Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 10 (1931)
- Issue
- 13 (27.3.1931)
- Date
- 1931-03-27
- Page
- Seite 152 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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152 schlug mit einer Hacke die Fenster, laden ein. andere Nationalsozialist enum stellt endasHa ns. Alle fd>Iecf>. tcn Instinkte, durch planmäßige Hetze seit Gründung der nationalsozialistischen Ortsgruppe genährt, kamen zum Ausbruch: „Tie Burg wird ausgeräuchert!" „Keine Ratte verläßt lebend die Burg!" „Ter erste, der herauskommt, muß liegen!" „Alle kriegt ihr den Hals abgeschnitten." „Ter alte Spitzbube und der Junge, die gehören beide kastriert." „Die Dora (Frank) überlaßt mir. die leg' ich um." „Geht nur an ihn, der hat für dreißigtausend Mark Höchster Wert- Papiere." Unter den Nusern tat sich besonders der Ortsgruppenführer Seemann hervor. Die in eine Dachkammer Geflüchteten zitterten bis zur Morgendämmerung um ihr Leben. Unter dem Schutz der dann eingetrossenen Gendarmerie verluden sie am nächsten Tag die Model und verzogen nach Worms. Oie Plädoyers In seinem Plädoyer bezeichnete der Vertreter des Nebenklägers Frank. Rechtsanwalt Reumann, diese Zustände als eine Kulturschände. Tem Begriff des Deutschtums, wie es dokumentiert wurde durch das Verhalten der nationalsozialistischen Angeklagten, die nicht einmal mehr zu ihren Taten standen und dem Auftreten des nationalsozialistischen Verteidigers, hielt Rechtsanwalt Reumann echtes Deutschtum entgegen. Auch der Verteidiger der Reichsbannerleute, Rechtsanwalt Tschornicki. pellte in eindringlicher Weise, frei von jeder politischen Tendenz, die Unmenschlichkeit im Verhalten der Nationalsozialisten dar. Das Gericht erklärte ausdrücklich, daß neben dem verurteilten Sturmtruppsührer v o n S e g - gern auch der Ortsgruppenführer Seemann. wenn er auch juristisch nicht verurteilt werden könne, unverzeihlich gehandelt habe. Der „Völkische Beobachter" macht in Flugblättern, die von Dr. Goebbels derantwortlich gezeichnet sind, für sich und die Bilderzeitung „JllustrierterBeobachter" Reklame. Als Kostprobe wärmt der völkische Beobachter" in diesen Flugblättern einige „olle Kamellen" auf: r 1. „Ter ^Vorwärts" in Berlin bekommt zur Bekämpfung des Kapitalismus 800 000 Mark dom Kapitalisten Goldschmidt." 2. „Tie Propljezeiung des Juden Varuch Levi in einem Brief an Karl Marx wird in der Weltrepublik herrlich in Erfüllung gehen. In diesem Brief heißt eS: Tie Herrschaft des jüdisckjen Dolles über die Welt wird erreicht werden . . . durch Errichtung der Weltrepublik. die überall den Juden die Bürgerrechte zübillißen wird. Die Negierungen der Aüölker. die die Weltrepublik bilden, werden mit jHilse des Sieges des Proletariats ohne AnftreiMwg alle ln jüdisch Hände geraten" usw. - Wir stellen gegenüber diesen alten Ladenhütern nochmals kurz fest: 1. Die Berlagsgeselljchast, in der der „Vorwärts" ersännt. hat einmal im üblickM Bankperkehr von der Tarmstadter und Nationalbank einen Zwischenkredi! aus kurze Zeit gegen bankmäßige Imsen und Provsswn erhalten. Ein alltägliches Bankgeschäft, das der zuständige christliche Filialdirektor der Danatbank abschloß, ohne daß Dr. Goldschmidt etwas davon wußte. ■ ' Daraus macht der „Völkische Beobachter" in bekannter Wahrheitsliebe den oben wiedergegedenen Angriff ^gen Dr. Jakob Goldschmidt. . - * 2. Der Brief des Inden Baruch Levi an Karl Marx existiert nur in der Phantasie des „Völkischen Beobachters". Wir haben die bewährtesten Mar^.Forsck^er gebeten, den ominösen Baruch Levr und sein Schreiben an Karl. Marx zu ermitteln. Ergck>nis: Fchlcnvzeige. Tie Aeußerung Walter B o r ch a r d t s in seinem Aussatz „Tie Humeru8 - eiau8U8^ Bewegung an den deutschen Hochschulen" in der „C. V.