Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 10 (1931)
- Issue
- 2 (9.1.1931)
- Date
- 1931-01-09
- Page
- Seite 15 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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25 Führer einer V> - fnnMichen Partei begreiflicherweise fein Anlaß vor. Sonst hätten die Herren gefunden, daß die R i ch t l i n i c u f ü r den A u s s ch ll ß in v ö I 1 i g e r N e b e r e i n st i mm u n g zwischen C. D. und Zionistischer Bereinigung vorbereitet wurden und daß der Antrag, der die Befristung des Ausschußes znin 14. September fesrstellte, von Tr. A a h u m 0> old - mann, dem Vertreter der Zionistischen Bereinigung, stammt. Ferner, daß die finanzielle Werbung des Ausschußes nach der zionistischen Seite hin m i t eine m b e - schämenden Ergebnis n b s ch l o st und daß die wenigen von zionistischen Einzelpersönlichkeiten einrausenden geringfügigen Betrage zu einem großen Teile der Initiative eines der Agency nahestehell den jüngeren Borstandsmitgliedes des E. B. zu danken waren. Tiefe Feststellung ist in mancherlei Beziehung bedeutungsvoll. Sie bezeugt einmal, daß es den Freunden.' der Herren K o l l e n s ch e r und K a r e s k i gar nicht darauf au kam, ein sogenanntes neutrales Gremium zu besitzen, dem sie bedenkenlos ihre Mittel zuführen könnten, sondern, daß ihr Ziel die A u s s ch a l t u n g b e s E.B. a u s sein e r F ü h r e r st c l l n n g war und ist. Und weiterhin, daß die überwältigende Mehrheit der deut'chcn Juden und auch zahlreiche jüdische Gemeinden im E. B. ihre berufene ix 11 b nute r st ü tz u n g s tt> ürdi g e p o l i L i s ch e Vertretung erblicken, der sie ein Vielfaches der Mittel zuführten, die der Ncichstagswahlausschuß, diese ..neutrale Spitzenvrg a n i s a t i o n~, erhalten har. Tie „innerjüdische Befriedung" durch Zusammeufassung der Abrveyr auf neutraler Basis berührt also nur g r u n d s ä tz l i ch den kleinen Kreis der Zionisten; denn praktisch haben sie von der Gelegenheit, in dem damals bestehenden neutralen Gremium für die Abwehr Großes und Neues zu leisten, keinen Gebrauch gemacht. Tie Protokolle des Ausschusses besagen auch nichts über die Intensität, mit der sich die Vertreter der Zionistischen Bereinigung an den Beratungen beteiligt und nichts über die Fülle politi'ch wertvoller Anregungen und sinanzreller Werbevorschläge, die ne dem Ausschuß übermittelt hätten. Es ist eine Art drittes Reich der Abwehr, das die Volkspartci predigt. Fragt man sie, wie sie es ander s machen würden, schweigen sie oder sagen: Laßt uns mit unseren Plänen erst zum Ziele kommen, dann wird alles anders. Taran zweifeln wir nicht, wohl aber, ob es dann besser wird. Jedenfalls har das Experiment des Reichstagswahlausschnnes ein positives Ergebnis gehabt: Es zeigte, daß der E. V., so wie er i st, ausrcicht. Tie überwältigende Mehrheit der deutschen Juden, die positiv arbeiten will, hat zum C. B. Vertrauen, und die lern Vertrauen zu ihm haben, sind wenige, und sie sind zu deutscher Arbeit nicht gewillt. Auch das sähe Ende des Ausschusses ist in der Hauptsache auf einen Beschluß der Zionistischen Ver einigung für Deutschland zurückzusühren. die die Meinung vertrat, daß grundsätzlich die Gemeinden und Landesverbände Träger des Abwchrkampscs sein sollten. Soviel heut c zur Vorgeschichte und zur Geschichte des . „Beichstagswahlauc-sch:rsses l9g0". Wir haben die Bericknoiegenheit, zu der sich die Teilnehmer verpststtzlc: hatten, nur soweit nicht mehr berücksichtigt, wie sie seitens der Herren Kollensch-er und Kareski l^reits aus- .geschaltet war. Wenn die Herren noch mehr Einzelheiten erfahren wellen, bitten wir um Anfrage — wir dienen ihnen gern. UL Weniger ernst zu nehmen, al^r nicht minder charakteristisch ist der Brief dar beiden Herren in seinem zweiten Teile. Er lautet irr feinen wesentlichen Sätzen: .Lwar ist Vertretern der B.rliner Indischen Gemeinde. de? Prcnßrstbcn Landesverband«--- unö d<s E. V. ein' JKrmitce geoildtt worden. Tiefes Komitee aber, da-:- nur B.deutung bätle gewinnen können, wenn cs an veramworlungLvoller und rberstcr Stelle in die