Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 10 (1931)
- Issue
- 14 (3.4.1931)
- Date
- 1931-04-03
- Page
- Seite 168 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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16$ vle füüischen Etuöenten dursten kn Gleiw^tz nicht chargieren An dem Festzug, der au? Anlaß der Obersthlesienfeier in Gleiwitz stattfaud, konnten die jüdischen Studenten nicht teilnehmen, weil die waffenstudentischen Korporationen im Festzug iud}t mir jüdischen Chargierten Zusammengehen wollten. Tie jüdischen Korporationen veröffentlichen an? diesem Anlaß nachstehende Erklärung: Die am Festzuge der Glciwitzcr Abstimmungsfcier bcrciligrcn studentischen Korporationen haben ein gkcichdercchtigtcS Zusammengehen mit den Chargierten der jüdischen Verbindung im K. C>- Thuringia, Dreölau, sowie der religiös und politisch neutralen Verbindungen 2lcadcmisch-wifscnscl:aftticher Verein, Breslau, und Acadcmi sch-rech tswisscnschaftlichcr Verein (Freie wissenschaftliche Vereinigung), VrcSlan, abgclchnt. Sie haben diesen daher im letten Augcndück unmöglich gemacht, am Umzuge tcttzunchmen. Ohne Unterschied der Flonfcssion und der Parteizugehörigkeit haben während des Abstimmungskampfcs Akademiker aller Richtungen zusammcngearveiter: am Ivj ährigcn Gedenktage haben es studentische Kreise in Gierwitz für angebracht gehakten, diese Einheüssront zu durchbrechen. Im Austrage der Glciwitzcr Altcherrenschast obiger Korporationen Sarr.-NaL Dr. Schlesinger. Dr. med. Biber sie in, Dr. Kallmarm. Dr. Walter Lange. Dr. med. Licvermann. Dr. Ernst Kdm'gsfeld. * Ein junger Breslauer K. C.er schickt uns aus empörtem, übervollem Herzen dazu folgende Zeilen: . . Um sich nicht der Gefahr des ,Abpandhaltens' auszusetzen, mußten die jüdischen Chargierten von einer Teilnahme am Festzug absehen. Im Krieg und bei der Abstimmung hat man es sich ruhig gefallen lapen, daß Juden' mannhaft für ihr Deutschtum kämpften, beute aber wagt man die Schamlosigkeit. sich von jüdischen Kommilitonen zu distanzieren, um deren ,Verächtlichkeit darrutun. Ist das noch Kampf in den Grenzender Wvhlanständigkeit und sittlicher Begriffe? Sind jene Korpsstudenten die Hüter deutschen Geisteserbos? Mir will scheinen, daß die körperliche Gewaltanwendung in nichts dieser geistigen Brutalität nachsteht. Gegen jene kann man sich zur Wehr setzen, gegen diese bleib! einem nur ein Zähneknirschen übrig. Man bedenke wohl, wer Träger einer solchen Gesinnung ist. Ter deutsche Korporationsstudent, also der künftige Richter, Arzt, Berwaltungsbeamte!!! Man werfe nicht ein, daß auch die edelsten Korvorationsstudenten unter dem Drucke eines Gesamtwillens stehen, welcher durch Altcherrenschast und die Mehrzahl der jüngeren Generation vertreten werde. Ist das männliche Tugend, sich einem Diktat zu untenversen, an das man nicht glaubt? Wer mitmacht, wenn man jüdische Studenten von nationalen Feiern susschließt, zu denen sie ihr Herz treibt, ihr für Deutschland erglühendes und begeistertes herz, wer jeden Schmutz glaubt, den man den Juden onhängt, der repräsentiert wahrlich nicht die Blüte der Nation, der hat von den enstgen Gütern des deutschen Geistes nichts vernommen, der ist kein deutscher Mann. Es ist nichts so erschütternd wie dies: daß ein Stand in jahrhundertelanger Uebung die Begriffe der Honorigkeit und Sauberkeit ausbilde!, um Üstießlich da nicht mehr mitzukönnen, wo schon öas unverfälschte Gefühl richtunggebend sein müßte. Wir jüdischen Deutschen aber werden in unwelkbarer Liebe zu unserem Balerlande für unsere