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Central-Verein-Zeitung · 1931-01-30 · 5 (30.1.1931) · p. Seite 49

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
10 (1931)
Issue
5 (30.1.1931)
Date
1931-01-30
Page
Seite 49 (sequence 5)
Language
German
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49 Es gibt in DeMchland 15 MiMonen Indsn — sagt „Der Stürmer" „Der Stünner" ist zu einer neuen, natürlich rein wissenschaftlichen Erkenntnis gekommen. Es soll neuerdings viel mehr Inden in Deutschland geben, als allgemein angenommen wird. Bisher haben dem „Stürmer" die 600 000 Juden vollauf genügt, denn an dieser Zahl konnte er immer wieder herbeten, das; die Inden Prozentual an Einfluß und Beteiligung Ln der Wirtschaft und in den Berufen eine Stellung innehatten, die ihnen nicht zu kommt. Ob er jetzt, aus dem gleichen Gerechtigkeitsgefühl heraus, sich dafür einfetzen wird, daß die Juden ihrer Zahl entsprechend in neue Positionen einrücken? In der ersten Januar-Nummer behauptet „Der Stürmer". daß bei der letzten Volkszählung Millionen Juden es unterließen, sich des „m ofaifdjcn" oder „jüdL» schen Glaubens zu bezichtigen (!). um nicht als Angehörige der „jüdischen Nasse" genannt zu werden. In Wahrheit sei es so. das; in Deutschland heute zwei bis drei Millionen Juden lebten, zu denen dann noch die als „Sünde wider das Blut" aus Mischehen Hervorgegangenen gerechnet werden müßten. „Der Stürmer" glaubt, daß die Za h l de r I u den blutigen mit 10bis 15 Millionen nicht zu hoch eingeschatzt sei. Wir wollen dem „Stürmer" und seinen Rechenkunst stückchen nicht die Ehre angedeihen lasten, uns sachlich mit ihnen auseinanderzusetzen. Dies um so weniger, weil eigentlich gar nicht klar wird, was bei dieser Rechnerei mit aus der Lust gegriffenen Zahlen zum Schluß bewieserr loerden soll. Wir wissen, daß die Nationalsozialisten sich berufen fühlen, das deutsch)? Volk von nichtnordischen Bestandteilen zu befreien. Bon nun ab müßte ihr Kampf also nicht mehr nur gegen die 600 000 deutschen Juden, sondern gegen jeden vierten Deutschen gehen! Hoffentlich ist .Dem Stürmer" dabei nicht entgangen, daß im Reichstag 107 Abgeordnete der NSDAP, und 41 Abgeordnete der TN BP. als 148 absolute Vertreter des Rastegedankens sitzen, das sind bei der Gesamtzahl von 577 Neichstagsabgeordneten weit mehr als ein Viertel. Mögen die Herren einmal in ihren eigenen Reihen beginnen, die-Zugehörigkeit zur „nordischen Raste" festzustellen. Vielleicht eignet sich Herr Dr. Goebbels, den sein Mitstreiter im Rastcnlampf. Dr. Tinter, als südländischen Typ bezeichnet hat, am besten zum Anfang! Zu welchen Grotesken übrigens diese ganze Rasscnriechcrei führt, beweist bester als theoretische Auseinandersetzung ein kleines Ereignis, das sich vor nicht allzu langer Zeit in einer süddeutschen Großstadt abgespielt hat. Ein junger Nationalsozialist, eingeschriebenes Mitglied der Partei und begeisterter Verfechter des Güntherschen Rastegcdankens, saß dort mit einer blonden Dame in einen; großen Gase und versuchte die Dame von der Schädlichkeit der Juden und von dein alleinigen Wert der Germanen zu überzeugen. Der stressende Herr spielt außerdem in der nationalsozialiüischcn Partei als Führer einer Ingendgruppe eine gewisse Nolle, cr ist also ein „Pg", wie man sich ihn idealer nicht vorstellen kann. Leider hatte cr an diesem Tage das Hakenkreuz nicht an seinen! Anzug befestigt, und da er das Pech hat, s d) w arze Haare z u besitzen, passierte i h ns das Unglück, daß seiner D a in e einer der bekannten ged r u ck t e u Z e t t e l z u