Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 10 (1931)
- Issue
- 12 (20.3.1931)
- Date
- 1931-03-20
- Page
- Seite 134 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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134 dementen zu sprechen, und schreibt stets nur von einem ostischen d;w. ostbaltischen Einschlag in Oberschlesien. obwohl ihm öxefe foQenannten ..slawischen Typen* nicht verborgen bleiben konnten. Um so interessanter ist Vas kürzlich erschre* neue Luch „Oberjchlesien tm gingen der Völker* von Dr Helmut Nikolai (Oppeln), in dem ein Kapitel der Rassenfrage m Oberschlcsien gewidmet ist. Nikolai bekennt sich barm als überzeugter Günther-Anhänger und führt die Günthersche Nastenkrttik in. bezug aut die ober* Ichlesische Bevölkerung bis zur letzten Konsequenz Mich. Was dabei herauskommt. wirst ein eigenartiges Licht auf öte angebliche Sympathie der National* fozialisten für Oberschlesien und die Ostmark überhaupt. Zunächst zieht Nikolai eine Grenzlinie durch die Provinz Oberschlesien, etwa entlang der Ostgrenze der Kreise G r o t1 a u und Neisie. Alles, was östlich dieser Grenze lebt, also das eigentliche Abstimmungsgebiet, ist weitgehend „mmderrassig* und von „negativer Bedeutung* für das bei:tfci;e Volk. ..In der wasterpolnischen Bevölkerung (so nennt er die Oberschlesier östlich seiner Grenze) gibt es ganz offenbar mehr Menschen mit sogenann« ten slawischen. tatsächlich mongoloiden und ostbaltischen Zügen. Menschen mit aristokratischem (sprich: nordischem!) Aeußeren sind dort sehr viel seltener anzutrefsen*. stellt er stirnrunzelnd fest. Dazu bemerkt er mit Entsetzen, dag sich die rassisch minderwertige Bevölkerung des Cfttcile§ bedeutend starker vermehrt als die aristokratisch* nordische der Westkreise. Darin sieht er eine große Gefahr nicht nur für die Zukunft der Kultur Oberschlesiens, sondern für ganz Deutsch* land. da Oberschlesicn einen großen Teil seines Geburtenüberschusses an die anderen deutschen Gebietsteile abgibt. In der Parole „Obem'chlesicn den Oberschresiern* sieht er den Versuch die hochwertigen nordischen Eletnente aus Ober* sthlefien hinauszuwerfen, den „Kampf der unterrassigen Schwarzalben gegen die Söhne dc- Lichtes*. Nun., konsequenter kann man wohl die Günthersche Nasienwertungstheorre nicht durchführen. Für die Oberschlesier aber, überhaupt für alle Bewohner der Ostmark, sollte dieses Buch eine Lehre sein. Nach völkischer Irrlehre nützt es nichts, heldenhafte Leistungen zu vollbringen; hat es Lernen Sinn, sich unter dem Druck französischer Bajonette und den Gervaltfflten polnischer Insurgenten für Deutschland jtu enhcheiden und sein Leben sür die deutsche Nation eiuzusetzen; hat es keinen Zweck, hier aus schtverstem Posten deutsche Kulturarbeit zu leisten. Wenn man zufällig einen runden Schädel hat. bleibt man doch „unterrassiger Schwarzalbe* und ist immer cm Fremdkörper im deutschen Volle. Es war ganz im Sinn dieser „nordischen Aristokraten*, wenn vor 1913 in Lbcrschlesien alle, einflußreichen stellen mit Westdeutschen besetzt wurden. Oberschlesien sollte eben nur eine Kolonie sein, in der die Ein* geborenen nichts zu sagen hatten. Teshalb muß man es als Heuchelei bezeichnen, wenn die nationalsozialistischen Günther-Anhänger jetzt den Abstimmungssieg feiern. Zir ihrer Theorie hätte cs wohl gepaßt, wenn alles Land östlich der Kreise Neisse—Grottkau ohne Abstimmung an Polen abgetreten worden wäre, wie es Frankreich mit allen Mitteln durchsetzen ivollte. Das wäre dann im Sinne der völkischen Rasientheorie ein Schritt zur Rastenveredeluug des deutschen Volkes gewesen. Was sagt aber die wissenschaftliche Anthropologie dazu? Gewiß, es gibt verschiedenartige Rastenmischungen in Deutschland; die Oberschlesier haken im Gegensatz zu den vorwiegend nordischen netn Norowestdeutschlands einen ilarfert, pfti* schen Einschlag. Es ist auch nicht zu bestreiten, daß, wie oben erwähnt, in Ober sch besten, wie in der Ostmark überhaupt, zahlreiche Menschen mit mongolischer Rastenbeimischung zu finden sind. Aber auch zwischen den ostischen Schwaben oder Alemannen und den nordischen Friesen gibt es ja rasienmüßig Unterschiede. Es sei auch zugegeben. daß es unter den einzelnen Levölke* - rungsgruppen Deutschlands gewiste geistige Verschiedenheiten gibt, die man mit den Rassen* Wischern Fischer (Berlin) und Lenz (München) als seelische Rastenmerkmale bezeichnen fami Es ist aber unsinmg und gefährlich. Cie