Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 10 (1931)
- Issue
- 13 (27.3.1931)
- Date
- 1931-03-27
- Page
- Seite 155 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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155 Das Gesundheitsv/asser! Factnn^er Veisandsteile, Berlin SW il Schum berger Strasse 16a. Telefon: Lützow 8260,61. Synagogengemeinde und besonders gebetenen christlichen Gästen über ,ckTie Juden und der deutsche Seist". Seine Ausführungen glpselten in der Darstellung von Gegensätzen in deutlichem und jüdischem Wesen. Dieser Gegensätzlichkeit liege in der Hauptsache ein anderer Lebensrhythmus, eine andere Form des Denkens zugrunde. Der nichtjüdische Deutsche betrachte die Dinge des Lebens im allgemeinen rein gefühlsmäßig. ohne sie gleich auf Formeln zu bringen, während der deutsche Jude meist rational denke und bei ihm infolge der jahrtausendealten theologischen Spekulation die logische Deduktron iwrruuege. Nichtsdestoweniger sei aber der Idealismus bei den Juden genau so vertreten, hätten sie sich doch zwei Jahrtausende lang emes höchst unpraktischen Ideals, ihres Glaubens, wegen verfolgen lassen. Ter Redner führte aus, wie trotz dieser scheinbaren. Gegensätzlichkeit eine tiefe innere Verbundenheit zwischen dem nichtjüdischen und dem jüdischen Deutschen bestehe. Tie Gemälde Rembrandts und Lessinas „Nathan* seien Beweise dafür, daß sich deutsches und jüdisches Wesen wohl ergänzen könnten. Goethes prophetische Worte: „Die Deutschen gehen nicht zugrunde so wenig wie die Juden, weil sie Individuen sind", sollten uns auch rn der gegenwärtigen Zeit mit Trost und Zuversicht erfüllen. Der Vortrag fand in der Presse starkes Echo. Berliner Frauengruppen desC.V. Der Einladung zu dem literarischen Abendkursus von Johanna Meyer waren fast 500 Anmeldungen gefolgt, so daß wir zwei Km se mit je 250 Hörerinnen einrichten mußten. Der erste Kursus," der in der Prinzregentenftraße-Synagoge stattsand, ist beendet, und darf mit Recht als außerordentlich wertvolle Arbeit im Sinne des Centralvereins gewertet werden. Die literarischen Tokurmnte, die Johanna Meyer vorlas. waren Hoffnung und Glauben an den Sieg unseres Kampfes und die Antwort auf die Frage der Verbundenheit der jüdischen Staatsbürger mit ihrem deutschen Vaterland. Die Rot des jüdischen Kindes in der deutschen Schule, wie sie Karl Busse in seinem „Gymnasium zu Lengowo" Zeichner, muß jeden jüdischen und nichtjüdischen Hörer packen. Ter Aufschrei des jüdischen Kindes, das seinen Lehrer, den einzigen, der es nicht als „fremd" behandelt hatte, sterben steht, ist der Aufschrei von Tausenden von Kindern. Der Schmerz des jüdüchen Kindes, dem die nichtjüdische Freundin entrissen wird, ist der Schmerz von Tausenden unserer Kinder. Wir horten Worts von Franziska Mann, von Herder, Grillparzer, Rilke, Herne. Arnold und Stefan Zweig, Veer-Hosmonn. Klabund. Döblin, Joseph Roth. Das literarische Schaffen deutschjüdischer Frauen in ihrer tiefen Verwurzelung mit deut'chem Boden vertiefte Geist und Idee der C. V. - Arbeit. Lion Feuchtwangers „Jud Süsi" zeigte die Probleme der Lösung unberechtigter Vrrwürd.? auf, und Georg Hirsch fe ld s „Tie Mütter" sprach von dem Leben der Arbeit und Pflicht der jüdischen Frauen. Werfel. Ttto Ludwig, B e e r - H o f m o n n haben die Grausamkeiten der Judenverfolgungen literarisch festgchalten. Von der Hingabe der Juden im Weltkrieg sprechen Kriegsdriese. Kriegstagebücher jüdischer Gefallener, von unserem Kampf ums Recht und unserer stillen Heimatliebe sprechen Gabriel R i e ß e r. Wassermann, Julius B c b, Jakob Löwenberg und andere mehr. Der Kursus wird im Gemeindehaus in der Noscnstraste 4 am Montag, dem 30. März, 1.;., 20. und 27. April, abends 3 Uhr, wiederholt. M. F. Wer Hat Mgslsmi? Ein Nachwort zur kontradiktorischen Aussprache zwischen Ludwig Holländer und Kur! Blumeuseld Eine der wesentlichsten Stützen, mit