Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 10 (1931)
- Issue
- 5 (30.1.1931)
- Date
- 1931-01-30
- Page
- Seite 46 (sequence 2)
- Language
- German
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46 Wenn wir bei dieser Betrachtung, die die Begriffe „demokratisch" und „konservativ^ unabhängig von Parteinarnen als nationalpolitische Kräfte und Forschnngsprinzipien der Gemeinschast saßt (man vergleiche etwa Hans Bogner, „Die verwirklichte Demokratie^. und M voller van den Bruck, „Tos Dritte Reichs beide jetzt Hanseatische Verlagsanstalt), uns zu dein Führerproblen» wenden, so müssen wir besonders die Stellung Hitlers beachten. Hitler ist kein untätiges Symbol. Er ift am besten mit einem konstitutionellen M o n a r chen zrr^vergleichen, seine Regierung wird durch die-Frick, Rosenbera. Ritter von Epp, Ley. Goebbels, Franzen "gebildet. Kraft und Erfolg der Bewegung hangt von den Erfolgen der Führer ab. Solange freilich durch die Abhängigkeit der Sozialdemokratie von der Regierung Brüning dem Nationalsozialismus neue Blassen zugeführt werden, wirken sich die Mißerfolge Tricks oder Franzens kaum aus. Zn anderer Zeit würde freilich der Nachweis, daß nationalsozialistische Minister von: nationalsozialistischen Standpunkt aus vergeblich arbeiten oder ihre Arbeit gar schädlich ist, die Bewegung mehr beeinträchtigen als der Nachweis theoretischer Inkonsequenz. Eine Negierungsbeteiligung im Reich, die der NSDAP, bedeutsame Ministerien (Finanzen und Aeußeres) gäbe, würde für die Hitler- Bewegung das gefährlichste Experiment sein. Es würde sich zeigen/ daß der Nationalsozialismus nur beamtenrnäßige Talente hat, deren Einsatz zn Mißerfolgen führt. Tann würde deutlich, daß die Hitler-Bewegung nur durch Verbrauch und Abnutzung der Kraft (zu langes Wartenlassen), Nutzlosigkeit des Einsatzes und Spaltung der Führerschaft bekämpft werden kann. Tie Absplitterung Otto Straf fers hatte nicht nur deshalb Bedeutung, weil man an ihr genau sah, wohin bje nationalsozialistische Wirtfchaf:srheorie bei einiger Konsequenz führen kann, sondern vor allem deshalb, weil eine relativ bekannte Persönlichkeit der Partei den Rücken wandte und sie als bürgerlich-faschistisch bekämpfte. Ihre Auswirkung ist auch heute noch in der hündischen Jugend zu spüren. Eine ähnliche Bedeutung hat der Fall von M ü ck e, und die Aufregung des „Angriffs" ist durchaus verständlich. Solange jedoch diese Führerkrise nidjt den innersten Kreis ergreift, solange nicht der Gegensatz zwischen Goebbels und Hitler oder zwischen der Fraktion und der Bewegung akut wird, hat der Nationalsozialismus wenig zu befürchten. Im besten Falle kann die intellektuelle Kritik seinen Vormarsch in der Akademikerschast unterbinden, aber auch dazu sind die Aussichten gering, weit das „Akademische" in der Akademikerschast fast ohne Einfluß ist. Jede Bewegung jedoch, die dem Nationalsozialismus mit dem Aktivismus der Tat und dem Willen zu einer neuen Gemeinschaft gegen- Übertritt, übernimmt zwei seiner Aufgaben. Die erste umfaßt die Eingliederung des Proletariats in die Nation und hat als Voraussetzung eine Synthese von Kapital und Arbeit. Die zweite bedeutet eine Verflechtung der emotionalen, triebhaften Kräfte, des Instinktiven in die geistigen Kräfte der Politik: eine Bejahung der irrationalen und emotionalen Momente. Eine jede Bewegung, die rein rationalistisch vorgeht und die bestehenden Zustande kritiklos verteidigt, wird nicht das Ohe der ansgestörten Voltsmassen finden und nicht die innere Berechtigung zum Kampfe haben. Tenn das Ziel des Kampfes innerhalb einer Nation kann nie die Destruktion sein, muß stets die Weiterführung und Lösung der Ausgaben