Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 10 (1931)
- Issue
- 9 (27.2.1931)
- Date
- 1931-02-27
- Page
- Seite 99 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Mitglieder und Freunde an unserer Arbeit und erbrachten den Beweis, mit 'welcher lebendigen Anteilnahme die jüdische Jugend auch in bicjesn Bezirke sich den politischen 'Aufgaben des E. B. widmet. * Eine Lrtsgruppcr.vcr'anunlung in K a^s e Um 21 Februar, in K'r der stellvertretende Syndstus des E. 9. Tr. Alfred Oirschberg, Berlin. über ,Tie Alten und die Zungen" sprach, wurde von r>-nr mit jugendlichen Zuhörern stark durchsetzten Publikum mit reo;cm Interesse anfgenoimnen und wird sicherlich den Ven der jungen (vcneration in Kassel geplanten 'Arbeitsgemeinschaften und Kursen starken Amried verliehen haben. Zu einem großen mora!is6)en und sachlichen Erfolge gestaltete sich der Schulungskurs in Frankfurt a. isL, der am 22. Februar von vormittags 10 dis abends 141 Uhr über 200 Menschen, darunter über 3C»0 aus der näheren und weiteren 'Umgebung Frankfurts, in aktiver Zusammenarbeit deieinanderhielt. Tie Veranstaltung — unter Leitung des Vorsitzenden des Landesverbandes Tr, Mainzer und zeitweilig unter der des Dvrsitzcnb-en des Zugendansschusses Tr. Stahl <Bad Nauheim) — wickelte sich in der Form ab. daß sich an einleitende, die großen ZusammenbänZs zeichnende Referate eine allgemeine Aussprache anschloß. Zunächst charakterisierte Tr. Alfred Hirschberg die gegenwärtige politische Lage der deutschen Juden und die sich wandelnde Stellungnahme der einzelnen politischen Gruppen zu^Iudcn und Judentum. Restrat, Aussprache und Schlußwort zu diewm Thema füllten den Vormittag bis zum gemeinsam eingenommenen Mittagessen aus. An, Nachmittag hielt Tr. S. Ehr mann ,/Frankfurt) ein sehr lehrreiches Referat über das „Talmubproblenw und beantwortete im Anschluß daran eine Reihe von Fragen aus dem Härcrkreis. In einem Schlußreferat gab der Syndikus d<s Landesverbandes Tr. Martin M a r r Vorschläge für „Praktische Arbeitsmöglichkestenst die lebhaft diskutiert wurden. Auch hier zeigte sich wieder die Bereitschaft der jungen Generation zur Mitarbeit. Am Abend des gleichen Tagtreferierte Tr. Hirschberg in Bad Homburg in einer überfüllten Gemeindeversammlung in Anwesenheit von Vertretern benachbarter Gemeinden über „Ernste Tagessragen". Tie Ausführungen gaben^zu einer ausgedehnten 2!usSprache Anlaß, die der Syndikus des Landesverbandes Tr. Martin Marr ein- Ieitctc und die dem Referenten Gelegenheit gab. in einem Schlußwort die einheitlich Aufsagung der Versammlung zu den das deutsche Judentum bewegenden politischen Fragen festzustellcn. Am Montag. 23. Februar, folgten die Besucher einer Mitgliederversammlung der Ortsgruppe Frankfurt a. M. mit Inten esse dem Gedankliches und Praküschs verbindenden Restrat Tr. 'Alfred Hirschbergs. InMarlieit in AllW Am U. Februar fand der 8. Stuttgarter Iugendnachmittag stark. Tr. med. Otto Feldmann, Freiburg i. Dr., sprach „Heber die Rasscnfrage". Das Thema, das aus den Reihen der jugendlichen Besucher vorgcschlagcn war, entsprach ganz besonders dem den Iugendveranstaltungen zugrunde liegenden Zweck, neben der in freier Aussprache zu erzielenden Klärung von Problemen, die den jüdischen Jugendlichn vornehmlich beschäftigen, auch das positive Wissen zu vermitteln, das der heutigen Jugend um ihrer eigenen Sicherheit willen notwendig ist. Im Gegensatz zur Sünthcrschen Pseudowissenschast legte Tr. Fcldmann ohne Spekulation und vor allem ohne Wertung der einzelnen Rasse den wissenschaftlichen Begriff der