Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 10 (1931)
- Issue
- 8 (20.2.1931)
- Date
- 1931-02-20
- Page
- Seite 85 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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85 Eins AMraLe Wischen Dr. Ludivig ßMönhrr mH 8m\ Blumenfeld IrUh&tk cSö / Im Rahmen der kontradiktorischen Vortragsabende der Freien Jüdischen Volkshochschule fand OM letzten Montag eine öffentliche Aussprache zwischen Ludwig Holländer und Kurt Blumenfeld statt, die die Gegenüberstellung „Deutsch-jüdische und national-jüdische AnsckMwng" zum Gegenstand hatte. Nach den vorhergehenden Erörterungen, in deren Mittelpunkt Einzelfregen der innerjüdischen Politik gestanden hatten, wurde durch dieses Thema die geistige Auseinandersetzung zwischen ben_ beiden großen innerjüdischen Richtungen selbst zum Problem gemacht. Der starke Andrang bewies, daß diese Problemstellung dem Interesse weiter Kreise entgegenkam. Ein überfüllter Saal war die Antwort der jüdischen Oefsentlichkert aus die Frage, ob ste an einer durch persönliche Rede und Gegenrede belebten gründlichen und ritterlichen Klärung jüdischer Gegebenheiten Anteil zu nehmen bereit sei. Unter dem Vorsitz von Rabbiner Dr. Mar Wiener begann die Aussprache mit einem kurzen einführenden Referat Kurt Blumenfelds. Die von ihm vertretene. national-jüdische Anschauung definierte er als die Anerkenntnis der Tatsache einer Weltjudenfrage: die Juden erleben gemeinsames Schicksal in allen Ländern der Welt. Glaubte man noch vor wenigen Jahrzehnten der Judennot durch Auswanderung in glücklichere Länder entrinnen zu können, so wisse man heute: die Juden trugen die Judensrage mit sich. Es gebe heute nicht mehr eine subjektive, sondern eine objektive Judensrage. In der gegenwärtigen Entwicklung vom Individuum zur Gruppe haben auch die Juden erkannt, daß sie nicht vor sich selbst fliehen können, daß sie selbst Gruppe seien. Ein Sichherauslosen aus dieser Gruppe sei nur zu erkaufen mit dem Opfer völliger Entjudung. Auf der Gegenseite versuche man vielfach, bei halben Lösungen stehen zu bleiben. Man verzichte auf ein absolutes stabiles" Gleichgewicht und suche die jüdische Situation zu relativieren, sie in ein tragbares Verhältnis zur Umwelt. Ln ein ..labiles" Gleichgewicht zu bringen. Der Kampf um die Gleichberechtigung ftr aber überhaupt erst möglich aus der Grundlage jüdisch-nationaler Anschauung. Die Gegenseite führe immer nur den Karnpf um die Gleichberechtigung der Juden bestimmter Qualität, nicht aber der Juden als Juden. Ihre Methoden seien notwendig verbunden mit Taktik und Opportunismus, immer sei Rücksichtnahme auf die Antisemiten notwendig. Die lvahre Unbefangenheit und innere Sicherheit sei nur auf natirnal-jüdischer Grundlage zu erreichen. Man sprcche auf der Gegenseite nicht vom Volk, sondern von einer Schicksalsgemeinschaft. Nun wohl: Wenn man aber die Tatsache der Schicksalsgemeinschaft anerkenne, so ergebe sich die Frage, ob man dieses Schicksal gemeinsam erleiden oder gestalten wolle. Dr. Ludwig Holländer geht in seinen grundlegenden Darlegungen über deutsch-jüdische Anschauung davon aus. daß Blumenfeld zwar erörtert habe, was sein solle, nicht aber, was i st. Entscheidend sei jedoch die Untersuchung dessen, was ist. Schon Blumenfelds Ausgangspunkt, nämlich die Feststellung der Tatsache einer W e l t judensrage, müsse in Zweifel gezogen toerden. Was schon im allgemeinen bei der Betrachtung von Lebenstatsachen gelte, nämlich daß bei der Vielgestaltigkeit der Wirklichkeit sich nichts auf eine einheitliche Formel bringen lasse, das müsse erst recht von einer so einzigartigen Erscheinung wie der jüdischen Gemeinschaft gelten. Gerade hier müsse man von vornherein im Interesse einer wahren Klarlegung darauf verzichten, durch eine nur scheinbar folgerichtige, in Wirklichkeit aber den Lebenstatsachen nicht gerecht werdende einseitige Betrachtungsweise zum Ziele zu kommen. Dies ergebe sich auch bei einer genaueren Untersuchung der sog. „Weltjirdeurrage. Tic Lage der Juden in den einzelnen Ländern sei zu verschieden, als daß man vier von einer bis zum letzten gehenden Gemeinsamkeit sprechen könne. Erst recht scheitere ab-er das Bestreben, alles auf