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Central-Verein-Zeitung · 1931-02-06 · 6 (6.2.1931) · p. Seite 63

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
10 (1931)
Issue
6 (6.2.1931)
Date
1931-02-06
Page
Seite 63 (sequence 7)
Language
German
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Juden im Kriegshandwerk während des Mittelalters Wien, im Januar 193/. Der' Beitrag zur „C. V. - Zeitung * über Kampfgenossen germanischer Stämme berührt nur das bekannteste Beispiel, die Belagerung von Neapel. Er hätte ebensogut erwähnen können, wie die Juden von Arles 508 in Treue gegen ihren König Clovis die Stadt verteidigten, wie Juden mit Childcrich gegen Wamba, mit Alfons VI. von Kastilien 1068 in einer Anzahl vom 40 000 bei Zalaka gegen die Mauren, wie die Juden Toledos auf der Seite Alfons VIII., die von Sevilla im Heere Alfons X., wie jüdische Krieger unter Pedro dem Grausamen gegen Heinrich von Trastamare gedämpft und deutsche Juden mit den Waffen in der Hand für den vom Papst in den Bann gelegten Hcinrick IV. Partei ergriffen haben. {Jeher „streitbare Juden im Mittelalter ‘ hat schon Seifart in Hirsch* „leschutim*, 3. Jahrgang, geschrieben. Zur Ergänzung dient vielleicht die Angabe einer Urkunde im Wiener Staatsarchiv von 1382, dass dem Erzbischof Pilgrim von Salzburg gegen Bayern „mit Spiess, Harnisch und Ross** Solddiensi geleistet haben Jändd jud und Mertel J ud. Nur sieht es nicht fest, ob diese beiden, wie Altmann annimmt, wirklich Juden'Waren, oder ob Jud hier nur Familienname ist. Dass Juden im Mittelalter in Polen und Böhmen auch Waffen trugen und sie zu brauchen wussten, dass wir in Spanien, Deutschland, Böhmen, Mähren und der Türkei jüdische Waffenschmiede finden, behandle ich im nächsten Hefte der „Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums**. Auch der bekannte Bildhauer Jak. Gutmann, der sich besonders durch eine Büste Pius IX. einen Namen erworben, hat als Büchsenmacher begonnen. Dass dieses sowie jedes andere Handwerk in Marokko in jüdischen Händen lag, finde ich jetzt auch bei Pinkcrton, „Collection of Voyages and Travels XV, 736 u, 163, erwähnt. Die Ziffern in den Berichten über bewaffnetes Eingreifen spanischer Juden brauchen uns nicht zu überraschen. Floren wir doch von einer Juden- Verschwörung (694) gegen das Joch der Westgoten, deren Grausamkeit gegen die Juden der der späteren Inquisition nichts nachgab und die Leidensgeschichte der Marranen inauguriert hat. Kein Wunder, dass die gewaltsam Getauften und beispiellos Gequälten beim Eindringen der Mauren hier und da sich gegenüber christlichen Zwingherren erhoben. Sie waren jedenfalls militärisch so stark* dass man ihnen die Bewachung der eroberten Städte überlassen gönnte. Man geht durchaus fehl, wenn man sich den Juden der Vorzeit nach dem Bilde des ausgemergelten Cheitojuden vorstellt. Ganz abgesehen von einzelnen jüdischen Krafticistungen « la Breilhart, worüber bei J. Bloch. ,Jsrael und die Völkereinige Daten zusammengestcllt sind, von Juden, die, wie Chaim Zymbalisla, im Heere Wallensieins oder, wie ein österreichischer Jude mit Auszeichnung unter Pio Nono, in der päpstlichen Schweizergarde gedient haben, braucht man nur an die robusten Gestalten unter den russischen Juden, vor allem an die Juden Saloniks zu denken, denen Alex. L. Kielland in seiner Reiseskizze „Salonik** einen bcgeistcwngsglühcndcn Dithyrambus weiht. Er sagt u. a.: „Wenn ich ein Jude wäre, würde ich jedes Jahr nach Salonik wie in ein Bad reisen. Und in der Freude über die Schönheit des auserwähllcn Volkes, wie sie sich hier bewahrt und entwickelt hat, würde ich meine Seele mit Verachtung gegen die Nordländer erfüllen. Nie habe ich schönere Männer ah diese Juden in Salonik gesehen und nie einen feineren Ausdruck auf den Gesichtem. Eine Würde, hoch erhaben über halb verlorene englische Steifheit. In den Juden von Salonik findet man die unbeugsame Kraft wieder, von der Josephus erzählt, ein Helden Volk — 50 ziemlich das hartnäckigste, das die Römer zu beugen halten.