Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 10 (1931)
- Issue
- 4 (23.1.1931)
- Date
- 1931-01-23
- Page
- Seite 37 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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37 N 1/ ~ J JÖ?/j C? 7^"io/o-^,7?^rjv.n,*?m,-r%s/c^Ni, - ‘iusr^H //44/W#/ '<):!■' UhifiA J v-JC'ZJU UÜ U> U // L? J J L‘Ji e ec <? » „mmm ycJcjtJcj *i «»ß »F.?E L'Jüütiil dJdjüuu&U irmdemng von Stüdisnrat Sr. limmlein .... Replik von Btersludmdirektor Br. 7t. JMler aus dem Beserkreis Stimmen VA § -*-J tu*v L*v w£/ dem Artikel „Klassikerseindschaf: der jüdischen Schüler?" hat Herr Lberstudiend:rek:or Dr. &. Müller zwei Absätze eines von mir im „Deutschen Philologenblatt" (Nr. 47) verösscntlichten Aussatzes einer Kritik unterzogen, zu der ich folgendes zu bemerken habe: 1. Es ist eine Irreführung der Leser, wenn Herr Müller unmittelbar auf die beiden von ihm wörtlich wiedergegebenen Absätze Lw Schlußworte meines Aussatzes folgen laßt. Dadurch entsteht der falsche Schein, als ob sich diese Worte („Unsiunst der Menge" usw.) nur auf die Klassen „mit starkem jüdischen Einschlag" bezögen, während sie sich in Wahrheit aur alle Klassen beziehen, die von der überzeitlichen deutsch:n Dichtung, insbesondere von den Klassikern/ nichts mehr wisicn wollen. Ein gewisienhajtcr Berichterstatter hätte.seinen Lesern den übrigen Inhalt meines Aussatzes nicht ganz.ich vorcnthalten. 2. Ebenso irreführend, ja, eine Fälschung ist es, wenn Herr Müller in meiner „Erklärung" im „Deutschen Philolcgenblatt" (Nr. 51), daß ich ans die Frage nicht weiter eingehen wolle, „ob und weshalb sich Schulklassen mit starkem jüdischen Einschlag besonders (!) ablehnend gegen die ältere deutsche Literatur verhalten", das Wort „besonders" wegläßt. Und was soll man dazu sagen, daß er mir dann eine „Verschärfung" meiner Behauptung zum Vorwurf macht, die nur durch seine Weglassung des „besonders" zustande kommt I 3. Der Herrn Müller besonders empörende Vorwurf der „Feigheit", den ich den „jungen jüdischen Schülern" angeblich mache, kommt auch nur aus Rechnung meines Kritikers, der keine Notiz von meiner ausdrücklichen Bemerkung nimmt, daß ich mit Absicht von Klassen rede, weil „das Gesagte nicht von jedem einzelnen Schüler gilt". Es leuchtet doch wohl ein, daß für die geistige Haltung der Klasse die Anzahl der jüdischen Schüler nicht ohne Belang rst. 4. Wie es sich mit dem „Ausweichen"' verhält, das Herr Müller aus meiner „Erklärung" herausgelesen hat, kann er von der Schriftleitung des Philologenblattes erfahren; es wird ihm aber auch wohl noch anderweitig bekannt werden. 5. Herr Müller hat cs für angezeigt gehalten, eine Meinung, die ich im K r e i s e der A e r u f s g e n o s s e n ausgesprochen und zur Diskussion gestellt habe, wo sie eine streng sachliche Erörterung finden konnte, einem breiteren Publikum bekanntzugeben und sie vor diesem nach den im politischen Parteikampf üblichen Methoden zu bekämpfen. Daß er bamit^ denen, für die er einzutreten beabsichtigt, einen Dienst geleistet hat, bezweifle ich. Nach meiner Ueberzeugung täte das deut'che Judentum, soweit es ganz und wirklich deutsch sein oder werden will, Put, auf eine sachliche, ungehässige Kritik wie bic meine in sachlichem, ungehässigem Tone zu antworten, wie es in privatem Meinungsaustausch mit mir jüdstche Kollegm oft getan haben. Zu einer