Rasse und die Prinzipien der Rwstnunstrschidung dar und besprach die verschiedenen europaifchn Rassen, wobei er klarmachte, daß sie nirgends, am wenigsten in Deutschland. in reiner Form anzutressen sind, daß vielmehr überall eine Vermischung stattgesnndcn hat. Eine Anzahl gut gewählter Lichtbilder führte die Raffenmerkmale und Rassenunterschiede vor Augen. Die Aussprache legte von einem verständnisvollen Mitgchen der Zuhörer Zeugnis ab und gab Gelegenheit, wichtige Einzelsragen zu klären. ©RiENTREISE <*>$ M-Srr l.w c\ U.riO n:ch PALÄSTINA UND SYRIEN "vSi-tÄ Dr.Erast Colin-Wiener. Pc.:«j-'ln© ä ‘Mient Lloy=!. Fori in N‘0k t'r'.'?'irmh?rr. 121 (Tel. U 1, Xordon t!4C6i Forderung der Gegenwart an die jüdische ßcau In den „B l ä t t c r u b e s I ü d i'' ch e n Frauenbundes' hatten Klara E a r o , Hannah K a r m i n s k i und Elia W v l s f h e i m über „Tie Bekämpfung des Antisemitismus" dislnticrr. In Der Februar-Nummer dreier Blätter - geht Life Lerbbr-lz auf die verschiedenen Vorschläge ein. Ans ihren klaren, die Frauen ausrüttelnden Darlegungen bringen wir nachstehend einige Auszüge. Tie Schriflleimng. „Tie erste Forderung von Klara Euro lautet: Systematische Aufklärung in christlichen Krci'en. Tiefe Arbeit führt der Ecntralverein seit 30 Jahren fonü'qircnt durch. Tie Beweise für den Erfolg liegen vor. Ich will inid) hier im wesentlichen mir der Ansklärnngsarbeit der Frauen durch die Frau beschäftigen, so wie ne iin Rahmen der Bundesarbeit dnrchgefiihrt werden kann. Es ergeben sich folgende Fragen: 3. Wer soll ausgeklärt werden? 2. Wo und wie sollen die Alifzuktärcnd-en ersaßt werden? 3. Wer kann diese verantwortungsvolle Arbeit übernehmen? Zu 3. 2) Aufgeklärt werden müssen die breiten Massen des Volkes. Im Gegensatz yt Frau Earo betone ich die Bedeutung der Mcrssenversannnlunaeu. Ich erinnere an die breite Blasse der Arbeiter, Kleingewerbetreibenden und Angestellten,, die in der Nationalsoziavercin sie nach den Wahlen in der Synagoge in Essen veranstaltet hat, in der Prowendigkeit der Ausklärungsversammlungen vor Gewerkschafts-, Arbeiter- und Reichsbannerfrauen. Eine Mapenkundgcöung ist aber z. B. auch eine Svnagogeurcrs'aimnlnng, wie der Centralverein sie z. B. nach den Wahlen in der Synagoge in Epen veranstaltet hat, in der Professor Buber, Rabbiner Tr. Baeck und Rabbiner Tr. Tienemann gesprochen haben, und die von Tausenden von Christen, auch von Nationalsozialisten. besucht war und tiefften Eindruck hintertan.cn hat. Zu 1. t>) Ferner müsien die Kreise des gebildeten Mittelstandes erfaßt werden. Ich denke an Lehrerinnen, Hausfrauen. Sozialbeamtinnen. Llngehörize der Akadcmikerinncnverbande, Mitarbeiterinnen der politischen Parteien (Zentrum, Staatspartei, Sozialdemokratische Partei, Volkspartei) und die Angehörigen der interkonfessionellen Frauenorgauisationen. Wir pflegen im Eentralverein alle diese Frauen ganz individuell zu erfassen. ' ^n l. e) Wichtig ist die Aufklärung unter den Jugendlichen, den Schülerinnen höherer Lehranstalten, weiblicher Berufsschulen und Hochschulen. ' Zu 2. Es ergeben sich folgende Versammln ngsforw.cn: a) Aufktärungsabende in Dolksversarnmlungen; d) Aufklärungsabende vor besonders geladenem christlichen Publikum; c) Aufklärungsabende im Rahmen der Verbands- und Vereinsversammlungen der oben angeführten Organisationen. Zu 3. Wer Aufklärungsarbeit leistet, übernimmt eine schrocre Verantwortung gegenüber dem gesamten deutschen Judentum. Folgende Mindestforderungen müssen nach meinen Erfahrungen unbedingt erfüllt sein/ um im Vortrag und in der Diskussion