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Central-Verein-Zeitung · 1931-03-27 · 13 (27.3.1931) · p. Seite 156

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
10 (1931)
Issue
13 (27.3.1931)
Date
1931-03-27
Page
Seite 156 (sequence 8)
Language
German
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156 genötigt, die erforderlichen Fragezeichen anzudringen. Allerdings ist ihre Wertbetonung keineswegs eine bloße Liebhaberei. Sie hat ihre tiefen Gründe, von denen noch zu sprechen sein wird. Zuvor jedoch sei das gleiche Verfahren, das der Zionismus so siegesbewußt gegen uns anwendet, einmal an ihm selbst erprobt. Auch die nationaljüdische Idee hat im Laufe der letzten Jahrzehnte gewaltige Wandlungen erfahren. Von der Herzlschen Judenstaatsidee, die Lrhn und naiv, traumhaft und wirklichkeitsfremd die ersten zionistischen Kampfkaders mit ihrem Geist erfüllte, bis zu dem schon etwas müde gewordenen Mute der Unentwegthcit, mit dem man den sich Jahr um Jahr schwieriger gestaltenden Kolonisationsmöglichkeiten gegenübersteht, führt eine mnmterbrochene Entwicklung. Ern kaum mehr vereinbarer Gegensatz klafft zwischen Herzls jubelnder und ungebrochener Erkenntnis: „Wir sind ein Volk, e i n 33olt!" und den schwierigen und differenzierten Auslegungen, mit denen bin Modernen diesen eindeutigen Begriff einer außerordentlich vielfältigen Wirklichkeit anzupasien versuchen! Wo führt die Brücke der Verständigung von Max Nordau, der 1893 in einem Vortrag erklärte, die Zionisten „behaupten nicht, in ihrem Geburtsort ein Vaterland gesunden zu haben . . . Sie wollen Bürger Palästinas sein, und ihre echte, glühende Vaterlandsliebe hat das Heilige Land ihrer Vorfahren zum Gegenstände", zu Dr. Gustav Krojanler, der in seiner bekannten Auseinandersetzung mit K'.atzkin ein weitgehendes Bekenntnis zu deutschem Land und deutscher Sprache ablegt? Und ist nicht schließlich der Wandel in der Auffassung vom Palästina- Aufbau selbst der beste Beweis für die tiefgehenden Unterschiede zwischen einst und jetzt? Unter der Last unzähliger Widerstände einer dreißigjährigen harten und leidvollen Geschichte hat sich die Hoffnung auf einen autonomen Judcnstaat zum Streben nach einer ,chfentslichrechtlich gesicherten Heimstätte" inmitten eines binationalen Eemeinschaftswesens hindurchgeläutert. Wir halten diese Entwicklung für notwendig und heilsam, und so manchem entschiedenen Gegner des konsequenten Zionismus in unseren Leihen erschloß sie eine Möglichkeit praktischer Förderung der Palästinaarbeit; ober von entscheidender Wichtigkeit ist, daß sie stattgefunden hat. Sehr bequem und allzu selbstgefällig wäre da die Geste des „Wir haben es immer gesagt!" Freilich: wir hätten ein Recht auf sie; denn in jeder einzelnen Beziehung, handele es sich vm die Frage der jüdischen Ration, des Verhältnisses zum deutschen Volke, der Aussichten 'in Palästina — überall, auch dort, wo es uns selbst schmerzlich ist, haben sich unsere Ansichten, unsere Mudnaßungen und Vorhersagen als richtig erwiesen. Die Jüdisch-Rationalen haben sich ans der ganzen Linie zu uns hin entwickelt. Wir haben oben die tiefere Bedeutung einer solchen Entwicklung verneint. In der Tat liegt ja das Entscheidende, wie es im Leitartikel der „Jüdischen Rundschau" Rr. 14 sehr richtig ausgeführt war, nicht in den Erkenntnissen und Gefühlen, sondern in dem Willensemstchluß, der auf ihnen weiterbaut. Und doch besteht in dieser Hinsicht zwischen nationaljüdischcr und deutschjüdischer Bewegung ein grundlegender Unterschied. Der Centralverein ist in erster Linie der Bewahrer einer Gegebenheit. Er will die Einbettung der deutschen Judenheit in die deutsche Umwelt grundsätzlich aufrecht erhalten; er will die staatsrechtliche Gleichberechtigung gegen Aushebung und Unterhöhlung verteidigen; er will diese bestehenden Verhältnise sicherer, reibungsloser, glücklicher gestalten; er will allen Gefahren zum Trotz in ihnen das Judentum und die jüdischen Lebenswerte erhalten — aber in der Tat: er steht zu den Tatsachen, er erstrebt kein utopisches .Drittes Reich". Im Centralverein gilt darum der Primat der praktischen Arbeit. Zwar hat auch er eine sestumrissene Idee. Aber seine Idee, schlagworlartig ausgedrückt mit Worten wie jüdische Eigenwcrtigkeit — deutsche Gleichwertigkeit ist in ihren Grundlagen durchgesetzt, die Spannungsdifserenz zwischen Idee und Wirklichkeit Zwingt nicht mehr zur Revolution. Ganz anders liegt es beim Zionismus moderner Prägung. Er steht unter dem Primat der Idee. Schon seine Entstehung im Kopfe eines Führers weist darauf hin. Herzt setzte sich mit