Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 10 (1931)
- Issue
- 4 (23.1.1931)
- Date
- 1931-01-23
- Page
- Seite 39 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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34 Vorträge, Störusigsversuche nationalsoziaiistisdier Studenten bei einem Vortrage Dr. Holländers Am Mittwoch, den 14. Januar, sprach der Direktor des Centralvereins, Tr. Ludwig Holländer, in der Zeitungswifsenschnstlichen Bereinigung an der Universität München über das Thema „Tie jüdische Presse Ten l sch lande? ft Er Widerlegte das Schlagwort von der sogenannten jüdischen Presse und gab ausschlußreiche Darlegungen über die wirkliche jüdische, d. h. die von Juden sür Juden und für Nichtjuden unter besonderer Betonung ihres weltanschaulichen jüdischen Charakters geschriebene Presse, und kennzeichnete Standort, Umfang, Einfluß und politische Richtung dieser „echten" jüdischen Zeitungen. Insbesondere legte er die vom Standpunkte gesellschastswiilenschaftlichen Erkenntnisses wichtige Unterscheidung über das Wesen der verschiedenen jüdischen Nichtungen eingehend dar, um von diesen Gesichtspunkten aus die innere Bedeutung nicht nur der jüdischen Zeitungen, sondern auch der Zeitschristeu den Hörern nahe zu bringen. Ter Vortrag war von über 200 Personen besucht, von denen die Mehrzahl Angehörige der Hochschule waren. Leider befand sich unter diesen auch eine Anzahl von jungen Leuten, die den Ausführungen des Redners nicht mit dem Willen folgten, sich über eine ihnen unbekannte Materie belehren zu lasten, sondern die nur in der Absicht gekommen waren, durch andauernde Zwischenrufe Störungen zu verursachen. Tie Versuche scheiterten allerdings an der Sicherheit, mit der Dr. Holländer den Zwischenrufern, die hauptsächlich bei den Ausführungen des Redners über die Verbundenheit des jüdischen Lebens in Deutschland mit den allgemeinen Erscheinungen der deutschen Entwicklung randalierten, zu begegnen verstand. Es muß auss tiefste bedauert werden, daß akademisch gebildete Menschen nicht den Takt und Anstand besitzen, einen rein wissenschaftlichen Vortrag aus akademischem Boden in Ruhe anzuhören. Die Empörung des Publikums hierüber äußerte sich vor V ersaminliiiigee, allem in lebhaften Beisallsbezeuanngen für den Redner. Ein bekannter bayerischer Lstizier, Generalmajor a. D. S t a u b w a s s e r, gab am Schluß seinen: Unmut über das unsachliche Gebaren einiger Teilnehmer durch demonstratives Verlassen des Hürsaats Ausdruck. Ter Vorsitzende der Zeinnigswistenschaftlichen Vereinigung München, Heinz Gründe cf, mißbilligte in seinen Schlußworten ausdrücklich das unwürdige Verhalten einzelner .Kommilitonen. Trotzt aller Störungsversuche war die Versammlung durchaus gelungen. Ihr Zustandekommen ist bei der besonderen Lage an der Münchener Universität als ein großer Erfolg zu bezeichnen; eine Tatsache, die auch^ in den Besprechungen in der führenden Presse Münchens, vor allem den „Münchener Neuesten Nachrichten", dem „Bayerischen Kurier" und der „Münchener Post", zum Ausdruck kam. In dem „Völkischen Beobachter" allerdings, der über die bisherigen Vorträge der Zeitungswistenschafilichen Vereinigung ausführlich berichtet hatte, findet sich kein Bericht über den Bortrag von Tr. Holländer. Daraus dürfen wir wohl schließen, daß der „Völkische Beobachter" an dem Referat selbst nichts auszusetzen gefunden hatte, sehr viel aber an dem sür die nationalsozialistische Bewegung außerordentlich kompromittierenden Verhalten seiner unreifen Anhänger. Mitgliederversammlung in München Am Donnerstag, den 15. Januar, fand - in den Räumen des Hotels „Bayerischer Hos" eine Mitgliederversammlung der Ortsgruppe München des Centralvereins statt, die eine außergewöhnliche Beteiligung auswies. lieber 500 Personen, unter ihnen sehr viel Jugendliche, waren erschienen. Nach kurzen Eröfsnungsworten des zweiten Vorsitzenden der Ortsgruppe München, Kommerzienrats Sigmund Weil, der u. a. audj auf den am 2lbend vorher stattgefundenen Vortrag in der Zeitungswipenschasrlichen Vereinigung hinwies, hielt der neue Syndikus des Landesverbandes Bayern, Dr. Werner C a h n nt a n n, eine kurze Einsührungsred-e, in der er vor allem der heimatlichen