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Central-Verein-Zeitung · 1931-01-23 · 4 (23.1.1931) · p. Seite 36

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
10 (1931)
Issue
4 (23.1.1931)
Date
1931-01-23
Page
Seite 36 (sequence 4)
Language
German
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AH Uneinigkeit beim§est öeröLutschen Einheit Die Kriegerkamerad'chaft und der Stahlhelm veranstalteten am 18. Januar in Kaiserslautern eine Reichsgründungsseier. Am 13. Januar erhielt euch der R e i ch s b u n d jüdischer Frontsoldaten Ortsgruppe Kaiserslautern durch die Kriec^rkameradschast eine Einladung zu dieser Feier. Am Sonnabend, den 17. Januar, vormittags, wurde die Einladung durch die KriegcrkamcradschafL wieder zurückgezogen mit der Begründungcs hätten pch „unüberwindliche Schwierigkeiten" ergeben. Gleichzeitig wurde durch Kriegerkameradschaft und Stahlhelm in der Presse die Zurücknahme der Einladung an den R. I. F. bekanutgcgebcu. Dieses unglaubliche Vorgehen gegenüber Frontkriegern anläBlicfj einer allgeinemen vaterländischen Kundgebung ist, wie man hört, aus eine Forderung der Nationalsozialistischen Partei zu Kaiserslautern zurückzu rühren, deren Druck sich die sonst neutrale „Kriegerkameradschast" bedauerlicher- und unbegreislicherweise gefügt hat. Die Ortsgruppe Kaiserslautern des R. I. F. hat in der Presse eine Erklärung veröffentlicht, in der es heißt: „Als Bürger der Stadt, als Kameraden, die im Kriege mit der Warst an der Front ihre Pflicht erfüllt haben, und im Andenken an die jüdischen Kameraden Kaiserslauterns, die im Weltkrieg gefallen sind, erklären wir, daß ein derartig unerhörtes Vorgeben unsere Ehre nicht berührt und sich bei jedem anständigen Menschen von selbst richret." Schlagfertige Mwehr Ein kräftiger Schlag zur rechten Zeit, tut manchmal seine Schuldigkeit. Dafür liefert das takräftige Vorgehen einer jungen Dame in Stolp, der Tochter eines Mitgliedes unserer dortigen Ortsgruppe, einen vortrefflichen Beweis. Sie wurde, als sie in Begleitung ihrer Schwester und zweier Herren ein Care betrat, von einer Horde von sechs jungen Leuten mit den Rusen: „Juda verrecke!" empfangen. Tie Damen mußten die übelsten antisemitischen Beschimpfungen über sich ergehen lapen. Tie Ausdrücke Judensau" und „Produkt einer Hündin" quittierte eine der Damen mit zwei kräftigen, schallenden Ohrstigen. so daß der geschlagene nationalsozialistische Jüngling, der überdies von seinen Gesinnungsgenossen zu diesen Beschimpfungen aufgestachelt worderi war, hestrg zurück taumeltet Der wackere Hitleo-Jünger kann es nur dem Tazwischen- Ireten der Begleiter der beiden Damen verdanken, daß er von dem Empfang weiterer Backpfeifen „verschont" blieb. Der Cafehausbesitzer verhielt sich „passiv": anstatt den Ruhestörern unverzüglich die Tür zu weisen, erklärte er, jeder müsse mit solchen Anpöbeleien selbst fertig werden. Das mutige, „schlagsenige" Auftreten dieser deutschen jüdischen Frau verdient Beachtung. IuAenfemölrchs Schilder in öer Eisenbahn H. L. Tie Anbringung von judenseindlichen Plakaten und Sck'ildern in Eisenbahnwagen oder das Anbrineen anderer Schilder und Bekanntlnachungen mit derartigen Inschriften ist unerlaubt. Tas Eistubahnpersonal hat gegenüber Beschwerden von Reisenden um verAigllch für Abhilfe zu sorgen. Wir machen unsere Freunde darauf aufmerksam, daß sie