seiner Forderung in Widerspruch zu einer Welt von Tatsachen: er ries zum Widerstand gegen die Wirklichkeit aus und steckte sich und der von ihm entfachten Bewegung ein Ziel, das die gradlinige Durchführung seines gewagten Gedankengebäudes bedeutete. Im Gefüge des Zionismus spielt somit die Idee die konstitutive Rolle. Grund genug, um ihre Wandlungen ernst zu nehmen. Wir sahen, daß der nationaljüdische Gedanke eine durchgreifende Veränderung erfahren hat. Wir sahen, daß auch die nationaljüdi'che Wirklichkeit, soweit sie sich in Palästina vollzieht, ihre Bedeutung entscheidend gewandelt hat. Wie aber steht es mit einer gesamtideolegischen und praktischen Revision, die sich dieser Entwicklung anpaßt? Alan geht ihr aus dem Wege. Man sucht sie zu vermelden, weil die Folgerungen zu unbequem wären. Zwar befindet man sich an den verantwortungsbewußten Stellen schon längst in der unangenehmen Lage, einem K l a tz k i n, einem Jabotin sky gegenüber „halb" und „lau" zu sein, well mau weiß, daß D!e Zahnzwkschenraums ak Sitz Speisereste reinigt man Zweckmäßig mit dr: eigens dafür konstruierten Chlorodcnt- Zahnbürste mit gezahntem Vontemchnitt ln zwei Härkrgradrn von höchster Lualirüt. 'Aur echt in blau-weiß-grüner Originalpackung. Kausen Eie sich neck) hru:> eine Dube Chloiodont-Zahnpasie Zw 81 Pf. und dir dazugehörig» Ch'wrodout-Zahudürtze. man das so einfache und verlockende Zuendedenken nicht mit einem Zuende t u n krönen kann. Aber dem innerjüdischrn Gegner gegenüber, uns C. V.ern gegenüber, die wir vor unleugbaren und unmißverständlichen Tatsachen den Blut des Bekennen» aufbringcn, uns wirft man noch immer Halbheit und Mutlosigkeit vor. Es ist sehr leicht, vor den Gegebenheiten wnb ganz besonders, wenn sie so schwierig, so düster und undurchdringlich scheinen wie die deutschjüdischere unserer Generation, fortzulo.nsen in ein Wölkenkuckucksheim der reinen Idee. Es gehört viel mehr geistiger Mut dazu, Brüning zu sein als Hitler: das Bestehende zu bewahren und mit Fleuß und Hingabe bessern zu wollen, als ein „Drittes Reich" zu versprechen. Ter Wandel ihrer Idee sollte die Zionisten gewarnt haben! Die ursprüngliche folgerichtige Beziehung zwischen Gedanken und Tat ist -erstvrt. Es geht auf die Tauer nicht au, von Normalisierung des jüdischen Daseins, von der Fülle des Judentums nnd der Gnade des Lebens in innerer Wahrhaftigkeit zu sprechen, wenn man selbst schon längst unter der Last des Kompromißes seufzt. Man verzichte endlich auf den billigen Triumph, der darin liegt, sich selbst als ganz und ungebrochen und uns als halb und lau zu beezeichnen. Ganzheit und Ungebrochenheit in der politischen Sphäre ist nur durch Verantwortungslosigkeit zu erkaufen. Tor verantwortlich? politische Zionismus hat gelernt, mit Realitäten zu rechnen. Er sorge dafür, daß seine Idee zur veränderten Wirklichkeit zurücksinde. Tann erst rvird er bewiesen halün, daß er wirklich zugelernt hat. Dr. Eva Reiehmann-Jungmarm. Geheimer Justizrat Dr. Ir. e» Heinrich Dove. Kürzlich verschied in hohem Alter der bekannte liberale Politiker, frühere Reichstagsadgeordnete und Stadtverordnete, der langjährige Syndikus der Korporation der Kaufmannschaft in Berlin, Geheimer Justizrat Dr. h. c. Heinrich T o v e. Mit ihm ist ein Mann von selten umfassender Bildung dahingegangen, der von wahrer Humanität und daher auch von echter Vorurteilslosigkeit erfüllt war. Dem hochverehrten Entschlafenen, der seiner Sympathie für die Bestrebungen des Eentralr-ereins häufig warmen Ausdruck verliehen hat, werden wir ein treues Andenken bewahren. KOSCHER FÜR PESSACH Zwei koschere PUcmzeräfeft© ••so sparsam/ so bequem I nos Vj? Tomor, hergestelit unter Aufsicht Seiner Ehrv/ürden des Herrn Rabbiner Dr. Wolf, ist reinste Mandelmilch-Margarine! Sie können »ie als Brotaufstrich unter Fleischbelag verwenden und für Kuchen und Torten, die Sie unmittelbar nach der Mahlzeit reichen wollen. Tomor enthalt keine tierischen Fette und darf daher zu allen Speisen ohne Unterschied gebraucht werden. Palmin koscher besteht zu vollen 100°/0 aus reinem Cocosfett. Beim Kochen, Braten, Backen — immer freuen Sie sich über seine Ausgiebigkeit und seinen reinen Geschmack. Palmin koscher enthalt keinen Tropfen Wasser — es spritzt daher nicht aus der Pfanne, das ganze verwendete Quantum wird voll ausgenützt. Und dabei istPalmin koscher so leicht verdoulich,daß es selbsr dem empfmdiichstenMagen gut bekommt. Mit diesen beiden Fetten koscher gelingen die österlichen Speisen zu ihrer vollsten Zufriedenheit £asla& TPK 3—111 SS

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