Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 10 (1931)
- Issue
- 5 (30.1.1931)
- Date
- 1931-01-30
- Page
- Seite 45 (sequence 1)
- Language
- German
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öertin, 30. Januar 1^3J X. Jahrgang * Nr. 5 Linselnummrr 2Spsr^^s Ay\ M83ÄÄ& Nach den UM):<n hat die Beschäftigung mit der (strler-Bewegung in breitem stäche eingesetzt." Leitartikel, Broschüren, Ansprachen dienen der Bekämpfung — und neuer Beunruhigung .dcS deutschen Volles. Tie Auseinandersetzung. die so lange Zeit den einzelnen Menschen und wenigen Gruppen überladen blieb, setzt plötzlich hastig? vorschnell und in der Unklarheit der Ucbereitung ein. Ter Nationalsozialismus. der nie von einem Gegner von Rang zunl Kampf gezwungen wurde und dadurch t'ein Wollen steigern, seine Art schärfer eusprägen konnte, hat jetzt Gegner in Hülle und Tülle, so viel Gegner, das; er sich ihrer wegen ihrer Mannigfaltigkeit und Anmaßung und aus eigenem Hochmut entzieht. Es wird u. G. Zeit,' in dem Äntikampfe eine Weile Besinnung Zu halten. Ist es möglich, den Nationalsozialismus von irgendeinem zufälligen Standpunkt aus, etwa von der Position der Vernunft, des Sozialismus, der Telnokratie. des deutschen Iudenttnns, des Pazifismus, des Christentums odev der allgemeinen Menschenliebe zu bekämpfen? . Hat cs Sinn. Tag unt Tag Leitartikel ins Land Zu senden, die in keinerlei Zusammenhang stehen zu dem Wesen des bekämpften Gegenstandes und einer Art Strategie der Bekämpfung? Ist cs vorteilhaft. sich eine Illusion \\i machen, die hugenbergnchen ^chlagworte des ..Antimarrismus" zu importieren und ihnen einen ..Antinationalfozialismus" an die Sorte \u stellen, der in dem gleichen Maste Spiegelfechterei ist? Wir glauben cs nicht. War hatten trotz etter Unruhe daran fest, da st eine Bekämpfung des Gegners nur möglich ist. ii.cnu man ihn gut -kennt, ihn auf seinem Boden besucht hat, um seine letzten Antriebe und gebeimcn Schwachen weist, vielleicht sogar seiest Nationalsozialist gewesen ist — zumindesteu aber die Karupfesliebe Zürn Feinde für ihn hegt. Bei der Bekümpstmg der .Httler-Bvwegimg stehen noch immer Ideen im Vordergrund. Sorgfältig pflegen Wirtschaststheorettter die Mderfprüche des Programms oder seine mangelnde Originalität ne.chzuwcifen.' mnrständtrch werden Ideen anallrstert. aus Ideologieverdacht untersucht und Disknssionen eingeleinst, die aus akademischem Boden gewiß Interesse haben, in dem politischen Kampf um die 'Mach! aber bedeutungslos sind, weil sie an deur Wesen der Hitler-Benoegm-g Vorbeigehen, chnre betrachtliehe Leistung bat in dieser Hinsicht T h o m a s Bl n n u vollbracht -- iuir fürchten, da st diese Art Poleniik und ihr Kontrast 311 den ..Betrachtungen oines Unpolitischen" bem Tichter mehr schaden werden.als einige Sensationsprozesse. Man muß sich in D e n t s ch l a n d an die Bor-' Stellung gewöhne n. d a st es ei n c Bewegung gibt, für d i e die I d e Mi z 11 M ythen h e r a b sink e n . di e einzig und allein auf d e m W i l l e n basiert. Diese Vorstellung ist für die theoretischen Deutschen gewiß trngervöhnlich und unbequem. Es darf aber nicht vergessen werden, dast gerade in diesem Punkte die Nevereinstimmuug des Nationalsozialismus mit dem Faschismus besonders groß ist, weil beide Bewegungen aus Ideen verzichten und fanatisch den Willen zur Tat, zu einer neuen Gemeinschaft des Akkivismus pflegen. Bei Sorel und P a r c 10, ja, sogar bei B e r g s 0 n prnd bie Wurzeln dieses Intuitionalisinns zu beobaäiteu. in den Reden Mussolinis findet diese in tiefstem Sinne geschichlslo?e Haltung gegenüber der Geschichte und der Politik, der die Historie das Einzeichncn von Taren in eine tabula rasa ist, ihren prägnantesten Ausdruck: „Zur Erlösung Italiens sind keine Programme nötig, sondern Männer und Willenskraft? In die Reihe dieser Bewegungen, die in jedenr Augenblick an eine entscheidende Umwälzung durch die Tat glauben, die Geschichte nicht ..wachsen lassen", sondern ..machen wollen", gehört der Nationalsozialismus. Zeinen deutschen Grundantrieben gemäß