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Central-Verein-Zeitung · 1931-03-06 · 10 (6.3.1931) · p. Seite 108

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
10 (1931)
Issue
10 (6.3.1931)
Date
1931-03-06
Page
Seite 108 (sequence 4)
Language
German
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10$ Dr. Dmter übrr „arische^ Echisbrr unö öen „juöenremen" Sowjetstaat Tr. Artur Dinier Hai im Januar in Berlin einen Vortrag über die „Deutsch Revolution" gehalten, der soeben in seiner Denkschrift „G e i st ch r i ft entu ::i" (Heft 38, 4. Jahrgang) gedruckt erschienen ist. Der Vortrag, besten Inhalt bereits in der „C V.-Zeitung" Nr. 4 angedeutet wurde, wendet fick) in selten scharfen Worten gegen die beiden christlichen Kirchen, vor allem gegen die katholische; er predigt eine „Deutsti>e Revolution" und enoartet einen Wiederaufstieg des deutschen Vaterlandes erst dann, wenn beide Kirchen niedergerungen und starr deren das „Geistchristenmull Dr. Dinkers, die „arischheldische Heilandslehre" die Grundlage deutschreligiösen Lebens geworden sei. Zwei stellen aus diesem Vorträge dürfen unsere besondere A u srnerksam ke i t bea n sprnchen. Bekannrlich sieht die zügellvso Predigt der Hitler-Leute in jedem Inden nur einen Verbrecher, dein gegenüber besonders alle die, die das Hakenkreuz führen, tugendhafte Engel seien. Dr. Dinier hat immerhin den bemerkenswerten Mut, das Folgende darüber au* .zuführen: „Im völtisch-uation a lc n Larcr der jüngeren Ceneratiencn glaubt man, der Jude sei an allem schuld: sie wähnen, trenn mau die Juden cntcignete und nach Palästina üchickw, daun halten wir von heute auf morgen das Paradies aus Erden. Als ob dadurch an unseren Zuständen auch nur das allerm rüdeste geändert würde! Diese blinden Schwärmer sehen nicht, daß dann ja die Weißen Juden Zurückbleiben, die es ja schon längst genau so machen wie die schwarzen, daß die blonden und blauäugigen Schieber und schufte um kein Haar be'ttr sind als ihre schwarzen Konkurrenten; cs kommt ihnen gar nicht zum Bewußtsein, Daß die allermeisten sogenannten christlichen NichtjuDen, auch wenn sie antrkcmitrschcn Barteicn und Verbanden angeboren und das Hakenkreuz in Erbpacht genommen haben, sich in ihrer ganzen, lediglich auf Gewinn und Gcrnrst eingestellten Lebensführung in nichts, aber auch gar nichts von solchen Hebräern unterscheiden; sie erkennen nicht, daß die völkische Weltanschauung sich mit bloßem Anti'emttismus nicht erschöpft, daß sie nicht in Heil- und Hoch-' und Niederrusen, in Trommeln und TrvmpMen, Paraden und Fahnenfchwenken beucht, sondern ihren Dekennern die Aufgabe stellt, alles das, loas sie am Juden verurteilen und verdammen, zunächst einmal selber abzulcgen und die nickichen Forderungen der völtiscl)en Weltanschauung durch eine vorbildliche Lcbensftähruug vor allem qu sich selber zu verwirklichcn! (Lebhafter Bcifall.)" In der folgerichtigen Auskcgung seiner Lehre, daß nur die Ausmerzung der beiden christlichen Kirchen in Deutschland endgültig Heil und Segen bringen könne, verteidigt Dinier nicht n u r d i e k i r ch e n f e i nd - l i ch e Haltung der So w j et - R ep u - blik, sondern empfiehlt dringend ein Bündnis mit diesem Staat?. Und als, wie zu erwarten war, in der Anssprache der Einwnrf erhoben wurde, mtt_ „Sowjet-Judäa" sti ein Bündnis an-geschloncn, erwiderte Dr. Dinier einem Nationalsozialisten, der ansführte, als einfacher S.-A.