Agebonerr falls dagegen einfchreiten können. Bei Verweigerung der Abhilst ist Beschwerde an die Vorgesetzte Dienststelle dringend zu empsehten. Münchmeper geht um Herr Müuchmeyer, der nach Erklärung des Landeskirchenamts in Hannover „Titels Anstellungsfähigkeit, Penswnsan spräche und die Fähigkeit zur Vornahme geistlicher Anushandlmmen" verloren hat, der Mann, der sich nach nach nach in über GO Strafprozessen zu verantworten barte, hat in feiner Eigenschaft als Kämpfer für das Tritre Reich vor einigen Tagen in der Berliner Schultheiß-Brauerei, Hasenheide, zuui Thema „Morgenröte über Deutschland!" gesprochen. Kennzeichnend für das Niveau seiner Ausführungen dürfte seine Beweisführung für die Existenz der „Protokolle der Weisen von Zion" fern. Herr Müuchmeyer behauptete, er habe aus eine Anfrage von einer amtlichen englischen Stelle die Antwort, bekommen, daß die Protokolle der Weisen von Zion in einein Londoner Archiv ruhen. Und damit steht es nun für ihn unerschütterlich fest, daß sie auch echt sind! Herr Münchmeyer hat sicher als ehemaliger Studierender der Theologie schon einmal ein gedrucktes Exemplar der „Konstantini scheu Schenkung" in Händen gehabt, vielleicht ist ihm bekannt, daß diese Konstantinische Schenkung l |jii JHl h •i16Us?:fe HZ j Wir bitten unsere Berliner Mitglieder hierdurch, mit der Ueberweisung des Beitrages nicht erst zu warten, bis unsere Aufforderung eingeht, sondern die Ueberweisung möglichst sofort vorzunehmen. Jeder, der seinen Beitrag rechtzeitig einschickt, erspart uns Porto- und Materialspesen und macht Kräfte für nutzbringendere Arbeit frei. Unser Postscheckkonto ist 115501, Central- Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens E. V. (Sonderkonto) Berlin W 15. Dr. Reichmann. ebenfalls in einem Archiv ruht — und doch weiß heute jedermann, und sicher, auch Herr Münchmeyer, daß die Konstantinische Schenkung eine Fälschung ist. Herr Münchmeyer dürfte auch schon einmal in seinem Leben irgendeinen Bericht über einen Hexenprozeß gelesen haben. Warum steht es dann für Herrn Münchmeyer nicht unerschütterlich fest, daß cs auch Hexen gegeben hat? „Wer brachte denn den Haß und den -Hader ins Volk? Nur die Juden!" erzählt Herr Münchmever und denkt dabei gar nicht daran, daß der Zuhörer aus den Gedanken kommen könnte, wieviel Haß und Hader allein 10 Münchmeyer-Versammlungen im Volk verbreiten. ' Daß nach Herrn Münchmeyer nicht nur die SPD. und KPD., sondern „auch die anderen Parteien von Juden gegründet nutrbcn", nimmt nicht weiter Wunder. Besonders ungünstig aber schneidet bei ihm das Zentrum ab. Es wird nach ihm „noch heute von den Juden geführt^ Beweis: „Sie brauchen sich da nur einmal den plattsüßigen, mauschelnden Dcsiauer vom Zentrum anzusehen. Einen besseren Vollblutjnden gibt es ja in ganz Berlin nicht." Im weiteren Verlauf seiner Rede sagt Herr Münchmeyer noch manches, was aus dein Munde eines ehemaligen Pfarrers, der schließlich das Alte und auch das Neue Testament zmnindest geleseu haben muß, ganz ungeheuerlich klingt. „Auch daß Jesus ein Jude gewesen fein soll, ist ein Märchen, das von den Juden selber stammt. Sagte doch Jesus selbst von den Juden, daß sie Kinder des Teufels seien." Herr Münchmeyer bringt in seiner Rede noch viele schöne Geistesblitze, z. B., daß der Krieg wohl wie ein Blitz vom heiteren Himmel kann daß die Juden cs aber