solchen Diskussion werde ich meinerseits stets bereit sein. Mit Herrn Müller zu debattieren, lehne rch ab, da er meine Meinung dadurch bekämpft, daß er mich persönlich herabzusetzen sucht. Auch gegen diese seine persönlichen Angriffe werde ich mich nicht verteidigen; es ist überflüssig und unter^ meiner Würde. Wer mich kennt, weiß, wie lächerlich Herrn Müllers Versuch ist. meine Gedanken <rus persönlichen Mißgriffen und Mißerfolgen im Unterricht zu erklären und mich als Deutschlehrer zu diskreditieren. Die Leser dieses Blattes aber, die mich nicht kennen, kommen für mich nur so weit in Betracht, als sie mit der Kampfesweise des Herrn Müller nicht einverstanden sind — sie verweise ich auf meinen Aussatz im „Deutschen Philologenblatt" sowie auf einen Artikel, den ich in der „Deutschen Allgemeinen Zeitung" veröffentlichen werde — wer dagegen die Kampfesweise meines Gegners billigt, dessen Meinung ist mir gleichgültig. 6. Mit meinen jüdischen Oberprimanern (es sind 13 unter 18 Schülern), die mir den Arrikel vorwiesen, durch den Herr Müller ihr Herr Tr. Havenstein antworte: auf meine Darlegungen über seine antnemittüchen Auslastungen im „Deutschen Philologenbla::" hier in einem Tone, der die Nichtigkeit meiner Ausführungen nur bestätigt. Ich vermag es nicht, im gleichen Tone zu antworten. Ich kann nur sagen, daß weder durch Beleidigungen noch durch Kasuistik wegdisputiert werden kann, daß Herr Dr. Havenft e i ti den jüdischen Schülern mit Voreingenommenheit gegenüber st e h t und ich n e n das V e-r st ä n d n i s für gewisse Teile unserer Literatut abspricht. Das bleibt unverr ü ck b a i bestehe n. Herr Dr. Havenstein klammert sich, um die unangenehmen öffentlichen Angriffe abzuwehren, an zwei Kleinigkeiten: Einmal, daß ich ün_ einer Stelle das Wort „besonders" ausgelapen hätte, woraus er mir eine Fälschung macht, während jeder Unbefangene leicht sicht, daß es sich um einen lapsus calami handelt. Er sagt an der betreffenden Stelle: er verzichte an dieser Stelle ... im Philologenblatt . . . „aus eine weitere Erörterung der Frage, ob und wesyalb sich Schulklassen mit staAem jüdischen Einschlag besonders ablehnend (jetzt von mir gesperrt. Dr. M.) gegen die ältere deutsche Literatur verhalten". Inhaltlich bleibt es dabei, daß Havenstein die besonders ablehnende Haltung dieser Schüler behauptet. Und er macht mir weiter zum Borwurf, daß ich an die von mir wörtlich wiedergegebenen Teile seiner Arbeit gleich die Schlußsätze hätte folgen lassen. Wer lesen kann, liest bei mir: „Und am Schluß heißt es, daß es darauf ankomme, gegen so eingestellte Klaffen zu ringen." Ich muß es dem unbefangenen Leser überlasten, zu beurteilen, ob ich einen falschen Eindruck habe Hervorrufen wollen, oder es getan habe, oder ob es nur kasuistisches Ausweichen ist, wenn Dr. H. jetzt seine Darstellung zu mildern sucht/ Ich sehe deshalb den ganzen Schlußsatz hierher, wie er bei Havenstein steht: „Denn wie gesagt, es ist keine Frage: nachgeben dürfen wir der Jugend nicht, wem: sie die Klassiker und andere Heiligtümer unserer Literatur heute ablehnt. Mit so eingestellten Klassen muffen wir ringen, bis wir die unter ihnen, die nicht „Menge" sind, bezwungen und für die Nibelungen und die Klassiker gewonnen haben. Wenn wir uns so verhalten, so kämpfen wir — das wollte ich vor allem zeigen — keineswegs gegen den Fortschritt, gegen