denen die nationaljüdnche Beweisführung ihre angebliche Neberlegenheit gegenüber unserem deutsch-jüdischen Standpunkt zu unterbauen pflegt, ist die Behauptung: wir näherten uns langsam ihren gedanklichen Grundlagen an. Auch in der Berichterstattung über die Aussprache Holländer — Blumenfeld hat dieser Hinweis wieder eine Rolle gespielt. Und nur allzu leicht verdichtet sich bei solel)er Gelegenheit der Triumph über den t c i l w e i s e n Sieg der eigenen Idee zu der angeblichen Gewißheit ihrer völligen Irgifcfjen und praktischen Durchsetzung in der Zukunft. Dieser Schluß ist begreiflich, wenn auch keineswegs zwingend. Es steckt in ihm ein gut Teil jener gerade von nationaljüdischer Seite mit Recht als anachronistisch bezcichneten blinden Ausklärung-glüurigkeit, die nicht nur den ideellen Sieg der Wahrheit für sicher hält, sondern die auch an einer Beeinflussung der Wirklichkeit durch die Wahrheit fesihält. Immerhin: auch ohne weitgespannte geschichtsphilosophische Konsequenz mag die Fesr;wl1ung der Uebernahme eigener Grundanschauungen durch den Gegner ihr Erfreuliches haben, und wir sind weit davon entfernt, den Wert einer derartigen Fragestellung zu leugnen. Kleinlicher Doktrinarismus liegt uns fern. Das Unsehlbarkeitsideal ist nicht unsere Sache. Wir halten es — um es gleich rund heraus zu sagen — für ehrenvoll und für ein Zeichen innerer Lebendigkeit zuzulernen, ganz gleichgültig. woher die neue Lehre kommt. Die Gedankenführung des Centralrereins hat sich gewandelt. Das ist von unserer Seite wiederholt ausgesprochen worden, und es konnte bei dieser EutwickUmg nicht im entferntesten berücksichtigt werden, welcher innerjüdischen oder innerdeutschen Auffassung sie sich annäherte, oder vor: welcher sie sich entfernte. Eckenntniye. Einsichten, Folgerungen bahnten allein den Weg. Es mag unbestritten sein, daß durch die- Erweiterung des reinen Konsessionsstandpnuktes, der bei der Gründung des C. V. herrschte, durch Einbeziehung des Tatbestandes einer jüdischen Abstammungsnnd Schicksalsgemeinschaft eine gewisie Annäherung an die Borsus'chungm erfolgt ist, von denen aus unter Einbeziehung grundlegend verschiedenartiger Wunsch- Vorstellungen und Willensrich tungen die Natiorraljuden zu ihrer Zielsetzung gelangen. Die Jüdisch-Nationalen buchen das als alleinigen Erfolg der Werbekraft ihrer Idee. Wir halten diese Feststellung nicht für allzu wahrscheinlich. Wenn man sich schon einmal auf das außerordentlich vage Gebiet einer Jdeenlehre unmittelbarster Gegenwart begeben will, so wird man Einflüsse so vielgestaltiger und mitunter so zwinaerDer Art aufzeigen müssen, unter denen sich die deutjchjüdischs Idee der letzten vierzig Jahre weiter entwickelte, daß di- Behauptung ihrer entscheidenden Bestimmtheit durch die nationaLjüdische Auffassung nicht haltbar blecht. Es wird auf feiten unserer Gegner, wie uns scheint, etwas allzuviel Gewicht auf diese Tatsachen gelegt, und nur deshalb sehen wir uns PnEUSSiSCHE IANDESPFANDBRIEFANSTALT Körperschaft des öffentlichen Rechts BERLIN W8 FRANKFURT/M. ESSEN MÖNCHEN Zeichnungs-Einladung In der Zeit vom 25. fiflärz bis 15. April 1931 legen wir zur Zeichnung auf: GM 10 Mill. reichsmundefsichere m?ö / cs B q r mm m v/ n rn .r\ ffn ffzs u ff, ■ €=> rp vn m \ / z fff ff i ■:rß g /Ö Li vss? Li Vili a Ü t d L iS" k Gj Ü k» ^df y y vii? Reihe XXi zum Vorzugskurs von 96V20/® {Börsenkurs 97%) Gesamtkündigung bis 1. Oktober 1935 ausgeschlossen - Aprif-Oktobar-Zinsschsine Börsennotierung in Berlin,Frankfurt a.M., Essen,Köln,Düsseldorf und München Stücke zu GM 100.—, 200.—, 600.—, 1000.— und 5000.— Zeichnung durch al’e Banken, Bankiers, Spar- und Girokassen, Kreditgenossenschaften sowie durch die Anstalt se.bst und deren Zweigstellen in Frankfurt a. M, Essen und München. Höhe der Zuteilung und früherer ZeichnungsschSuss vorberalten. Grundkapital und Reserven über 32 Millionen Reichsmark