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Central-Verein-Zeitung · 1931-01-09 · 2 (9.1.1931) · p. Seite 14

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
10 (1931)
Issue
2 (9.1.1931)
Date
1931-01-09
Page
Seite 14 (sequence 6)
Language
German
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14 wie stark der jüdische Einschlag im spanischen Blute durch die Heiraten der Marannen war. Ta grisf Slliceo zur List. Er schreckte nicht davor zurück, einen Briefwechsel der spanischen Juden mit denen der Türkei falschen zu schien, der an die Phantasien der „Weisen vou^ Zion" erinnert is. Kayserling, „Sephadimst 111). In ihm l-eißk es: Betreffend eurer Auslage, dag man auch euer Permögen nimmt, lanet eure Kinder Kausleute werden, daß sic ihnen das ihrige nehmen. Indem, was ihr sagt, das; sie euch das Leben rauben, laßt eure Söhne Acrzte und Aperbeker werden, daß sie ihnen d<is ihrige nehmen. WaS eure Rede betrisi:, daß Ne euch eure Synagogen zerstören, macht eure Söhne zu Geistlichen, daß sie entweihen und zerstören ihre Religion und ihre Tempel. Sie quälen euch noch in anderer Wei,'c —, sorget Mür, daß eure Söhne in den Staatsdienst cintrctcn, dann könnt ihr sie unterjochen und euch an ihnen rachen ... Durch solchen Lug m:b Trug erstand es schließlich dieser ..würdige" Kirchenfürst, die Bedenken von Kaiser und Papst zu besiegen; das „Certificado de linipeza de sang re44, der Rachwcis der Reinheit des Blutes, würde ein geführt. Sb diese Einrichtung ihren Zweck erfüllte, muß der . Historiker bezweifeln. Wer die Geschichte der Juden in Holland kennt, weiß, das; viele Familien maranni'chcr Herkunft mit angesehenen spani'chen Priestern und Staatsmännern verwand: waren. Taß dieser marannisiche Einschlag auf das ftxinische Blut degenerierend gewirkt habe, kann jedoch kaum behauptet werden. Im Gegenteil: der Himvcis auf die spanische Geschichte is: ein starkes Argument gegen die völkischeulehre. Kein Geringerer als Graf K e Y s e r t £ n g h hat diesem Gedanken in seinem „Spektrum Europas" Ausdruck verliehen. Erst um das Jahr 1770 herum machte der hochherzige Marquis von Pombal. ein bedeutender Staatsmann Portugals, dem Spuk der Inquisition ein Ende. Er setzte die Abilljaffung des Zeugnisies der Reinheit des Blutes durch. Als Joses IL zögerte, die letzten Schranken zwi'cheu lUeramien und Ghristcn aufzuheben, und sie durch besondere gelbe Judenhnte kenntlich machen wollte, erschien er mit drei gelben Hüten vor 'einem Herrscher. Als dieser ihn verwundert fragte, wer sie denn tragen solle, erwiderte der Marquis schlagfertig: ..Ter erste ist für mich, der zweite für den Großinquisitor und der dritte — für Eure Majestät bestimmt." Ein trauriges Dokument von Dk. ^lfretzirfchberg, ehemals Geschäftsführer öes „Neichstagswahlausschusses 193-" I. Tirelror Georg K a r e s k i, Vorsitzender des Vorstandes, und Rechtsanwalt Tr/ Max K o l l e n s ch e r , Mitglied des Vorstandes der Jüdischen Gemeinde, Berlin, haben einen für Persönlichkeiten in hervorragender öffentlicher Stellung recht ungewöhnlichen Schritt getan: sie richteten an dem Präsidenten des Rates des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden, Ka'mmergerichrsrat Leo Wolfs, ein Schreiben, das für die „Herren Teilnehmer der zwischenparteilichen Besprechungen" bestimmt ist und übergaben dieses schreiben gleichzeitig der Jüdischen Telcgraphen-Ageirtur iJta) zur Veröffentlichung. Tas Schreiben berührt Vorgänge und behandelt Tinge zum Teil in einer Form, die erkennen läßt, daß die beiden Herren, trotzdem sie aus e i g e u e m Winen manches nicht sagen könnten, die ihnen zu Gebote stehenden