eindeutige und einheitlich)? Formeln zu bringen, bei der Untersuchung der Bindungen des einzelnen Inden an sein Judentum. Tiefe Bindung erschöpfe sich nicht im Religiösen. Vielmehr gebe es weite Kreise innerhalb der Judenheit. die in religiösen Fragen ablehnend oder zumindest indifferent seien, die sich jedoch) durch ein nicht näher zu bestimmendes Gefühl ihrer jüdischen Abstammung bewußt seien und sich auf Grund dieses Abstammungsgenchls mit dein Judentum verbunden fühlten. Sei so der gemeinsame Ausgangspunkt die A b st <1 in m 1111 gögenierusch a s t, so komme es jetzt daraus an, in welcher Richtung der einzelne Jude seine Verpflichtung der jüdrschen Gemeimchast gegenüber abzutragen suche. Und hier spalten sich die Wege: Tie national-jüdische Seite verlege den Schwerpunkt aus das Locksmäßige und Politische. Dem stehe die geistige Auffassung vom Judentum gegenüber. Das Besondere der jüdischen Gemeinschaft bestehe gerade in der unendlich tiefen Verbundenheit mit den: Geistigen, mit den sitttichen Werten der Menschheit. Der indischen Gemeinschaft, in deren Mitte die hohen Ideen der Einheit der Menschheit, des Monotheismus und der Gerechtigkeit ihren Ausgang genommen hätten, sei die Verpflichtung auferlegt. diese Gedanken in Erfüllung einer göttlichen Mission unter der Mensckcheit zu verbreiten. Der Jude, der sich einmal zutiefst dieser Ausgaben bewußt geworden sei, sei unbeirrbar und sicher und empfinde alle anderen Ableitungen asis untergeordnet. Auch bei der Betrachtung der politischen Fragen ergebe sich die Unmöglichkeit, dura; scheinwr folgerichtige Formulierungen Zur Lösung zu kommen. Die Eingliederung des deutsck^n Juden in die Umwelt bringe eine Problematik mit sich, die auch von zionistischer Seite nicht verkannt werden könne. Das zeige sich auch gerade in der jetzt im Gange befindlichen Lnnerzionistisckren Auseinandersetzung, die in den Aeußerungen Klatzkins und Krojaukers ihren Niederschlag gefunden hätte. Gewiß fei Kbatzkin in der Durchführung zronistisckrer Gedaukengänge der Folgerichtigere. aber sein eigener national-jüdischer Gesinnungsgenosse Krojanker habe ihm entgegenhalten müssen, daß die Wirklichkeit des Lebens starker sein inüpe als theoretische Ableitungen am Schreibtisch. . Nack) diesen grundsätzlichen Ausführungen der beiden Redner erfolgte eine weitere Erörterung der einzelnen angeschnittenen Teitfragen. Aus der großen Fülle der ausgetretenen Gesichtspunkte seien die folgenden Problemgruppen hervorgehoben: Aus den Vorwurf Blumenfelds, daß das Judentum in gewipem Sinne ..denaturiert' werde durch die dauernde Rücksichtnahme aus praktische Tagesereignisse und taktische Bedenken, wies Holländer auf die Notwendigkeit politischer Arbeit hin. die allerdings eine Art von Unterordnung umvesentlicher Dinge unter wesentliche erfordere. Eine derartige Rangordnung liege im Wesen der Politik. Ter eigentliche Kern des Judentums werde davon nicht berührt. Selbst wenn es möglich wäre, an eincin Punkte der Erde, nämlich in Palästina, die taktischen Fragen weniger in Rechnung zu stellen als in den Ländern der .Diaspora". so sei damit doch nur im günstigsten Falle eine Teillösung gegeben. Tie Masse der Juden lebe in der..Tiaftwrn" und stehe vor der Notwendigkeit, sich mit dieser Tatsache auseinanderzusetzen. Und dies geschehe nicht nur aus Erwägungen der „Taktil", jonbeni es sei vor allem, bedingt durch die willensmästige Entscheidung des deutschen Juden zum Deutschtum. Es widerspreche, wie gerade auch in der innerzionistisckX'U Auseinandersetzung durch Kro =5sss-M " u! i m?/« Jeder C.V er, der 5 neue Mitglieder wirbt, erhält einen Gutschein in Höhevon 10 v.H. des Jahresbeitrages dieser 5 Mitglieder, den er bei der Phiio-Buchhandlung gegen Bücher nach eigener Wahl einlösen kann. Der Durchschn'ttsbeitrag jedes der 5 neugeworbenen Mitglieder muss M. 18,— betragen. * Leistungsschwachere Mitglieder können zu einem geringeren Beitrag aufgenommen werden, sofern dafür bei anderen ein Ausgleich nach oben herbeigeführt wird. Die Ausstellung der Gutscheine wird von der Geschäftsstelle des zuständigen Landesverbandes veranlasst werden, sobald die neugewo'benen Mitglieder ihren ersten Vierteljahres beitrag bezahlt haben