Freiheit und unsere Rechte kämpfen und nie verzagen." cand. zur. Martin Peffermann. Ein Wort an üre Mölschen Eltern! von einem Oberprimaner Die jüdischen Schüler tragen eine große Verantwortung. Bon den höheren Schulen kommen d:e Studenten, und wenn sie Studenten werden, dann ist ihr nationalsozialistiches Weltbild in vielen Fällen schon abgerundet. In den Cber» klaffen der höheren Schulen sind immer Debatten über politisä)e Tinge lebendig. Sei es. daß sie rm Anschluß an Tinge des Unterrichts entstehen, sei es, daß sie durch Zestungslektüre u. a. angeregt werden. Die Eltern und Schulmänner sind meist geneigt, diese oft heftigen Behandlungen eines Problems oder eines Menschen zu beläckjeln; denn was konnten diese Auseinandersetzungen unter Halbwüchsigen schon für einen Zweck haben! Tatsächlich bestimmen sie aber die politische Ansickst der Betreffenden in ganz starkem Maße. In diesen Schuldebatten behält der die Lber- Hand, der mit der Materie vertraut ist. Hier wartet des jüdischen Schülers eine Aufgabe, denn es ist fast ein ebenso großer Ter! höherer Schüler national!ozialistisch wie bei den Studenten. Republikanische Schüler sind an vielen Schulen selten zu bemerken: das rührt von einer gewissen Angst her. sich b'oßzultellen. Aber die jüdisd)en Sd)üler. die ja meist republikanisch sind, sind längst bloßgestellt. An vielen Schulen ist der jüdische Schüler vom Verkehr mit Nichtjuden nahezu ausgeschlossen. Trotzdem ist es nicht wahr, daß nationalsozialistische Schüler die jüdischen Kameraden in Unterhaltungen und Debatten mit einer gewisien Systematik borst.'ttieren. In Wirklichkeit kommen häufig genug nationakZozialistische Mitschüler zu einem und fragen nach irgendeiner, meist Jüdisches berührenden Sache. Wenn dann der jüürsdfe Schüler nur unvollkommen und unbefriedigend zu antworten vermag, belastet das die gesamte Sache des Judentums. Wir schreien immer, man wolle von uns doch nicht die Wahrheit über die Fragen des Antisemitismus hören; wenn sie aber jemand wißen will, denn können viele von uns die Wahrheit bestenfalls nur ober» slächlich sagen, anstatt sie wissenschaftlich exakt und einleuchtend darzustellen. Phrasen aber will man von uns nicht hören. Nein, der Mißerfolg der Aufklärungsarbeit jüdischer Schüler über den Nationalsozialismus im besonderen und den Antisemitismus im allgemeinen liegt daran. daß sie nicht ordentlich geleistet wird. Gestern Gehörtes, vorgestern Gelesenes und augenblicklich Gedachtes in trüber Unbestimmtheit targebradst, kann keinen schlauen Jungen überzeugen. Eine gute, wirklich beweisende und klare Aufklärungsarbeit zu leisten, ist staatsbürgerliche Pilicht des jüdischen Schülers aus deutschem Boden. Er ist verpflichtet, seinen Mitschülern über Politik und AntisernitismuZ das zu sagen, was wirklid) zu sagen ist. Woher aber die genaue Kenntnis der Tinge nehmen? Ter Centralverein hat Schulungskurse „Angriff und Abwehr" eingerichtet, in denen die Fragen des Antisemi- Nsmus mit allem drum und dran in gemeinsamer Arbeit behandelt werden. Wer an diesen Kursen teilnimmt und die in ihnen gewonnenen Kenntnisie durch Beschäftigung mit angegebener Literatur vertieft, der hat die Möglichkeit, wirklich etwas sagen zu können, wenn er gefragt wird. Und auch wenn er nicht direkt gefragt wird, kann er seine Kenntnisie verwerten. Cft genug werden in der Schule Dinge behandelt, die unsere Probleme berühren. Da kann dann einer, der etwas weiß, vor dem Lehrer unfern Standpunkt sagen und er wird damit Erfolg haben. Und noch ein Wort an die jüdischen