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Central-Verein-Zeitung · 1931-02-20 · 8 (20.2.1931) · p. Seite 84

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
10 (1931)
Issue
8 (20.2.1931)
Date
1931-02-20
Page
Seite 84 (sequence 4)
Language
German
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S4 Terror von kerspz- 25 v. H. der ZLndeMen Sonderbericht für die „C. V.-Zeitung" M d8N VstuL Wien, den 13. Februar 1931. Unter vielem 'Radau und Hepp-vepp-Eofchrei sind dieser Taze an verschiedenen Wender Hochschulen die Wa hlen zur Kaul mer de r ,.D e u L s ch e n StudonLens ch a f t" dnrchgesührt worden. Es waren die ersten, die auf Grund der berüchtigten „S L u d e n t e n o r d - liiing" des früheren Rektors der Wiener Universität, Professor Wenzel Gleispach, erfolgten. Wie seinerzeit in diesen Blättern ausgefnhrt, verfügte dieses „Studcntonreclst" die Zusammenfassung der Studenten zu „SttidenLen - n q t i o n c ii" aus Grundlage der „A b st a m - m u n g" und erklärte gleiä)zeitig die schon bestehende rcmen antisemitische „D e u t s ch e S t u - d e n t e n s ch a f t" ’ zunr offiziellen Ver - trekungskörper aller deutschen Studenten, wobei ^ihr gegenüber den anderen zu gründenden „^Ludentennntionen" der ausdrückliche Primat zuerkannt wurde. Als dieser Vereinigung, deren Hauptmasse der Arierparagraph ist, die offizielle Anertennung der Wiozuer Universität fand und damit auch der Rarenstandpunkt einer bis dahük privaten Vereinigung zum offiziellen erhoben wurde, ging ein ^turm der Entrüstung durch die freisinnige österreichische und deutsche Liesfentlichkeit. Es schlte auch nicht an Beschwichtigungen von seiten der Negierung, insbesondere gegenüber den gegen das Unrecht Protestierenden Vertretern der ,.U n i o n d e u t s ch ö st e r r e i ch i s ch e r Jude n", wobei angedeutet wurde, dag die Gteispnchsche „Studentencrdmmg" niemals so in Krast treten würde. Mein alle Proteste, darunter auch solche namhafter Celchrter, Literaten und Journalisten, halsen nichts, die „Studentenordnung" blieb bestehen, und auf Grund derselben wurden auch die Kammerw-cchlen ausgeschrieben. Ten Höhepunkt erreichte dieser Studentcnrechtsfkandal in diesen Tagen. Tie ' .Deutsche Studentenschaft hatte aus Anlaß der Wahlen an die jüdischen Hörer, die sich in ihrem Nationalen Zum deutschen Volke bekamst hatten', das nebenstehend wiedergegebene schreiben gerichtet, in dem ihnen iHifgeteilt wurde, daß gegen ihre Zugehörigkeit zur ,deutschen Studentenschaft" Einspruch erhoben wurde und daß sie „unter Vorlage der Belege an das Schiedsgericht Berufung einlegen können". Auf die Arage, wie diese „Belege" beschaffen sein müßten, erwiderte die Deutsche SLudeiitenfchaft". daß darunter ,.d i e T a u f s ch e i n e beider Ettern zu verstehen seien. Im. Zweiselsfalle seien auch die Taufscheine der Großeltern beizubringen". Auf diese Weise wurden ungefähr 1200 Hörer österreichischer, znur icil sogar rcichsdeuLscher Staatsbürgerschaft ans der „Deutschen Studentenschaft" ausgeschlossen. Tenn die Berufungen, die von einigen Hochschülern erhoben wurden, waren natürlich vergeblich; das Schiedsgericht, das sich beinahe durchwegs aus Prosegoren zusammensetzte, hat den Standpunkt der „Deutschen Studentenschaft" als zu Recht v e st e h e n d nnetfnnn t. Als dieser Wahlrcchtsrarrb bekannt wurde, empfahl die sozialistische Studentenschaft ihren Anhängern W a h t e n.t h a t t u n g. Die Plakate und Flugzettel, die diesen Entschluß propagierten, lösten bei den hakenkreuzlerischen Studenten, denen natürlich ans Prestigegründen sehr viel an einer möglichst st a r k e n Wahlbeteiligung gelegen sein mußte, einen Entrüstungssturm aus. Es kam, ausgehend von der Universität, zu Krawallen, die sich — wie gewöhnlich — mehrere Tage lang an allen Wiener Hochschulen fort setzten. Die Hatenkreuzstndenten der Technik steckten den Kiosk der sozialistischen StudcnLerrvercnngttng in Brand, überall Zerschlugen sie die Anschlagtafeln dieser Bereinigung, und von der Rampe der Universität bombardierten sie die auf der Straße aufgcstcLlLcn sozialistischen Plakate mit Eiern, die mit Tinte gefüllt waren. Allein der Kampf, der erst damit 'ein Ende fand, daß die Polizei, die aus Rücksicht aus die „Freiheit