als Ziel haben: ein innerlich und äußerlich freies Volk! Bei dieser Lösung wird auch die „Judeufrage" eine Rolle spielen. Tie Hüter-Bewegung begnügt sich mit der Lösung des Ausscheiden--. Eine nationatpolitische Betrachtung jedoch, die nicht s auf die menschliche, sondern auf die politische Seite das Hauptgewicht legt, wird in der Nationalisierung des Katholizismus eine Parallele sehen Sie wird sich des Abseitsstebens der Katholiken und der heißen Bemühungen des konservativeil ,.Hochland"-Kreises, den Karholi.zisnnls aus der ultramoutanen Entfremdung in das politische Leben der Nation, in dem es zur Zeit der Romautik gewirkt hatte, zurückzuführen, erinnern und wlssen. daß eine Lösung nicht durch 'Nivellieren der Gegensätze, sondern durch gegenseitige strenge Forderungen und klares Erkennen, entschlossenes, willeumäßiges Beiahen der Gemeinsamkeit möglich ist. Von dieser Lösung führt die Hitler-Bewegung durch ihre antisemitische Agitation ab. Das wird nicht zu ändern sein. Verfehlt wäre cs jedoch, in ihr das Herzstück zu sehen, verfehlt und für den eigenen Kampf höchst verderblich. Nachwort. A. H. Der Verfasser — ein Mensch der jungen Generation — versucht eine Deutung der politischen Gegenwart und eine Planung der deutschen Zukunft, ohne sich dabei auf einen parteipolitischen Standpnntr fcklznlegen. Besonderes Interesse erwecken /eine Ausführungen znm NattoualsoZalismus. Auch er gehört anscheinend zu den Menschen, die diese Bewegung erst in einem Stadium keunengelcrut Habens als ihr ihr Massenanhang schon den Allschein eines Wertes verliehen hatte. Da nun kommt er zu einer Ueberschätzuug ihres inneren Gebotes. Ti^Darteguugen des Versagers sind zugleich ein Beispiel, wie viele Vorurteile urld gewöhnheilsmüßige Festlegungen in den Begriffen Liberalismus. Individualismus. 'Vazisismus, National und Nation stecken. Sie werden hier irr einem Sinne gebraucht, der zwar dw Schlnßfotaer trugen.' des Verfassers ermöchicht, der aber keineswegs die allein mögliche Deutung dieser Begriffe ist. Wir wolle!? mm nicht, in den von vom Verfasser mit Recht gerügte:: Fehler begrifflicher Auseinandersetzungen verfallen, wo es auf die G e s a m t schau aukomnrt. Gerade aber, weil cs Hjui und zahllosen anderen Mewchen aus das Gesamte antourmr, müßte vernncden rvcrden, rvus ohne zwingenden Grund ausschtteßend und auswahlend wirkt. Wenn wir in. die Epoche des Willens und Wollens eintrci-n, so müßte Maßstab für die Zugehörigkeit zur Nation der fl c f o r m t e Wille, d. h. die T a t sein. So lösen sich im Sinne des Verfassers die Schwierigkeiten. -die er in der deutschen. Juden- und Käüholikensrage sieht, so eröffnen sich aber sofort neue Schwierigkeiten, weil ja gerade das Kriterium „National' in seinem Inhalt umstritten ist. Gerade hierin, liegt auch ein? Teil der Gründe, ans denen, was lvir durchaus verstehen-, der Autor mit seinem Nomen noch nicht hervortreten will. Denn er selbst weiß zur Genüge, daß es im Deutschland von. heute leider nicht möglich ist. etwas Gutes zu wollen, ohne des Nebelsten verdächtigt zu werden. §s!MM§err uns Jolgrs s«r V Ai v? Das wirtjchastsöenken beöarf ösr Umstellung Wer von der wachsenden Arbeitslosenzaht wenige denken dabei an den ungeheuerlichen Verlust. den das Nationalvermögen dadurch erleidet, daß Millionen, für die doch in irgendeiner Form gesorgt werden muß, ohne Eigenerwerb sirrd. daß eine Unsumme ungenutzter Arbeitskraft vergeudet wird, die als werbendes Vermögen dem Volke verloren geht. glicht arbeiten können, bedeutet aber auch innere Not. Es ist ein hartes Schicksal, arbeiten zu »vollen und zu können, und nicht arbeite!» zu dürfen. Ter Arbeitswillige wird damit aus dem