Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 10 (1931)
- Issue
- 13 (27.3.1931)
- Date
- 1931-03-27
- Page
- Seite 154 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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154 die deutsche Jüdin sind im Rahmen dieser Arbeit nicht möglich. Nach dem vorliegenden Material und der Fühlungnahme mit Bernfsverbä:iden ist in großen Zügen etwa folgendes Freistellen: Grundsätzlich soll die für alle Berufe gewedene Berufsprüfung bei akademischen Berufen besonders streng sein. Jedes Studium stellt heute bei dem starken Konkurrenzkampf so außerordentliche Anforderungen an die geistige. körperliche und wirtschasiliche Leistungsfähigkeit der Studentin, daß nur besonders widerstandsfähige und begabte Frarren das Derussziel erreichen. Im übrigen dürste lsier die Lage für das jüdische junge Mdchen genau so sein wie für den jüdischen Mann. Auch tritt erschwerend noch — für Jüdinnen wie für Nichtjüdmnen — der Kontur- Hermann Müller Zum Tode des ehemaligen Reichskanzlers Mit Hermann Müller, dem Partpivorsitzenden der SPD. and früheren Reichskanzler, ist einer aus dem leider Immer kleiner werdenden Kreise jener Menschen des politischen Lebens dahingegangen, die über und neben den Interessen ihrer engeren Anhängerschaft das Ganze erstreben und neben den Prinzipien ihrer persönlichen programmatischen Verpflichtungen den grossen und tragenden allgemeinen Ideen zur Durchsetzung zu verhelfen suchen. Diese Fähigkeit und Eigenschaft Hermann Müllers haben auch wir bei Fragen unser Arbeit wiederholt mit Freude und Genugtuung festst eilen können. Darum vereinigen wir unsere Trauer um den toten Staatsmann mit der aller Deutschen, die eine Befriedung Deutschlands und einen Wiederaufbau von innen heraus nur dann für möglich ansehen, wenn wir viele Männer gleich Hermann Müller in Deutschland haben und am Werke sehen. ah. renzkampf der Geschlechter hinzu, der sich im akademischen Berus stärker geltend macht als in den übrigen Berussgattuugen. Auf sie im einzelnen einzugehen, würde zu weit führen, denn es kann nicht Sinn und Ziel dieser kurzen Uebersicht sein, ein abschließendes Urteil über die Frauenberufe für jüdische Frauen zu geben. Tie zuständigen, bereits erwähnten Berufsberatungen. Arbeitsnachweise, Frauenorganisatiouen werden im einzelnen den Berufsuchenden beratend beistehen. Es muß aber abschließend noch einmal gesagt werden, daß bei der ernsten Lage unseres Wirtschaftslebens und die doppelten Schwierigkeiten, die die junge Jüdin als Frau und als Jüdin im Konkurrenzkampf zu überwinden hat, die Berufswahl mit besonderem Ernst und die Berufsausbildung mit besonderer Sorgfalt erfolgen muß. Rur dann wird die jüdische Frau Aussicht haben, sich im Erwerb -erfolgreich durch >u sehen. Biele Berufe, in denen jüdische Frauen Hervorragendes leisten, sind hier unerwähnt geblieben. Vielleicht werden gerade diese berufstätigen Frauen durch diese Aussührungen veranlaßt, den jungen, berufssuchenden Frauen ihre Erfahrungen zu vermitteln, damit ein großer Kreis von jungen deutschen Jüdinnen das Glück befriedigender Arbeit, geistigen Wachstums, selb st erworben er Freiheit und ideeller und sraterieller Unabhängigkeit genießen kann. Aus der Arbeit des Central-Vereins Landesverband Freistaat Sachsen Am Sonntag, dem 23. Marz, fand in 6 h c mn i tz unter Leitung von Rabbiner Tr. Goldrn a n n die Hauptversammlung des Landesverbandes Freistaat Sachsen statt. Besonders erfreitlicfj war es, daß etwa ein Trittel der stattlichen Besucherzahl von Jugendlichen aus allen Ortsgruppen des Landesverbandes bestand, e sich mit stärkster innerer Anteilnahme an den Verhandlungen beteiligten. Im Namen des Vorstandes der Synagogen» gemeinde begrüßte Rechtsanwalt Tr. oartmann (Chemnitz) die Versammlung. Taraus gedachte Tr. Goldmann der im Lause der Berichtszeit verstorbenen Mitarbeiter und zeichnete in dankbaren und ergrimmen Worten ein Lebensbild des früheren Reichskanzlers -Hermann Müller, in dem, wie er sagte, ein treuer Freund miserer Bestrebungen dahingeschieden ist. Nach der Erstarrung des Geschäftsberichts, den gleichfalls Tr. Goldm a ii n übernommen hatte, gab Tr. Herbert L i n d e m a n n (Chemnitz) in einem umfassenden, klar gegliederten Referat über den Mationalfozialismus in den Schulen" einen lebendigen Eindruck von dem Unnang und der Organisation der nationalsozialistischen Schülerbewegung. In einem Korreferat entwickelte s1ud. phil. Alice A p t (Dresden) aus eigenen Erlebnipen an der Universität München ein segelndes Bild von den betrüblichen politischen Verhältnissen an den deutschen Hochschulen. Sodann erörterte der stellvertretende Syndikus des E. V., Dr. Alfred H i r s ch b e r g (Verlink die Probleme und die Notwendigkeiten, die Schwierigkeiten und die .Hoffnungen der „Jugendarbeit des C. B." in einer so gründlichen, weitblickenden Weise, daß seine Ausführungen mit sichtlichem Gewinn von sämtlichen Beteiligten gehört wurden. Sein Korreferent, Referendar Paul E p st e i n (Chemnitzst stellte die besonderen sächsischen Verhält niste und die praktischen Forderungen der sächsischen C. V.