snderen Grkenntnisquellen nicht so objektiv ausgewertet haben, wie es von leitenden Persönlichkeiten einer Behörde erwartet werden müßte. Kareski und Kollenscher sind aber gleichzeitig auch Führer der Jüdischen Volks- Partei, und in der Pflichtenkollision zwischen amtlicher Stellung und Agttationsnoiwendigfcitcn der Partei folgten sie der Parteistimme. Wir führen nur ungern diele innerjüdische ' Auseinandersetzung weiters Ter Druck der Gegenwart wird von allen deutschen Juden empfunden, und interne Gegensätzlichkeiten, die zum Austrag kommen, könnten 'die Kraft zum Gegendruck verringern. Aber da die Jüdische Poltspartei ihre Wahlniederlage nicht mit Würde, d. h. mit Schweigen zu tragen vermag, und da das Schreiben der Herren Kollensäzer und Karesti den groß angelegten Versuch enthalt, Quellen zur innerjüdischen Geschichte der letzten zwei Jahre zn „schassen" und den Prestigeverlust der Jüdischen Volkspartei und ihrer Führung infolge ihrer Einftußminderung auf die Jüdisckje Gemeinde zu Berlin und den Preußischen Landesverband jöbifdier Gemeinden durch Beschimpfung und Herabsetzung des (>. B. auszugleichen, rnüstcn wir das Wort nehmen. Ter Brief der Herren Kareski und Kollenscher enthält zwei verschiedene, aber i u u e r- I i aj z u j a m m euhängende Fragenkreise. Er befaßt sich zunächst mit dem „Reichstags- Wahlausschuß 19M" und sodann mit einem nicht firmierten inoffiziellen Beratungsgremium, das nach dem 14. September in gewiffcn Abständen zu informativen Besprechungen zusammenkam. Tie jüdische Sesfeutliclsteit weiß vom „Reichstagswahlausschuß 1900" kann; noch Genaueres und ist über die zwifchenvarteiiichen Besprechungen gar ui ch t unterrichtet. Tem Versuche einer tendenziösen Gesihichtspiüerung muß deshalb mit Entschiedenheit begegnet werden, sowohl um der h i ft o r r s che n Wahrheit wie um der Ehre des G. B. und damit der Kampfkraft des deutschen Indent u m s willen. Und da Kareski und Kollenscher mit dein schlechten Gedächtnis und der Unkenntnis des jüdischen Publikums rechnen, wollen wir die Erinnerung der Mteiligtcn und Unbeteiligten em wenig wecken. II. Tas Schreiben führt zur Frage des „Reichstagswahlausschnnes 19Z0" aus: „Von unseren Rechen U>ar in der Zeit bcr Vorbereitung bei Reickstagswahlen die Vorbereitung eines innerjüdischen Burgfriedens und eines innerlich gc'chloncnen und organisatorisch vereinigten Vorgehens nach außen ausgegangcn. Tern <5. P. ist cs zuzuschreiben, daß aug. dieser Anregung nichts weiter geworden ist als „Rcichstagswahllowitee ISA", das weder eine innere Befriedung gebracht noch irgendeine Stoßkraft nach außen Meilen hat, dasich außerdem nur selbst eine Lebensdauer bis zum 14. September 1950 gesetzt und damit in völliger Verkennung der sachlichen und zeitlichen Notwendigkeiten von diesem Tage an das dcunche Judentum wieder seinem Schick'ale überlanen hat." In diestn Säßen ist, um mit der Eidesotntcl zu sprechen, nichts hinzugefügt, aber st restlos alles verschwiege n. Was geschah? Vor eineinhalb Jahren wurde plötzlich von einer Herrn Kareski sehr nahe stehenden Seite da- Projekt der Uebertrag u n g der 'Abwehr aus die Gemeinden lanciert. Auf diesen Versuchsballon erfolgte seitens aller mir den Fragen der 'politischen Verteidigung des deutschen Judentums vertrauten Stellen eine unzweideutige Ablehnung. Tem E. V. erschien die Betrauung der Gemeinden mit politischen Arbeiten ihrem ganzen Wesen nach weder als nützlich noch als au s sich t s v o l l, und d sie Ausgabe des d e u t s ch j ü d i ° scheu Standpunktes iür die Führung des Karnpsts um unsere Gleichberechtigung als n i ch t z u v e r a u t w o r t