Erwerbsleben ausgeschaltet und zuni Objekt der Wohlfahrtspflege. Kraftstrotzend zum Feiern verdammt, krank unter dem Zwange der Arbeitslosigkeit, in ohnmächtiger Wut über sein Geschick ist der Arbeitslose seelischem Verfall preisgegeben. Ist der Arbeitslose Familienvater. so bedeutet die Arbeitslosigteit zugleich den Verfall seiner Familie. Fehlt es am Nötigsten, so ist das Familienleben zerrüttet. So wirkt Arbeitslosigkeit verheerend und zerstörend. Unter der Tragik der Arbeitslosigkeit leiden alle Voltskreise. Tie Juden trifft fie doppelt u n d dreifach. Jüdische Angestellte werden bei Arbeitsstockungen nur zu oft zuerst entlassen. Ganze Berufsarten benutzen die drückende Lage und kündigen ihre jüdischen Angestellten. Tcr Notstand steigert sich von Tag zn Tag und fordert endliche Abwehr. Tie erste Mahnung solcher Abwehr lautet heute: Erhaltet euch, soweit es m ö glich, cu r c A ngestellt e u! Ti?se Erhaltung erfordert allerdings große Opfer. W e r aber heute einen Angestellten i u seine m Betriebe hält oder gar einen Arbeitslosen n e n e i n st e l l t und vor de m Versinke n in das fccl r s ch e Elend bewahrt, rettet ihn und seine Familie v o r. d e m Z u s a m - m e n b r n ch. Aber beinahe wichtiger als diese Abwehr ist der positive Kampf gegen die Arbeitslosigkeit. Dieser Kamps muß bei der E u t s ch e i d u n g; u ui Berufe b e - g i n n e n. Hier gilt es eine tiefgehende Wandlung vorzubercilen. Die Juden sind zu konservativ, zu wenig beweglich in d<r Bcrussihrer Rentabilität imd ihrer wirtso Wendigkeit. Das Wirr s.ch as t s de n k e n b e d a r s einer H m stcll u n g. Wir müssen die Wirtschaft ans ihre Lücken prüfen, und nicht nach einen» salsckM Standesdünkel Berufe wählen. Wir müssen uns dorthin stellen, wo man eines Arbeiters benötigt. Was heißt denn das eigentlich: ein ft a n - de sg emaße r B er u s?. Standesgemäß ist jeder Beruf, der einer» Menschen ehrlich ernährt, der ihn bürgerlich unabhängig macht und der zugleich eine Arbeitslücke au-süllt. Ein akademischer Bürger, der von der Arbeit seines Vaters lebt, ohne sich um Eigenerwerb zu bemühen, ist ein Tagedieb, chu-ohi er standesgemäß austritt. Es »st ein schwerer Schaden, daß in der allgemeinen Bewertung unter den Juden noch immer wörtliche Ausbildung hinter der akademischen und sogenannten taufrnännischen kommt. Die übliche kaufmännische Allerioeltsvorbereitung ist veraltet. Die Wirt s cf; a f t b t a ncht g e st e i g e r t e s F a ch »v i s s e n . erhöhte technische Fertigkeit, berufliche -Spezialisierung. Tie hcrtvmmliche kaufmännische Ausbildung ist ütrrhaupt nicht mehr als eine ans wertvolle wirtschaftliche Betätigung ertüchtigende Vorbereitung zu betrachten. Sie mag den jungen Menschen befähigen, innerhalb' des Hauses, in den» er gelernt hat, eine bescheidene Arbeit zn leisten. Für jede andere Firma ist er zumeist völlig unbrauchbar. Das »nag die beide:» ausfallenden Tatsachen erklären, die jeder bestätigen wird, der einen Arbeitslosen in eine Stellung bringen »mü: daß erstens die meinet» Bewerber um Stellen eine geradezu unglaubliche Nichteignung für irgendeine kausmännische Arbeit zeigen, und daß zweitens trotz der großen Arbeitslosenzijser die Zahl der für eine freie stelle geeigneten Bewerber überraschend gering ist. ja, daß sich rviederholt kein geeigneter Bewerber sogar für eine:» guten Posten finden läßt. Soll die Arbeitslosenza!.l nicht durch eine falsch vorbereitete Jugend weiter gesteigert werden, dann ist zweierlei geboten: . l. Man höre endlich mit der bisherigen allgemeinen kaufmännischen Lehrlingsausbildung aus! Sie vermittelt znmeiü nur eine Reihe technischer Fertigkeiten, die ßch der Lehrling in