-Mann verstehe er nicht viel von Politik, er halte aber auch ein Zusanunengchen mit Rußland für nicht möwich. da drei Viertel sämtlicher Führer des Sowjetstaates Juden seien, das folgende: „ ... es sei ihm bekannt, daß Hirler die Fiktion, der Sowjetstaat sei ein Jndenftaat, aus „iaktischerr" Gründen mit Glfcr Gewalt aufrecht zuerhaltcn suche und die Parole ausgegcberr habe, in bezug auf Nustlarrd nur von Sorrjetjudeu;« sprechen. Tas habe Hitler auch den Grasen llcr.n'.llw besohlen, obwohl dieser wie iu so villcn T Ingen hierüber, ganz anderer Meinung wie Hst.ftr still Schon vorher hatte Dr. Dinier einem anderen Diskussionsredner gegenüber nach dem Berichte folgende Srtttung eingenommen: „In seiner sofortigen Erwiderung widerlegte Dr. Dinier die geschichtlich unhaltbare -tuffafstrng, dost fca* russische Sowjetstaat ein jüdisches Erzeugnis sei. Führer der russischen Revolution und Schöpfte des Sowsttgedankens sowie des Svwjetstaatts sei der Nichtjude Sellin, seiner Raste nach Tartar, also ein echter Rune. Man möge über Lenin denken, wie man ivvlle, er fei jedenfalls einer der größten nnd gewaltigsten und von stinem materialistischen Standpunkte aus solgerichttgsten Ä!änner. die jemals Geschichte gemacht hätten." Tinter wies dann daraus hin, das; zu Beginn der russischen Revolution auch dort Juden in führenden Stellen gewesen seien, Tatsache fei aber, „ . . . daß der heutige S o w j e t ft a a t ein typisch russisch - nationales Gepräge trage und in ihn: die Juden bestimmt keinen so großen Einfluß hätten wie bei uns in den westlichen Ländern. Das Schicksal TroHkis sti hierfür bezeichnend^ Auch der heutige Führer des Sowjetstaates statin sei nicht Jude, sondern Grusiner, also Ranonalrusse. 2lns den Gründen, die Dintcr in seinem heutigen Vorträge Largelegt habe, schließe Rußland die Synagogen cberiso wie die christlichen Kirchen. Zwischen dem jüdisch-paulinrschen Ehristenmur, zu dem ja die russische Kirche ebenso gehöre wie die abendländischen Kirck-en beider Bekenntnisse, und der jüdischen Religion sei in der Tat kein wesentlicher Unterschied. Verde seien sie Gift für nichtjüdischc Völker. Und was die sittlichen Zustände in Rußland angehe, so fragte Dinier Herrn Dr. Schöning, ob diese etwa bei uns in Deutschland, solvohl iu der breiten Masse als auch bei den oberen Zchntaustnd, uni ein Haar besstr seien'?" Wir werden die Acußerungm Dr. Tinters gewiß nicht üb-erschätzen. Dadurch, daß er von Hitler wegen seines Kampfes gegen das ^kirchliche Christentum aus der Nationalsozialistischen Partei ausge'chlossen worden ist, hat er an Wirkung auf die Massen verloren. Immerhin dars nicht vergessen werden, das; Tinter der Führer der thüringischen Nationalsozialisten und der Führer der thüringischen Landtagssraktion der Partei gewesen ist, und daß er durch seine verschiedenen Werke, besonders durch seine Romane — seine Schriften haben insgesamt eine Auslagenhöhe von annähernd 400 000 Cremplaren erreicht — wetten Kreisen bekannt ist. Die Aenßernngen. wenn sie uns auch nicht befriedigen, beineisen aber eindringlich, mit welcher ..starken Ueberzeugung" judenfeindliche ^chlagwörter von Hitler in die Massen geworfen werden. Daß Dinier in dem neuesten Heft seines „Gcistchristentnms" die beiden christlichen Kirchen, insbesondere die katholische, aufs schwerste beschimpft und von dem Prälaten Dr. Kaas, dem angesehenen Zcntrnmsführrr, nicht anders wie von einem „separatistische Hochverräter" spricht, sei nebenbei 'erwähnt, zeigt aber deutlich den guten Ton im völkischen Hanse. Die Nationalsozialisten rüsten zu öen Hetriebsrotswahlen Ans wud geschrieben: Tie Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei hat in ihren vertraulichen Richtlinien für die Arbeit der Vetriebssuitttionäre die Parole abgegeben, sich an den BetriebsräLewahlen zu beteiligen und eigene Listen auiuntdlen. Nur in besonderen Fällen, ruenn die NsTAP. Mitglieder sicher ans anderen Listen untergcbracht werden, soll aus eigene Liften verzichtet werden. In den vertraulichen Richtlinien heißt cs, daß das nur bei einer Zustnnnicnarbcit mit dem Deutschnationalen Oandkungsgchil'cn-Vcrband in Frage lomrut, obwohl sich DGB. und NSDAP, noch nicht völlig verstehen, selbst in diesen Fällen müssen sie mit ihrer Leitung vorher Fühlung nehmen. Der Grundsatz soll sein: Keine Betrieb s- Vertretung ohne 21 a t i o n a l s o z i a l i ft e n! Ta die (Rwertschasten der nationat'v-ialiüisthen Betriedsagitaüou nick! k'amvslos das