wirksani zu sein. Wir verlangen eine genaue Uebersicht über, die allgcmcinen und die örtlichen politischen Verhältnisse. um prm.'n zu tonnen, ob die Arbeit im gegebenen Annendlick angebracht ist, und ob genügende Unterstützung. die den Erfolg verbürgt. vorhanden in. Ferner wird ein sehr vcrtieües und grundlegendes Wissen vom Judentum verlangt und eine genaue Kenntnis der Geschichte br* deutschen Judentums und der Verbtnidonb.eit dcs deutschen Judentums mit der denlüchen änuliur. Ferner crgibr sich die Notwendigkeit, ans an-iseminsche Behauptungen über Rayefragen, angeblichen Internationalismus des Judentums, über Narionalgefühl und Nationalismus annvortcn zu können, weil erfahrungsgemäß nach jeder Versammlung, auch nach der rein religiösen, mündlich oder schriftlich solche Fragen an die Vortragende gerichtet werden. Tie Aufklärungsarbeit kann nach meinen Erfahrungen nur von Persönlichkeiten^ übernom'.ren werden, die nicht nur als Staatsbürger. sondern auch aus Herzonsneigung die Verbundenheit mir dom deutschen Volke anerkennen und die den Willen Vetoncn, am Aufbau Deutschlands mirzuarbcitcn . . Tie z-oeite rrichrigo Forderung, deren Bedeutung Hannah Kaiminski mit Recht besonders betont, iw die Mirarbeit der jüdischen Frau in interkonfessionellen Vereinen, die Wiederherstellung -viin Teil abgebrochener Verbindungen mir der christlichen Frauemr-elr in Deutschland. „Tie Bedeutung diestr Arbeit kann und darf nickst unterschätz: werden. . . Um dem oft gehörten Einwand gleich begegnen zu können, daß „die anderen uns nicht wollench habe ich einer großen Reihe christlicher Frauen, die in der interkonfessionellen Frauenarbeit an führender stelle stehen, diese Fragen vorgelegt. Es wurde mir von politi'ch ganz linls und ganz rechts stellenden Frauen übereinstimmend versichert, daß man nicht nur Persönlich den Antisemitismus ablehnr. sondern auch aus christlickzen, menschlichen und deutschen Gründen, vor allem aber als Frau an seiner Bekämpfung Mitarbeiten will . . / Aum Tode von hofrat Prof. Dr. Schwarz In Wien ist kürzlich im 85. Lebensjahre der Rektor des dortigen Iüdi''ch-tllcolrgischen Seminars, Hostat Profco-or Tr. Schwarz, in die Ewigkeit abbernfen worden. Vwsenor Tr. Schwarz, der vor der Übernahme 'eines Wiener 'Amtes beinahe zwei Jahrzehnte Rabbiner der Gemeinde Karlsmche gewesen ist. gebürte zu den erleuchtetsten Geistern nicht nur auf 'einem ckgenen Gebiete, der jüdischen Theologie, sondern cr war auch eine Autorität aus dem Gebiete der deutschen- Literatur und der deutschen T-hilosophie. Kant und Gc-erhe beherrschte er. Auf dem Gebiete der ^lpvlr^etik bat er insbesendere durch ein ausführüches Gutachten, das vor dem Kriege die Irrlehren eines Theodor Fritsch in Leipzig beleuchtete. Hervorragendes geleistet. Noch vor wen:gm Wochen hatte der Verfasser dieses, in Wien zu'ammen mit einem Freunde Gelegenheit, diesen nick: nur durch E-elehrlamkeit, sondern durch eine geradezu gesegnete Frische ausgezeichneten Mavn zu sprechen und sich davon zu überzeugen, wie 'üdewh schwarz im höchsten Alter die Ereignisse der Zeit mit einem Temperament und mit einer Frische beherrschte, die bewunderung-würdig war. schwarz setzte unter anderem auseinander, wie er von Palästina die Lösung der sozialen Fragen erwarte, während er den jüdischen Nationalismus in der Zerstreuung durchaus ablehnste. Alles in ollem gehörte er;u denjenigen Männern, auf die kie Iubenb.eit und das Judentum. als auf eine gewaltige Erscheinung stolz sein können. L. H. rxzxiixizjxirT rizxrixxxrZfc" IX3XXIZE3ZEI ZIZ£1£ZEIZOZSOI^^