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Central-Verein-Zeitung · 1931-03-27 · 13 (27.3.1931) · p. Seite 157

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
10 (1931)
Issue
13 (27.3.1931)
Date
1931-03-27
Page
Seite 157 (sequence 9)
Language
German
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157 NSA KZ DENN Sonverbericht für die „C. V.-Zeltung" -td— Berlin, den 24. März. Am 22. und 23. März trat der atn 30. November v. I. neu gewählte Verbandstag des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden zum erstenmal zusammen. Zum Präsidenten wurde Rechtsanwalt Tr. Heinrich Stern (Berlin) wiedergewählt, zu Vizepräsidenten Rechtsanwalt Max Köllen scher (Berlin) und Direktor Marx (Königsberg) gewählt. Tie von der Versammlung zu bewältigenden umfangreichen und mannigfachen Arbeiten, standen, soweit sie nicht vorwiegend formaler Natur waren, im Zeichen des heftigen antisemitischen Terrors in Deutschland und der zunehmenden Wirtschaftsnot der deutschen Juden. Ten Mittelpunkt der Beratungen bildeten die Aussprache über den Haushaltsplan für das Jahr 1931 32, die zu teilweist recht lebhaften weltanschaulichen Auseinandersetzungen führte, die Erörterung über die Behebung der jüdischen Wirtschaftsnot, die vom Verbandstag vorzunehmenden Ratswahlen und die Besetzung der verschiedenen Ausschüsse. Tätigkeitsbericht In dem Tätigkeitsbericht des Rats für das Jahr 1930/31 gab denen Präsident, Kammergerichtsrat Wolfs (Berlin), der Entrüstung des Landesverbandes gegenüber den schmachvollen Angriffen Ausdruck, mit denen die deutschen Juden Tag für -Tag in steigendem Maße überschüttet werden; er berichtet im einzelnen über die immer noch nicht abgeschlossenen Verhandlungen mit der preußischen Negierung zur Schaffung eines neuen Judengesetzes, über die Tätigkeit der Reichsarbeitsgemeinsck)aft der jüdischen Landesverbände und des an Stelle der früher gewünschten Dirtschaftskonserenz eingesetzten losen Ausschusses. Aussprache zum Etat Im Rahmen der allgemeinen Aussprache zum Etat verwies Rechtsanwalt Dr. Bruno Weil (Berlin) darauf, daß die politische und wirtschaftliche Lage des deutschen Judentums noch nie ernster als im Augenblick gewesen sei, und verlangte bündige Erklärungen der maßgebenden Reichs!nstanzen gegen die Judenhetze. Nichts wäre verfehlter, als wenn sich die deutschen . Juden angesichts dieser Verhältnisse erbittert zurückzögen. zumal weite nichtjüdische Kreise des deutschen Volkes mit uns im Kampfe gegen den Nationalsozialismus zusammenstünden. Tie Abwehrarbeit könne aus politischen, juristischen und organisatorischen Gründen nicht von einer Le^ensvsrslchsrünosiissenscliaft \—P H n—oj r\ n fl & L-J E) bd D ll gegTün det 1882 Vcriragsgescllschafi grosser jüdischer Organisationen Versicherer, ^sbestand..... Garantiemr.iel. Neuzugan'4 3929. .1 Milliarde 500 Millionen Goldmarfc .. ca. 133 „ ... über 363 „ ,» Lebens-, Eussteuer-, Studisngeld-, Rentenversicherungen Schutz der Familie — Sidierung des AUers — durch Phonix, staatlich subventionierten Körperschaft wie dem Landesverband geleistet werden, sondern müpe ivie bisher privaten Organisationen überlasten bleiben. Dr. Nahum Gold mann (Berlin) beantragte. da der Centralverein nicht alle deutschen Juden repräsentiere, die wichtigsten Abweh rausgaben dem Landesverband zu übertragen. Demgegenüber verwies Justizrat Tr. B r o d n i tz aus die völlig andersartige Konstruktion des Landesverbandes, der doch die jüdischen Gemeinden Preußens als Religionsgemeinde umfasse und auch statutenmäßig nicht zur Uebernahme der Abwehrarbeit berufen, auch praktisch dazu gar nicht in der Lage sei. Ter Centralverein habe sich trotz seiner bestimmten innerjüdischen Einstellung immer verpflichtet gefühlt, die Rechte aller deutschen Juden zu wahren. Ter Preußische Landesverband nahm im