Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 10 (1931)
- Issue
- 9 (27.2.1931)
- Date
- 1931-02-27
- Page
- Seite 97 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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-7 Landesverband Gross-Berlin Generalversammlungen. Montag, 2. März 1931, 20K Uhr: Ortsgruppe Friedenau-Stegl i t z tm „Albrechtshof“, Steglitz, Albrechtstrasse I a. Redner: Syndikus Dr. Reichmann. Lichtbildervortrag „Die Ausgrabungen in der Heimat Abrahams“. Referent: Robert Hirschberg. Mittwoch» 4. März 1931» 2014 Uhr: Ortsgruppe Weissensee, Taubstummenanstalt, Parkstrasse 22. Redner: Dr. Bruno Giaserfeld, Dr. Mauritius Kahn. Donnerstag, 5, März 1931» 20Y> Uhr: Ortsgruppe NO.^O, N, Zentrum in den „Unionfestsälen“, NO, Greifswalder Strasse 222. Redner: Dr. Alfred Wiener, Louis Wolff, Landgerichtsrat Dr. Seligsohn, Alfred Levi. Künstlerische Umrahmung. V ersammlung. Ortsgruppe Tempelhof, Restaurant zum Bahnhof Tempelhof, Berliner Str.40 (RingbahnhofTempelhof). Redner: Dr. Friedrich Brodnitz, Margarete Fried. mirb: der be? Jtrdou, der im jüdischen Nationalismus' fein eigentliches Heimatnnd Volkstmnserlcbnfs erst empfangen zu haben bekennt. Es lag nur am Herzen zu zeigen, wie notwendig es ist. dieser befahr zu begegnen und mit der gleichen Inbrunst, Freudigkeit, Eindeutigkeit, drr gleichen vorbehaltlosen Bekennerlust, die im Nationalismus produktiv wird, das Wesensbild des deutschbewußten Inden, der sein Heimaterlebnis in Deutschland hat, ins öffentliche Bewußtsein zu Prägen. Hier liegt eine ganz wesentliche Führeraufgabe des E. Vo Das Selbstbewußtfein der deutschbewußten Juden zu stärken; um ihren festen Kern die Schwankenden zu sammeln, zur Entscheidung auszurufen; selbst die Unterscheidung der Erlelm iswirklichkert nicht zu verdecken, sondern zu klären und so den Boden fester, eindeutiger Geisteshaltung vorzu bereiten; nicht nur die Staatsbürgerrochte zu wahren, sondern die tieferen Bollsbürgerrechte der jüdischen Deutschen zu verteidigen. Es kommt alles darauf an, in der Bolksüberzeugung den Typus des deutschbewußten Juden lebendiger zu machen als bisher, ihn selbst aus Reserve und Passivität aufznrüttcln und ihn zur gleichen Aktivität zu bringen röc den Rationalisten. Dieser Klärung wird auf dem Fuße eine Aktivierung breiter verständigunHsbereiter Schichten 'der Nichtjuden folgen, die selber nur deshalb noch unschlüssig in der Reserve sichen. ivcil in ihrem Bewußtsein die nationalistische Propaganda kraft ihrer Leidenschaft das Bild des deutschbewußten Inden stark verdunkelt bat. Und diese Aktivierung der Berstandigungsvereiten wird wieder auf die ganze Breite der Volksüberzeugung einwirken und dort den Wahn zerstören, als sei Judentum schlechthin bereits ein eigerwölkisches Gebilde und als feien die Juden von vornherein und gemäß ihrem eigenen Erleben, Bekennen und —- Schweigen eine Art nationaler Minderheit. Gau; gewiß wird die Unterscheidung der beiden Erlebnistypen nicht Verständigung mit dem Deutschtum hindern, sondern sie vertiefen und neue Berstäudigungsmöglichkeiten schaffen. Ich darf cs aus vieljähriger Erfahrung im Kampf gegen den Antisemitismus sagen. Und hätte es dctmoch nicht gesagt — weil cs ztvecklos gewesen wäre, cs hier zu sagen —, wenn nicht sehr viele tief und weit blickende Juden mir die Gewißheit gegeben hätten, daß sie ebenso sehen, tmb daß sie neues Loben, neue Sammlung, neue Wirkung atts Unterschoidttng und Entscheidttng erwarteten — ganz besonders für die Arbeit des Ceutralvereins. 