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Central-Verein-Zeitung · 1931-03-06 · 10 (6.3.1931) · p. Seite 109

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
10 (1931)
Issue
10 (6.3.1931)
Date
1931-03-06
Page
Seite 109 (sequence 5)
Language
German
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©iJTDCBö) Eine kulturpolitische Auseinandersetzung zwischen Paul Fechter, Jakob Wassermann u. a. Solange es in Deutschland eine Jndcnfrage gibt, solange hat die Frcwe der kulturellen Vetüttaung der Juden im Rahmen der deutschen Volks- und Nulturgemeinschast. eine beherrschende Rolle gespielt, und auch in der Nachkriegszeit hat sie trotz des Trucker und Dranges der praktischen Tagesprobleme nichts an Intensität verloren. Auch rührende . Möpfe vorurteilsfreier Denkrichtung — es sei nur au Willy Q e l l P a d), Walter Bloern, Otto Flake gedacht — halben in jüngster Zeit kritische Stellung zu der Rolle der Juden im deutschen Kulturleben genommen. Jetzt veröffentlicht Paul Fechter. Kunstkritiker an der „Deutschur Allgemeinen Zeitung",. im Januar- HesL der ..Deutschen Nundfchau" seinen Vortrag ..Kunstbetrieb und Judcnsragech den er vor einem Jahr im Verband nationakdcutscher Juden gehalten hatte. Paul Fechter roill die seiner Meinung nach auss äußerste gespannte Lage zwischen Juden und Christen entspannen und entgiften und sozusagen zu einem gentleman agreement kommen. „Wir sollten jetzt eigentlich einmal den Anfang damit machen, uns ruhig und friedlich über die Tinge euszusprechen. die unser Zusammenleben in diesem Lande und auf diesem Boden, fegen mir einmal, nicht eben leichter machen. Wir sollten versuchen, langsam etrvas von der Fremdheit zu beseitigen, die trotz diesemjahrhundertelangen Zusammenleben auch heute noch zwischen den Deutschen auf der einen und den deutschen Juden au? der anderen Seite besieht." Fechter sieht den. 6 rund unter schied in der anderen, spezifisch jüdischen Geistigkeit: „Es bat sich zum Teil unter dem Einfluß geschichtlicher Vorgänge und Erfahrungen, zum. Teil auf Grund einer, wie mir scheinen will, falschen und gefährlichen Konvention der Brauch herauZgebildet, in Gegenwart jüdischer Menschen das Wort Jude ängstlich zu vermeiden, und auf der anderen Seite der Brauch, gegen den Gcorauch dieses Wortes mit einer ausgesprochenen und unausgesprochenen Empfindlichkeit zu reagieren. Diese Empfindlichkeit kann auf einem sehr ordentlichen Gefühl beruhen, auf dem nämlich, daß die Tatsache des Jüdischsein? völlig belanglos ist gegenüber der viel umfassenderen des Deutschseins. Auf der anderen Seite Pslegt ja aber auch kein Katholik es übetzunebmen. wenn man in seiner Gegenwart diese Ko'nfessionsbezeichnuna gebraucht, und woraus es heute ankommt, scheint mir diese? zu sein, daß man sich zwischen Deutschen und Juden dahin elnkgt. den Begriff jüdisch im wesentlichen als Bezeichnung einer anderen Geistigkeit cuckzusaffenck In dieser anderen Geistigkeit. ..Fremdheit und Neigung zur Ilbsonderung" sieht Fechter die Grundlage für tatsächliche Vorgänge, die einer dringenden Aussprache bedürfen. Und diese ist möglich, denn „e? ist ja zwischen ihnen und uns eine viel umfassendere Bast? gegeben, als gemeinbin die einzelnen in ihrem etwas ängstlichen Mißtrauen voraussctzen. nämlich die Tatsache, daß Sie und wir zunächst Deutsche sind. Das; wir auf dem Boden des gemeinsamen Landes stehen, die gleiche Sprocke sprechen und durch das gleiche Landgemhl dieser Nation auf Gedeih und Verderbe!; verbunden sind. Von diesem gemeinsamen Landschicllat aus und mit Rücksicht auf dieses Landichicksal, scheint