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Central-Verein-Zeitung · 1931-03-20 · 12 (20.3.1931) · p. Seite 135

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
10 (1931)
Issue
12 (20.3.1931)
Date
1931-03-20
Page
Seite 135 (sequence 7)
Language
German
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135 ö-Ä^TAYLOSiK ' ■ / OaGArilSATiOä 'V STÜUGÄRT - Emführungsschrift S1 / 221 und Vorführung kostenfrei |)L~v^4yv#/V ^/<yvs^^v(l 11 £).<$♦ Auf die Tage heiligen Gedenkens an die nationale Einigkeit des Jahres 1921 wirft der Parteihader seinen Sck-atten. Hakenkreüziahnen sollten, so wurde bei der Vorbereitung für die Gedenkfeiern bekannt, in den Zügen mitgeführt und dadurch einem Teil der Ooerschlesier die Teilnahme an der Feier in Gleiwitz unmöglich gemacht werden. Die Juden hätten bei diesen Feiern nichts zu suchen, denn sie seien keine Deutscheu. Das wagte der nationalsozialistische Vertreter bei der Vorbesprechung offen zu sagen. Und in den anschließenden Auseinander'etzungen schrieb „ein ehemaliger Selbstschutzkämpser". der die geschichtlichen Tatsachen wirklich besser kennen sollte, in einem bürgerlichen Blatt: „Unter der Fahne Schwarz-Weiß-rot und der . des Hakenkreuzes kämvsttn und starben ober- . schlesische Arbeiter, Bauern und Bürger für ihre Heimat Schulter an Schulter mit den Brüdern ' aus dem Reiche, die ausnahmslos das Hakenkreuz trugen. . / Durch das Eingreifen der Negierung ist erfreulicherweise ein Verlaus der Feiern sichergestellt, der jedem Deutschgesinnten die Teilnahme ermöglicht. — Diese Blätter geben in kurzer Ilebersicht ein Bild von der selbstverständlichen Begeisterung für Deutschland, die den oberschlesisck/en Juden vor zehn Jahren wie heute die Entfärbung für Deutschland diktierte. Jene haßerfüllten Gegner, die den Burgfrieden der Obersch'lesien-Feier zu stören versuchten, machen es notwendig, daß wir — als Beispiel für viele — einige der Opfer ausführen, die deutsche Juden an Gesundheit, und Leben für die deutsche Sache in Lberschlesien gebracht haben In der Nacht vom 19. zum 20. August 1919 wurde die Familie des Kaufmanns Wachsner in Kars wegen ihrer deutschen Gesinnung überfallen und der Sohn RudolfWachsner, ein 18jähriger Gymnasiast, erschosien. Der Gasthausbesitzer Simon A s ch n e r in Nikolai wurde ausgeplündert und zu Tode gequält. Max Tr. aus der aleichen Stadt wurde ausgeplündert, mißhandelt und vertrieben. Gastwirt Markus Z. aus S ch o p p i n i tz wurde unbekleidet aus dem Hause gezerrt, schwer mißhandelt und verschleppt. Erst nach zwei fürchterlichen Wochen Gefangnishaft sah er die Freiheit wieder. Kaufmann Jakob N o t h m a n n aus H i n - den bürg wurde am 2. Juli in Morgenroth von drei Insurgenten aus dem ZugL herausgeholt und erschollen, weil er dem deutschen Selbstschutz angehörte. Kaufmann F. aus Mikultschütz wurde ausgeplündert und so schwer mißhandelt, daß seine Frau vor Schrecken starb. Der 21jährige Max T. aus Beuthen, Krakauer Straße, wurde verschleppt und schwer mißhandelt. Mit einer Eisenstange wurde ihm das rechte Bein Zerschmettert, so daß er für den Nest seines Lebens Krüppel blieb. Kaufmann Albert T. aus V e u k h e n, Krakauer Straße, hatte auf dem Dache seines Hauses, in dem er wohnte, ein deutsches Maschinengewehr in Stellung bringen laßen. Als die.Polen davon erfuhren, schleppten sie ihn nachts aus dem Bett, mißhandelten ihn und stellten ihn mit gefesselten Händen an die Mauer, um ihn Zu erschießen. Durch das Tazwischentreten eines früheren Schulfreundes gelang es ihm im letzten Augenblick, dem Tode zu entgehen. In Eichenau wurde einer der angesehensten Juden, ein Mann in den sechziger Jahren, von Insurgenten „verhaftet", grausam mißhandelt, nach Sosnowice über die nahe Grenze in das frühere Nmmch-Polen verschleppt und wochenlang unter menschenunwürdigen Bedingungen festgehalten. Ein Zweiter entging nur mit Hilfe eines christlichen Mitbürgers dem gleichen Schicksal dadurch, daß er einige Tage und Nächte in der Näuchorkammer einer Fleischerei zubrachte. Der junge Sohn eines jüdischen Gastwirts, Schneidermeister S. in B i t t k o