Feld ränm.n werden, so werden die in diestn 2c'ocheu ftutrfindenden Betriobbräteivahlcu im Zeichen schwerer Auseinandersetzungen st.Heu. Soll der Gedanke der Letcicbsvcttletungen nach über zehnjährigem Bestehen des Bctricbsrätegesthes nicht Schistbrnch erleiden und sich trotz mancher Widerstände weiterhin durchsetzen, so-ist es notwendig, daß die b e s v n n e n c n u n d vccn ü n s t i g denkenden Elemente in de n Betrieben in s i ch g c s ch l o s se n g e g c n d i e nationalsozialistischen L i st e n zur Berliner C.V. er! T.g-T-r- . Zahlt Euren Beitrag auf Postscheckkonto 115501 (Sonderkonto). Erspart uns weitere Erinnerungsspesen, damit der Beitrag ganz seinem eigentlichen Zweck, der politischen Aufklärungs- und Abwehrarbeit, zugeführt werden kann. Wehr sehe n. Auch die jüdischen Arbeiter und Angestellten dürfen ihre Pflicht, zürn Betrieberat zu wählen, nicht versäumen! —». Gegen Plakate beleidigenden Inhalts Die G e l f e n k i r ch c n e x Beigeordne t e n k o n f e r e n z wmi 19. Fcbnmr hat folgenden Beschluß gefaßt: „Der Plakaranschlag der Narionalsozmlist:- schen Deutschen Arbeiterpartei an den stadteigenen Platatansthlagstellen soll daun nicht erfolgen, wenn die Plakate beleidigenden Inhalts sind. Die Plakate sollen auch dann nicht zum Anshang kommen, wenn darin zum Llusdruck gebracht ist, daß den Jillen der Zutritt zu deir Versammlungen verboten istll Wir hoffen, daß diesem guten Beispiel auch brtt'd viele andere Städte folgen werten. Wegen Verlcumtnng crncs jüdischen F-icischcruicistcrs bcstrLst. Gin von einem mdischcn All'tzgermristcr wegen unbotmäßigen Verhaltens entlassener Fleischcrgestll^ rächte sich dadurch. daß er in die Zcirnng „Die neue Front" einen Artikel lancicrre, in dem er di-e verleumderische Behauptung aussteltte. der Flcischcrmeifter taufe nur mindenr-errig^s Vieh und ... ltcfcrcdamit seine Kundschaft. Der Fbeischerrwrellc wurde vor dem erweiterten Schöftengecicht Epen we;p.n seiner unwahren Behauptungen ~.u einem Bl o - nnt Gefängnis verurteilt. Die von ihm eingelegte Berufung und Aevifton wurden verworren, ^ine Buchhändlerin, die den ZeiNrugsartikel rotmuräudert auszehängt lxttte. wurde zu 10 0 Reichsmark Geldstrafe verurteilt. ir. h. Die Würzburger Verurteilungen wegen der Ausschreitungen gegen die „Habirna". In Nr. 49 der „(5. V.-3l.itung". Jahrgang berichteten wir über eine P r o t e st v e r s a nr m l ti n a gegen die antifciulttf ch en Ansschrei - 1 u ngen anläßlich des Gastspiels des Dtoskaucr hebräischen Theaters ,.H a b i nr a". Von der Würzburger Strafkammer wurden jetzt verurteilt wegen Verbrechens des Landsriedcnsbruches Mich. Dornbusch iZlädelsjührer) .zu zehn Monaten Gestängnis, Holl, Schaffer und S t o r b e ck zu je ftchs Monaten lfteftrngins (gesetzliche Mindest strafe), »vege u Vcrg-.hcns des Landsricdcnsbruchcs Braun. Hüller und 5)1 a m i n zu je vier Monaten Gefängnis. Gegen Helene Dorn - b u s ch beantragte der Staatsanwalt lediglich wegen Anslistung zur gefährlich.'n Körperverletzung äO Ai. Geldstrafe, gegen T e i ch e r t wegen groben Unfugs 29 Blark Geldstrafe. Als bei dem Antrag gegen Dornbusch auf den von vkationalsozialisten dicht besetzten Z>eugenbänL'cn ein Gemurmel, ja sogar ein leiser Pfiff ertönte, erteilte der Vorsitzende eine Aügc und drohte mit einer Lrduungsstrase. Urredhossschändnttg in Tauberbischosestzcim. Am 'l8. stej>rnar Unnden aas dem israelitischen Friedhof in Taubervischoisbeim rohe Verwüstungen festgestellt. Sechs Grabsteine waren von dcrr Sockeln gerissen und an die Frieblwssmauer umgelegk. Giu Gradstciu war urrr^cworfcu uugrbrochcit, vorr zwei Grabsicineu waren -ic Spitzen abgeschlagen, ein anderer ist gänzlich mit Schmutz besudelt. Der Polizei und Staatsanwaltschaft, ebenso dem Bürgermeisteramt ist Meldung erstallct. Tic Jüdistl^ Gerncinde hat eine Bctohnnng von lM Btart inr die Grgreisung der Täter ansge'rtzt.

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