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Central-Verein-Zeitung · 1931-01-23 · 4 (23.1.1931) · p. Seite 41

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
10 (1931)
Issue
4 (23.1.1931)
Date
1931-01-23
Page
Seite 41 (sequence 9)
Language
German
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41 Echte und unechte Geschichtsforschung Aum 50. Geburtstage von Emil Luöwlg „Tie Logik der beschichte ist noch genauer als die preußische Oberrechenkammer", dieser Satz Bismarcks gilt auch sür den Ablauf geistiger Moden und gilt vor allem haarscharf für den Zeitgeist, der heute, im Jahr 1931, gegen die Bücher von Emil Ludwig gerichtet ist. Es ist populär und bringt viel Beifall von allen Seiten, diese Bücher heute herunterznreißen. Gewiß ist es der fragwürdige Geist von 1919, der aus Emil Ludwig spricht; es ist ebenso gewiß, daß die Historiker von Fach recht staben, die dem gewandten Popularisakor die Fadenscheungkeit und den Kniss seiner Gcschichtsklitterung nachgewiesen staben. Aber Haltung und Gesinnung der meisten Gegner sind weder nobel, noch vermögen sie bessere Sachkunde oder überlegenere Gestaltungsgabe als der von ihnen aus trüben Tagesaffekten heraus Bchchdete aufznweisen. Tas unbestreitbare Verdienst Emil Ludwigs bleibt, daß er auf plastische und jedermann zugängliche Art öfstnLlick>e Charaktere — Napoleon, Bisnurrck, Lincoln, Wilhelm II.. Goethe, Michelangelo — durchüchtig gemacht hat. Unendlich viel Anregung und Selbstbesinnung ist von diesen weit verbreiteten, fesselnwie spannende Romane geschriebenen Lebensbildern ausgegangen. Millionen von Menschen, die in den berussmäßiern und geborenen Schicksalslenkern, in Staatsmännern, Fürsten das Gesäß überirdischer Weisheit angebetet haben, sind die Augen geöffnet worden: sie sind nach namenloser Enttäuschung über das Persagen der Führer belehrt worden, sich selbst um die öffentlichen Tinge zu kümmern, offiziellen Eeschichrslegenden zu mißtrauen — um neuen Vorurteilen und "Mythologien zu verfallen. Tie breite Wirkung der Ludwigschen Biographien ist vor allem der großen Geschicklichkeit zuzuschreiben, mit der stier ein ziemlich wahllos zmammmgetragenes Material von Urkunden und von Vcrmistlnngsliteratur zu Bildern einfacher und lebensnaher Menschlichkeit verarbeitet wird. Aus dem historischen Wachsfigurenkabinett treten einfache Memck^n heraus, mit unseren Schwächen und Süchten. Tas Geheimnis der Wirkung von Emil Ludwig hat vielleicht am besten jüngst der ausgezeichnete holländische Historiker Huizinga so ansgedrückt: „Tie großen Gefühlsergüpe. die Tränenfluten, die überschwenglichen Rührungen sind stets Teickst rieche der Volksseele gewesen, in dw dann die höheren Klassen mit hincingerwen wurden." Tie „Vermenschlichung" ist nämlich bei Ludwig in Wahrheit eine Art „Verfilmung"; eine Auswalzung dos ungesiebten Rohstoffes zu dramatischen oder idyllischen (Situationen, zu rührenden und bezaubernden Seelengemälden. Ter geistige Antrieb ist rein literarisch und aus den entzaubernden Heroensturz und die effektvolle originelle Spannung abgestellt, ohne die Zuverlässigkeit und den Ernst eigener, geschulter historischer Forschungsarbeit. Es ist nicht wahr, das; unsere kllodernen Historiker von Fach nicht künstlerisch und fesselnd schreiben können. Wer das sagt, hat nie Marcks, Oncken, Meinecke gelesen. Tie Lektüre von Emil Ludwig war eine typische geistige Mode, die heute schon vorüber ist. Es ist noch fraglich, ob diese rasch außer Mode gekommene histori'che Belletristik nun zu tieferen Gesellschasrsschichren dringen wird, trotz der billigen Volksausgaben. Ludwig wäre ein glänzender Verfasser sür Filmmanmkripte. Tenn seine pseudohistorischen Bücher weisen mit zwingender Teutlichfeit auf diese bei ordere Begabung hin. Niemand besitzt so viel Sinn für die Möglichkeit, das Ungewöhnliche, Grelle, Antikonvcntionelle aus einer Situation herauszuholen, dabei immer die Tagesaffekte im Hintergrund zu sehen und auf alles, was nicht massiv-anschaulich vor jedermann aufgebaut werden kann, emschlopen zu verzichten. Tie Haltung der deutschen Rechtspresse zu Emil Ludwig gehört zu den unerfreulichsten Erscheinungen des modernen geistigen Teutschland. Wie ehemals Maximilian Harden und Alfred Kerr verdächtigt man ihn ohne jeden zureichenden Grund der antideutschen Gesinnung. Auch wenn sür Ludwigs Buch „Juli 1914" tu verstärktem Maß all das einznwenden ist, was eben gegen seine gesamte .Historische" Methode gesagt werden mußte, nirgends eine vstun: davon, die äußeren Hergänge um eineu Schatten anders