Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 10 (1931)
- Issue
- 8 (20.2.1931)
- Date
- 1931-02-20
- Page
- Seite 83 (sequence 3)
- Language
- German
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Neue scharfe Judenhetze in der Hitler-Pariei — Redeblüten nationalsozialistischer Abgeordneter — Die Führer beschlossen diesen neuen Kurs DerPrügeikn&heivirdivieder benötigt Als im Sommer 1930 die geistigen und sozialiftischen Menschen in der NSDAP, die Hitler-Partei verließen, kehrte in den Auseinandersetzungen der spöttische Vorwurf der Sezession;sten immer wieder: Die Partei des Dritten Reiches verschmäht es nicht, Spezialisten für Ritualmord und ähnliche Narren als Führer zu feiern. Eine Zeitlang schien es so. als ob sich Hitler und seine Mannen ihrer übersteigerten Judenhetze selbst schämten. Besonders als nach der Wahl Hitler sich als kommr..^e Mann fühlte und sich dem Ausland als Politiker von Format, als Diplomat, als Beherrscher urbaner Formen und Träger einer neuen nationalen Sittlichkeit vorstellen wollte, sank das Barometer der judenfeindlichen Agitation. Hitler versicherte einem englisckzen Blatt, daß er gegen die „Deeent jews" nichts habe. (Sehr gnädig!) Organe wie der „Stürme r' lebten zwar auch in dieser Ilebergangsperiode vom Serualantisemitismus, aber in der übrigen Presie stellte man sich auf maßvollere Haltung ein. Ja, Herr Goebbels mußte, weil' man die taktische Schwenkung in der Partei kritisiert hatte, im Sportpalast versichern, daß man nach wie vor überzeugter Antisemit geblieben sei, wenn man auch von seinem Judenhaß weniger spreche. Seit zehn Wochen ist das anders geworden. Jetzt hagelt es wieder judenfeindliche Argumente und die ältesten Ladenhüter werden säuberlich entstaubt einem sensationshungrigen Publikum serviert. Varmat, Sklarek und Kutisker marschieren wieder auf, das Schreckgespenst des jüdischen Bolschewismus wird beschworen, eirrzelne Preßorgane wie der „Donaubote"' veröffentlichen Listen jüdischer Bürger, Plakate verbieten nunmehr nicht nur den Juden den Zutritt, sondern sie schließen gleichzeitig auch „Judendirnen"' -vom Versammlungsbesuch aus. Die geschickten Agitatoren hüten sich vor offener Anreizung zum Klastenhaß: sie spitzen ihre Pointen so zu, daß das Publikum mit freundlichen Aufforderungen wie „aufhängen", „an die Wind stellen"" quittiert. Es widerstrebt uns zwar, eine Blutenlese aus nationalsozialistischen Versammlungsreden zu geben. Die nachfolgende Auswahl soll aber denen, die aus politischer Verirrung am 14. September 1930 Hitler gewählt und andern, die ihn für einen würdigen Koalitionsgenoffen halten, zeigen, in welcher Gesellschaft sie sich befinden: Aus der Rede eines N.S.-Abgeordnetcn am 11. Februar, Berlin. „Den Juden ist die Hauptsache: saugen. Hinter allem stehen sie. Schon vor Tausenden von Jahren gab es das Reichsbanner, schon zur Alt Pharaos. Als die Juden den Christen genug Silber und Gold angenommen hatten und zum Teufel gejagt wurden, kamen sie in die Wüste, und mrt ihnen, wie sie selbst sagten, Pöbel, der vorher ihr Schutz war. Also war der Pöbel das Reichsbanner/ Dr. von Leers am 3. Februar, Berlin. „Was jetzt noch in der KPD. ist. ist ein stinkender Sumpf, der von den Hebräern ausgenutzt wird. Was sitzt in der KPD.-Berfammlung am Verstandst: sch? Nur die Hebräer, angefangen aus Galizien bis zu denen vom Kursürstendannn. Alle Plattfußindianer haben aber ihre krummen Synagogennasen. Bon der K.P. D. bis zu Herrn Goldschmidt haben sich jetzt plötzlich alle gegen uns verbrüdert. Ja. die Hebräer haben es raus, das Bolk zu verhetzen. Wenn wir erst an der Macht sind, dann werden diese Burschen eine gründliche Abrechnung zu gewärtigen haben." (Zwischenruf, aufhängen.) Rcichstagsabgcordneter Hinkel am 23. Januar, Berlin. „Als Rathenau ermordet wurde, stimmten die Blätter um Ullstein und Moffe ein Wehklagen an. Mag Rathenau auch einer der tüchtigsten der Juden gewesen sein, so war er doch nur ein Jude." Daß die nationalsozialistische Presie auf diesen Ton eingeschwenk: ist, versteht sich von selbst. Der „Eisenhammer" veröffentlicht Leitartikel: „Der Mädchenhandel ein jüdisches Geschäft", der „Freibesis^amps" spricht von indischen Schwirlen, der „Völkische Beobachter" gibt sich vornehm und veröffentlicht Notizen über die Verjudung des deutschen Theaters und ruft nach Reitpeitschen für die Auseinandersetzung mit den Parasiten. Ein deutsches Geschäftsadreßbuch unterstützt die Boykottpropaganda aller Blätter, und die neue satirische Wochenschrift „Brenneffel" tut das ihre, um in Karikatur und angeblichem Witz in den Chor von Judas Schuld und Verbrechen ernzustimmen. Erkläret mir, Graf Oerwdur . . . Warum wohl Schweigen in Hitlers Blätterwald im September, Oktober, November und jetzt plötzlich Rauschen und Brausen? Ein echter Hitler- Mann mag keinen Juden leiden: aber es scheint da eine wechselnde Skala des Gefühls Zu geben. Je nach Bedarf wird es leise, lauter und lärmend bei der Betonung der Judenfrage. Hitler schlägt jetzt die Judentrommel heftiger, weil er nach dem Scheitern seiner Regierungspläne nicht mehr sein diplomatisches. sondern sein Berserkergesicht zeigen will. Er braucht nicht mehr nach dem Ausland zu schielen, ihm kommt es jetzt starker auf die Erhaltung seiner Macht in Deutschland an. Und ihrer fühlt er sich nicht mehr sicher. Die Erbitterung und Enttäuschung der alten Nationalsozialisten, die trotz aller Versprechungen und trotz des ungeheuren Wahlsieges vom 14. September 1930 nicht den geringsten politischen Erfolg, nicht einmal den Versuch ernsthafter Politischer und wirtschaftspolitischer Anregungen sehen, steigt täglich. Mit Fanfaren kann man ein hungerndes Volk nicht sättigen. Und lauter und bohrender als die Bersauunlungsfanfaren, die die nationalsozialistischen Trabanten blasen, klingen die kriLisäzen Tone, die die Führung der Nu-DAP. von der eigenen alten Anhängerschaft, besonders von der S. A., zu hören bekommt. Deshalb der Ausweg, den man schon so oft gegangen ist: Stärkere Betonung der antisemitischen und antibolschcwistischen Agitation. Vielleicht hilstwiQer einmal der Judenschwindel, vielleicht lenkt er die murrenden Maffen von der Unfähigkeit der Führung ab, vielleicht begnügt man sich mit den pornographischen Bildern des Herrn Streicher und vergißt Arbeit und Brot zu fordern. Ans einer nationalsozialistischen Führertagung in München ist die taktische Schwenkung in der Haltung zur antisemitischen Agitation beschlossen oder besser befohlen worden, und seither rinnt die Schlammflut wieder so dick wie zu jenen Anfangszeiten der NSDAP., als man polirisches Wipen durch ein paar kräftige antisemitische Schimpfworte ersetzte. Leider findet mancher Phrasendrescher noch immer Beifall, wenn er Judenmärchsn und Judenmätzchen vietet. Aber vielleicht wird gerade die Ucbersteigerung der Agitation Menschen mit Genügen und politischem Verständnis sehr rasch zu den ernsten polirischen Parleien zurückführen. Hoffentlich'. _ Rei. yiduVsiülti'yivähiUfü/il’ Viltiu^uiiv Die NSTAP. hat nun auch einen Elternbund gegründet, der kürzlich mit einem A u fr u s an" dne Oesfentlichkeit getreten ist, in den; es heißt: „Das bisherige liberal-kapitalistische System hat zwar y:>zn durch Schulen. Lehrjahre und zahllose Prüfungen für olle Anforderungen des Berufs- und Wirtschastslcbens bis hin zur Tierzucht gründlich vorbereitet: doch für die schwierigste Auchabe eines Volkes, für die heiligste des Elternseins: für die Ausartung und rassisch richtige Aufzucht, für die volksbiologstch brauchbare und kulrurfördernde Heranbildung des kommenden Geschlechts hat man uns Eltern in keiner Weste je vorbereitet. Im Gegenteil: teuflische, jüdisch-schlaue Irreleitung des Gei st es, weltanschauliche und konfessionelle Voreingenommenheiten und staatspolitische Stumpfheit haben uns hier aufs schwerste und ahnungsloseste an unseren Kindern und unserer Volkszukunft sündigen lasten . . . Tie furchtbaren Gefahren, die damit nicht nur für unser verführtes, geplagte? deutsches Volk, für seine Reinheit und seine Entfaltungsmöglichkeiten heraistgekommen sind, lasten sich nur bannen, —- uralte, arstch-gesunde Erziehungsinstinkte lagen sich nur wieder wecken, wenn die deutsche natwnaliststchs Elternschaft sich zu energischer Abwehr, zur Selbsthilfe und Selbsterziehung für ihre schwere und doch so schöne Aufgabe zufammenschließt." Es ist eine Verunglimpfung der Lehrerschaft, wenn behauptet wird, daß „für die Erziehung der Eltern nichts gesehen" fei. Im Gegenteil, die Eltern haben sich gegenüber solchen Versuchen fast ganz ablehnend verhalten. Für Rassenverhehung aber etwas zu tun, wüsten volksverpslichtete, der Volksgemeinschaft dienstbare Lehrer gründlichst a b l e h n e n. Wo ist diese „jüdisch-schlaue Irreleitung" in unseren meist konfessionellen höheren und Volksschulen, die auch nur versucht hat, sich durchzusetzen? Irr mindestens 99 Prozent dieser schulen sind nur konfessionell gerichtete Lehrer vorhanden. Wohin dabei der Weg führt, lehren die nationalsozialistischen Schülerb ü n d e, die den Kampf g e g e n „d a s System" mit den Alten zusammen ausuehmen sollen, lehrt auch die Beteiligung dieser beklagenswerten Jugend an den Radau- und Gewaltszenen. Dr. K. M. r\Tß\ pn -*\l i HM SW will! ch m jeßer Pfsnslg piiörf dem lüelitäspf. VMM spart aas Verwaltongsui fdalmspsses