polistsche d'ntwicttung balle tmid tibtnb und »fihrenb cincreiten können, hat fiefs, dein Eim'l».:ß dcs E. B. wlgend, selbst yn einer Stelle degrabic:', an der die Teilnehmer aus dcva Bereiche ihrer und 'Arbeiten einige, die ilunn gerade nanenb erschienen, rein irwrinawristtz vorgetragen baden. Z>: gleicher Zen. während die Nnterhastnngeu geuchr! wurden, haben E. V. und stine maßgebenden Vcstglieder cs nicht unterlassen, verschärfend in die inucisüdi'chen Kanwst' einzuereistn mW nach Inhalt und iunm ihrer Anjiriist' gegen Jl:den den gemeinsamen Feinden Stosf und Waistn zum Campst gegen die gesamte Jud.nhcit zu liestiu. 'Kiz halten cs bei dieser Entwicklung und nach diesen Vorgängen mit unserem Pstich:bewuß:stm und Vcrantwortnnßsgcü";hl n:cht mehr mr herein; bar, uns an Beratungen yi beteiligen, die ebu-sa innerlich leer wie nach außen gefährlich und, weil sie die klare Verannvarilichkeit yi hcr-uhUiem geeignet sind. Wir wollen der indischen G.strnnheit nicht vortäw'chen. ivtf} ihre Jntercsstn von einer zentralen, jüdisch - vartcipoliti'ch uuabbängierr Stelle vertreten würden, wahrend wir in Wahrbeit winen, daß biefc Stelle weder Wun'ch noch Willem yn einer inneren Besriednng und gcmeinschastlichcr Vertretung nach außen bat, noch die Krait zu einen wirklichen Aktion beulst. Aus dieser Gründen scheu wir uns veranlaßt, unsere Vcrtrelcr aus dem Komitee abmoerustnst Zunächst: Was bedeutet ..n n s c r e V cr - t x c i c r"? Es ist eben furchtbar schwer. gleicbzcitig Bartestinhrer und Regicrungsmirglied zu sein. Tenn sonst hätte cs den beiden Herren nicht entgehen können, daß ne an den Besprechungen nicht als Vertreler der Zionistischen Bereinigung oder der Jüdischen Volts- Partei td(genommen haben, sondern als Vorst a n d s m i r g l r e d e r der Jüdischen Gemeinde zu Berlin. Kammergerichtsrat Wolfs, der Empfänger des.Brieses, hat deshalb in einem schon durch seine Sachlichkeit ironisch wirkenden Schreiben, ohne cs freilich sofort der I r a zu übergeben, angesragr, wer mit „w i t* gemeint sei. Ein Ge me: nd evo r sra ndsbc sch' u ß, der die Zurückziehung der Gemeindevertrcwr fordert, »ei ihm nicht bekannt. So ergibt sich das Kreuzwortspiel, daß diejenigen, die delegiert wurden, nicht zurückgezogen worden sind, und daß diejenigen, die sich zurückziehen, dazu nicht legitimiert sind. Es ist ein Vernich mit untauglichen M i t t e l n a rn u n t a u g I i di c n Objekt, den die Herren Kollcnscher und Karesti borreiben. Sie möchten, da sie an der gemeinsamen Tastl künftig nicht mitspciscn können, rasch das Geschirr zerschlagen, cly: die dv.dy'olgcr fmumeu. Sie haben auch nicht gewußt, daß der Vorsitzende des Eentralvcreins, Herr Justizrat B r o d n i tz, bereits einige Wochen .zuvor Herrn Kamvaergerichtsrat Wolfs gegenüber brieflich — ohne Ita — feine Bereitwilligkeit, die Beratung fortzusetzen, ausgesprochen harre di i t d c m Zll s a tz freilich, daß er Vorschläge, zu warten, bis der Gerneindevorstaud nch neu gebildet habe. Eine Zniammenarb-eit mit Herrn K a r e s k i erscheine ihm nach denen maßlosen Angriffen gegen den G. B. als unzweckmäßig. Und was die .Leere" und „Inhaltslosigkeit' aud) dieses Ausschußes anbelanat. so ist hierzu bei der Behandlung des „Rcichstags'.vahlausschusfcs das Notwendige bereits getagt worden, speziell xür diesen Zusammenhang muß llargestellt werden, daß die Schaffung einer mit diktatorischen Vollmachten versehenen Vertretung von vornherein a b g e l c Ii u t und lediglich informatorische B es p r e ch u n g e n verabredet wurden. IV. Weil die zionistischen oder volksparteilielieu. Absichten auf keine Gegenliebe stoßen, paßt den Herren die ganze Richtung nicht. Sie vergessen dabei, daß man weiß, wie wenig gerade sie nach ihrer theoretischen Auffassung^ von der Lösung der Judenfragc moralisch berechtigt und, maßgeblichen' Einfluß aus die Bekämpfung des Indent^.sics zu verlangen. Tenn nach der Anffasfung, die zumindc'st ein wichtiger Teil von ihnen hat, ist gerade die „I u d -* n n o t~ in den Tiaspora-Ländcrn einer der wesentlichsten Aust triebsmomente d-cs jüdi'chen Nationalismus. Blau sti