des akademischen Bodens" die Universität nicht betreten hatte, energischer zu werden drohte, blieb nicht auf Reibereien zwischen Nationalsozialisten und Sozialdemokraten beschränkt. Wieder wurde der Jude der Hauptlcidtragende. Indische Sttrdenten und Studentinnen wurden mit Prügeln und Ochsenziemern aus den Lchrsäten Vertrieben und blutig geschlagen und ihnen der Eintritt in die llniversität von Hakenkrenzlcrn nur nn Falle der (natürlich unmöglichen) Beibringung des MitgliedsnachweiseS der „Deutschen Studentenschaft" erlaubt. Alle diese Greueltaten waren nur deshalb möglich, weil die zur Wahrung von Recht und Ordnung ans den Hochschulen berufenen Faktoren eine unglaubliche Duldsamkeit gegenüber den antisemitischen Rowdies bekundeten. Die Rektoren gaben wohl den jüdischen Studenten immer wieder beruhigende Versprechungen, Laten aber nichts, um ihr Recht aus Lernfreiheit auch wirklich zu gervährleisten. Tabei ist das Ergebnis der Kammerwahlen für die Nationalsozialisten, die lautesten Schreier im Wiener Studentenkampse. gar nicht so erfreulich. Wohl haben sie bei' den Wahlen an der Universität, an der Technischen Hochschule und au der Hochschule für Welthandel die größte L-timmenanzahl erreicht, die absolute Majorität haben sie aber nur an der letztgenannten Hochschule erlangt. Tiese Feststellung liest sich aber sofort ganz anders, wenn man die Gesantthörerzahl an diesen Hochschulen ins Auge faßt. Von den 16 916 inskribierten Hörern gingen nur 16246 Hörer zur Urne bzw. wurden des Ganges zur Urne für würdig befunden. Von diesen 10246 Stimmen entfielen nur 3972, also kaum 40 v. H., auf die hakenkreuzlerischen Studenten radikalster Färbung. Tie übrigen Stimmen entfielen auf die Studentelsichasi derrtschnationaler und deutschkatholischer Richtung. Tatsächlich besieht also keineswegs eine hakenkreuzlerische Mehrheit an den Wiener Hochschulen. Ter Prozentsatz der hakenkreuzlerischen Stimmen beträgt, die drei größten Wiener Hochschulen zusammengerechnet, nicht einmal 23 v. H. der Gesamthörerschaft. Oskar Hirschfeld (Wien). Der nuiuerus elansus dtk Eichener Studentcirschast. Der Finanzausschuß des hessischen Landtages hat sich am ä. Februar mit dem bereits in Nr. 3 der „E. B.-Zeitung" vom 30. Januar ermähnten Antrag der hessischen Demokraten aus Auflösung der G i e ß e n e r L t u d e n t c n [ d? a f t rllfta) wegen des von ihr gefaßten Beschlusses ans Einsühruncr eines numerus clausus für jüdische Studierende beschäsügt. Tie Vorgänge in Gießen wurden einstimmig scharf mißbilligt. Sozialdemokraten, Landbund und Vollsrcchtspartei forderten das Einschreiten der Regierung: der Sprecher der Deutschen Volkspartei bedauerte die antisemitische Betätigung der studentischen Jugend, und von feiten des ^Zentrums wurde darauf hiizgewiesen, daß die Studentenschaft ihre Lesugnipe überschritten hal^e und deshalb eine weitere Erhebung von Zwangsbeiträgen einnistellen sei. Der Kultusminister Adelung erklärte, es müsse ernstlich erwogen werden, ob unter diesen zugespitzten Umständen die studentisch/^ Selbstverwaltung überhaupt weiter bestehen bleiben könne. Ter Finanzausschuß beschloß einstimmig, die Regierung zu ersuchen, die Vorgänge im Eicßener Afta weiter zu untersuchen und gegebenenfalls die gebotenen Maßnahmen zu ergreifen. Zwei Tage vor dieser Beratung fanden die Afta-Wahlen statt, denen ein erbitterter Wahlkampf vorausgegangen war. Da die nationalsozialistischen Studenten täglich vor der Universität standen und ihre Kampflieder sangen, wurde von der Polizei im Einverständnis mit dem Rektor der llniversität ein An- und D e r s a in ni lungsverbot erlassen. Bei den Asta-Wahlen errangen die N a ( i o n a l s o z i a l i ft e n im Studentenausschuß die absolute Majorität. Ta sich die Zentrumsstudeuten und die katholischen Korporationen im Gegensatz zum vergangenen Jahr nicht an dc^republikanischen Liste beteiligten, erlitt diese einen ^limmenrückgang. Solche Antworten erhalten deutsch- Z'f-1 jiidisdie Studenten in Wien, 4*r- L^yv0iT „Deutsche . ^Hnni.: Dec uns auch fönst fcefannie Stempel unter dem Namen „pbil. Otto Steiner" laütctt!che ^-tadeutenschüft der llniverülät Wien, Mitglied der Deutschen Studentenschüfr,

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