-Zeitung" Nr. 11 vom 13. März: „Ter Nationalsozialismus wir) auf lange Zeit hinaus ein Stück der Kommenterziehung des Korpsstudenten bilden", trifft meines Erachtens nicht das Nichtige. So sehr ich die sonstigen Ausführungen seines Artikels unterschreibe, in diesem Punkte muß ich ihm widersprechen, weil mir die Lektüre der akademischen Presse einen anderen Eindruck vermittelt hat. Wahrend die Korps in ihrem offiziellen Organ gegenüber dem Natws-rlsoziaLismus. wie überhaupt jeder Parteipolitik gegenüber, ihre Neutralität betonen, bringen z. B. die Burschenschaftler in ihren Verbandsblättern reckst lebhafte, Auseinandersetzungen mit dem nationalsozialistischen Problem. Gewiß wird immer wieder ausgesprochen, daß das ideologische Ziel der BursckMschasten und der Nationalsozialisten nahezu wesensgleich sei. Aber doch nur „nahezu". So wird zwar im Oktoberhest der „Bur scheu schädlichen Blätter" ein klingendes Loblied aus Hitler gesungen. Im Märzhest aber wird im Rahmen einer längeren Auseinandersetzung festgestellt, daß die Deutsche Burschenschaft nicht einfach eine Sektion der NSDAP. sein dürfe. Tie Ziele des Waffenstudententums seien, so heißt es dort, kultureller Art, während die des Nationalsozialistischen Studentenbundes rein politischer Natur seien. Cs bestände immerhin eine Verschiedenheit der Aufgabengebiete. Das Einmischen des Nationalsozialistischen Studentenbundes in reine Hoch'chulsragen sei sachlich unberechtigt, und es sei ern Zeichen innerer Zerrissenheit, wenn sich der Nationalsozialistische Studentenbund (N. S. D. Stb.) „gewissermaßen als Korporation neben andere Korporationen" stelle. Tie politische Aufgabe der Deutschen Burschenschaft könne auch nicht einfach an den N. S. T. Stö. abgetreten werden, da die Burschenschaft eine unabhängige Erziehungsorganisation sei, die ihre eigenen waffenstudentischen Traditionen wahren müsse. Zu einem ähnlichen Ergebnis gelaugt das Organ der Teutschen Landsmannschaften. "Auch ihnen ist der Nationalsozialismus zwar das geistige Vorbild, aber zugleich auch eine Gefahr für die waffenstudentische Idee/ Die .Landsrnannschafterzeitung" gebraucht sogar die offenen Worte, der Nationalsozialismus möge die studentischen Verbände „unangetastet" lassen (45. Jahrgang, Heft 2). Nicht minder regt sich im Lager des sogenannterr „K y f f h ä u s e r v e r b a n d e s" (V. D. St.) Kritik am Nationalsozialismus, die sowohl pro als contra redet und beweist, daß auch diese nicht unbeachtliche Studeutcnorganisation in ihrer Stellungnahme zum Nationalsozialismus noch nicht einmütig vl Ihr offizielles Organ Hatte im August Ausführungen veröffentlicht, die in dem Vordringen des Nationalsozialismus die Gefahr der Arutalisierung des Verbandslebens witterten. Im Novemberheft wird diesen Darlegungen entgegengetreten; doch zeiHt diese Kontroverse, daß das Problem des Nationalsozialismus noch als umstritten gelten muß. Man bann sogar aus den Aeußerungen des Verfechters der nationalsozialistischen Letzte entnehmen, daß er mne gewisse Konkurrenzfurcht gegenüber Hitler empfindet. denn er schreibt: „Es wird für viele eine bittere Tatsache sein, daß erst durch Adolf Hitler vielen deutschen Menschen . . . Lebensziel . . . und Liebe . . . gegeben wurde". Tiefe Feststellung ist zwar unzutreffend, aber sie beweist, daß der Verfasser eine gewisse Rivalität empfinden mag. . Ich glaube, daß der kurze Streifzug durch