mir, lassen sich Mischen Leuten nuten Willens auf beiden Seiten durchaus Verständigungen ermöglichen, die die langsam etwas schwierig werdende Atmosphäre zu reinigen und für Besserung zu sorgen, geeignet sind." Nachdem Fechter seine gute Gesinnung und Vorurteilslosigkeit so bewiesen hat, legt er scharfe Kritik an die seiner Ansicht nach vorhandenen Auswüchse irn „Kunstbe trieb" und „im Zusammenhang damit an einige Teilgebiete der jüdischen Frage", wie sie siez ihm darstcllen. Und was glaubt Paul Fechter zu sehen? Im allgemeinen aus jüdischer Seite einen A n t i ge r m a u i s mu s , wie es ans christlicher Seile einen Antisemitismus gibt. Dieser Antigermanismus offenbare sich in der „Bekämpfung. Herabsetzung, Mißachtung all der Tinge, die uns Deutschen lieb und wert sind..." Eine Anzahl sehr unangenehmer, zum Teil empörender Einzelheiten wird als Beweismaterial angeführt. wobei leider nicht gesagt wird — bis auf die Nennung der „Wellbühne" —, wo diese Herausforderungen erfolgt find. Ferner erhebt er den Vorwurst die den Markt beherrschenden jüdischen Unternehmungen unterdrückten betont deutsche Kunsterzeugniye. vornehmlich der Literatur und Malerei. Das zeige sich besonders in der zielbewußten Führung der französischen Malerei, auch der minderwertigen, aus Kosten der deutschen, co 'fühlt sich Fechter zu der Feststellung verpflichtet, „d>aß eine Menge von deutschen Autoren, Malern, Dramatikern heute mit dem Gefühl herumgeht, daß für das Deutsche auf den deutschen Bühnen, dem deutschen Buchmarkr, in dem deutschen Kunst Handel, wenn überhaupt, viel schwerer Platz zu finden ist als für anderes." Der dritte Hauptoorwurs richtet sich gegen die Bekämpfung und — was noch schlimmer ist — gegen das Totschweigen all der Tendenzen, die auf Erschließung und Erneuerung der Es ist mir mit Ihrem Briefe und dem mir zugesandten Vortrag von Paul Fechter ergangen wie Herrn Fechter selbst, als er die Einladung erhielt, sich über ein gemeinhin heikel genanntes Thema östenrlich zu äußern. Das heißt also, ich habe Herrn Fechters Aussatz in der „Deutschen Rundschau' sogleich und mit im voraus bereitwilliger Sympathie gelesen. Das wäre doch einmal etwas, sagte ich nur, da tritt doch einmal einer aus der Reihe und ruft ein menschliches Wort zur anderen Seite hinüber. Unschätzbarer, höchst seltener Mut. Höchst achtungswener, aufrichtiger Wille. Und ich dachte bei mir: was immer ein so vereinzelt dastehender Alaun, der von gentleman agreenieut redet und überhaupt eimll Menge gescheiter und menschenfreundlicher Sachen zu sagen weiß, was immer ein Mensch von so spürbar redlicher und aufrichtiger Gesinnung gegen die modernen deutschen Juden vorzubringen hat, oder sagen wir gegen gewisse moderne deutsche Juden, das soll bei mir Gewicht und Stimme haben. Und ich las die Anklagen. Wie es so geht, fiel nur bei der Lektüre auch allerhand ein, was nick! in jenem Vortrag stand, wohl aber zur Sache gehört. Etwa die heillose Spaltung innerhalb der Judenschaft selbst. Wie etliche unter ihnen, bloß weil sie sich Deutsche nennen, von anderen unter ihnen, dort restlichen, warmherzigen. auch bedeutenden Männern gleich „entartet" gesckolten werden, und mit welcher Feindseliglei t wein eigener „Weg als Deutlich r und Jude" von dieser Seite empfangen worden ist. Es ist mir: solche Zerrissenheit weder unter amerikanischen noch englischen noch französischen oder italienischen Juden bekannt geworden, oder begegnet. Freilich, so dachte ich weiter, ist auch diest Erscheimmg erst eine Ausgeburt der jüngsten Zeit. In früheren Jahrzehnten dursten Scheren auserlesen