g e s ch o b e n w u r d e, auf denen sie „gewarnt" wurde, weiter mit dem „Judeu" zu vcr« tj r c n , u ii 5 n uj bem i fj r harre Strafen im zukünftigen „Tritten N e i ch" a n g e d r o h t werden, w e n n sieden Verkehr mit bcm „H c b t ä c t" nicht aufgäb e. Man kann sich die Verlegenheit des Herrn vorstellen, der noch eben behauptet hatte, man könne einen Juden „aus Tausenden mit tödlicher Sicherheit" erkennen, da cr in seinem ganzen Gebühren einen undeutschen Ausdruck habe. Und dabei wurde er selbst, der Verfechter des nordischen Gedankens, der sich gewiß für einen reinrassigen Germanen hielt, von seinen eigenen (Oesinnungsgenosten für ein typisches Eremplar der minderwertigen Menschengattung gehalten! Ebenso traurig erging es auch einem anderen dunkelhaarigen Nationalsozialisten. Er wäre kürzlich beinahe aus einer großen nationalsozialistischen Versammlung hcrausgeflogen, seine Nachbarn beschimpften und titulierten ihn als Inden und seine näheren Freunde mußten erst für ihn bürgen, daß er gar kein Jude, sondern ein bewährter Parteig e n o s s e sei! Es scheint also, daß die Zugehörigkeit zu der nordischen Die „verjudete" Filmindustrie Ter „Völkische Beobachter", München, bringt in seiner Kummer IO vom 13. Januar d. I. einen Aufsatz „Die Verjnduug der Filmindustrie", mit einer ziemlich wahllosen Zusammenstellung jüdischer oder vermeintlich jüdischer Namen, die im Juteresie sachlicher Nichtigkeit der folgenden Korrekturen bedarf: Der „Vorstand der deutschen Lichtspiel- Iheaterbcsitzer" ist vollkommen falsch angegeben. Dem Vo r stnnbe des „Noichsverbandes deutscher Lichtspieltheaterbesitzer" gehört kein jüdisches Mitglied an. Tie im „Völkischen Beobachter" ausgezählten acht Mitglieder gehörten dem früheren Vorstand des Verbandes der Lichtspieltheater Berlin-Brandenburg, also einer Untergruppe, an. Sechs von Deutschen W r r t s ch a f t s P a r t e r), N o s e n t h a l ideutsch nationaler Stadtrat von Berlin), Esbord, 3 i in o n und Förster. Unter „N e i ch s f i l m A. - C." nennt der „Völkische Beobachter" die Namen: Ehrlich, R i e ch m a n ii, § u t) r c § und Heidenheim; abgesehen davon, daß die aus Kreisen der Filmtheaterbesitzer geplante Gründung der 9t e i ch s s i l m A. - G. bisher nicht z ust a n d e g e k o m m c n i ft, sind hiervon die Herren R i e ch rn a n n , Huyras und Heidenheim nichts weniger als Inden oder jüdischer Herkunft. Wenn der ,Bölkistche Beobachter" die Bilanz seiner vollkommen willkürlichen Aneinanderreihung von Namen mit dem Satz zieht: „Einen Deutschen sucht man hier vergeblich", so ist dieser Schluß also selbst vom Standpunkt des „Völkischen Beobachters" aus falsch. Der „Iriöericus" „berichtigt" Zu Beginn des Jahres 1927 brachte eine Anzahl deutsck'völkischer und nationalsozialistischer Blätter — cm scheinend aus derselben Duelle — einen Panus aus einer Predigt, die der Prediger der Jüdischen Gemeinde Neustettin am Neujahrsfeste 192«; in der dortigen Synagoge gehallen hatte. Er sollte geäußert haben: „Heil Israel! Wir haben unsere Ziele und Pläne erreicht. Wir sind in den Völkerbund ausgenommen. Das Wort unseres Propheten, daß Israel über alle Völker der Erde herrschen wird. ist wahr geworden. Es ist ein glücklicher und ein Freuden tag in der Geschichte unseres Volkes Israel." — Soweit die Verbreiter dieser völlig unwahren Behauptung festgestcllt werden konnten, wurden sic zur Berichtigung gezwungen. In Nr. 47 vorn November I960 wäruste der „Frideriens" diese Geschichte wieder am' und vermerkte dabei ausdrücklich, daß der Prediger diese Worte anläßlich der Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund gesprochen habe. Auch der „Fridericus" (Nr. 52) mußte eine entsprechende Berichtigung bringen, ^eine daran geknüpften Bemerkungen sind wert, weitesten Kreisen bekannt zu werden, weit sie deutlich zeigen, welche 41?, Berlin SW 11 Facüic>:er Ye.süJ Schuntberger Strasse 16a. Telefon: Lützovr 8260,61. Edelrasse nur cm Tragen des Hakenkreuzes erkennbar ist. Oder wollen die Nationalsozialisten nächstens alle dunkelhaarigen Mitglieder aus der Partei ausschließen? Aber auch dadurch ließe sich ihr Ideal nicht realisieren; denn es gibt bekanntlich unter den Juden eine große Zahl blonder Menschen. geistigen Nekordleistungen der „Frideriens" seinen Lesern bieten darst Er schreibt nämlich: „Tie Berichtigung des Herrn Voß. die ich nicht nur. weil ich sie 'bringen muß, sondern auch mit Vergnügen gebracht habe, enthält^eine große Lücke. Herr Voß bestreitet, in der Synagoge in Nenstettin die von unserm Berichterstatter deutlich gestörten Worte gesagt zu haben. Hat er's viellcichr vor der Synagoge gesagt? Für weitere Aufklärung durch Herrn Kantor Boß hält der „Fridcricus" gern Raum zur Verfügung." Dazu schreibt uns Herr Voß: „Meine unter Berufung auf das Pressegesetz dem „Frideriens" eingesandre Berichtigung lautete: „Es ist unwahr, daß ich beim Eintritt Deutschlands in den Völkerbund in der Synagoge in Neustettin die Worte gesprochen habe (folgt der vom „Fridsricns" angestährte Wortlaut). Weder dem Wortlau: noch dem ^inne nach habe ich etwas derartiges gesagt." Ich muß es mir versagen. Raum für weitere Aufklärung im „Friderious" iu Anspruch zu nehmen, weil ich nach der roraufgegangeuen Probe anuehmcn muß. daß der „Fridericus" meinen Ausführungen einen ^inn unterlegen könnte, den sie mehr haben." Severing antwortet Kubß Der preußnchc Innenminister Sevrring bat auf eine kleine Anfrage des nationdJo;;jIihiidxn Abgeordneten k ii b e , die Angriffe Hegen Frau Ncgierungsrälin A o f c n b e z m rr<gen ihrer Tätigkeit im Ginbärgernngsd.zernat cnllnelt, folgende Antwort erteilt: „Frau Ncgieruugsräün Roscnbcrm bearbeitet beim Poli'.-echrästdium in Berlin seit dem 1. Avril l'.'ll«» einen geringen Teil des Embürgerungsdezcruats. Die 'Angabe, daß infolge:eüeu alle Gesuche sudetendcutscher und denNMöäerreiä'isckier Dollsgenoyen nm Eindürgernng cnuveder vcrtagh oder abgewiesen worden seien, kommt nicht in Frage. Tatsächlich sind in dem Tez-eruatsück der Negierungsrätin Rofenbcim 10 Te-U'wöf:•:r r e iri *r eingebürgert und 1 abgelebnt, 27 Deut'chböhmcir eingebürgert und 4 Lbgeledut, fr wie 2 Anträge von Detttfchböhmelt vertagt worden. Für die Ablehnung und Vertagung waren dr: gcsergichen Bestimmungen und die mim.stcrülleu Richtlinien entscheidend. A u ch die B e st a u v r u n. g , daß „zahlreiche o st j ü d i s ch c E i n d ü r g c r n n g s g e - s ii ch c bcförlpoi tc i und infolgedessen vollzöge n w o r d e nm seien, i st nicht zutreffend. Im übrigen kann die Einbürgerung von Ausländern in der Negc! erst erfolgen, nachdem auf Veranlassturo bes vreust:stüen Innenministers durch den Aeichswinistcr d.s Innern im Nmsragevorfabr».n gemäß b. Absatz 1 des Reichs- und S! a a t se: n g e b 5 r i g i ei:-a e i e tz e s vom 22. Juli io oll iAieichsgeletzölatr Teile ->ll» festgestelli worden in. daß »ärmliche übrigen deutschen Landesregierungen Bedenken geg.n die Einbürgerung nickt zu erbeben staben. Gr'gen die Boarbeiumg von Einbürgernngssachen durch Frau Negiernngsrätin Aofcnheim ist nichts cillZ'.iwenden.

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