wiederzugeben, als sie sich in der Wirklichkeit abgespielt haben. Freilich auch hier die virtuose Technik des Filmstreifens, die Cab-?, das Nacheinander des äußeren geschichtlichen Ablaufs darzustellen, ohne die seinfädigen Zusammenhänge aus einen großen wahrhaft historischen Hintergrund zu beachten. Aber wem gibt dicker Mangel das Recht, dem Namen Emil Ludwig in niedriger, neidischer Gesinnung „alias Emil Cohn" beizusetzen! Es ist der jüngst konstatierte Mangel guten Willens, die mangelnde Bereitschaft, gewißenhast und ohne Voreingenommenheit die Leistung sür sich zu prüfen, die Tagesneigung, jedem der jüdischen Abstammung verdächtigen Tichter und Schriftsteller die Bodenständigkeit und seinem Schassen die Gültigkeit abzusprechen. Wäre Emil Ludwig nicht Jude, so würde man ihn als großen deutschen Schriftsteller feiern, der dem deutschen Namen im Ausland Ehre gemacht hat. Man mag zu seinen historischen Büchern stehen, wie man will, all die künstlerisch und ästhetisch guten Seiten von Emil Ludwig kommen in seinen viel weniger bekannten Lichtungen und Reisebildern zum Vorstchein. Tie virtuose Art, eine Landschaft und eine Stimmung wieder wirklich zu machen, die Feinsinnigkett und Unmittelbarkeit^ der Empfindungen nehmen besonders in den Schilderungen „Am Mittelmeer" gefangen. Auch die Msttelmeersahrt aus einer Hellen Lnstjacht in dem Roman „Tiana" vergißt man nicht so leicht wie die Handlung und die Personen, die hier anstreten. Wenn Emil Ludwig stine historische Belletristik einmal beendet har, darf man von ihm als Tichter noch schönes und Ursprüngliches erwarten. Dr. Ludwig Feuchtvranger (München). Theodor Uö'löecke gestorben 8. W. Im hohen Atter von 94 Jahren starb vor wenigen Tagen der Nestor der Orientalisten, Professor Tr. Theodor N ö_I b e cf c. Fast alle Zweige der ausgedehnten Wimnschait vom Orient verdanken seinen grundlegenden Arbeiten reiche Förderung. Nöldecke, 1836 in Harburg geboren, lehrte zuerst in Göttingen und Kiel und war dann von 1872 bis 1996 ordentlicher Professor sür semitische Philologie an der Universität Straßburg. Nach dem Kriege lebte er in stiller Zurückgezogenheit in Karlsruhe. Tie engeren Fachgebiete Nöldeckes waren arabische und syrische Philologie sowie Jslamknnde; aber auch den Problemen des Alten Testaments und der biblisch-talmudischen Wissenschaft widmete er wertvolle Untersuchungen. Aus der langen Reihe seiner größeren Werke seien nur einige angeführt: „Geschichte des Korans" 0860), „Tas Leben Mohammeds" (1863), „Untersuchungen zur Kritik des Alten Testaments" (1869), „Tie semitisck)on Sprachen" (1887) und „Beiträge zur Geschichte des Alexander-Romans" (1890). Neben diesen Büchern hat Nöldecke mehr als sechshundert Arbeiten in wissewchafrlichen Zeitschriften veröffentlicht, die von der erstaunlichen Produktivität des Gelehrten Zeugnis oblegen. — Nöldecke war ständiger Mitarbeiter von Theodor Barths berühmter Zeitschrift „Tie Nation". Nöldecke war stets bereit, seine wissenschaftliche Autorität in die Waagschale zu werfen, wenn es galt, für Wahrheit und Gerechtigkeit einzutreten. Seine meisterhaste Beherrschung des Hebräischen und der jüdischen Wissenschaft setzte ihn instand, den Angriffen gegen die Lehre des Judentums entgegenzutreten. (Vgl. Bloch. „Israel und die Völker.") — Während der Ritua lmor dp r oze ss e der letzten fünftig Jahre^ wurde Nöldecke nicht müde, der Welt ins Gewipen zu reden: er zeigte, daß die Vlntanklaae eine Lüge ist, die ins finsterste Mittelalter gehört. Schon 18-82, bei Gelegenheit des Prozeßes von Tisza-Eizlar, erhob er seine Stimme gegen die surchtbare Anklage. Aus dem damals^erschienenen Sammetband „Christliche Zeugnine gegen die Blutbeschuldigung der Juden" seien die beherzigenswerten Worte des großen Orientalisten angeführt: „Es ist traurig, daß immer noch Vercmbassung ist, die von der Bosheit und Unwipenheir gegen die Juden erhobene Anklage, daß dieselben zu irgendeiner religiösen Feierlichkeit Menschen- resp. Ehristenblut gebrauchen. ernsthaft zurückzuweisen. Die Anklage ist aber ganz grundlos; ja, solche Greuel sind allen Grundsätzen des Juden« SEIT DIL QUALITÄTSMARKE Die richtige Mischung richtig auf gießen ist das Geheimnis eines guten Tees. Wir verraten es! Wählen Sie: Messmer 's grüne Packung, 50 Gramm . « . . HOPfg. oder die blaue Packung, 50Gramm * . nur 95Pfg. Reichen Sie ihn in dem original-japanischen Tee-Service von Messmer, das Sie durch Sammlung von Umhüllungen der Messmer Tee Originalpackungen als Werbegabe erhalten. 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