Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 10 (1931)
- Issue
- 11 (13.3.1931)
- Date
- 1931-03-13
- Page
- Seite 124 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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124 / Das neueste Heft öss „Morgen" Derr»chtlgeWrgzurErIa»2tl»gsiy3!;ss wektzerZShrlristfslLrndev: DrüSm EI: eitun Strang Lhlorsbont.Zahnpastr auf die trockene LhlorodonbZchnbürstr (Spezalbürs'te mit gezahntem DorftrnlchniüX bürsten Sir 2hr Eebtz nun nach allen Seiten, auch ton unten nach oben, tauchen Sie erst fetzt dle Dürste ln Düffrr und spülen Sie mit Chtorodont-Mundwasser unter Gurgeln gründlich nach. Der Erfolg wird Sir überraschen! Der miß. farvene Zahnbelag ist rrrsHwundLN und ein brrrliches Erfühl der Fri'che bleibt zurück. Versuchen Sie es zunächst mit einer Lube Cblorodont-Zahnpaste zu 64 Pf. .Derlcmgen Sie aber echt Chlorodont und weisen Sir irden Ersatz dafür zurück. ' erörtern. Die pfälzischeJttgendseibereN, sich der vom E. D. betriebenen Abwehrarbri L an Zu schließen. Ein -Vertreter der Lehrerschaft regte an, die Aufklärung in den Schulen Hand in Hand mit den jüdischen Lehrern Zu betreiben. Anschließend lvurden für die größeren Orte Jugendvertrauensleute bestimmt, die in direkte Verbindung mit der Zentrale treten sollen, und die mehrere Male im Jahre zu gemeinsamen Besprechungen zusammentreten. In seinem Schlußwort erklärte Wertheimcr, der (y. B. wolle keine neue Jugendorganisation in der Pfalz schassen, sondern nur die bestehenden Jugendgrnppen in der beschlossenen Abwehrkätigkeil unterstützen. Zum Schluß . wurde ein an die Tagung gerichteter Brief von Dr. Alfred H i r s ch be r g verlesen, der wärmsten Beifall fand. Bezirkstagung iu Bremen. Am L. März balle der Norddeutsche Landesverband die Vertreter der Ortsgruppe Bremen und der umliegenden Ortschaften zu einer Bezirkstagung «ungeladen, die unter der-Lestnng des slellr^ertretendcn Vorsitzenden des Landesverbandes, Tr. Il r i o % (Hamburg) stand. Nachdeur Tr. Ilrias das Programm für den Zukünftige E. B.-Arbeit gegeben hatte, entwarf der stellvertretende Syndikus des E. V., Artur Schweriner (Berüny den zahlreich erschienenen Freunden ein Blld der pvlitffchen und wirischastiicl»en Not Deutschlands, von der die jüdische Not nnr einen Teil darstelle. Er fordert, daß jeder versuchen muffe zu helfen, wo Hilfe nötig sei, gleichviel ob cs speziell jüdr'che 9tot, oder die unserer christlichen Volksgenossen zu 'lindern gelte. Arthur Stern (Hemelingen) sprach dann von der bedrohten Lage der Juden in den kleinen Orten und auf dem stachen Lande, von der wirtschaftlichen Not der kleinen Geschäfte, deren Bestehen durch Boykott, durch die schwere Wirtschaftslage und durch andere Momente bedenklich gefährdet fei. An «die Ausführungen, die die Lage klar beleuchteten, schloß sich cine lebhafte Debatte, aus der man die Gewißheit schöpfen konnte, . daß unsere Freunde alles daran setzen, .um mit aller Kraft dem täglich wachsenden Ansturm einer feindlichen Umwelt eine geschloffene Abwehr cntgegcnzusetzen. Äese Zusammenkunft bewies, wie wichtig cs ist, gerade in den kleinen Ortsgruppen, die nicht im gleichen Maße wie die Großstadt von den lausenden Veranstaltungen des C. V. profitieren können, den E. D.-Gcdanken durch solche Aussprachen lebendig Zu erhalten, und den Willen zur Selbstverteidigung zu stärken. ' A. B. Das Fcbruar-Hest des 6. Jahrganges des „M o r g e n-, das soeben vom Philo- B e r - läge zum Verstand gebracht wurde, ist zu seinem größten Teile in den Dienst des Geistes gestellt, aus dem heraus Klärung und tteberwindung des Antisemitismus gelingen kann. Drei Aussätze sind von verschiedenen Richtungen her diesem Problem gewidmet An die Spitze des Heftes ist Leo Baecks Vortrag „Geist und Blut" gestellt. Abgelöst von Alltäglichkeiten und dennoch von stärkster Aktualität dringt der Verfasser in die brennenden Fragen der Zeit bis zn einer erstaunlichen Tiefe vor. 6s ist nirgends ausdrücklich vom Antisemitismus die Rede; das , Problem ist ganz umfassend gestellt und läuft darauf hinaus, „die Polarität, die Spannung einerseits Zmn Schicksalhaften. Zum Blute, zur Vergangenheit, anderseits Zn dem nur Geltenden, Momentanen, Zn dem nur Geleisteten, Erreichten" Zu schildern. Geist wird bestimmt als die „Fähigkeit der Distanz", wird dem Blute, das „Tatsache unseres gegebenen Daseins" ist, gegenübergcstellr als schöpferisches Prinzip, das die Kulmr und die Gemeinsck)ast erst schasst. „Geist ist Jugend . . . ist Ebenbild Gottes . . . die Geistlosigkeit führt immer entweder unter den Bann der Vergangenheit und des Traumes oder in den Zwang des Fortschritts und der Hast. Denn der Mensch im Bezirke seines Blutes, seines Triebhaften verharrt, umfängt