2. Atich die Anrufung der Zeugin Geschichte kann jüdischen Nationalismus widerlegen. Aber es wäre das ärgste Mißverständnis, zu meinen, daß deshalb Geschichte wertlos und ohne alle Zeugenkraft sei. Ich kenne und benutze seit Jahren Paul R i e g e r s hisloriscl)? Schrift über das Heimatsrccht der deutschen Juden. Ich verkenne^ durchaus nicht die Bedeutung dieser geschichtlichen Arbeit, ja, ich habe selber oft ausgerufen zur Ausgestaltung des geschichtlichen Quellennachweises uralter Deutschverbundenheit und habe Material dazu in die öffentliche Erörterung gebracht. Mer so wahr cs ist, daß man ohne Geschichte keine ausktärende Arbeit treiben kantt, so wahr ist es, daß man sie mit Geschichte allein nicht zu Ettde führen kann. Jakob W a s s e r m a n tt hat mit seelonkrnrdig differenzierender Feinheit gesehen: daß ein einzelner Jude deutsche Art repräsentiert, botveist, daß cs nicht nur betn einen, sondern dem jüdischen Geist überhaupt m ö g l i ch ist, detttsche Art zu repräsentieren. Das ist es. Alle Geschichte beweist Möglichkeiten. Nicht mehr — aber auch nicht weniger. Aber Geschichte ist durchaus kein Nuhckissen. Und sie kann nie als Ersatz für die andere Zeugin: Gegenwart benutzt werden. Geschichte bezeugt, was war und was also möglich ist. Aber sie weiß nicht, tvas ist und inwieweit Gegenwart das Mögliche zur Wirklichkeit macht. Es bleibt immer Gegenwartsfrage, wie weit der einzelne Gegenwartsmensch von den geschichtlichen Möglichkeiten Gebrauch macht — und welche neuen Möglichkeiten den alten zur Seite treten. Tie Geschichte belveist, daß der jüdische Mensch uneingeschränkt nnd in schöpserisckjer Weise im Kreis der deutschen Volkskultur beheimatet sein kann. Die Gegenwart zeigt, daß tiefe nnd schöpferische Juden so tief in der deutschen Kultur verwurzelt sind, daß sie trotz aller Anfeindungen des im nationalistischen Fieber sich windenden Deutschland und trotz der Erlösungsruse des jüdischen Nationalismus diesem Erlösungsruf nicht zu folgen vermögen, weil sie trotz alles Leides Deutsche sind — und Deutsche bleiben. Leiderprobte Deutsche lute kein anderer deutscher Volksstamm. Deutsche von heroischem Rang. Das sehen wir. Das bekerttten wir. Aber die Gegenwart zeigt auch, daß tiefe und schöpferische Juden ihr Heimaterlebnis und Nationalbewußtsein wandeln und Führer des jüdisch-völkischen Nationalismus geworden fink Sie sind also im Begriff, nicht mehr die alte historische Möglichkeit in sich zu verwirklichen, sondern eine neue. Eine neue Möglichkeit ist der alten geschichtlichen Möglichkeit zur Seite getreten. Es ist heute mehr als je rrötig, die jüdischen Deutschen, die nicht nur Staatsbürger sein wollen, sondern bewährte Heimat- und Volksgenoifen sind, zu sanuneln, ztl stärken, damit sie mit neuer Kraft, neuer Leidenschaft und klaren Methoden die Müden, die Angeekelten, die Leidenden davor behüten, daß sie durch die nationalistischen Propagandasuggechonen hinoinmanövriert werden in die Seelenhaltung einer Art nationaler Mttderheit — eine Seelenhattung, die weder ihnen gilt wäre, noch Deutschland. Wir rrisieu sehr gut (und der Kreis der Wissenden wächst), daß an dem nationalistischen Ressentiment vieler Juden die fiebrige Berhetznngsatmosphärc Deutschlands tief mitschuldig ist. Wir Aktivisten gegen den Antisemitismus wollen das deuffck)e Bolk von dieser Schuld befreien helfen und wollen helfen, daß es aus reinere Ebenen ritterlichen, sachlichen, gerechten, verstehenden Denkens sich wieder erhebt. Darum mlmen wir immer wieder bis in die letzten Tiefen durchdenken, was not tut, um Mißverständnisse fortzuschafsen, die hüben und drüben die Zusammenarbeit der Berständigungsbereiten hemmen. Nichts anderes sollten meine Zeilen sein als vorbereitender Dienst am Geist dieser Zusammenarbeit. nach der immer gerufen wird und die endlich kommen imijj. ... aber örm „Völkischen Beobachter" find Klatzkins Theorien bequemer Wir haben uns in den letzten Monaten in unserer Zeitung wiederholt mit Klatzkins Theorie vom Judentum, von ihrer Wirkung