e n. Tie schristliche und mündliche, öffentliche und vertrmuickst Tiskussirn über diese Fragen ris; nicht ab, und der G. B.. obwohl man im Laufe der Zeit den Köder spickte, biß nicht an. Warum nun diese Erörterung und dieses Plötzliche Jnteresie au ausge'sprochen innerdeutschen Angelegenheiten seitens Blem'chcn einer jüdisichm Anschauung, die ihr Hauptinteresse und das Scho er gewicht der jüdischen Arbeit bisher in Palästina fahxn? Und tvarum dabei von Anfang an eine offenkundige Verschiedenheit der Tonart, ob die Behandlung der Probleme durch Persönlichkeiten des offiziellen Zionismus od-er durch solche des sogenannten (siemeiudezionismus' erfolgle — eine Beobachtung übrigens, die auch heute noch zutrifft, wemtz man die bei aller sachlichen Entschiedenheit stets würdigen Auseinandersetzungen des Präsidenten der Zionistischen Vereinigung. Kurt B l u in e n feld. mit stücken von Führern der Jüdischen BoUspartci vergleicht? Tie Gemeindezionisten, d. h. die Herren der Jüdischen Volkspariei. waren in Berlin bei der letzten 'Gernemdewahl zur Mackst gelangt. Macht ist süß. und Throne allst man nicht gern auf, auch wenn cs sich n u r u in G c m endesesse! handelt. Kluge Taktiker, wie die Volks- Parteiler mm einmal sind, trieben sie ein diplomatisches Spiel, das in jedem Falle der Volkspartei die P o i n t s bringen sollte. Man warf den Handschuh „A ö w c h r durch die Gemeinde M in dche innerjüdiücke Arena, um dem G. V. einen -schreck ein zu jagen, und förderte, als seine Nerven sich widerstandsfähig .zeigten, den 'Gedanken, die allgemeine Abwehr d u r ch d e ii E. B. erfolgen zu lasten, allerdings durch einen d e n a t :i r i e r t e n, d. h. neutralisierten (L V. Eine Hand sollte die andere waschen: Ter E. V. desinrerossierr sich an Gemeindewahlen und ermöglicht dadurch der Jüdischen Volkspartei das Verbleiben in der Macht. Tafür wird er von Gemeinde wegen frmmziell so gekrästigt, daß er die Tiesemrstrkung seiner politischen Arbeit vervielfachen kann. — womit feinem eigenen wie dem Wunsche der Vrlkspartci in "gleicher Weise Rechnung getragen wurde. Ties alles sollte allerdings nur für den Fall gelten, daß der G> V. Ja sagt. Sagt er aber Rein, so gab es andere ErnKigüngen. Entweder siegt die Jüdische Volkspar Lei bei den Gemeindewahlen, dann übernimmt die Gemeinde die Ab'.ochr und stellt den G. V. kalt. Unterliegt sie aber, so kann sie bei der tiefgehenden Erregung der jüdischen Bevölkerung über die politische Lage mit der bequemen rlgitaiioustz^role .Famps dem Antiscmitismus st nunmehr aus der Stellung der Opposition heraus, die Cemcinde zur Initiative im politischen Kampfe für die Reckste der Juden zn zivingeu und da- Ui unentwegt das Vertrauen des dcutsckien Judentums zum G. V. vurch demaarxzisiche Anträge zu erschüttern versuchen. Wir haben rn de-r letzten Rümmer unserer „Cf. V.-Zsttung'chvon 11*00 einen solchen grosianzelegten B e i s n ch der Jüdischen Vollspartei, den G. B. schlecht z'u machen, nicdriacr gechängt. und den Jta-Brief der Herren Kollenscher und Kareski nageln wir mit einer gcwisten Genugtuung als Bestätigung der Richtigkeit unserer Analpfe der volkspar:eilrch.e!r Politik fest. Tie Herren Karcsti und Kollenscher hatten kllig daran getan, sich bcr äi.urt Blumenfeld über die Entstc-hungsgeschichtc des Reichstagswahleulsschustc-s und ans den Akten, die bei der Jüdi'chcu Gemeinde liegen über seine Tmigkeit zu informieren. Tie Protokolle, und Ge Ach f t e w richte des Re ichsm a swal sia u s 'ch 11 ssrs, die sie gefunden hätten, 'mit bchördlick-cr Objekrivirär zu prüfen. lag für die

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