w, zog am 3. Mai 1921, dem ersten Tage des oberschlesischen Aufstandes, auf die Kunde vom Herannahen aufständischer Trupps an der Spitze weniger gleichgesinnter Mitbürger den Insurgenten entgegen. Er wurde mit einigen seiner Kampfgenossen ergriffen und in geradezu tKrftialifcrer Weise ermordet. Diese Liste darf keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben. Hoffentlich regen diese Zeilen aber dazu an, das bisher Versäumte nachzuholen und eine Liste der jüdischen Opfer aus der Abstimmungszeit auch aus dem übrigen Oberschlesien aufzustellen. In besonderer Herzlichkeit sei hier noch des SelbstschutzsührerS Rechtsanwalts Max Böhm aus Peiskretscham, eines edlen Deutschen und Juden. gedacht. Peiskretscham ist ein idyllisch gelegenes Städtchen am Eingang zum oberschlesischen Jndustrierevier. Während des Aufstandes 1920 war die deutschgesinnte Bevölkerung dort völlig schutzlos: die französischen Besatzungstruppen begünstigten die Insurgenten in iebcr Weise. Rechtsanwalt Böhm stellte deswegen den General de Brantes aus dem Marktplatz vor versammelter Mannschrft zur Rede und erließ sodann einen Aufruf zur Bildung eines örtlichen Se l bsts ch utze s. Er selbst wurde Mitbegründer dieser Organisation, die die Bewachung der Stadt übernahm. Aus solchen zunächst örtlich beschränkten Anfängen entwickelte sich dann der allgemeine oberfchlefische S e l b st sch u tz, dessen Führung für den Bezirk Peiskretscham Böhm übernahm. Im Februar 1921 wurde unser Freund Böhm vom Verbände heimattreuer Oberschlesier mit der organisatorischen Leitung für die Durchführung der Abstimmung in Peiskretscham und Umgegend beauftragt. Als im Mai 1921 die Polen wieder durch einen Aufstand das zu holen suchten, was sie im Wege der friedlichen Abstimmung nicht hatten bekommen können, wurde Böhm täglich in energischr Weise bei dem französischen Stadtkommandanten vorstellig und erreichte, d-aß die Stadt eine Woche lang von den Insurgenten unbesetzt blieb und dadurch Leben, Gesundheit und Eigentum der Bürger erhalten wurden. Als dann nach dieser Frist die Stadt doch von den Polen besetzt wurde, legte er in seiner Eigenschaft als Magistratsmitglied in einer ösfenllichen Versammlung der städtischen Körperschaften in Gegenwart der Jnsurgentensührer dagegen schärfsten Protest ein und legte sein städtisches Ehrenamt für die Tauer der Besetzung nieder. Die Quittung folgte am nächsten Tage. Er wurde von den Insurgenten verhaftet und verschleppt. Dem italienischen Kreiskontrollenr gelang es durch sein Eingreifen, Böhm wieder sreizubekommen. Dieser begab sich dann ohne polnischm Passierschein. „Przcpustka", durch die polnischen Postenlinien hindurch nach Gleiwih. Tort wurde er Mitarbeiter des Plebiszitkommissariats und verfaßte das Weißbuch des Kreises Tost-Gleiwitz: „Der polnische Aufstand in Oberschlesien". Sämtliche Protokolle ^dieser heute nock) lesenswerten und hochinLerepanten Schrift sind von ihm persönlich ausgenommen worden. Der 3. Juli 1922 brachte das Ende der Leidenszeit des oberschlesischen Volkes. Die französische Besatzung rückte ab. Ter letzte Transportzug passierte am Nachmittag dieses Tages den Bahnhof in Peiskrettcham. Hier aber kam cs zu einem ernsthaften Zwischenfall. Ter deutsche Lokomotivführer wollte den Truppentransportzug nicht weiterfahren, weil die Frauzosen fünf junge Deutsche als Gefangene mit sich führten. Der Ina stand ohne Lokomotive da, und der französische Major gab dem Stationsvorsteher Zehn Minuten Bedenkzeit zur Herbeischaffung einer Maschine. Böhm, der inzwischen — lvie immer in solchen Fällen — von feinen Selbstschutz-Leuten herangeholt worden war, griff in diesem Augenblick ein und erklärte dem Major, die Deutschen würden keinesfalls dulden, daß die fünf jungen Menschen von den Franzosen weggeschasft würden. Er sei aber selbst bereit, mit einigen Kameraden vom Selbstschütz mit dem Zuge bis nach Groß-Strehlitz mitzufahren. Ter Major ging darauf ein und Der Weg zum IKelvinalorü^y foekkD-KCVan'aa-n A.-G Leipzig CI 1 ►srnr_* 5 jfr’Äcä"-*« **■<?'- r... 3BK.

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