verschiedenen Rasten tn ihrem Werke für Die deutsche Nation gegeneinander abzuwägen Wie die wiyenschaft* liche Rastenkunde zu derartigen Versuchen steht, ist am besten aus dem mincnschustuchen Vermächtnis des großen Berliner Rnsiensor* schers Feltx von Luschan $u ersehen, in dem er verkündet ..Es a i b t kerne an sich min* derwertige Rasse Ter Unterschied zwischen den einzelnen Rassen ist. besonders was die moralischen Eigenschaften und die Intelligenz angeht. nicht entfernt so groß als der zwischen einzelnen Individuen ein und derselben Rasse* Wie anders klingen diese Satze eines ernsten Forschers gegenüber den Schmähungen völkischer Rasten-Schriststeller' Aber mir ..unterrassigen Sr^varza'ben* lasten uns durch derartige Kränkungen nicht die Zugehörigkeit zur deutschen Kultur nehuien Wir lasten Deutschland nicht durch die völkische Rasten* cheorie in das alte Erbübel der deutschen Zwietracht zurückfallen Alle deutschen Volksstämme sind trotz ihrer rassischen Verschiedenheit aut ihre Art wertvolle Bestandteile der deutschen Nation. Hier ein Werturteil zu fällen, ist anmaßend und letzten Endes etn Verrat an der Ein* h e i r d e s d e u t s ch e n Volkes, Eines deutschen Beamten Antwort Briefwechsel zwischen dein Landesverband Obersdilesien des Ccnfra!- vereins und dem(früheren)OberpräsidentcnvonObersddesienDr.Proske Bisher anveröffcnilicbl. Centralvercin deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens Landesverband Oberschlcsien. Beuthen, den 28. März 1929. Herrn Oberpräsidenten Dr. Proske Oppeln. Hochgeehrter Herr Oberpräsident! Nach dem Kriege und der Abtretung von Ostoberschiesien drohte unsere entere Heimat ein Tummelplatz von unfriedfertigen Elementen zu werden, denen mehr an Ausschreitungen und Gewalttaten gegen politische Gegner als an Vertretung ihrer eigenen politischen Meinung und Durchsetzung ihrer politischen Rechte gelegen zu sein schien. Unter ihrem Treiben hatten nicht zuletzt wir oberscblesischen Juden zu leiden. Um so dankbarer erkennen wir es an, dass Sie, hochverehrter Herr Oberpräsiden!, bei allem Verständnis für andersartige politische Einstellung Unruhestifter in die durch die Staatsgesetze gebildeten Schranken zurückzuweisen gewusst haben. Die Tatsache, dass bei Ihrem Scheiden politische Exzesse in Oberschlesien glücklicherweise kaum noch zu verzeichnen sind, ist um so höher anzusehlagen, als zu gleicher Zeit der Herr Minister des Innern in Preussen sich genötigt gesehen hat, in einem Erlass gegen den in den übrigen Gebieten sich ständig steigernden Radikalismus Stellung zu nehmen. Von einer inneren Befriedung, wie sie sich dank Ihrer Tätigkeit in den letzten Jahren in Oherschlesien anzuhalmen begonnen hat, versprechen wir im Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, der grössten jüdischen Organisation Deutschlands, vereinigten Juden uns nicht nur eine Besserung unserer eigenen Lage, sondern wir erhoffen von ihr vor allein auch den Wiederaufstieg unseres grossen deutschen Vaterlandes. Es ist uns als Deutschen und als Juden daher ein Bedürfnis, Ihnen bei Ihrem Scheiden aus Oberschlesien für Ihre aussöhnende und der Gerechtigkeit dienende Politik auf Ihrem bisherigen Posten herzlich zu danken. Wir wissen uns im Geiste dabei einig mit unserem leider zu früh dahingeschiedenen Führer, Rabbiner Dr. Braunschweiger in Oppeln, der gerade diese Seite Ihrer Tätigkeit stets dankbar unerkannt und hervorgehoben hat. ln vorzüglicher Hochachtung Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens Landesverband Oberschlesien Dr. Skalier, Jusüzrat Der Oberpräsident der Provinz Oberschlcsien. Oppeln, den 29. März 1929. An den Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens Landesverband Oberschlesien Beuthen 0.-8. Für das mich mit grosser Genugtuung und Freude erfüllende Sch reiben vom 28 d. M. danke ich herzlichst. Die von Ihnen mir gegenüber zum Ausdruck gebrachte Befriedigung über meine Tätigkeit in Oberschlesien ist mir die wertvollste. Die Achtung vor der Persönlichkeit eines jeden Volksgenossen, die unterschiedslose -praktische Einreihung aller Staatsbürger innerhalb der staatsbürgerlichen Volks- und Rechtsgemeinschaft, ja ein unbegrenztes Eintreten für die durch unwürdige Intoleranz und Kulturlosigk^it — oder sozial — zurückgesetzten Bürger, das ist mein persönliches Ideal und auch der Grundgedanke für meine Beamtentätigkeit Mit meinen besten Wünschen bin ich Ihr stets ergebener