett gespielt — ihn schließlich schlug. Er gestand seine Zerstreutheit ein und daß das Glück mehr Anteil an diesem Ende gehabt habe als sein Scharfsinn. , .Wärest du nicht so zeitig zu Fall gekommen. Kind", sagte er, „so hätte ich notwendig unterliegen müyen, denn meine Gedanken sckweisten ab. und ich habe zweifellos schwere Fehler begangen. du aber hast sinnreich gezogen und nichts versäumt, dein Mißgeschick wieder gutzumachen. Deine Art zu spielen erinnert sehr an Mamis. die mich so oft in die Enge trieb. Sowohl ihre Art, beim Nachdenken ' den kleinen Finger zu beißen, wie auch gewisie Listen und Kunstgriffe, die sie liebte, erkenne ich zu meiner Rührung bei dir wieder." ..Was hilft's" antwortete Joseph und reckte sich indem er den Kops zurücklegte, einen Arm zur Seite streck.e und den anderen zur Schulter bog. „Ter Ausgang spricht gegen mich. Ta das Bätcrchn obsiegte bei zerstreuten Gedank.n, wie wäre es dem Kind wohl ergangen, hätte es deine volle Aufmerksamkeit gegen sich gehabt? Der Gang wäre rasch zu Ende gewesen." Jaakob lächelte. „Meine Erfahrung", sagte er. „ist die ältere und meine Schule die beste, denn schon als Knabe habe ich mit Jizchak gespielt. beinern Großvater rneinerseits. und später gar oft mit Laban. deinem Großvater von seiten der Lieblichen im Lande Naharin, jenseits der Wasier. der ebenfalls ein Spieler von zäher Ueberlegung war." Aber er hatte Jizchak und Laban mehr als einmal absichtlich gewinnen lassen, wenn es ihm um ihre gute Laune zu tun gewesen war, kam aber nicht daraus, daß nun Joseph cs so gemacht haben könnte ...

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