Verbundenheit der deutschen Juden mit den allgemeinen deutschen Geschicken Ausdruck gab. Der Hauptreferent des Abends. Direktor Dr. Ludwig Holländer, entwickelte in mehr als einstündigem Vortrag die Gedanken, die sich an das Thema „Die innere Wahrheit in der Arbeit des C. V." anknüpsen. Er schilderte die tiefgreifenden Umwälzungen, die sich allgemein im geistigen, sozialen und ökonomischen Leben der Gegenwart ankündigen und die eine Umstellung in der Begriffsbildung und Anschauungswelt auch des deutschen Judentums notwendig machen. Holländer wies daraus hin. wie die Arbeit des Centralvereins in allen entscheidenden Punkten' die Forderungen der Zeit begrisfen habe, und zeigte im einzelnen, daß das Anwachsen des Nationalsozialismus trotz aller Bemühungen und aller Arbeit des Centralvereins durch völliges Versagen entscheidender Stellen zu erklären ist. Er gab^eine soziologische Deutung der Gesaintereignipe vom Tage der Revolution bis zu unserer Zeit im Zu- Tagungen samrneuhange mit dem jüdischen Problem unserer Tage. Die 'Ausführungen der beiden Redner fanden den lebhaften Beifall der Versammlung. 'Am Freitag, den 16. Januar, fand auf- Einladung der Ortsgruppe München in den Räumen der Gesellschaft Ccneordia eine Besprechung statt, in der Direktor Dr. Ludwig Holländer über seine Wiener lKcr:c berichtete. „Judenhetze 1930” DerzweitekontradiktorischeAbend des Landesverbandes Groß-Berlin Es war ein glücklicher Gedanke, die Dolegiertenversamnilung des Landesverbandes Groß-Berlin am 15. Januar mit einem kontradiktorischen Abend „Judenhetze 19 3 0" einzuleiten. Ter Rote Saal des Logenhaufes war stark' überfüllt, als der Syndikus des Landesverbandes Groß-Berlin die Aussprache mit znoey besonderen Kennern der nationalsozialistischen Bewegung begann. Ter gegenwärtige Stand der jndenseindlichen Agitation, ihre Methodik, ihre Wirkung und die Möglichkeit der Abwehr wurden in kontradiktorischer Form bebandeft., Die typischen Einwände derjenigen Skeptiker, die auch heute noch die judenfeindliche Propaganda nicht ernst nehmen oder ihre Wirkung unterschätzen, wurden von den drei Neuerenten kritisiert; eine außerordentliche Fülle von Material, das aus persönlicher Kenntnis der Agitation im Reich und in Berlin vorgetragen wurde, mußte selbst den zähesten Anhänger der Methode JLaissez faire, laissez aller4* überzeugen, daß Zusammenfassung aller Kräfte in unserer Abwehrsront bitter not tut. Tie neuartige Form der Aussprache, die ohne Zweifel das Versammlungsintertne belebt, sei allen Ortsgruppen sür ihre Veranstaltungen empfohlen. Der Landesverband Brandenburg des C.V. hielt am. 1s. Januar feine Bcrbandstegung in 3?ei> lirc ab. Es waren 21 Ortsgruppen vertreten, denen sich noch einige Gäste und die Beauftragten der Zentrale anschloRm. Auf der Tagung wurden Referate gehalten: „Vertrauliche Mitteilungen aus der Zentrale", stellvertretender Syndikus Tr. 2!lfred Hirsch b erg, „Politische und jüdische Rmft Rabbiner Tr. Salomonski, .Lnnerjüdische Fragen'. Tr. Eva AI eichmann- Jungmann, „Praktische Arbeit auf dem Lande", car.d. iur. Alfred Levi. Tie Veranstaltung verlief reckt erfolgreich und gab allen unseren Freunden aus dem Lande Gelegenheit, ihre besonderen ZLüwche und Sorgen vorzubringcn. Nach einer ununterbrochenen Tauer von fast sechs Stunden wurde die Versammlung von dem Vorsitzenden, Rabbiner Tr. S a! o nt o n f f i, mit dem Himrvis geschlossen, daß den Wünschen der Erschienenen gemäß reckt zahlreiche sogenannte Gautagungen im Lande sich bald anrcihen sollen, um einen dauernden Einblick in die besonders schwierige Lage der Provinz nehmen und alle Maßregeln zur Abstellung der morgen und Gefahren anftreben zu können. Landesverband Oberschlesien 1 Dr. Ludwig Holländer (Berlin) Direktor des Centialvereins spricht Mittwoch, den 28. Januar, 20 kJbr, in Beuthen Im Kaiserhof, Donnerstag, den 29. Januar, 201,\ Uhr, In Gieiwitz in der Loge am Adler 1 über „Die innere Wahrheit in der Arbeit des Centralvereins". Mitglieder und Freunde, auch aus den umliegenden Gruppen, werden zu den Vor tragen ergebenst eingeladen. um xr JZIOZX'TIj^ l T" r( o} /k j oi s pQ. j, ~! n u n \i © p >1 n © ti .. i , i w r. 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