finden sich bei ihm zahlreiche theoretische Einsprenlelnngen und vor allem eine rasiemnaßig bestimmte Geschichtsaufsapung. die in ihrer Konstguenz zu einem biologischen Determinismus rühren müsste. Wir glauben jedoch, daß die Io'chistisicruna der Hitlcr-Berveguug. die cm wirtschastlichern Gebiet sehr deutlich ist und bereits ihre Wirkungen auf die alldeutsche Gruppe um Hugenberg ausgeübt hat, auch die'e Rasiegcdankcn Zurückschieben wird. so daß die Parallelität völlig Zutreffend wäre. Aus dem Befund, daß die Hitler-Bewegung eine völlig emotionale, nur in der Sperre des Willensmästigen Zu verstehende Erscheinung ist. wlgt zugleich, das; sie mit Gegenideen nicht bekämpwar ist, da ihre eigenen Ideen nur stiissrmltrl zur Orientierung, scharrenllrste Bor. gange im Vordergrund des Beuonstt'eius sind. Genuß lvi^d es möglich sein, einige Septnnber- Narionalfoziaiisten durch die Turchleuck tung dos Wirtswastsprogramms abspenstig zu machen. vor allem, wenn sie den besitzenden Kstasieu angehören. Jin ganzen aber must die ..Geistigkeit" versagen, genau so llügliuversiegen wie vor dem Phänomen unprcblennatistver. von Ideen nicht berührter Sicherheit des Bauerntums. Ter Wille Zu einer neuen Gemeinsamst aller Deutschen und einem starken. Staate — das ist es. was sie getrieben hat. Der Weg dazu wird von dein Führer geschaut. Um diese beiden Wortinhalte, „Führer und Gdmeinsch.nst. nnuß alle Kritik, auch die' böswilligste, kreisen, '.neun sie eriolgreich sein luitl. Die Konsequenz aus dieser Feststellung ist. daß der Rationalsozialrsmus nickst "von einer irgendwie liberalen, d. h. individualistischen. Einftellnng verstanden und bekämpft werden kann. Sicherlich wird es möglich sein.-viele Von den Menschen, die als Treibholz nntschwimmen. durch den Hinweis aus persönliche Vorteile und Nachteile, aus Besitz und Bildung, zu den allen Altären zurückzugewinnen. Die Masse und vor allem der Kern des Raiionalfozwlrsmvs vi diesen Ansprüchen gegenüber rrnempsimglich. Er ist nur zu überwinden und in einer positiveren Front nutzbar zu nrachen durch die Arb-.it einer g e m e i u schaftsge b u n d e u eu Bewegung, die um der Nation willen sich Wr den neuen Staat und die Befreiung des Volkes cmsetzr. Aus politischem Gebiet "ist das nur mbgü-ch von der d e m 0 t r c t r f ch e n oder der l 0 n servativ c n Position aus. Dabei raust eine nüchterne Analyse unseres Barteiwestns zeigen, daß wirtlich demokrati'che Elemente in Deattzchland sehr schwach sind. Der böswilligen Verwechslung der Begriffe ..komervat-W und ..reaküoiiär" sieht eine leichtfertige und verhängnisvolle Vermischung und Verkenruvng der Worte „liberal" und ..denwkrallrsckst gegeWder Es unterliegt keinem Zweifel, daß eine Demorratic. die völlig liberalisiert ist. an das Wob: des einzelnen denkt, in dem Wohlfahrtsstaat dro Rentengesinnung züchtet und in der Gleichbercchuguug aller Bürger das höchste volttisch? Glück und ihre Erfüllung sieht, für den Kamp' um eine neue Gemeinschaft ausscheiden muß. Wenn nicht alle Zeichen trügen, sind in der taut s Partei unter Dietrichs Führung g e rn e i n s ch a f t s w i l l i g e d.mekrarische Tendenzen lebendig. die freilich täglich durch den großstädtischen Inoividualismus und Pazifismus bcdrolr: und. Tiefen Tendenzcu gleichartig und in aewisieui Linne auch weltanschaulich verwandt ist'ein s' 0 uservati s m u s. der sein Augen:nerk nickst auf die Erhaltung des Adels oder des republikanischen Staates swie H e t l p a ch es nwabte) richtet. sondern auf die Ration. Er erscheint 'sogar vermöge seiner Verwandtschaft dann als bc sonders zürn Gegner und Ersüller des 'ölatrenal roziakismus geeignet, wenn er revolutionär ist und seine revolutionäre Haltung nickst in KluGs und Büchern verbirgt. AU5 DEM INHALT: Stadtrabbiner Dr. R i e g e r (Stuttgart): Das Wirtschaftsdenken bedarf der Umstellung .Seite 46 Dr. Margot Melchior: Die Zahl der Studierenden nimmt ab . . Seite 47 Artur Schweriner: In schlechten Zeiten erst recht C.V. . . . Seite 50 Dr. Felix Goldmann (Leipzig): Die Moral des Talmuds . . . Seite 5!