** Dr. Grunwald. 46 Jahre im Militärverein H enn ej-Sieg, Dezember 1930. Nachdem ich meiner Militärdicnslpflicht, worunter auch die Kommandierung zum Lehr-Inf anterie- Bataillon in Potsdam gehörte. Genüge geleistet, trat ich sofort in den hiesigen Kameradschaftlichen Verein ehemaliger Soldaten ein. Ich gehöre ihm jetzt bereits 46 Jahre an. Nach einjähriger Zugehörigkeit wurde ich bereits in den Vorstand gewählt. Dem Vorstand gehöre ich also 45 Jahre an. Nach dem Kriege legte der im Verein äussersl tätige Vorsitzende, ein Oberstabsarzt, die Führung nieder. Ich wurde an dessen Stelle zum Vorsitzenden gewählt und habe den Verein zwölf Jahre lang geführt. Bei Uebernahme des Vereins zählte derselbe 90 Mitglieder, jetzt ist die Zahl cuf 250 gestiegen. Nachdem ich mein siebzigstes Lebensjahr überschritten, legte ich mein Amt nieder. Ich Wurde mit Ehrungen überhäuft, u. a. erhielt ich schon vor Jahren das Ehrenkreuz 2. und 1. Klasse. Der Verein ernannte mich zum Ehrenvorsitzenden. Der Verein setzt sich aus Herren aller Stände zusammen. Ich kQwn jedem nur bestens empfehlen, sich dem einen oder anderen Verein anzuschliessen. Hiermit ist unserer Sache am besten gedient. H ermann Levy. Schülerinnen, wie sie nicht sein sollen Berlin SW48, 3. Februar 1931. Meine besondere Aufmerksamkeit gilt seit längerer Zeit der Frage, wie wir Mitarbeiterinnen der C. V.- Freuengruppen den Judenhass unter der Schülerschaft höherer Schulen bekämpfen können. Erfreulicherweise setzt die überwiegende Mehrzahl da deutschen Pädagogen sich für Toleranz in der Schule, besonders m konfessionellen Fragen, ein, und fast alle Jugenderzieher wünschen, •dass die ihnen anvertraute Jugend zwar staatsbürgerlich erzogen und politisch unterwiesen werden muss, dass aber Pcrteipolitik aus der Schule verbannt bleibt. Ich habe sehr häufig Gelegenheit, mit Studienrälen und Studienräthmen aller Konfessionen über diese Fragen zu sprechen. Bei der Erörterung dieses Problemkreises bin ich wiederholt auf folgende Erscheinung aufmerksam gemacht worden, die ich Ihnen an einem praktischen Beispiel schildern will; In der Prima eines Mädchengymnasiums befinden sich unter 25 christlichen Schülerinnen zwei jüdische Mädel. Beide Mädel sind intelligent, gut erzogen und von leichter Auffassungsgabe. Im Gegensatz zu den Mitschülerinnen kommen die beiden jüdischen Mädel immer ausserordentlich modisch gekleidet, beinahe elegant zum Unterricht. Beide sind innig befreundet, sie kümmern sich niemals um ihre anderen Mitschülerinnen und unterstreichen ihre von ihnen selbst gewählte Isoliertheit bei jeder Gelegenheit. Wird z.B. ein Briefwechsel mit ausländischen Schülerinnen angeregt, dann fordern beide in den vorgelcgten Fragebogen nur Briefe Von ausländischen Jüdinnen, während keine andere Primanerin irgendeinen i|on/essioneZ/cn Sonderwunsch hat. Ferner haben beide die eigenartige Angewohnheit, durch etwas alberne und gewollt kindliche Fragen sich eine Stunde zu verkürzen, die ihnen langweilig hl. Vielfach ziehen die Klassenlehrer den Schluss, dass mH der Art der Fragestellung eine Bhssstellung des Lehrers oder der Mit- Schülerinnen beabsichtigt hl. Das führt dazu, dass 63in dem Konferenzzimmer der Lehrer das Anderssein der jüdischen Schülerinnen besonders hervorgehoben wird, und zwar wird das Werturteil damit verbunden, dass das vorlaute Wesen der beiden Jüdinnen den Klassengeist stört. Bei den Mitschülerinnen gehl das Gefühl der Fremdheit so