Eltern. Ob Politik in die Schule gehört. ist eine Frage, über die Erzicher sehr ernsthafte theoretische Ausernanderfetmngen führen. Tatsache ist. daß heule Politik in der Schule ist. Und Tatsache ist ferner, daß der. der sich in der Schule von politischen Gesprächen möglichst fernhält, mit seiner Meinung in den Hintergrund gedrängt wird und deshalb den Schaden hat. Jüdische Eltern! Euren Kindern ist die Möglichkeit gegeben, durch vernünftige politisd;e Aufklärungsarbeit ein Stück ihres zukünftigen Lebens zu gestalten- Bergeßt nicht, daß die Mitschüler und Mitschülerinnen, die eure Kinder jetzt über das Judentum amzuklären versäumen, im späteren Leben die Feinde eurer Kinder werden! Tie Zukunft eurer Kinder hängt von der politischen AnsäMung der jungen Generation ab! Könnt ihr es verantworten, wenn ihr eure K'.nder von politischen Auseinandersetzungen mit Andersdenkenden sernhaltc:? Es ist eine Lüge, daß ein jüdischer Schüler mehr in der Schule zu leiden hat. wenn er seine Meinung sagt, als wenn er sie nicht sagt! Im Gegenteil, der etwas zu sagen hat und es zu sagen weiß, wird auch vonr Gegner anerkannt und gern gehört! Erfolg werden aber nur die haben, die über Sachkenntnis verfügen. Schickt also eure Kinder zu uns! Wir werden ihnen immer gern sagen, was sie lernen müsien. um unfern Kamps führen zu können! Wir deutschen Juden führen einen schweren Kampf um unser gutes Reckst, um das Recht an die Zukunft der jungen Generation. Laßt sie selbst was dabei Helsen lernen. Unsere GberMesienMummec Unsere Oberschlesien-Nummer hat in der deutschen Oefsentlichkeit, insbesondere in Oberschlepen und der schlesischen Prene aller Parteirichtungen, lebhaften Widerhall und teilweise ausführliche Würdigung gefunden. Der „Allgemeine Lokal-Anzcigcr", Beuthen (unparteiisch), weist in der Würdigung unserer Nummer auf die starke Verbundenheit der deutschen Juden mit ihrer oberschlesiscyen Heimat hin: die „Oberfchlesische Volksstrmme" in Gleiwitz (Zentrum) gibt unter der Ueberschrist „Nur Einigkeit führt Deutschland aufwärts!^ einen Ueberblick über den Inhalt dieser „wertvollen Sondernummer" der „E. V."-Zeitung. Tie in Beuthen erscheinende „Ostdeutsche Morgenpost" (D. Dp.) hebt in einem zujammensasjenden Berich: „Tie Abstimmung im Spiegel der Zeitschriften" die Namen besonders der Beuthener Mitarbeiter unserer Oberschlesien-Nummer hervor. Tie „Breslauer' Zeitung" (dem.) und der „Neue (Sörlitzcr Anzeiger" (lib.) geben Geleitworte des Lberpräsidenlen L u k a s ch e k auszugsweise wieder. Auch die „Neuroder Dolksstirnmc" (SPD.) und das „Löwener SLadtblatt" (dem.) erwähnen sie lobend. Arch in der Berliner Presie is! aus die Lbersdzlesien-Nummer hingewiesen worden. Dagegen kritisiert der „Schlesische Beobachter". das nationalsozialistische „Kampsblatt für den deutschen Oflen", in. seiner Ausgabe vom 28. März, was nicht anders zu erwarten war, die Oberjchlesicn-Nummer in abfälliger Weise und spricht' darin den d-eutsch.n Juden ihr Deutschtum ab: die Juden hätten nur deshalb zu 89 Prozent deutsch gestimmt, „weil in Deutschland immer noch mehr zu verdienen ist als im Lande des weißen Adlers". Das Blatt beschäftigt sich insbesondere mit dan historischen Ausführungen von Justft.rat Jmmerwahr und benutzt sie zu dem hämsickM Wortspiel, daß das. „was Jusnzrat Jmmerwahr schreibt, nickst immer wahr" ist. Derartig „geistige" Kampfes- Methoden stehen auf dem "gleichen Niveau wie die Erklärungen von Studentenkorporattcmen und Parteien, die den heiligen Burgfrieden der Oberschlesientage zu durchbrechen wagten.