die Jugend und das Leben, sondern nur kämpfen geacchden Ungeist der Menge, gegen die Entadelnng des Geschmacks, gegen die Entdeutschnng unseres Wesens." Der Leser mag hiernach beurteilen, ob nicht das, was ich Herrn Dr. H. vorwarf, noch viel Vertrauen zu mir zu untergraben versucht hat, habe ich eine gründliche Aussprache gehabt, die beiderseits in durchaus vornehmer, sachlicher und freundlicher Form geführt wurde. Ich bin von ihnen ausdrücklich zu der Erklärung ermächtigt worden, daß sie meinen Ausführungen im „Deutschen Phikokogenblatt" in den fraglichen Punkten zwar nicht durchweg zustimmen, sie mir aber nicht verübeln, und daß ihr Vertrauen zu mir dadurch nicht erschüttert worden ist. Herr Oberstudiendirektor Tr. Müller täte gut, von diesen jungen Leuten zu lernen. Martin Härenstem, Studienra! am Grunewald-Gymnasium. zu milde war. Wenn man sich nämlich die von ihm gewählten Worte: Menge, Ungeist der Menge, E n t a d e l u n g des Ge - s ch m ü cf s u n d Entbeut s ch n u g :: n - f e r e 3 W e s e n s v e r g e g e n w ä r: i g t un b beachtet, daß er sie im Zusammenhänge mit den K l a s s.e n von stark jüdischen: Einschlag gebraucht, so i st r § klar, daß ich noch recht milde w a r. Daß Herr Dr. Havenstein meine Darlegungen Besonders unangenehm empfindet, glaube ich, denn er rügt es, daß ich seine Ausführungen aus dem Kreise der Berufsgenonen einem breiteren Publikum zugänglich ^gemacht habe. Er mag es sich gesagt sein lauen: ich werde das stets tun, weil ich glaube, damit meinem Volke einen Dienst zu tun, wenn ich solchen auch im engeren Kreise (und hier handelte cs sich um die gesamte deutsche Philologenscbafr, vor der dies Gift ausgesprochen wurde) öffentlich entgegentrete. Nur so kann dieses Gift unschädlich gemacht werden. Ich bin eben überzeugt, daß unser Judentum ebenso deutsch ist, wie ich selbst, und daß es eine neue Beleidigung ist wenn Herr H. von dem „deutschen Judentum, soweit es ganz und wirklich deutsch sein oder werden will" spricht. Ich muß mich wundern, daß er überhaupt den Mut ausbringen kann, so was zu schreiben und dann zugleich jüdische Schüler zu unterrichten. Nicht das sind die besten Deutschen, die ihr Deutschtum mit Posaunen verkünden, sondern es im gegenseitigen Vertrauen leben. Herr Dr. Havenstein Ireiß sachlich gegen meine Ausführungen auch nicht das geringste vorzubrinaeu. Er hat meine Ausführungen in der „E. B.'Zeitung", die ihm von seinen Primanern vorgelegt wurde, dnrchgesprochen. Das war der einzige Ausweg, der ihm nach seiner ungeheuerlichen Entgleisung noch übrigblieb. Das Ergebnis ist auch für den Außenstehenden sehr erfreulich, denn es beweist, wie stark objektiv diese jungen jüdischen Mensct)en auch gegenüber dem bleiben, der ihnen einen Teil ihres Nationalempfindens abzustreiten versuchte. Ich will aber der Oeffenttichkeit auch nicht vorenthalten, das; außer mir bereits ein anderer Beurteiler Herrn Dr. Havenstein im „Phil o l o ge nb la i t" „Bore in ge n o mmenheit" vorgeworsen hat, Herr Deut sch krön aus Berlin. Der sagte ihm aber auch, das; die ganze Frage der jüdischen Schüler überhaupt nicht zu der von Dr. Havenstein behandelten literarischen Frage gehöre. Sapionti sat! Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über. Und Herrn Havensteins Herz ist voll von Abneigung gegen die Inden. Oller^tudiendieelltor Dr K. Müller (Potsdam).