Weit, dass niemals der Versuch gemacht wird, die beiden jüdischen Mädel näher kormenzulernen und sie in den Interessen- und Freundschaftskreis der anderen mit hineinzuziehen. Diese Klcssenbeobachiungen stehen in absolutem Gegensatz zu meinen. persönlichen Schülerfahr ungen und Erlebnissen. Meine christlichen Mitschülerinnen, mit denen ich noch immer freundschaftlich verbunden bin, versichern mir, dass das gegenseitige Kertnenlerncn in den Elternhäusern das einfachste und überzeugendste Mittel sei, jedes Gefühl der Fremdheit den Kindern zu nehmen und Achtung vor der Eigenart der anderen zu wecken. Dieser \urze Hinweis regt vielleicht die Leserinnen der „C. V. - Zeitung4 an, auf die äussere und innere Haltung ihrer schulpflichtigen Töchter erzieherisch emzuwirken, und es würde mir auch Freude machen. Wenn sich an meine Ausführungen auch eine Aussprache unter unseren C. V.-Frauen anknüpfen Wurde. Elisabeth W esif al. Der Bettler B erlin-Wilm e r s d o r f, /. Februar I93J. ln einem vornehmen Hause des Berliner Westens klingelt es. Gerede befindet sich die neunzehnjährige Hamtochier, zu einem Spaziergange mit der Mutter bereit, mit feschem Hütchen und eleganter Pelzjoppe freundlich cnzuschaucn, m der Nähe der Tür und öffnet. Ein Mann sicht draussen, ein junger Mcnn, durchaus nicht ärmlich angezogen. Vielleicht ist es gar i[ein „Mann*, vielleicht ist es ein „Herr*; vielleicht erinnert er sich einen Augenblick, oh, einen Augenblick nur daran, wie man mit jungen Damen der Gesellschaft zu sprechen pflegt, wie sie mit ihm zu sprechen pflegten, solange er . . . Nun spricht er anders, nun steht ihm das Elend, die tiefe Not leiblicher und seelischer Qual im Gesicht; nun bringt er sein Anliegen vor. Da öffnet sich, drinnen in der Wohnung, von einem der vielen Zimmer her, eine Tür. und die Mutter steht, ebenfalls ausgehbereit, im Pelzmantel cuf dem Flur. „Wer ist da?** ruft sie. „Ein Bettler**, antwortet die Tochter. An der Haustür gibt es eine hastige Geste und einen crhilleri-scharfen Ton: ,JVern, kein Bettler, ein ArbeitsloserF* Was hat dies kleine Begebnis mit Judentum zu tun? Nichts, und doch alles. Nichts; denn wir würden nach Antisemitenweise verallgemeinern, sagten wir, Mutier und Tochter unseres Ceschichtchens müssten Jüdinnen gewesen sein. Und doch alles, da es Jüdinnen sein könnten. Solch gedankenloser, schlimmer Vorstoss gegen den Takl ist gleicherweise ein Verstoss gegen die jüdische wie gegen die christliche Religion, gegen die jüdische, wie gegen die christliche Ethik ober ef ist, von Juden begangen, hier, wie immer, zugleich ein Verst oss gegen die jüdische Gemeinschaft. Denn: der mit Recht die Taktlosigkeit übelnimmt, der unglückliche Mann vor der Tür, könnte mit Unrecht sie „den Juden * übtlnehmcn. Ja, hier wie immer: wo andere verpflichtet sind, da haben wir Juden doppelte Verpflichtung. Datum: erziehen wir uns, uns selber, unsere Frauen, unsere Kinder, nicht mehr von „Bettlern ‘ zu sprechen in . dieser Zeit viel millionenfacher Arbeitslosigkeit! Und auch unser Hcuspersonal: der Judenhass geht : seltsame V/ege, nicht nur aus Bosheit, sondern - auch aus gedankenloser Verallgemeinerung; und so kann sich eine trübe Erfahrung mit einem christlichen IIcusmädchcn in ein trübes Urteil über deren jüd'sche Herrschaft und über „die Juden* Wandeln. Die sich jüngst zur Freude aller freiheitlich gesinnten Menschen das Recht erstritten haben, dass man sie nicht mehr, mH schimpflich klingendem Wort: „Dienstmädchen* nennen darf, da sie doch „Hausangestellte” sind, Werden sogar am ehesten V erslandnis für solche Belehrung hohen. Welche wir deshalb vor allem unter vns , selbst verbreiten wollen: „Seid milde, auch im *

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