ihn immer wieder das Wähnen, und er bleibt dem Werdenden und Tatsächlichen gegenüber in der Verneinung, in der des Ressentiments und seines Radikalismus." In langen kulturkritischen Auseinandersetzungen, in scharfer Ablehnung der Leistung, die „reine Gegenwart" meint, und der Jndustrialisiernng, die eine „Entformung der Psyche" zur Folge hat, dringt Baeck zur Forderung der sittlichen Tat und einer wahren Frömmigkeit vor: „Geist und Frömmigkeit sind oft nichts anderes als: Zeit haben für sich und damit wahrhaft Gegenwart haben." Die bedeutsame philosophische Tiefe der Vaeckschen Auseinandersetzung wird glücklich ergänzt durch eine Arbeit Friedrich M e r - kenschlagers über „Nasse und Volkstum im Lichte der Biologie". Im Gegensatz zu dem ersten Aufsatz ist diese Arbeit rein naturwissenschaftlich-biologisch gehalten. Sie stellt fest, daß oer Begriff „Rasse" als naturwissenschaftliches Hilfsmittel Zulässig ist, aber daß „das Wort Räffenseele nur von Materialisten geprägt sein" kann. „Eine reine Raffe aber gibt es nicht . . . Für den entwicklungsgeschichtlich Denkenden ist die Wortpaarung ,reiue Raffe' unbrauchbar, ja töricht." Merkenschlager wendet sich sehr scharf selbst gegen die Möglichkeit einer solchen reinen Raffe. „Ein reinrassiges' Volk von geschichtlicher Größe hat es nie gegeben." Er belegt seine Meinung durch eine Reihe von Beispielen aus der Biologie der Pflanzen. Dem konkreten Problem einer „deutschen Rasse" sich Zuwendend, frcIU_er fest, daß man nur von einer „deutschen ^mckhese" reden kann. „Für den naturwst'eusck>aftlich Denkenden ist der Ruf nach einer Raffe ein leeres Wort. Eine homogen gewordene Voltb.eit kann in Deutsch, land nicht" bestehen . . ." Ja, ne würde, nach der Meinung des Verfassers, unfruchtbar sein. Ebenso wenig gibt es aber eine jüdische Raffe, und hat e* sie nie gegeben. Die Fruchtbarkeit, mit der der deutsch-jüdische Mensch innerhalb der deutschen Synthese wirkt, ist durch ein „psychologisches Hebelgesetz" zu erklären, wodurch das Judentum einen ' wirksamen Abstand zum Deutschtum hat, und „oft genug zum Entdecker der tiefsten deutschen 'Schönheit geworden" ist. So ist für Merkenschlager „die Schürung von Raffenfanatiemus in Deutschland die erbärmlichste Leichtfertigkeit, die je an dem deutschen Volk verübt wurde". Während-Merkenschlager den Begriff der Raffe in seinein naturwisienschastlich haltbaren Gehalt prüft, bringt der Aussatz von Michael M ü l t e r - E l a u d i u s . „W a s ist u n * R ichtjudon der A n t i s e m i t i s m u sll' eine ausführliche psychologische Analyse der Stellungnahme zum Antisemitismus. Die Frage des Antisemitismus sei „zu einer Gharakterfrage des Volkstums schlechthin geworden". Und ee handelt sich nun darum sestzustellen, „wie dieser Problematik die einzelnen Denkschichten des Voltes gegenüberstehen". Müller-Elaudim mlterscheidet die Haßgläubiger, denen „der Antisemitismus eine Erlösungserstcheinung" ist. Ihr Denken stellt, aus naheliegenden psychologischen Zusammenhängen, ein Symbol aus. an dem sich in einem „Denkprozest mythologischer Art" das eigene Versagen sublimieren"kann. Demgegenüber steht das „versachlichte Denken", das besonders dem Sozialismus eignet. „Der Sozialismus fordert unbedingt symbolsrciee Denken. Er bekämpft jede Art der mythischen Suggestion." Dagegen ist,.im Bürgertum der ganze Bestand mythischen Denkens wirksam geblieben, nicht zuletzt als Gegenwehr gegen die steigende Macht des Sozialismus . *. . Dm Bürgertum hat iu Deutschland noch nicht gelernt, im Politischen funktionell statt cmthropornorph-symbolhaft zu denken". Erst dadurch aber würden staatsbürgerliche Einsicht und Berantwortungssähigkeit gewonnen. M ü l - lor-Elaudius schließt hieran die psychologische Analyse der „Mißtrauischen", „Unpersönlichen", „Resignierten" und „Aesthetizisten", die allesamt zwar keine Antisemiten sind, aber doch für einen aktiven Kampf gegen den Antisemitismus nicht in Frage kommen. Es gibt aber noch eine letzte Gruppe der „Aktivisten", die Zwar klein ist. jedoch die besten Deutschen umfaßt. Diese bcgreüen, daß der Antisemitismus die biologische Grundlage des deutschen Volkstums „noch schwerer bedroht als die Juden selber". Ganz unabhängig von ihrer Stellung zn den Juden bekämpfen sie aus nationalen Gründen den Antisemitismus, der eine „bereits wirksame Ursache eines Zerfallszustandes. und zwar des Verfalls der Politischen Volkskultnr" ist. So wird aus „Abwehr Angriff", und der Kampf gegen den Antisemitismus geschieht ans „dein Gedanken des Aufbaues politischer Volkskultur in der deutschen Ration". Reben diesen drei bedeutsamen Aufsätzen, die zur Klärung der das deutsche Judentum Neu aufgenommeni Neu ausgenommen! Allein vor trlob durch die Firma.