schon längst vorher gewußt haben. Aber es verlohnt sich nicht, alles 3_u untersuchen, was Herr Münchmeyer sagt, cchon diese Auslese dürste genügen. A. R. Dr.Frtu?DinL§rs?)Lrh)LktwLrr Der Führer der „Geistchristlichen Religionsgemeinschaft", Dr. D i n t c v, sprach am 10. Januar in den Berliner Hohenzollerusälen über „Tie deutsche Revolution". Obwohl Herr Dinter, wie er mit Recht bemerkte, nicht gerade übermäßiger Judenfreundschaft verdächtig ist, meint er doch: Wenn man die Juden vertreibe, so werde das Schicksal Deutschlands nicht geändert werden, denn, so meint er, die „w e i - ßen Juden" würden Zurückbleiben. Außerdem sind fast alle Dinge in seinen Augen vollkommen von jüdischem Geist durchtränkt. ^0 z. B. das „Judenchristentum beider Konfessionen". Auch Luther ist, wie er aussühr-e, allzu sehr im Katholizismus stecken geblieben und hat Zuviel von dem — wie er sagt — „Jtldenrabbi" — Paulus übernommen: enva den Saß: „Es gibt keine Herrschaft, sie sei denn von Gott". Gleichsam als Luther-Epigon will nun Dinier die Reformation dieses Reformators, der seine eigenen Gedanken nicht zu Ende geführt har, vollenden. Und obwohl seit dem Anschlag der Thesen schon etwa 400 Jahre vergangen sind, — grimmer konnte kein mittelalterlicher Ketzer sich gegen den Katholizismus und den römischen I . . . ep riest er — womit der Papst gemein: war — wenden als dieser Retter Deutschlands. Die planmäßige Vernichtung unseres Staates, so erfuhren wir, sei das Ziel des Papstes in diesem Kriege gewesen. Da nun Deutschland bekanntlich Oesterreichs Verbündeter war, müßte demnach der Papst die stärkste katholische Macht Zu Fall gebracht haben'.!! Der Kampf Roms gehe aber weiter, und so sei Brüning aus Veranlassung des Papstes zum Reichskanzler von Hin den bürg ernannt worden! Bnd nun die positiven Forderungen: Man müsie aus dem entstellten Christentum die „arische Heilslehre" hervorholen, denn Christus sei Arier gewesen. Man glaubt, daß dies doch eigentlich schon radikal genug sei. Weit gefehlt! In der Aussprache meldete sich ein Vertreter des „Germanischen Völkerringes" und forderte ganze Arbeit: „Herunter mit dem Kreuz!" lautete also seine Parole. Also in die Enge getrieben, meinte Herr Dinier, daß er eigentlich dasselbe wolle, daß aber aus „volkspsychologischen" Gründen an dem historischen Wort „Christentum" wohl doch festzuhalten sei . . . Schließlich war noch die Forderung einer ausgesprockrenen Ostorientierung bemerkenswert. Daß sie einige judenfeindliche Fanatiker aus den Plan rief, versteht sich von selbst; denn unmöglich, so erklärten sie. könne man mit den: „jüdischen" Bolschewismus Zusammengehen, worauf Herr Dinier richtig erwiderte, daß der Bc>lsck)ewismns nicht das Werk der Juden, sondern des Nichtjuden Lenin sei. Also auch hier hat er einiges gegenüber seiner früfjercn Darlegungen gelernt. Die zerstörten Synagogen haben ossenbar Herrn Dintcr bekehrt, und wir dürfen also noch aus weitere Fortschritte hoffen. L. K. LANDESVERBAND GROSS-BERLIN Versammlung, Donnerstag, den 29. Januar 1931, abends 8 Uhr, im Schultheiss - Patzenhofer, Chausseestrasse 64. Angriff und Abwehr Redner: Kammergerichtsrat Dr. Fabisch, Dr. S. London, Arno’d Stein, Margarete Fried, Dr. Fritz Brodnitz. Die Vorträge werden von Rezitationen umrahmt. Dr. Bruno Glaserfeld.

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