auf die Nichtjuden und ihrer Rückstrahlung aus die Juden befassen müssen. Wir sind von Jakob Klatzkins Ansichten scharf abgerückt und haben sie als das gekennzeichnet, was sie in Wirklichkeit sind: als Aenßeruugen eines auch von vielen Zionisten als Außenseiter bezeichneten zionistischen Theoretikers im luftleeren Raume, die mit der Weltanschauung der überwiegenden Mehrheit der deutschen Juden nicht in Einklang zu bringen sind/ Wir haben auch auf die Bedenklichkeit solcher, dem Anschein nach'logischer, den Tatsachen aber scharf widersprechender Theorien hingewiesen und müsien bestätigt finden, daß unstre Befürchtungen sich bewahrheitet haben. Der „Völkische Beobachter" besaßt sich in einer Nummer vom 22.'23. Februar unter der leberschrnt „Vereine zur Abwehr des Philosemitwmus* mit der bei uns eingehend besprochenen Diskussion zwischen Jakob Klatzk i n und Helmmh von Gerlach im „Dortmunder Generalanzeiger* und zieht aus dieser Aussprache den Schluß: „Das ist klar gesprochen. Klatzkin brandmarkt den faulen Zauber der A'stmilanlen (und ihrer Gönner), als könne sich der Mensch feines Volkstums entledigen wie eines zerschlissenen Hemdes. Klatzkin führt eine stolze Sprache. Er will das Volt im Volke, also ein gedoppeltes Recht. Er wird Verständnis für unfern Stolz baden, mit dem wir sagen: ein Volk im Volke bedeutet ein Geschwür im Organismus: wir wollen die leibliche und geistig-seelische Gesundheit unseres eigenen Volkes, um das allein wir uns zu sorgen haben, darum verweigern wir. was ihr wrdert: weder könnt ihr Volljuden und Dolldeutsche^mit einem sein, noch seid ihr als „deutsche Staatsbürger jüdischen Glaubens' möglich und erträglich. Es gibt nur eine Lö'ung, einfach und klar und Zwingend: reinliche Scheidung? In seiner folgenden Nmrrmer nimmt der „Völkische Beobachter" in einer Beilage „Das jüdische Problem' die Denkschrift der Deutschjüdischen Jugend. Hamburg, über die wir in Nr. 8 der „C. B.-Zeitung" berichtet haben, zum Ankaß einer Kritik. Der Inhalt dieser Denkschrift, die der „Völkische Beobachter'" ausführlich zitiert, sollte ihm bewiesen haben, daß die Deutsch-jüdische Jugend sich zu einer Erlebensgemeinschast bekennt, die die Klatzkinschen Methoden eindeutig all absurdum führt. Wenn der „VölkischeBeobachter" Senta Meyer zitiert: .Wir sind Deutschek Die deutsche Sprache ist unsere Muttersprache, in der wir nicht nur miteinander reden, an der wir mitgeformt und nntgebitdet haben. Die deutsche Kultur ist unsere Kultur; wir sind bewußt deren stolze Träger" und dazu bemerkt: „Das Mitformen und Mitbilden der Inden an der deutschen Sprache ist der deutschen Sprache nur zum Nebel ausgefallen, rrnd wenn die Juden die deutsche Kultur für sich beanspruchen und sich als ihre chtolzeu Träaer' erklären, so rufen sie uns damit zum schärfsten Abwehrkampf auf', so haben sie damit zwar eins ihrer alten Steckenpferde geritten, können aber an der Tatsache und an dein täglichen Geschehen, daß Juden in Deutschland als hundertprozentige Deutsche leben, wirken und schassen, nichts ändern. Wir verzichten daraust an dieser Stelle wieder mit einer Liste jüdisch-deutscher Kulturträger- und Sprachwrmer zu antworten, denn der „Völkische Beobachter" will offenbar nicht belehrt sein. Er sucht sich Klatzkin als Beweis völkischer Theorien heran-, obschon er weiß, daß die deutsche Judenheit und ganz l-esonders die ihm so unbequemen .Deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens" ihn aus inneren, im schwersten täglichen Kampfe immer wieder neu bewährten Gründen ablehnen. Al^er für die überzeugende Auffassung der Deutsch-jüdischen Jugend, die von der großen Masie der deutschen Juden geteilt wird, sinket er nur Spott. Diese Methode des „Völkischen Beobachtermußte einmal niedriger gehängt werden!