-Jugend heraus. Nach Tisch fand die Erledigung der Formalien sowie die Generaldebaite und die Diskussion einer von der Ortsgruppe Chemnitz e:ugebrachten Entschließung statt. In dieste Aussprache begründete Tr. Eva Reich:n a n n - Jung m u h n (Berlin) die Stellungnahme der Zentrale. Nach kurzer Tebalte ergab sich die Annahme der Resolution in jolgerider Form: „Alle nationaljüdischen Bestrebungen, die eine Absonderung jüdischer von uichtjüdisd)en Menschen herbeiführen müssen, drohen, die Juden ans dem deutschen Volk zu entwurzeln und dadurch die Emanzipationsrechte zu erschüttern. Wir beantragen: Tie Leitung des C. V. hat diesen Bestrebungen wie bisher in der Oesfentlichkait erügegenzu treten und in der „C. V.-Zciurng" die Ideologie vom jüdischen Volkstum zu widerlegen/ Als zum Schluß der Verhandlungen Rechtsanwalt Dr. G o l d b e r g (Plauen) dom Vorsitzenden des Landesverbandes, Rabbiner Dr. G o l d m Q n n (Leipzig), den Tank für seine Leitung abstattete, bestätigte minutenlanger Beifall den Tank der Versammlung an ihren Führer. Ortsgruppe Königsberg clesC.V. Tie Ortsgruppe Königsberg hatte ihre BMitglieder zu einem kontradiktorischen Abend eingeladeu. Ter stellvenretcude Vorsitzende der O rtsgruppe Königsberg, Han ptvor ft a ndsrni tglied Rechtsanwalt Tr. G r u m a ch, und das Vorstandsmitglied der Königsberger Ortsgruppe, Kaufmann Albert Loose, unterhielten sich über das Thema: „Was geschieht angesichts unserer Lage seitens des C. B.?" Kaufmann Loose vertrat dabei die Ansichten derjenigen, die die Arbeit des GV. kritisieren, während Tr. Grumach gewissermaßen den C. B. vertrat. Eingehend wurde von boibeu Rednern das Problem der öffentlichen Versammlungen, der literarischen Aufklärung, der Preöepnblrkation, des Rechtsschutzes, der Anträge zur Straf reckst sreform, zur Aufhebung der Immunität der. Reichstagsabgeordneten und der Brykottsragen erörtert. Selbstverständlich wurde auch zu den wichtigen Fragen des Schul- und Hoch'chulantisemitismus und zum nunwrus clausus Stellung genommen. Tie Versuche, die Abwehrarbeit auf die Synagooengemeinden zu übertragen. spielten bei der Auseiuander'etzuug ebenfalls eine nicht unerhebliche Rolle. Ueberzeugend wies Rechtsanwalt Tr. Grumach die erheblichen Leistungen des C. B. cni allen angeschnittenen Gebieten, die Unmöglichkeit der Erfüllung einer erfolgreichen Abwehrarbeit durch die Gemeinden nach. Tie anschließende Aus'prache unter Leitung von Ccheimrat Falkenhcim bewies, wie stark unsere Mitglieder an den Problemen des C. D. anteilnehmen nnd wie sehr unsere oftpreußnchen Mitglieder gewillt sind, unserer Or. ganisatwn nach wie vor die Treue zu halten. Massenversammlung in 7 ilsit In einer Versammlung d-er Ortsgruppe Tilsit des G. B. am 21. März referierte der^Syndikns des Landesverbandes Ostpreußen, Kurt aba tzky (Königsberg), über das Thema „Ter Nationalsozialismus und die deuucheir JndeiF. Er ging in seinen Ausführungen besonders auf die furchtbaren Bluttaten der letzten Zeit, insbesondere ans die in Pr. Holland ein mid gab der Dersammlimg von den vom Eeutralverein getroffenen Maßnahmen Kenntnis. An den Bortrag schloß sich unter Leitung des bewährten Vorsitzenden, Rechtsanwalts Tr. Hugo Ehrlich, eine Aussprache an, in der Abiturient Ernst Wasbutzki und Studienrat S i m v n über den Antijmntismus in den Schulen berichteten. Ter Vorsitzende sprach dann von den Versuckxn, die Gemeinden zu Trägern der politischen, insbesondere der Abwehrarbeit zu machen, die namentlich von na!ionaljüdisck)cr Seite unternommen werden. Kaufmann Sam Wilk, der im Gomcindoleben an führender Stelle steht, und der Vorsitzende selbst sprachen sich sehr entschieden gegen alle darauf hinzielendeu Verwiche aus, während ein nationaljüdischer Disknstionsredne^, Kaufmann Laser junior, seinen entgegengesetzten Standpunkt in ausführlicher Weise begründete. Irr feinem Schlußwort betonte der Referent, daß die Führung des Abwehrkampfes vor allem deswegen in den Händen des Eeutralvereins liegen müsse, weil eine solche nur von einer Organisation erfolgreich geleistet werden könne, die nicht derartigen Bindungen unterworfen sei wie eine behördliche Organisation' Julius Bab in Hannover Julius Vab, Mitglied des Hauptvorstandes des Centralvereins, sprach kürzlich in unserer Ortsgruppe Hannover vor den Mitgliedern der irirj::TrECirTTT^ 11 t/rrrr mo o:i