kultivierter Juden den Vorspann deutscher Größe machen. Rubel Varnalten Quellen des deutschen Volkstums gerichtet sind. „Sobald dicie Tendenzen Zusammenstößen mit den international eingestellten auf der jüdischen Seite, ergeben sich sofort teils offen, teils versteckt Mißklänge und Gegenaktionen/ Die Berechtigung dieser gewiß nicht leichten Vorwürfe gegen bestimmte Gruppen moderner jüdischer Intellektueller belegt Fechter nicht zuletzt mit einem Aufsatz des bekannten „religiös wie raffenmäßig betont jüdischen Malers" Ludwig Meidner HD-er Trennungsstrich") in der „Deutschen Allgemeinen Zeitung" g in ihm wendet sich Meidner gegen das wissenlose Draufgängertum gewisser „entwurzelter Juden", die sich als „kleine Skribenten, Literaten. Schürer, Geiferer und Brandstifter zur Unterwühlung und völligen Zerstörung aller überlieferten Werte" bestätigen. Er wendet sich gegen ihre Methoden, die „vier Elemente, das Heer, die Religion und ihre ethischen Lehren, die deutsche geschichtlich Vergangenheit und deutsche Volkseigenart zu verspotten". Fechter ist der Ansicht, daß die , auch von Meidner gerügten Vorfälle dem chntifemitchnus gerade in den gebildeten Schichten Vorschub leisten und sein Amvach'en in den letzten Jahren zum großen Teil verschuldet haben. Er ruft deshalb auch besonder? die gebildeten Juden zur Stellungnahme zu diesem Fragenkomplex auf. Hagen fiel mir ein, Emil Kuh. zwanzig, dreißig andere, von den anonymen Mengen zu schweigen, und Moritz Heimann der Edle, der sein Herzblut gegeben hätte für Hauptmann und Stehr. Solche find es doch. die Ärr Feistster als ,ordentlrche Leute* bezeichnet. 'Eine >^char verantwortungsloser Grrsittadtjournalisten. deren es aus nichjüdischr Seite genau so viele und vielleicht gefährlichere gibt — muß ich Namen und Zeitungen nennen? —, kann doch unmöglich von einem so redlich bestrebten Mittler als repräsentativer bezeichnet werden wie jene Zeugen? Den Geis: gewisser jüdischer Zeitungen prangert Herr Fechter an, die die Verbrennung der französischen Fahnen einen Tmnmenjungenstreich genannt haben. Höchst überflüfsigerweise haben diese Zeitungen das getan, finde ich. aber sie find damit noch immer nicht so weit gegangen wie jenes Blatt, das anläßlich des Dreyfus- Films geschrieben hat: An der Dreyfus-dtfsäre sei lediglich hervorzuheben, daß der französische Generalsrad zu Ende derneunzehnten Jahrhunderts noch so viel Ehrgerühl besessen habe, daß er keinen Juden m seiner Mitte duldete. Diese Zeilen seien aber mm längst vorüber. Wie ntmnu sich neben dieser dovvelten Beschimpfung der ,Dunnnejungenstreich des ' jüdischen Journalisten aus? Qdei will Herr Fechter behaupten, unter den sechs Millionen Deutschen, die hinter stücken Blättern stehen, befänden fick) leine ,ordentlichen Leute' und jene schrieben verantwortungslos auf eigene Faust? Daun möge er es laut vertäu dein i:i seinem Vortrag finde ich leine Andeutung davon. Ich lese weiter und muß rrfahrcn. daß Kurt Tuch! s ln. den ich als einen tapferen Mann von gerechter Denkart kenne, un:er ein Blatt mit Oftizierslöpreu die Werte gesetzt hat: Tiere *) „Deutsche Nuudschueck, 57. Ickugan.a, Februar liest. M31. Herausgeber diut>olf Pechel. Rundschau- Verlug 5°'. r;:. I». H. Berlin. Der Herausgeber der „Deutschen Rundschau", Dr. Rudolf Pech et, sandte Paul Fechters Aussatz an Jakob Wassermann; der Dichter antwortete mit einem Briese, den wir mit gütiger Genehmrgung des Herausgebers nachstehend wiedcrgeben^): Zakob v/sssermsnn LN die „Deutsche Rundsdiöu" „Sehr geehrter Herr Dr. Peche!'

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