die akademische Presse immerhin einige Erkenntnis vermiiteln kann. Zweifellos ist'die korpo. vierte Studentenschaft in qohem Maße vom nationalsozialistischen Bazillus infiziert. Aber ebenso empfindet sie aus ihrer korporationsstudentischen Ueberlieserung heraus gewisse Abwehrinstinkte, die ihr zumindest eine leise Skepsis gegenüber dem Nationalsozialismus aufnötigen. Davon, daß der Nationalsozialismus zum Bestandteil korporativer Kenunenterziehung geworden sei, kann meines Erachtens keine Rede sein. Das läßt die Hoffnung zu. daß, wenn auch die korporierte Studentenschaft heute den nationalsozialistischen Neigen miltanzt, sie, wenn einst die Hitlerischen Organisationen einschrumpfen, von sich aus die Idee nicht weitertragen wird. Rekerenckar lluckolk H. Heimansohn. Die Kunst — auf dem „Prokrustesbett" In der „Schlesischen Zeitung" vom 3. März schreibt Rumpelstilzchen einen seiner bekannten Berliner Briefe. In ihm wettert er gegen die Fremdtümelei auf dem Gebiete der Kunst und stellt den lapidaren Grundsatz auf: ,Lie Kunst war und ist zu allen Zeiten rassisch bestimmt schon im Keim." „Nur", fährt er fort, „flutet sie über die Grenzen mit vst salsck)em Paß. Anton Nubinstein ist kein Russe, Pierre Renoir kein Franzose, Max Liebermann kein Deutscher. Gabriele d'Annunzio kein Italiener, Georg Brandes-Cohen kein Däne. Die Familien aller dieser Leute sind irgendwann eimna! zugewandert und sind nicht blutmäßig in der neuen Heimat aufgegangen; und was diese Leute und taufend andere ihres Schlages schassen oder, häufiger noch, nachempfinden, kann nicht als „national" verbucht werden, ist häufig sogar eine Fälschung des geistig Urtümlichen der Nation." i Dann stellt er fest, daß „fast sämtliche Gemäldesalons Berlins in Händen nichtdeutscher Kunsthändler sind". Diese „Tatsache" habe dazu geführt, daß die nationalsozialistischen Künstler vor eimKw Zeit im „Nazi-Haus" tn der Hedemannstraße eine Kunstausstellung gemacht haben. lieber diese Ausstellung findet er folgende tressende Worte: „An sich füllte mnnand nach der Parteizugehörigkeit eines Künstlers fragen. ' Eine ,nationalsozialistische Kunst' kannes ebensowenig geben wie latholisck)e Mathematu oder deutschnationale Elektrotechnik . . . Wenn aber — in Ile Hergangs .eiten mag es nötig sein — alles aus die Partei gestellt wird und jede Partei sozusagen zu einen: geschlossenen Handels st aat ausgebaut wird, so daß auch jeglicher geistigeBedarsnur bei der Partei gedeckt werden darf, dann verarmen wir innerlich. . . Nur — fehlt, da man den deutschen Generalnenner verschmäht, nur den nationalsozialistischen gelten läßt, rnanckvs wOrtlich Hervorragende. was von Teutschen in deurschm Landen geschaffen ist. Tie Frage laute! eben: ,Srnd es Parteigenossen?' Am Ende sind es, Gott sei's geklagt, bloß Stahlhelmer oder gar ' DeutschnaLiouale; und dann wird aller Argwohn wach . . . Aus dem bisherigen ganz engen Wegs kommen wir allmählich zu Parteiamtlick-er Kunst genau so, wie die andere Seite uns das Parteibuch-Beamtentum besckxwt hat. Das endet dann, in der letzten .Verästelung, in der Verpflichtung, nur demokratisch? Briketts zu verheizen, nur vollskonservative Brötchen zu essen, nur Jungdo- Bückxr zu lesen, nur in welfisck)? Taschentück)er sich zu schneuzen. . . . Aber die Kunst möchte ich nicht auf dem Prokrustesbett der Parteien sehen. . Rumpelstilzchen gegen Parteikunst! „Er spottet seiner selbst und weiß nicht wie." Merkt er wirklich nicht, wie gefangen in Parteisesseln er ist, wenn er von Max Liebermann behauptet. er vermöge keine deutsche Kunst zu schassen? ' -