Verlaus der Verhandlungen zu diesen Fragen folgende, von den drei Fraktionen eingedrachre Resolution einstimmig an: Gegen die nationalsozialistische Hetze ..Tie maßlose Hetze gegen Juden und Judentum. die in steigendem Maße das ösientlici^ Leben vergiftet, das Leben der Juden und die Ehre des Judentums in unerträglicher Wene bedroht, bereits vielfach Menschenleben vernichtet hat und nicht einmal vor den Grabmälern aus jüdischen Friedhöfen haltmacht, erweckt in weiten Kreisen des deutschen Volkes den Eindruck, daß der Jude recht- und schutzlos und kein Dollbürger sei. Es handelt sich nicht mehr um politische, mit geistigen Waffen ausgefochtene Kämpfe, sondern um eine von Tag zu Tag zunehmende Verwilderung der politischen Sitten in Deutschland, die in allen Landern der Welt aufmerksam beobachtet wird und das Ansehen Deutschlands sichtlich schädigt. Der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden glaubt, auf die Zustimmung weiter Kreise des deutschen Volkes rechnen zu können, wenn er zum Kamps gegen diese Barbarei ausrust. Er mach; die Reichs- und Staatsbehörden auf die wachsende Gefahr aufmerksam und fordert sie auf, wirksame Maßnahmen zum Schutze der jüdischen Bevölkerung zu ergreifen. Ter Landesverband erwartet von allen Juden eine stolze und aufrechte Verteidigung ihrer Ehre und ihrer Rechtes Ferner wurde folgender, von der liberalen Fraktion gestellter Antrag mit großer Mehrheit gegen die Stimmen der Jüdischen Volkspartei angenommen: „Der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden dankt den zur Bekämpfung des Antisemitismus berufenen Organisationen für ihre tatkräftige Arbeit, und er fordert sie und alle unsere Freunde des Vaterlandes auf, alle moralischen und materiellen Kräfte auszubieterr, um den verbrecherischen Anschlägen auf Ehre, Freiheit und Bürgerrechte zu begegnen." Tie mit gespanntester Aufmerksamkeit verfolgte Wirtschaftsdebatte war nicht allein eine Aussprache über die wirtsch-aftlicbe Notlage der jüdischen Gemeinden, sondern führte vielmehr zu einer ausgiebigen Diskussion über die gegenwärtige Wirtschaftsuot der deutschen Juden im allgemeinen. Nach Ausführungen von Rechtsanwalt Tr. Klee (Berlin), Justizrat Tr. P e i s e r (Breslau), Alfred Berger (Berlin) und Oberrabbiner Tr. A l t m a n n (Trier) über Fragen der Kreditbeschaffung und Zinsverbilligung für den jüdisck)en Mittelstand, ^des jüdischen Genostenschafts- und Tarlehnskapenvereins, des Angestelltenboykotts. der jüdischen Arbeitsvermittlung und Berufsberatung, nahm als besonderer Kenner der Wirnck-aft Staatssekretär z. D. Prosestor Dr. Julius Hirsch (Berlin) das Wort. Er skizzierte in großen Strichen die Ursachen der Weltwirtschaftskrise und der deutschen Wirt schastsnot und innerhalb dieser die Gründe des jüdischen Sonderproblems. Tie Flucht des Jnlandkapitals habe sich schädlich ausaewirkt, seine Zurückführung bedeute eine Stärkung der Wirtschaft im allgemeinen und der jüdischen Wirtschaft im besonderen. Aber weit über die Fragen der Wirtschaftskrise hinaus reiche das Problem der Wirtschafts- Umgruppierung. Es stehe außer allem Zweifel, daß der jüdisck)e Bevölkerungstei! stärker als andere Gruppen den Schwankungen der Wirtschaft unterworfen sei. Die jüdische Wirtfchastsnot sei mit der allgemeinen Wirtschaftskrise auss engste verknüpft. Don einer jüdischen landwirtschaftlichen Siedlung als Mittel zur Behebung drr jüdischen Wirtschaftsnot dürfe man sich nicht allzu viel versprechen, ebensowenig von einer Hilfe durch Tarlehnskasten und Kreditgc-nostenschoften. Nötig sei die objektive Klarlegung der Entwicklungstendenzen namentlich in den für die Juden wichtigsten Wirtschaftszweigen. Ein auch mit prominenten jüdischen Wirrschaftsführern besetzter Wirisck-aftsausschuß des Landes- MÖNCHEN! 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