alH kou'eguenr! Es t f t De m E e n t r a l v e r e i u s ck^ m c r zt ich, i muter von n eu c :n i u den i n n c r - j ü d i f ch cu Streit hlneinge z o a e n und, a i) r e n b er ■ m i ehä r s ft e n v o - litischeu Ka m p f c st e h t, i n . s e i n e r m o r a l i s ch e « St o ß k r a i r g e? ä) w ä ch t z n werde n. Th ne Begründung zu behauptet!, daß der E. V. dem Gegner die Warfe liefere, ist beauem. Aber es ist ein veranuvorrnngsloies Spiel, aus % a r t c i i n t c r c f i c Der f ä mpse u d c n Front die Waisen z u zerb r e ch e n. Tem E. B. genügt das Vertrauen seiner Freunde, und gegnerisches Mißtrauen ehrt ihn nur. Tie jüdische Seffenüichkcit wird nch nunmehr ihr Urteil über den xtaresti-.>lollenscher-Brief selbst bilden können und fefrftcücu können, inwieweit es zutrifft, daß er, wie es an seinem Schlüße heißt, „in keinem Falle eine Aufgabe unserer Bemühungen um innere Befriedung"., und ein Gebot ..poetischer Wahrhastigkeit und Ehrlichkeit" fei- — svrHern ein trauriges Tokument ist. helmuth v. Gerlach und Jakob Ulatzkin Im ..Tort m n n d c r G e nerd: A n x e i - q c t" Januar), der großen freihei:luhcn Jcituna Westdeutschlauds verönentlicht Helw.uth v. Gcrlnch einen Arö»atz ...ßioni^mus und Ämisemitiemud. Herr von lNttach. als hervorragender Bl starbeiter der „Welt a:n Montag" und als entschiedener Gegner etter judemcstndlich-voli:n'cheu B.stre-- oungen belannt. kvft nch in ihm mit Jakob JUaiy kins Buch tSv rodle in e des m oder n e n Indent u m auseinander. Anscheinend weiß Herr v. Gerlach nicht, daß ihm die dritte Auslage eines schon bei stinem Erst- und seinem Neuerscheinen aurstärkste obgelebmen Buches in die Hände geraten ist und iidt befhalb Klarst inradikale Formulierungen üorn die Stellung des Inden Ui seiner llmu*dt, über ist neu Willen zur J'c^ lierung und kirn Fcind''chast gegen jede Anvanung an die Umwelt mit Erstaunen, Bestench n und einem aus 'reuud'chc:stlichem Empfinden kommenden Entsttzeu. Er bezeichnet das Buch als einen neuen Antisemitenkatechismus und cmpsieblt seine Lektüre namentlich d e n Juden, denen nichts daran liegt, „daß aus ihren eigenen Reihen Zündstosi für Pogrome gckiesert werd-ew Herr v. Gerlach stell: zwar selbst st st, daß Jakob Ülatzkin ein c r t r e m e r 3 i o n i ft »ei, alfe nur für einen verschwindenden Brnch'ci! der deutschen. Juden sprechen könne, erbeb: aber gleichwohl am Schlune »eines AusHtzos die Forderung au die berufenen Vertretungen der deutschen Juden, cindeulig festzustellen. mit kvclcher Legitimation Herr Lttatzkin seine Ansichten vorträgt. Ter Vorsitzende der Ortsgruppe Tortmund dcs E. V.. Rechrsanwütr Tr. Koppel, b^at die'e Anfrage wwrt au der gleichen Stelle bcanrwortcst. Klatzkins Anfianung stehe „in 'chroststem Gegewatze zu den Aussastungen und Empfindungen nahezu der gesamten deuväxm Juden". 'Auch gegenüber den Zionisten dürfte durch die Acußcrungen dieses 'Außenseiters kein Mißverständnis auskvmmcu. „T ir Anhänger dcs Eentral- Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen <5 l u u b e n s. der g e s innungsgemäß f a ft d i e gesamte deutsche I n d c u h c i t umfaßt, bejahen, pflegen und betätigen den durch nicht c zu beirrenden Gedanken, daß die deutschen Juden unlösbare Teile des d c u t s ch c n B o l k e s sind, und daß cs daueben eine jübiuiv: Suitiru nicht gib!'.Ta her werden die G-edanlengäuge des; i o n i st i f d) e i: VI u f} c ii \ c i t e t s Klatzkin von der deutstkren Judenbeit scharf und klar a b g c l c h n t. Er ist nicht einmal berechtigt, für dir G e s a m t b c i t der Z ionistcn . gelchiveige denn für eine größere Gruppe inuciMb der denkscheu Judenheit zu sprechen." Tiestr für einen deutschen Juden stlbstverständlich.cn Erkläniug unstrcs Tortm.under Lrtsgruppenvorsitzcnden treten wir in vollem llimmifle bei. fällst weil wir die NoUvendigr-.it eines crurnten B.!ennG niües verspüren oder loei! loir den Zwang eines Abrückens von Herrn tkatzkin empstrvden — mau kann mir abrücken, wenn eine Zugehörigkeit bestand - sondern weil »ine klare, sn-undschastlilln Frage eine ebenso eindeutige und klare Ännvorl verlangt.